Review: Good Kill (Film)

Seit bereits exakt zwei Wochen im Handel erhältlich, bin ich dann nun heute endlich auch dazu gekommen, mir den Film nicht nur anzusehen, sondern auch meine Eindrücke zu verschriftlichen. Gut Ding will Weile haben sagt man, gut ist er auch (der Film, meine) ich, hätte aber auch noch besser sein können. Siehe hierzu den nun folgenden Text 😉

Good Kill

Good Kill, USA 2014, 102 Min.

Good Kill | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Andrew Niccol
Autor:
Andrew Niccol

Main-Cast:
Ethan Hawke (Major Thomas Egan)
in weiteren Rollen:
Bruce Greenwood (Lt. Colonel Jack Johns)
Zoë Kravitz (Airman Vera Suarez)
Jake Abel (M.I.C. Joseph Zimmer)
January Jones (Molly Egan)

Genre:
Drama | Thriller | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Good Kill | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Thomas Egan, US-Air-Force-Offizier und früherer Pilot, war an nicht wenigen Auslandseinsätzen beteiligt, liebte das Adrenalin, den Nervenkitzel, die drohende Gefahr. All das ist längst vorbei, denn Egan wurde aus dem aktiven Dienst gerissen, um nun auf einem Militärgelände in Nevada seinen Dienst zu tun und per Knopfdruck und Joystick Drohnenangriffe in tausenden Kilometern Entfernung zu initiieren. Doch Egan fällt es zunehmend schwerer, sich mit dieser neuen Realität abzufinden, befände er sich schließlich viel lieber in den Lüften, Auge um Auge mit dem Feind, statt ihn hinterhältig und unbemerkt ins Jenseits zu befördern. Da ist es für ihn auch kein Trost, dass er abends zu seiner Familie heimkehren kann, denn auch Frau und Kindern bleibt nicht verborgen, wie ausgebrannt und desillusioniert das Familienoberhaupt seit der Versetzung durchs Leben geht, zumal er sich immer öfter in den Alkohol flüchtet, um die Gewissensbisse zu ertränken.

Die Situation spitzt sich weiter zu, als die CIA seine Einheit übernimmt und anfängt, ihm Ziele vorzugeben, die er mit seinem Gewissen und seinen Moralvorstellungen noch weit weniger vereinbaren kann, fordern seine Drohnenangriffe schließlich immer öfter auch Opfer unter der Zivilbevölkerung, die seitens der CIA als vertretbarer Kollateralschaden verbucht werden. Noch sieht Thomas Egan sich nicht imstande, sich dem direkten Befehl eines Vorgesetzten zu verweigern, doch gerät er immer öfter mit seinem Colonel Jack Johns aneinander, während auch Egans Frau Molly seinen sich weiter auswachsenden Alkoholkonsum nicht länger zu dulden bereit ist. Thomas sieht kaum noch eine Chance, sich selbst zu retten und der prekären Lage, in der er sich befindet, zu entgehen…

Rezension:

Sind systemkritische Gedanken und Themen in Andrew Niccols jüngeren Filmen wie etwa In Time merklich in den Hintergrund getreten, scheint sich der Regisseur und Drehbuchautor nun mit Good Kill seiner Stärken zu besinnen und liefert in seiner dritten Zusammenarbeit mit Ethan Hawke einen Antikriegsfilm par excellence ab. Das gesichtslose, anonyme, durch den Spielkonsolencharakter bagatellisierte Töten, was zum Alltag des Protagonisten Thomas Egan gehört, gerade im krassen Kontrast zu der Glitzermetropole Las Vegas und dem beschaulichen Familienidyll inmitten der Wüste von Nevada und die sich aus dieser Diskrepanz ergebenden Irritationen, die Egan immer weiter Richtung Abgrund treiben, verbreiten einen leisen, psychologischen Schrecken, der seinesgleichen sucht, denn während der frühere US-Air-Force-Offizier sich anfänglich noch in sein Schicksal zu fügen scheint, leiden seine geistige Konstitution, seine Ehe und ganz allgemein sein Familienleben doch immer mehr unter den sich auswachsenden Horrorbedingungen, die er tagein tagaus im bunkerähnlichen Container ertragen muss, wo bald auch immer öfter Zivilisten durch seine beinahe schon lapidar wirkenden Drohnenangriffe ihr Leben lassen müssen.

Szenenbild aus Good Kill | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Durch Thematik und Ausgestaltung des Films, die sich ausweitende posttraumatische Belastungsstörung der Hauptfigur, die moralischen Fallstricke und die anonymisierte Befehlshoheit seitens der CIA, die bald das Fass zum Überlaufen bringt, ist Good Kill für einen amerikanischen Film überraschend weit entfernt von dem sonst üblichen Hurra-Patriotismus und findet kritische Worte, schafft es sogar oftmals, den Schrecken gar nicht verbalisieren zu müssen, sondern liefert allein schon durch die ausgeklügelte Kameraperspektive und inszenatorische Finessen das Handwerkszeug für eine beklemmende, zum Nachdenken anregende Atmosphäre. Dennoch muss gesagt werden, dass Niccols neuester Film sich zwar wieder deutlich offensiver zu ernsten Themen bekennt, doch hier ein ums andere Mal davor zurückzuschrecken scheint, wirklich laut auszusprechen, was Figuren aber auch Zuschauern wirklich auf der Seele brennt, äußert sich durch seine Charaktere kritisch, aber nicht überkritisch, bleibt in seiner Gesamtheit dann wieder merkwürdig handzahm und scheut den letzten Akt der Emanzipation gegenüber dem amerikanischen System.

Das ist umso bedauerlicher, da allein Ethan Hawke als zermarterter, desillusionierter Offizier, der sich immer mehr dem heimeligen Vergessen des Alkohols ergibt, in den vergangenen Jahren keine auch nur annähernd so starke Leistung abgeliefert hat wie hier in Good Kill und in Gestalt von Bruce Greenwood das Paradebeispiel eines Vorgesetzten hat, der sich ebenfalls nicht mit der neuen Situation und seinen Befehlen abfinden kann und möchte, sich aber ebenso wie Hawkes Egan außerstande sieht, sich gegen die Obrigkeit, das System, aufzulehnen, was zu einigen wirklich ausgezeichneten Szenen führt, wenn die Dialoge auch oftmals recht plakativ erscheinen und man gerade im weiteren Verlauf immer öfter das Gefühl bekommt, hier würde mit dem Holzhammer die immer gleiche Message ein ums andere Mal dem geneigten Zuschauer um die Ohren gehauen werden sollen. Verstärkt wird dieser Eindruck dann leider auch durch den eintönigen, gleichförmigen und immer wieder aufwendig bebilderten Tagesablauf der Hauptfigur, die zwar die Monotonie und die sich langsam einschleichende Verzweiflung transportieren soll, letztlich irgendwann aber nur noch ermüdend wirkt, zumal einzig Egan selbst dem Abgrund entgegensteuert, der Film selbst allerdings keinem dramatischen Finale, so dass der schlussendliche Befreiungsschlag auch nicht recht überzeugen, geschweige denn gefallen will und gar ein Stück weit die vormals angeprangerten Dinge unterminiert.

Szenenbild aus Good Kill | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Während Good Kill dramaturgisch leider etwas schwach daherkommt, überwiegen aber dennoch die positiven Ansätze und Tendenzen, zumal Niccols Film beinahe wie ein moderner Gegenentwurf zum klassischen Antikriegsfilm wirkt und mit der Drohnen-Thematik einen bisher kaum beleuchteten Aspekt moderner Kriegsführung aufgreift, über den sicherlich auch die wenigsten überhaupt weitergehende Gedanken gemacht haben. Allein für diese Einzigartigkeit gilt es, dem Film Respekt zu zollen, denn auch wenn er seine Kritik sich nicht in letzter Konsequenz auszuformulieren traut, gelingt es gerade Ethan Hawke hervorragend, die mentale Instabilität darzustellen und aufzuzeigen, was ein derartiges Tun mit und bei einem Menschen anzurichten imstande ist, während sowohl January Jones als Ehefrau Molly wie auch Zoë Kravitz als neue Kollegin Vera Suarez zwar oftmals nur wie reine Stichwortgeber wirken, das Ensemble aber dennoch stimmungsvoll abrunden.

Fazit & Wertung:

Andrew Niccols Good Kill offeriert einen modernen Gegenentwurf zu einschlägigen Antikriegsfilmen und gibt sich ungewohnt systemkritisch, wirkt in seiner sterilen Tötungsatmosphäre und dem starken Kontrast zwischen Militärjob am Computer und der Glücksspiel-Metropole Las Vegas in greifbarer Nähe oftmals irritierend, beinahe verstörend, bleibt dafür aber dramaturgisch erschreckend flach auf der Brust und übertreibt es zuweilen mit der gewollten Monotonie, während Ethan Hawke derweil – und dafür allein lohnt sich der Film schon – hier in Bestform agiert.

7,5 von 10 gezielten Drohnenagriffen

Good Kill

  • Gezielte Drohnenangriffe - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Andrew Niccols Good Kill offeriert einen modernen Gegenentwurf zu einschlägigen Antikriegsfilmen und gibt sich ungewohnt systemkritisch, wirkt in seiner sterilen Tötungsatmosphäre und dem starken Kontrast zwischen Militärjob am Computer und der Glücksspiel-Metropole Las Vegas in greifbarer Nähe oftmals irritierend, beinahe verstörend, bleibt dafür aber dramaturgisch erschreckend flach auf der Brust und übertreibt es zuweilen mit der gewollten Monotonie, während Ethan Hawke derweil – und dafür allein lohnt sich der Film schon – hier in Bestform agiert.

7.5/10
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Good Kill ist am 09.06.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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