Review: The Rover (Film)

Es mag schon eine ganze Weile her sein, dass mir The Rover unter die Nase gekommen ist, aber heute bin ich dann auch endlich dazu gekommen, nachdem es schon lange genug gedauert hat, den Film überhaupt in den Player zu bekommen, meine Eindrücke zu verschriftlichen. Bei deren Lektüre wie immer ganz viel Freude und ansonsten selbstredend einen ruhigen und geruhsamen Abend.

The Rover

The Rover, USA 2014, 103 Min.

The Rover | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Regisseur:
David Michôd
Autoren:
Joel Edgerton (Story)
David Michôd (Story & Drehbuch)

Main-Cast:
Guy Pearce (Eric)
Robert Pattinson (Rey)
in weiteren Rollen:
Scoot McNairy (Henry)
David Field (Archie)
Anthony Hayes (Soldier 1)
Gillian Jones (Grandma)
Susan Prior (Dorothy Peeples)

Genre:
Krimi | Drama | Endzeit

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Rover | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Zehn Jahre sind vergangen seit dem Kollaps, die Zivilisation, wie wir sie kennen, ist nicht mehr. In dieser Zeit vagabundiert der vom Leben gebeutelte Eric durchs Land, bis zu dem Moment zumindest, als sich drei düstere Gestalten entschließen, ihm sein Auto zu klauen. Prompt macht Eric deren liegengebliebenes Unfallauto wieder startklar und nimmt die Verfolgung auf, bewegt die Gangster gar zum Anhalten, erklärt nachdrücklich, er wolle seinen Wagen zurück, doch wird er von den Autodieben bewusstlos geschlagen. Das allerdings hält ihn mitnichten auf und mit ausgeprägtem Stoizismus hängt er sich auch weiterhin an die Fersen derer, die ihm sein Auto geklaut haben.

Bei dieser Verfolgung stößt Eric alsbald auf den schwerverletzten Rey, dessen kognitive Kapazitäten mehr als nur ein wenig begrenzt zu sein scheinen, doch als sich herausstellt, dass Rey der kleine Bruder von einem der Gangster ist, bekommt er auch für Eric einen gewissen Wert und so entschließt sich der Einzelgänger, den minderbemittelten Jungen mit sich zu nehmen in der Hoffnung, es könne ihm helfen, sein Auto zurückzubekommen. Derweil mäht Eric alles und jeden rigoros nieder, das oder der sich ihm in den Weg zu stellen wagt und während sich die Leichen türmen, kommen sie Reys Bruder und dessen Begleitern langsam aber sicher näher…

Rezension:

Ein Mann jagt die, die sein Auto geklaut haben, bis er sie stellen kann. Das ist, um einige wenige Schlenker und Ergänzungen bereinigt, die gesamte Handlung von The Rover und umso erstaunlicher ist es, dass mit dieser Prämisse tatsächlich rund 100 Minuten Film umgebracht werden können, ohne dass es langweilig zu werden drohe, zumindest wenn man weiß, auf welche Art Film man sich einlässt, denn David Michôds Endzeit-Film ist in so ziemlich allen Punkten als reduziert zu bezeichnen. Eine anfänglich eingeblendete Texttafel informiert über Ort und Zeit, Australien, zehn Jahre nach einem die Zivilisation in ihrer bekannten Form zerstörenden Kollaps, worauf die Handlung des Films einsetzt, die ebenfalls in weiten Teilen ohne großartige Dialoge auszukommen versteht, sich ebenso sehr auf das Nötigste beschränkt wie es die Bewohner der australischen Ödnis tun, die in den von Staub und Trostlosigkeit dominierten Weiten ihr Dasein fristen, ohne sonderliche Perspektive oder dergleichen, ebenso wie Eric, besagter Mann, dem sein Auto entwendet wird und dessen Verfolgungsjagd den Rahmen für einen durch und durch ungewöhnlichen Film liefert.

Szenenbild aus The Rover | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Gründe und Erklärungen für den Kollaps und die daraus resultierende neue Realität sucht man vergeblich, doch mit jeder verstreichenden Minute, jedem stoischen Blick seitens Eric, der von Guy Pearce (Lockout) in einer unglaublichen Intensität verkörpert wird, was umso erstaunlicher ist, da er nur selten überhaupt eine Miene verzieht, geschweige denn den Mund zum Reden benutzt, wird einem klarer und klarer, dass es darauf überhaupt nicht ankommt, denn Erics Beweggründe beispielsweise sind klar umrissen, nämlich, dass er sein Auto zurückbekommt, auch wenn bis zum Ende des Films nicht klar ist, warum. Ohne dass Eric in irgendeiner Form als Sympathieträger oder Identifikationsfigur taugen würde oder The Rover Bemühungen in diese Richtung anstellen würde, gelingt es Michôd dennoch, dessen Perspektive auf die des Zuschauers zu übertragen und so fokussiert man bald selbst auf das Auto, das Auto, das Auto, wenngleich natürlich schnell klar ist, dass es nicht um das Vehikel an sich geht, ja gehen kann, aber bis zu dieser finalen Enthüllung lässt sich der Film bis kurz vor Ende Zeit, um noch einmal einen überzeugenden Schlussakkord anzubringen, der in seiner Banalität, gleichzeitig aber auch emotionalen Wucht seinesgleichen sucht.

Und diesem wortkargen, zynischen, stoischen und fokussierten Eigenbrötler stellt Michôd nun – und das ist der eigentliche Clou des Films – den geistig zurückgebliebenen Rey zur Seite, bei dem es sich um den Bruder von einem der Autodiebe handelt und der fortan als eine Mischung aus Geisel, Wegweiser und Stichwortgeber fungiert, vor allem aber seitens Robert Pattinson (Maps to the Stars) nicht minder überzeugend gespielt wird, zumal er sich mit den angefaulten Zähnen, seinem steten Genuschel und der einfältigen Art seiner Figur natürlich in exaltierter Form von seinem Image als Schönling freizuspielen versucht, was ihm auch auf ganzer Linie gelingt und in einer mit Keri Hilsons Pretty Girl Rock unterlegten Szene seine Vollendung findet. Abgesehen von der ungewöhnlichen Chemie der zwei ungleichen Weggefährten lebt The Rover derweil überwiegend von der Mischung aus wunderschönen Landschaftsaufnahmen und überraschenden Shootouts, die den Body-Count mehr und mehr in die Höhe treiben, bis Erics Taten – der übrigens im Film selbst nirgendwo so genannt wird oder sich mit diesem Namen vorstellt – in keinem Verhältnis mehr zu seinem Ziel, dem Auto, zu stehen scheinen.

Szenenbild aus The Rover | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Dennoch ist es ein ungewöhnlicher und lohnenswerter Trip durch das australische Outback einer fiktiven Zukunft, über deren Hintergründe man sicherlich gerne mehr erfahren hätte, doch muss man auch ein gewisses Faible für ungewöhnliche und vor allem ungewöhnlich wortkarge Filme mit sich bringen, um The Rover genießen zu können, denn sonst wäre man wohl bei all der vorherrschenden Kargheit schnell versucht, den Film in die Kategorie der hochstilisierten Langeweile zu stecken, doch das eben nur, wenn es einem gelingt, sich der ungemein effektiven Sogwirkung zu entziehen, die dieser Film alsbald entfaltet. Freunde gediegener Action-Kost dürften hier auf alle Fälle nicht auf ihre Kosten kommen, ebenso wenig wie man David Michôds zweiten Spielfilm als typischen Endzeitfilm einordnen sollte, denn in beiden Fällen würde man enttäuscht werden. Dergestalt fällt es auch schwer, eine Empfehlung auszusprechen, wenngleich der Film über ungemein viele Stärken und vor allem starke Momente verfügt, doch wem genau das jetzt zusagt und wer sich bei dem Streifen schlichtweg tödlich langweilen würde, das muss in diesem Fall jeder für sich entscheiden. Fest steht, dass der Film ungeheuer ungewöhnlich daherkommt und mit zwei starken Charakterfiguren aufzutrumpfen weiß, die gerade in der Kombination ihr Potential zu entfalten wissen.

Fazit & Wertung:

Das Endzeit-Roadmovie The Rover von David Michôd gibt sich bewusst unzugänglich und mag mit seiner reduzierten und wortkargen Art manchen Zuschauer verprellen, der sich gepflegt langweilen könnte, doch für Freunde ungewöhnlicher Filmkunst, die wie in diesem Fall mehr auf Atmosphäre und Figuren Wert legt und weit weniger an dem eigentlichen Plot zu interessiert sein scheint, ist Michôds zugegebenermaßen sperriges Zweitwerk in den Weiten des australischen Outbacks der nahen Zukunft sicherlich einen Blick wert, zumal die Leistungen von Pearce und Pattinson über jeden Zweifel erhaben sind.

7,5 von 10 präzisen Schüssen

The Rover

  • Präzise Schüsse - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Das Endzeit-Roadmovie The Rover von David Michôd gibt sich bewusst unzugänglich und mag mit seiner reduzierten und wortkargen Art manchen Zuschauer verprellen, der sich gepflegt langweilen könnte, doch für Freunde ungewöhnlicher Filmkunst, die wie in diesem Fall mehr auf Atmosphäre und Figuren Wert legt und weit weniger an dem eigentlichen Plot zu interessiert sein scheint, ist Michôds zugegebenermaßen sperriges Zweitwerk in den Weiten des australischen Outbacks der nahen Zukunft sicherlich einen Blick wert, zumal die Leistungen von Pearce und Pattinson über jeden Zweifel erhaben sind.

7.5/10
Leser-Wertung 6.67/10 (3 Stimmen)
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The Rover ist am 04.09.14 auf DVD und Blu-ray bei Senator im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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  • Singende Lehrerin

    Ha, da habe ich doch genau dieselbe Punktzahl vergeben, als ich ihn auf dem FFF 2014 gesehen habe! :) Bei der Anzahl der Filme, die ich auf dem FFF damals gesehen habe, musste ich mich allerdings auf eine relativ knappe Kritik beschränken: https://singendelehrerin.wordpress.com/2014/09/09/fff-2014-the-rover-david-michod-aus-2014/

    Mir hat ja auch das Sounddesign des Films damals sehr gut gefallen, das fand ich sehr eigen. Seit diesem Film lasse ich auch nichts mehr auf Robert Pattinsons Schauspielkünste kommen – absolut überzeugend, was er da abliefert! er kann wirklich viel mehr als nur Edward… :)

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