Review: Captain Marvel (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Nachdem ich gestern Abend im Kino gewesen bin, ist es mir eine große Freude, bereits heute meine Eindrücke zum Film verschriftlicht zu haben, zumal der mir doch deutlich besser gefallen hat, als ich im Vorfeld aufgrund des ganzen Gezeters von allen möglichen Seiten zu hoffen gewagt habe.

Captain Marvel

Captain Marvel, USA 2019, 124 Min.

Captain Marvel | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseure:
Anna Boden
Ryan Fleck
Autoren:
Anna Boden
Ryan Fleck
Geneva Robertson-Dworet

Main-Cast:

Brie Larson (Carol Danvers / Captain Marvel)
Samuel L. Jackson (Nick Fury)
Ben Mendelsohn (Talos)
Djimon Hounsou (Korath)
Lee Pace (Ronan)
Lashana Lynch (Maria Rambeau)
Gemma Chan (Minn-Erva)
Annette Bening (Supreme Intelligence)
Clark Gregg (Coulson)
Jude Law (Yon-Rogg)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Captain Marvel | © Walt Disney
© Walt Disney

Vers ist als Kree-Soldatin auf deren Heimatwelt Hala stationiert und wird dort von Yon-Rogg unterwiesen, ihre immensen Kräfte unter Kontrolle halten zu können. Das muss allerdings warten, als sie zu ihrem nächsten Einsatz beordert werden, doch die Mission entpuppt sich als Hinterhalt und Vers gerät in die Fänge der gestaltwandelnden Skrull. Die beginnen prompt in Vers‘ Gedächtnis zu wühlen, was die Frau zunehmend irritiert, da sie selbst keine Erinnerung an ihre Vergangenheit hat, Skrull-Anführer Talos dort anscheinend aber etwas zu finden erhofft, was den Skrull den entscheidenden Vorteil in der Auseinandersetzung mit den Kree bringen könnte. Letztlich aber gelingt Vers die Flucht und strandet auf der Erde, wo man gerade das Jahr 1995 schreibt. Ihrem effektvollen Auftritt zum Dank eilen alsbald die S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury und Phil Coulson herbei, um die vermeintliche Außerirdische in Augenschein zu nehmen. Was die von Außerirdischen faselt können die Agenten zwar kaum glauben, doch eine erste Auseinandersetzung mit den ebenfalls gestrandeten Skrull untermauert die Aussagen von Vers, die bald dahinter kommt, anscheinend früher schon einmal auf der Erde gewesen zu sein…

Rezension:

Es hat jetzt zwar eine gute Woche seit Kinostart gedauert, bis auch ich mir Captain Marvel auf der großen Leinwand ansehen konnte, aber für mich zumindest hat sich das Warten gelohnt, gleichwohl ich durchaus mit gemischten Gefühlen an die Sache herangegangen bin, nachdem der Film im Internet ja bereits die Gemüter erhitzt und wahlweise als Frauenpower-Hurra-Film, alternativ als MenAreTrash-Inkarnation gehandelt wird. Wahr ist natürlich keines von beidem und auch wenn es nun einmal Fakt ist, dass es sich um den ersten Superheldenfilm des MCU handelt, in dem eine weibliche Rolle den Hauptpart übernimmt, deute ich für meinen Teil da nicht mehr hinein, als dass nun eben die Geschichte der namensgebenden Heldin prestigeträchtig hochgezogen werden soll, um sie in Avengers: Endgame stimmungsvoll in Szene setzen zu können. Und natürlich kann man sich fragen, warum man nicht viel früher einen Film um diese Figur gestrickt hat, natürlich kann man sich über leichte Ungereimtheiten in der Chronologie des Marvel Cinematic Universe echauffieren oder sich daran aufhängen, dass Nick Fury zum humorigen Sidekick degradiert wird und es irritiert, dass er diese ach so mächtige Heldin nicht viel früher zur Hilfe gerufen hat (neben der Einführung der Heldin ist freilich zentrales Element des Films, wie Fury an den Pager gelangt, denn man in der Post-Credit-Scene von Avengers: Infinity War zu sehen bekommen hat), doch ändert das – für mich – nichts an der Tatsache, dass den beiden Regisseuren mit dem 21. Beitrag ein extrem unterhaltsamer wie abwechslungsreicher, inszenatorisch durchweg überzeugender Film gelungen ist.

Szenenbild aus Captain Marvel | © Walt Disney
© Walt Disney

Verantwortlich für das Skript wie auch die Regie zeichnet hier nämlich das Regie-Duo Anna Boden und Ryan Fleck, die in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengearbeitet und Filme wie It’s Kind of a Funny Story oder auch Dirty Trip realisiert haben und wieder einmal wie nicht unbedingt die erste Wahl für die Inszenierung einer Superhelden-Chose wirken, wobei Marvel hinsichtlich der Auswahl der Regisseure bereits in der Vergangenheit einiges an Experimentierfreudigkeit an den Tag gelegt hat, was sich letztlich eigentlich immer in irgendeiner Form rentiert hat. So beginnt Captain Marvel zwar zunächst vergleichsweise generisch auf Hala, der Heimatwelt der Kree, zu denen auch Hauptfigur Vers gehört, doch ausgehend von dem baldigst initiierten Kampf- beziehungsweise Rettungseinsatz geht der Film doch alsbald ungewohnte Wege und überrascht im weiteren Verlauf auch mit einer guten Handvoll mal mehr, mal weniger überraschenden Wendungen. Auch hier könnten böse Zungen natürlich behaupten, es handele sich rein des Ablaufs nach um einen Abklatsch des ersten Thor, denn hier wie dort beginnt die Geschichte auf einer fernen und fremden Welt, bevor der Held/die Heldin auf der Erde strandet und so weiter und so fort, aber allein, was den Werdegang der Figur betrifft, gehen Boden und Fleck angenehm unverbrauchte Wege, denn Vers hat ihr Gedächtnis verloren und weiß entsprechend selbst nicht, wie, wann und woher sie ihre Kräfte bekommen hat, vor allem aber, woher sie stammt, wer sie ist.

Hierzu bekommt man alsbald einen ersten Einblick geliefert, als Vers von den Skrull gefangen genommen wird und die in ihren Erinnerungen zu wühlen beginnen, was einen extrem effektiven wie kurzweiligen Abriss ihres Lebens bietet, ohne dass man all diese Szenen und Eindrücke zu diesem Zeitpunkt bereits verorten könnte. Tatsächlich hatte ich mir auch erwartet, dass viel mehr Screentime auf Carol Danvers‘ Zeit als Pilotin verwendet würde, so prestigeträchtig wie im Vorfeld entsprechende Szenen durch die Medien gegangen sind, doch bildet das nur einen kleinen – wenn auch bedeutsamen – Teil ihrer Vita, die sich zunächst nur fragmentarisch zusammenzusetzen beginnt. In der Hinsicht hatte ich natürlich den Vorteil, an Captain Marvel reichlich unvorbelastet herangehen zu können, denn aus Comics war sie mir bis dato kein Begriff, doch existieren bislang wohl beinahe zehn Inkarnationen der Figur und wurden wohl in mancher Hinsicht munter miteinander vermengt, weshalb ich nicht beurteilen kann, ob Kenner der Figur den einen oder anderen Twist oder Zusammenhang nicht viel früher hätten erahnen können.

Szenenbild aus Captain Marvel | © Walt Disney
© Walt Disney

Ansonsten steht und fällt natürlich nicht nur jedweder Superheldenfilm mit seiner Hauptfigur und in dieser Hinsicht macht Brie Larson (Free Fire) einen wirklich großartigen Job und ist eben nicht nur taffe Heldin, sondern gerät auch ins Straucheln, zweifelt an sich und lässt gleichsam das Heldenpotential durchschimmern, während sich Vers auf der Suche nach ihrer Identität befindet, was im Übrigen in einer wahrhaft ikonischen Sequenz zwischen ihrer Protagonistin und der "Supreme Intelligence" der Kree (Annette Bening, The Kids Are All Right) mündet. So schaffen Boden und Fleck trotz des grundsätzlichen Down-to-Earth-Ansatzes (im wörtlichen wie übertragenen Sinne) hier nämlich eine Epik ganz anderer Ausrichtung, wenn Carol am Ende ihrer persönlichen Heldenreise angelangt scheint. Bis dahin möchte Captain Marvel freilich ganz unzweifelhaft in vielerlei Hinsicht Buddy-Komödie sein und hier kommt dann wiederum Samuel L. Jackson (Killer’s Bodyguard) zum Tragen, der sichtlich Spaß daran hat, den als beinharten Knochen eingeführten Fury hier einmal gänzlich anders intonieren zu können und ich für meinen Teil störe mich in keinster Weise an der Darstellung der Figur, zumal es mitnichten so ist, dass man Nick Fury hier der Lächerlichkeit preisgeben würde. In dem Zusammenhang kommt natürlich auch und vorrangig die Verjüngungstechnologie seitens Marvel zum Einsatz und die leistet wirklich Erstaunliches, Jackson und somit Fury mal eben um rund 25 Jahre "entaltern" zu lassen, was bei Clark Gregg (Viel Lärm um Nichts) als Coulson zwar auch gut, aber meiner Ansicht nach weniger überzeugend funktioniert, derweil seine Figur ohnehin verschenkt wird und kaum etwas zu tun bekommt.

Ähnlich wie Gregg ergeht es leider auch Lee Pace, der nach Guardians of the Galaxy hier erneut die Rolle des Ronan verkörpern darf, aber letztlich mehr eine Randnotiz bleibt, ähnlich wie der Kree-Kampftrupp, zu dem unter anderem der ebenfalls in Erscheinung getretene Korath (Djimon Hounsou, Legend of Tarzan) zählt, aber wenn all diese Figuren noch mehr Beachtung und Screentime hätten bekommen sollen, wäre eben auch Captain Marvel wenigstens wieder auf üppige zweieinhalb Stunden angewachsen, derweil ich die kompakten zwei Stunden Laufzeit hier als überaus passend empfunden habe. Aber eben nicht nur passend, sondern vor allem auch überaus kurzweilig, woran freilich auch das 90er-Feeling nicht ganz unschuldig ist, das hier nicht unmaßgeblich zum Charme des Gezeigten beiträgt, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Denn nach dem Auftakt im All geht es erst später Richtung Erde und selbst dort hält man sich nur kurz, dafür aber umso pointierter damit auf, was es mit sich bringt, in einer Zeit von Pagern, VHS-Kassetten und dank 56K-Modem schleichend langsamer Internetverbindung gestrandet zu sein, was zeitweise doch sehr laute Lacher im Kino provoziert hat. Ansonsten ist es vorrangig der großartige, von überwiegend weiblichen Female Leads zum Besten gegebene Soundtrack, der das Flair gehörig untermauert und selbst trivialste Szenen aufzubohren versteht.

Szenenbild aus Captain Marvel | © Walt Disney
© Walt Disney

Nicht unerwähnt lassen möchte ich natürlich auch, dass man mit Ben Mendelsohn (Ready Player One) als Skrull-Anführer Talos und Jude Law (King Arthur) als Kree Yon-Rogg gleich zwei meiner Lieblinge verpflichtet hat, auch wenn Mendelsohn die meiste Zeit hinter üppigem Skrull-Make-Up verborgen ist und man Law mancherorts vorgeworfen hat, seine Rolle arg lustlos abzuspulen, wobei ich das eher auf das Wesen der Kree zurückführen würde. Nicht ganz so heimlicher Szenendieb ist allerdings die vermeintliche Katze Goose, die nur einer der Punkte ist, die Captain Marvel im weiteren Verlauf einen angenehm unterschwelligen Trash-Appeal verleihen, der mich wahnsinnig gut zu unterhalten gewusst hat. Und natürlich erfindet auch der von Boden und Fleck inszenierte Film das Rad nicht neu, ist in vielerlei Hinsicht nicht anders als all die anderen Superheldenfilme, die das MCU mittlerweile bevölkern, doch steht hier hinsichtlich Erwartung und Bewertung auch der pure Eskapismus im Vordergrund und dergestalt haben sich die Verantwortlichen wieder einiges einfallen lassen und wussten mich in beinahe allen Punkten zu überzeugen. Ganz davon abgesehen, dass man es hier mit einem mehr als stimmungsvollen Prolog zu Danvers‘ Ankunft in Avengers: Endgame zu tun hat, derweil der Film trotz seines Rückblendencharakters das perfekte Bindeglied zwischen den beiden Teilen des Finales der dritten Phase markiert, weshalb man auch hier wieder – logischerweise – sowohl die Mid- als auch Post-Credit-Scene abwarten sollte.

Fazit & Wertung:

Anna Boden und Ryan Fleck gelingt es mit Captain Marvel, der wohl bis dato mächtigsten Heldin des MCU einen gleichermaßen überzeugenden wie kurzweiligen Einstand zu verschaffen, der nicht nur den Mund wässrig macht hinsichtlich ihrer Rolle im kommenden Avengers: Endgame, sondern auch für sich betrachtet mit wendungsreicher Story, einer ungemein taffen und schlagkräftigen Heldin, vor allem aber reichlich Retro-Charme und Buddy-Comedy-Einschlag zu punkten versteht.

8,5 von 10 alles verheerenden Photonenstrahlen

Captain Marvel

  • Alles verheerende Photonenstrahlen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Anna Boden und Ryan Fleck gelingt es mit Captain Marvel, der wohl bis dato mächtigsten Heldin des MCU einen gleichermaßen überzeugenden wie kurzweiligen Einstand zu verschaffen, der nicht nur den Mund wässrig macht hinsichtlich ihrer Rolle im kommenden Avengers: Endgame, sondern auch für sich betrachtet mit wendungsreicher Story, einer ungemein taffen und schlagkräftigen Heldin, vor allem aber reichlich Retro-Charme und Buddy-Comedy-Einschlag zu punkten versteht.

8.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Captain Marvel erscheint am 18.07.19 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. mwj 17. März 2019

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