Review: 12 Years a Slave (Film)

Bisher einen herrlich faulen Feierabend nach einem arbeitsreichen Tag verbracht. Damit werde ich auch gleich weitermachen, doch wollt ich den Tag natürlich nicht ohne zu bloggen verstreichen lassen und so schließe ich eine weitere von vielen cineastischen Lücken, die sich unweigerlich auftun, weil man ja doch nicht hinterherkommt, alles nur halbwegs Relevante und Interessante zu schauen. Aber wem erzähle ich das, die mitlesenden Filmbloggerinnen und Filmblogger kennen das Dilemma ja sicherlich nur zu gut, oder!? 😉

12 Years a Slave

12 Years a Slave, USA/UK 2013, 134 Min.

12 Years a Slave | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Steve McQueen
Autoren:
John Ridley (Drehbuch)
Solomon Northup (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Chiwetel Ejiofor (Solomon Northup)
Michael Fassbender (Edwin Epps)
Benedict Cumberbatch (Ford)
Paul Dano (Tibeats)
Paul Giamatti (Freeman)
Brad Pitt (Bass)
in weiteren Rollen:
Lupita Nyong’o (Patsey)
Sarah Paulson (Mistress Epps)
Alfre Woodard (Mistress Shaw)
Garret Dillahunt (Armsby)

Genre:
Biografie | Drama | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus 12 Years a Slave | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Solomon Northup lebt mit seiner Frau und seinen Kindern als freier Mann ein glückliches Leben als Violinist in New York, bis zu dem Tag zumindest, als zwei durchtriebene Gestalten ihn unter dem Deckmantel eines Auftritts nach Washington locken, denn nach einer durchzechten Nacht findet sich Solomon als angeblicher Sklave Platt in Gefangenschaft wieder. Solomon, der seine Freiheit nicht beweisen kann, da seine Papiere ihm entwendet worden sind, wird in den Süden verbracht und dort von Sklavenhändler Freeman an den Plantagenbesitzer Ford verkauft. Der immerhin ist Solomon durchaus freundlich gesonnen und macht sich dessen Talente zunutze, wofür er ihm gewisse Freiheiten gewährt, doch Vorarbeiter Tibeats gerät ein ums andere Mal mit Solomon aneinander, bis Ford sich gezwungen sieht, seinen Sklaven an den mehr als berüchtigten Edwin Epps zu verkaufen. Auf dessen Plantage angekommen, nimmt Solomons Jahre währendes Martyrium bis dato ungeahnte Ausmaße an, während die Chance auf eine Rückkehr in die Freiheit und zurück zu seiner Familie mehr und mehr schwindet…

Rezension:

Lange Zeit gemieden mit der groben Ahnung, welch schwere Kost mich sicherlich auch bei Steve McQueens dritten Spielfilm 12 Years a Slave erwarten würde, habe ich mich nun doch endlich auch an den hochkarätig besetzten – und deshalb von vielen in meinen Augen zu Unrecht als Oscar-heischenden Kandidaten verschrienen – Film gewagt, dessen Story auf den unter gleichen Namen veröffentlichten Aufzeichnungen von Solomon Northup fußt, wodurch das Geschehen des Films – ähnlich wie es auch schon bei McQueens Hunger der Fall war, durch das Wissen darum, dass es sich um echte, um reale Begebenheiten handelt, eine insbesondere in emotionaler Hinsicht gänzlich andere Tragweite bekommt, wobei der Regisseur auch hier nicht der Versuchung erliegt, in allzu platte Klischees abzudriften oder auf Teufel komm raus die Tränendrüse zu bemühen, sondern ein weitestgehend beinahe distanziert wirkendes Werk schafft, das gerade dadurch nur umso eindringlicher wirkt, denn insbesondere die gezeigte Gewalt, ob physischer oder psychischer Natur, ist hier zwar weit mehr als Mittel zum Zweck und wird weder verherrlicht noch beschönigt, doch generiert er aus seinem beinahe – in dem Kontext sicherlich seltsam zu lesenden – dokumentarischen Anspruch eine ganz neue Art Schrecken, denn wo andere Filmemacher gnädig die Kamera gen Abseits schwenken würden, zeigt dieser Film, was so sicherlich nicht jeder sehen möchte oder nur ertragen kann und kommt damit nahe an die eindringliche Inszenierung von Steve McQueens Spielfilmdebüt von 2008 heran.

Szenenbild aus 12 Years a Slave | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Ungeachtet der vielen namhaften Darstellerinnen und Darsteller steht und fällt ein Projekt natürlich mit seiner Hauptfigur, in dem Fall also Chiwetel Ejiofor (Serenity) als Verkörperung von Solomon Northup und tatsächlich mag es sich um die Rolle seines Lebens handeln, denn nicht nur ist 12 Years a Slave ein packender, ergreifender, ein schmerzender, aber auch wichtiger Film, sondern auch die Bühne für Ejiofor, Angst, Desorientiertheit, Verzweiflung, Mutlosigkeit, aufkeimende Hoffnung und alles überschattende Lethargie in nur feinsten Nuancen der Mimik und Gestik zum Ausdruck zu bringen und wären nicht die teils schwer zu ertragenden Bilder, mit denen McQueen seinen Film zu einem schwierig zu betrachtenden Werk machen würde, genügte wohl allein der Blick von Ejiofor als Solomon Northup, um den Zuschauer für sich einzunehmen, denn seine wachsende Verzweiflung wird nicht nur greif- sondern auch spürbar und das mag eines der höchsten Komplimente sein, die man einem Schauspieler nur machen kann. Von den weiteren Darstellern sind es natürlich zunächst Benedict Cumberbatch (Black Mass) und im Anschluss hieran Steve McQueens Stamm-Mime Michael Fassbender (Shame), die Teile des Films mittragen und zuweilen in Staunen versetzen, denn Fassbender, zum ersten Mal (und natürlich hier völlig logisch) nicht in einer Hauptrolle in einem McQueen-Film spielt sich regelrecht die Seele aus dem Leib und verheizt sämtliche Sympathiepunkte, die man für den Mann haben mag und gibt mit seinem Edwin Epps einen Plantagenbesitzer, der DiCaprios Calvin Candie aus Django Unchained wie einen Kindergeburtstags-Clown wirken lässt.

Während also Cumberbatch und Fassbender unterschiedliche Stationen in der zwölfjährigen Odyssee des Solomon Northup markieren, treten die meisten der anderen Darsteller nur in kleineren Rollen in Erscheinung und prägen sich folglich auch nicht so sehr ein, derweil man sich über die bekannten Gesichter sicherlich freuen mag, doch Ausnahmen bestätigen die Regel und so brennt sich einerseits recht früh im Film der gehässige Oberaufseher Tibeats, dargestellt von Paul Dano (Prisoners) ins Gedächtnis, während es in der zweiten Filmhälfte selbstredend die Rolle der bis dahin weitestgehend unbekannte Lupita Nyong’o als Patsey ist, die einem in ihrer Eindringlichkeit durch Mark und Bein geht und ihr völlig zu Recht den Oscar eingebracht hat. Einzig Brad Pitts als kaum mehr als Cameo-Auftritt zu bezeichnende Rolle als Bass weiß mit ihrem plakativen Gutmenschentum nicht so recht zu überzeugen, doch scheint seine Besetzung – zählt er ja schließlich auch zu den ausführenden Produzenten des Films – eher auf vermarktungstechnische Gründe zurückzuführen sein, der bekannte Name als schlichtweg Zuschauer anlocken sollte.

Szenenbild aus 12 Years a Slave | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Ansonsten ist 12 Years a Slave eine spürbar über zwei Stunden dauernde, Längen jedoch gekonnt umschiffende Mär voller Schmerz und Leid, die man sich sicherlich nicht freiwillig mehrfach antun wird, doch ist es ein packender Film, der schnell den Glauben an die Menschheit in Frage stellen lässt, aber eben auch ein nicht zu leugnendes Kapitel in der Geschichte darstellt und das Thema sowohl ohne erhobenen Zeigefinger als auch ohne voyeuristischen Beigeschmack zu behandeln, wofür man Steve McQueen Respekt zollen darf, denn angedenk einer solchen Thematik hätte die Erzählung schnell in die eine wie die andere Richtung aus dem Ruder laufen können. So aber gelingt ihm das Wagnis und er schafft ein Werk, dessen Bilder und deren Wirkung noch lange nachhallen werden, zumal die eigentlich so pittoreske Südstaaten-Atmosphäre hier von den ersten Minuten an in Mark und Bein erschüttert wird und im krassen Gegensatz zu dem steht, was Solomon Northup wird erdulden müssen, bevor sich seine Odyssee nach zwölf Jahren dem Ende neigen wird.

Fazit & Wertung:

Erneut wird Steve McQueen seinem Ruf gerecht, schwierige Stoffe in schwer zu ertragenden Filmen zu verarbeiten und 12 Years a Slave steht dem in nichts nach, so dass es folglich kein Vergnügen ist, der zwölfjährigen Gefangenschaft des von Chiwetel Ejiofor verkörperten Solomon Northup beizuwohnen, doch auch wenn es einem des Öfteren die Kehle zuschnürt ob der Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die McQueen hier zur Sprache bringt und visualisiert, ist es doch auch ein wichtiger, ein lohnenswerter Film, dessen Wirkung und Intensität noch lange zu beschäftigen weiß und ein trauriges Kapitel der Geschichte in gleichermaßen schöne wie zugleich abstoßende Bilder zu kleiden versteht.

9 von 10 Jahren in Gefangenschaft

12 Years a Slave

  • Jahre in Gefangenschaft - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Erneut wird Steve McQueen seinem Ruf gerecht, schwierige Stoffe in schwer zu ertragenden Filmen zu verarbeiten und 12 Years a Slave steht dem in nichts nach, so dass es folglich kein Vergnügen ist, der zwölfjährigen Gefangenschaft des von Chiwetel Ejiofor verkörperten Solomon Northup beizuwohnen, doch auch wenn es einem des Öfteren die Kehle zuschnürt ob der Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die McQueen hier zur Sprache bringt und visualisiert, ist es doch auch ein wichtiger, ein lohnenswerter Film, dessen Wirkung und Intensität noch lange zu beschäftigen weiß und ein trauriges Kapitel der Geschichte in gleichermaßen schöne wie zugleich abstoßende Bilder zu kleiden versteht.

9.0/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 8/10 Punkte
Filmherum: 4,5/5 Punkte
Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 9/10 Punkte

12 Years a Slave ist am 16.05.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Wundert mich an dieser Stelle wieder überhaupt nicht, dass wir den Film ganz ähnlich wahrgenommen haben. Ein bedrückender Film, der mich nachhaltig bewegt hat.

    • Nein, wahrlich keine Überraschung an dieser Stelle. Habe den Film tatsächlich auch noch nicht so ganz wieder aus dem Kopf, obwohl die Sichtung schon einige Zeit zurückliegt. Ging mir aber bei bisher allen Steve McQueen-Filmen so.

  • Randall Flagg

    Also ich kann der Rezension nicht zustimmen, ich fand und finde des Film nicht wirklich gut.
    Eigentlich hatte ich mich drauf gefreut. Riesiges Potential, Schauspieler auch gut, aber der Film scheitert an der Größe des Themas.
    Fassbender scheitert an der Rolle des Monsters, aber gewaltig. Ich habe ihm das überhaupt nicht abgenommen. Und so ging es mir mit dem ganzen Film. Er verliert sich, meiner Meinung nach, andauernd in der üblichen Südstaatenromantik, was dem ernsten Thema die Glaubwürdigkeit nimmt. Ich denke, es war den Hollywood Bossen geschuldet. Man wollte das heiße Eisen anfassen aber doch bitte nicht zu sehr, um niemanden zu verärgern und sich künftige Gagen vermiesen.
    Wesentlich besser hat es Quentin Tarrantino gemacht, mit seinem Django. Dort bekommt man die Situation der schwarzen Bevölkerung, in den damaligen USA, wesentlich ehrlicher und schonungsloser serviert, lässt man den üblichen QT Klamauk mal beiseite.
    Und nein, ich ergötze mich nicht an Splatter und möchte auch niemanden leiden sehen. Nur: Wenn ich so ein Thema angehe, dann richtig.
    Ansonsten verharmlost man das Ganze nur. Um nochmal zu Django zurück zu kommen: DiCaprio gibt den weißen Sklaventreiber wesentlich überzeugender und scheitert auch nicht an der Schizophrenie dieser Leute, zwischen galanten, eleganten Mann von Welt und bestialischem Unmenschen, wie es Fassbender tut.
    Long Story short: Mich hat der Film enttäuscht, hatte ich doch ein Werk erwartet, an dem ich lange zu knabbern habe.
    Gerettet wird der Film nur von dem Thema an sich und der wirklich bedrückenden Geschichte. Mehr als eine 5 hätte ich nicht gegeben.

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