So, heute mal wieder zu einem etwas unüblicheren Film, der mir mehr durch Zufall untergekommen ist und so herrlich bekloppt daherkommt, dass ich wirklich eine Menge Freude damit hatte.

Stretch

Stretch, USA 2014, 94 Min.

Stretch | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Joe Carnahan
Autor:
Joe Carnahan

Main-Cast:
Patrick Wilson (Stretch)
Ed Helms (Karl)
James Badge Dale (Laurent)
Brooklyn Decker (Candace)
Jessica Alba (Charlie)
Ray Liotta (Ray Liotta)
David Hasselhoff (David Hasselhoff)
in weiteren Rollen:
Norman Reedus (Norman Reedus)
Chris Pine (Roger Karos)

Genre:
Komödie | Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Stretch | © Koch Media
© Koch Media

Limousinen-Fahrer Stretch hat es nicht leicht im Leben. Nicht nur, dass seine Freundin Candace ihn jüngst abserviert hat, hat er sich auch gehörig Spielschulden eingebrockt, die es natürlich nun binnen 24 Stunden zu begleichen gilt. Klar, dass er seine Kollegin Charlie darum bittet, die lukrativen Aufträge zugeschustert zu bekommen, doch nachdem er David Hasselhoff ungewollt hat warten lassen und es sich infolgedessen auch noch mit Ray Liotta verscherzt, sieht er nur noch die Chance, den exzentrischen Milliardär Roger Karos zu chauffieren, der zwar für seine Spleens und merkwürdigen Wünsche, aber auch für absurd hohe Trinkgelder bekannt sein soll. Dass sich Stretch damit mehr Ärger einbrockt, als es die Sache wert ist, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht und als er während seiner nächtlichen Odyssee auch noch seiner Ex Candice über den Weg läuft, drohen die Ereignisse endgültig aus dem Ruder zu laufen, zumal ihm der Geist des toten Karl ein ums andere Mal heimsucht, um ihm seine Verfehlungen vor Augen zu halten…

Rezension:

Völlig ohne Erwartungshaltung habe ich mich an Joe Carnahans Stretch herangewagt, der eine herrliche abgedrehte Action-Komödie zu werden versprach und ich muss sagen, dass er zumindest dieser Erwartungshaltung in allen Belangen gerecht geworden ist. Carnahan fackelt nicht lange und schafft binnen weniger Minuten eine ausreichende Exposition seiner Hauptfigur Stretch, dargestellt von Patrick Wilson (Young Adult), doch ist dieses Tempo eben bei einer Filmlänge von gerade einmal knapp neunzig Minuten auch bitter nötig. Der Plot ist dabei, das merkt man recht schnell, natürlich ausgemacht hanebüchen und hält keiner näheren Betrachtung stand, doch geht es ja auch gerade darum, denn speziell dieser exzessive, temporeiche Stil ist es gerade, der den Film wohltuend aus der Masse herausragen lässt, zumal mehr als nur eine Handvoll namhafter Schauspieler bereit waren, an dem Projekt mitzuwirken, was umso bemerkenswerter ist, da sowohl einige Schauspielgrößen sich selbst spielen und so gezwungen sind, herrlich selbstironisch zu agieren, andererseits ihre Rollen durchaus Mut erfordern und die Grenzen des guten Geschmacks zu sprengen drohen. Gerade deshalb ist dieser völlig zu Unrecht so wenig beachtete Film aber auch ein extrem spaßiger, herrlich anarchischer Trip geworden, den man sich zwar nicht unbedingt öfters geben muss, der aber bei entsprechend gelagertem Geschmack durchaus zu gefallen wissen dürfte.

Szenenbild aus Stretch | © Koch Media
© Koch Media

Eine der großen Stärken von Stretch sind da tatsächlich die vielen namhaften Nebendarsteller, denn als Limousinen-Fahrer in Los Angeles ist die gleichnamige Hauptfigur natürlich darauf bedacht, möglichst berühmte, sprich betuchte Kunden zu chauffieren und wo sich andere Werke mit simplem Name-Dropping und fiktiven Stars begnügen würden, tauchen hier nicht nur David Hasselhoff und Ray Liotta, sondern ebenso Norman Reedus auf, um nicht nur sich selbst zu spielen, sondern das auch noch auf herrlich arrogante, urkomische Weise, während der eigentliche und heimliche Star des Films aber ganz unzweifelhaft Chris Pine (Star Trek) ist, der kurioserweise noch nicht einmal auf dem Cover genannt wird und das, obwohl seine Rolle nach der von Patrick Wilson nicht nur die meiste Screentime spendiert bekommt, sondern auch weite Teile des Plots überhaupt erst in Fahrt bringt, vor allem aber als exzentrischer wie vollbärtiger Roger Karos so dermaßen gegen den Strich besetzt scheint, dass es eine wahre Freude ist, zumal er sich wirklich für keine noch so absurde und kuriose Szene zu schade ist.

Regelrecht enttäuschend nimmt sich dahingehend die Rolle von Jessica Alba (Machete) aus, die hier als bessere Telefonistin ihren Teil zu dem furiosen Reigen beisteuern darf, während ihr selbst der Rang des Eye Candy von Brooklyn Decker abgelaufen wird, was aber ganz bewusst so angelegt worden ist. Umso mehr überrascht hat mich dahingegen Ed Helms (Jeff, der noch zu Hause lebt), der in seiner Rolle als Karl zwar überraschend schnell das Zeitliche segnet, das aber auch nur, um Stretch fortan in verschiedenen Situationen als extrem gehässige Geister-Halluzination zu erscheinen, um ihm die Leviten zu lesen und den Kopf zurechtzurücken – großartig! Aber auch der lakonische Off-Kommentar des Erzählers Stretch, der durch den gesamten Film führt, weiß zu gefallen, auch wenn er nur allzu oft das mehr als Offensichtliche kommentiert oder schlichtweg dazu dient, das oft ebenso wenig nachvollziehbare Verhalten der Hauptfigur auch nur annähernd zu rechtfertigen, doch diese widersinnige Handlungsweise ist es eben in weiten Teilen, die Stretch überhaupt am Laufen hält, denn würde sich der Protagonist nur einmal logisch oder erwartungsgemäß verhalten, wäre es schnell vorbei mit dem wilden Reigen und das gilt es natürlich vor Ablauf der neunzig Minuten Spielzeit tunlichst zu vermeiden.

Szenenbild aus Stretch | © Koch Media
© Koch Media

Und so schlittert Stretch von einem Problem ins nächste und meist auch größere, während die Zeit knapper und knapper und die Luft dünner wird. Die schlussendliche Auflösung des Films vermag da zwar nur in Teilen zu gefallen, denn zu offensichtlich ist speziell das Rätsel um die rätselhafte Bekanntschaft, die Stretch via Smartphone während seines wilden Road-Trips durch L.A. noch am Laufen hält – nur einer von vielen logisch nicht wirklich nachvollziehbaren Aspekten – , doch kommt es darauf eben gar nicht einmal so sehr an und mit Logik braucht man einem Film dieser Machart sowieso nicht zu kommen, denn dann verdirbt man sich letzten Endes nur selbst den Spaß an einem überraschend durchgeknallten, doch gleichermaßen einfallsreichen Action-Film mit extrem schwarzhumorigem Einschlag, dem man die Spielfreude der Beteiligten zu jeder Sekunde anmerkt und seien ihre Rollen noch so klein und für den Kontext unbedeutend, denn Stretch feiert schlicht weg den Exzess und die Abenteuer und Probleme, die aus unbedachten Entscheidungen erwachsen können. Mich persönlich hat dieser so unangepasste Streifen auf alle Fälle großartig unterhalten, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle sicherlich mal geholpert haben mag in der Inszenierung.

Fazit & Wertung:

Joe Carnahans Stretch ist ein großartig anarchischer Road-Trip, dem konventionelle Inszenierung oder Dinge wie Charakterzeichnung sicherlich herzlich egal sind, der aber mit einem ganzen Konsortium skurriler Figuren begeistert, an deren Spitze es sich zu Recht Patrick Wilson als grenzenlos unvernünftiger Chauffeur sowie Chris Pine als grenzenlos exzentrischer Milliardär bequem machen dürfen. Für Freunde gewollt überzogener Action, durchgeknallter Storylines und augenzwinkernden, teils schwarzen Humors eine echte Empfehlung!

7,5 von 10 irrwitzigen Begegnungen im nächtlichen L.A.

Stretch

  • Irrwitzige Begegnungen im nächtlichen L.A. - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Joe Carnahans Stretch ist ein großartig anarchischer Road-Trip, dem konventionelle Inszenierung oder Dinge wie Charakterzeichnung sicherlich herzlich egal sind, der aber mit einem ganzen Konsortium skurriler Figuren begeistert, an deren Spitze es sich zu Recht Patrick Wilson als grenzenlos unvernünftiger Chauffeur sowie Chris Pine als grenzenlos exzentrischer Milliardär bequem machen dürfen. Für Freunde gewollt überzogener Action, durchgeknallter Storylines und augenzwinkernden, teils schwarzen Humors eine echte Empfehlung!

7.5/10
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Stretch ist am 28.05.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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