Review: Free Guy (Film)

Ich freue mich ja richtig, auch mal wieder über einen vergleichsweise aktuellen und dazu noch richtig guten Film berichten zu können, denn zeitweise fühlte es sich schon an, als hätte ich gänzlich den Anschluss verloren. Aber jetzt erst einmal viel Spaß mit der heutigen Rezension und vor allem: schaut euch den Film an!

Free Guy

Free Guy, USA/CA 2021, 115 Min.

Free Guy | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Shawn Levy
Autoren:
Matt Lieberman
Zak Penn

Main-Cast:

Ryan Reynolds (Guy)
Jodie Comer (Millie / Molotovgirl)
Lil Rel Howery (Buddy)
Joe Keery (Keys)
Utkarsh Ambudkar (Mouser)
Taika Waititi (Antwan)

Genre:
Action | Abenteuer | Komödie | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Free Guy | © Walt Disney
© Walt Disney

Jeden Morgen erwacht Guy, grüßt seinen Goldfisch, genießt sein Frühstück, greift zu blauem Hemd und beiger Hose, begibt sich auf den Weg zur Arbeit, bestellt einen Kaffee im Laden um die Ecke und nimmt schlussendlich hinter dem Bankschalter Platz, bevor auch schon der erste Verbrecher des Tages die Bank betritt und Guy sich mit seinem besten Freund, dem Wachmann Buddy, auf den Boden legt, bis alles vorbei ist. So vergeht Tag um Tag im ewig gleichen Trott und während Guy seinem Tagesablauf folgt, explodieren um ihn herum Autos, stürzen Helikopter ab, schießen sich waffenstarrende Typen über den Haufen, wie es eben in "Free City" so üblich ist. Guy ahnt dabei natürlich nicht, dass er nichts mehr als ein NPC in einem Computerspiel ist und sich auf den festgelegten Pfaden seiner Programmierung bewegt. Damit ist es allerdings ohnehin bald vorbei, als Guy dem taffen Molotovgirl begegnet, die ihm von da an nicht mehr aus dem Kopf geht. Als er dann aus der täglichen Routine nach und nach auszubrechen beginnt, sich morgens einen Cappuccino holt und schließlich sogar einem Bankräuber Paroli bietet, zieht er auch in der echten Welt zunehmend Aufmerksamkeit auf sich…

Rezension:

Ich habe mich durchaus lange und ausgiebig auf Free Guy gefreut, seit ich das erste Mal von dem Projekt gehört habe (was gefühlte zig Jahre her ist). Nicht annähernd aber hätte ich mir träumen lassen, wie sehr mich das Ergebnis begeistern würde, denn am Ende steht eben nicht nur ein mit Querverweisen und Augenzwinkern vollgestopftes Action-Movie, sondern tatsächlich auch ein Film mit ganz viel Herz, der spürbar etwas übrig hat für seine Protagonisten, von denen nicht wenige eben "nur" NPCs – also Non-Player-Characters – in einem Computerspiel sind, von dessen Existenz sie nichts ahnen. Selbstverständlich widmet sich dabei der von Shawn Levy inszenierte Streifen vornehmlich an Fans der Grand-Theft-Auto-Reihe und artverwandter Games, doch sofern man sich nur in irgendeiner Form zu den Computer- und/oder Konsolen-Spieler*innen zählt, dürfte man sich in der Online-Spielewelt von "Free City", wie das Ganze hier heißt, spielend zurechtfinden. Wie sich das gänzlich ohne Vorkenntnisse verhielte, fiele mir schwer zu beurteilen, doch warum sollte man sich in dem Fall gerade mit solch einer Art Film befassen wollen?

Szenenbild aus Free Guy | © Walt Disney
© Walt Disney

Dadurch ist es natürlich zuvorderst ein Film von Fans für Fans, auch wenn eben diesmal kein bestimmtes, spezifisches Franchise, wohl aber eine Gattung von Spiel bedient wird und ich wage zu behaupten, dass hier noch weit mehr Meta-Spielereien und Referenzen enthalten sind, als es mir aufgefallen ist. Ansonsten erinnert das Ganze vom Aufbau her natürlich frappant an Die Truman Show und die Autoren Matt Lieberman und Zak Penn entlehnen auch manche Idee recht offenkundig, was in dem Kontext aber keineswegs verwerflich ist, zumal Free Guy genug Eigenständiges anzubieten hat, um das Ganze nicht wie Ideenklau wirken zu lassen. Ansonsten geht der Film ohnehin eigene Wege und schickt sich an, ein Feel-Good-Action-Blockbuster par excellence zu sein, was ihm gnaden- und grenzenlos gut gelingt, denn nicht nur stimmt die Inszenierung und ist derart liebevoll und detailreich geraten, nein, insbesondere Ryan Reynolds (Killer’s Bodyguard) gibt einen ungemein sympathischen "Guy", bei dem man während seiner allmorgendlichen Rituale eigentlich nur darauf wartet, dass er in bester The-Lego-Movie-Manier Hier ist alles super zu trällern beginnt.

Überhaupt ist es ein Film, der wenn schon nicht an Computerspeile denken lässt, einem eben auch zahllose andere Filme ins Gedächtnis ruft, wie beispielsweise auch Ready Player One, an dessen Skript auch schon der hier verpflichtete Zak Penn mitgearbeitet hat. Beide Werke teilen sich sowohl den Umstand, einerseits in einer Multiplayer-Spieleumgebung und andererseits in der Realität stattzufinden, als auch die Tatsache, viel auf Meta- und Referenz-Humor zu setzen, wobei es Free Guy diesbezüglich merklich zugutekommt, als ursprünglich von 20th-Century-Fox gestartetes Projekt zu Disney gewandert sein, die ja nun einmal die Rechte an so manchem Geek-Franchise halten, das an gern referenziert sehen würde, um mich mal bewusst vage auszudrücken. Und während man das von dieser Art Film eben auch einfach ein Stück weit erwartet, macht das schlichtweg eine Menge Freude und wertet vor allem das letzte Drittel des Films auf, wo anderen Werken vergleichsweise häufig die Puste auszugehen droht. Reynolds als Protagonist muss man dafür natürlich mögen, doch finden sich noch weitere Sympathieträger in dem Reigen, wobei Jodie Comer als "Molotovgirl" eine besondere Erwähnung verdient und hiermit hoffentlich den Startschuss für eine lange und erfolgreiche Filmkarriere abgegeben hat (und bei mir den Wunsch geweckt, die Serie Killing Eve beizeiten nachzuholen).

Szenenbild aus Free Guy | © Walt Disney
© Walt Disney

Einzig fast ein wenig vernachlässigt wirkt der wie immer großartige Taika Waititi (Jojo Rabbit) als Antagonist Antwan, denn obwohl der den fiesen Chefentwickler und Egomanen gibt, hat er in Free Guy doch im Grunde herzlich wenig zu tun. Sei es drum, liegt der Fokus halt woanders und wechselt auch im Verlauf des Films, überzeugt aber zu jedem Moment. Zu Beginn geht es also schlicht darum, den Leuten "Free City" und dessen Konzept näherzubringen, bevor Guy seinen Erweckungsmoment hat, der ihn – und uns – hinter die Kulissen der Stadt blicken lässt (was in dem Fall bedeutet, dass er erstmalig das Game-Interface erblickt). Ohne vorwegnehmen zu wollen, wohin die Reise von da aus geht, lässt sich doch aber festhalten, dass die Story noch mit so manchem Twist aufwarten wird. Die sind nicht alle ungemein überraschend oder unvorhersehbar, aber samt und sonders charmant und konsequent, so dass selbst die obligatorische Love-Story nicht gänzlich auf ausgetretenen Pfaden wandelt. Das reicht in dem Fall locker, um rund zwei Stunden feinster Unterhaltung zu kredenzen, die aber natürlich vornehmlich bei Geeks und Gamer*innen offene Türen einrennen wird.

Fazit & Wertung:

Shawn Levy rückt in Free Guy das Schicksal eines NPC in den Fokus der Erzählung und drückt alle richtigen Knöpfe, um die höchst unterhaltsame und charmante Chose bis zuletzt überzeugen zu lassen. Das hängt vornehmlich auch damit zusammen, dass Film und Figuren das Herz am rechten Fleck haben und die Story zudem längst nicht so generisch daherkommt, wie man es hätte befürchten können.

8,5 von 10 von Explosionen und Feuergefechten erschütterte Straßenzüge

Free Guy

  • Von Explosionen und Feuergefechten erschütterte Straßenzüge - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Shawn Levy rückt in Free Guy das Schicksal eines NPC in den Fokus der Erzählung und drückt alle richtigen Knöpfe, um die höchst unterhaltsame und charmante Chose bis zuletzt überzeugen zu lassen. Das hängt vornehmlich auch damit zusammen, dass Film und Figuren das Herz am rechten Fleck haben und die Story zudem längst nicht so generisch daherkommt, wie man es hätte befürchten können.

8.5/10
Leser-Wertung 7.67/10 (3 Stimmen)
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DVD:

Blu-ray:

vgw

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