Review: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (Film)

Und wieder hat es ein Film von eher zweifelhaftem Ruf ins Medienjournal geschafft, denn trotz der vielen Gründe, die dagegen gesprochen hätten, wollte ich mir dann diesen Spinnenmann hier doch nicht entgehen lassen, bevor auch die Garfield‘sche Interpretation des Netzschwingers wieder zum alten Eisen gehören wird. Und wie mir das so gefallen hat, das lest ihr jetzt.

The Amazing Spider-Man 2:
Rise of Electro

The Amazing Spider-Man 2, USA 2014, 142 Min.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Marc Webb
Autoren:
Alex Kurtzman
Roberto Orci
Jeff Pinkner

Main-Cast:

Andrew Garfield (Spider-Man / Peter Parker)
Emma Stone (Gwen Stacy)
Jamie Foxx (Electro / Max Dillon)
Dane DeHaan (Green Goblin / Harry Osborn)
Campbell Scott (Richard Parker)
Embeth Davidtz (Mary Parker)
Colm Feore (Donald Menken)
Paul Giamatti (Aleksei Sytsevich)
Sally Field (Aunt May)
Felicity Jones (Felicia)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Obschon der von dem sterbenden Captain Stacy als Peter Parker enttarnte Spider-Man geschworen hat, sich fortan von Stacys Tochter Gwen fernzuhalten, um sie nicht unkalkulierbarer Gefahr auszusetzen, gelingt es ihm zunächst nicht, sich an sein Versprechen zu halten, derweil die Schuldgefühle unerbittlich an ihm nagen. Am Tag des gemeinsamen Highschool-Abschlusses scheint allerdings der Tag der Trennung gekommen und für Monate herrscht Funkstille. Als sich die beiden aber erneut begegnen und sich langsam wieder anzunähern versuchen, kommt ihnen ein Eklat am Times Square dazwischen, als der jüngst durch die Bisse von Zitteraalen zu Electro mutierte Max Dillon mit seinen unkontrollierbaren Kräften Amok läuft. Doch damit der Gefahren nicht genug, kehrt auch noch Peters früherer Freund Harry Osborne nach New York zurück und hat es ob einer unheilbar scheinenden Krankheit auf nichts Geringeres abgesehen als das Blut von Spider-Man…

Rezension:

Lange Zeit hatte ich mit mir gehadert, ob ich mir The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro überhaupt noch anschauen sollte, speziell nachdem bekannt geworden war, dass es den geplanten dritten Teil zugunsten des nächsten Reboots ja nun doch nicht geben würde und die Uhren stattdessen wieder zurückgedreht und mit Tom Holland im Rahmen des MCU der freundliche Spinnenmann neu an den Start gehen würde, aber natürlich auch, weil der Film von mehr als einer Seite ziemlich verrissen worden ist und mich auch schon The Amazing Spider-Man jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen hat. Schlussendlich siegte dann aber doch die Neugier und Andrew Garfield hat mir als Spider-Man ja zumindest schon einmal besser gefallen als Tobey Maguire (auch wenn ich mit dieser Meinung anscheinend ziemlich allein dastehen dürfte) und auch als Tom Hollands Auftritt in Captain America 3: Civil War, während schlussendlich Emma Stone das Totschlagargument zur Sichtung des Films dargestellt haben mag, wenn ich einmal so ehrlich sein darf. Und siehe da, irgendwie hatte in meinen Augen am Ende jeder ein bisschen recht, denn der zweite Ausflug mit Peter Parker macht durchaus Spaß, doch verstehe ich auch die Kritik und Schelte an dem Streifen, denn hier läuft sicherlich nicht alles rund und viele Plot-Versatzstücke wirken wie aus dem Superheldenfilm-Baukasten geklaubt und lässig aneinander geleimt, was die Chose schlussendlich auch einerseits ziemlich überladen, andererseits manchmal extrem uninspiriert wirken lässt.

Szenenbild aus The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Eines der neuen Details in dem "neuen" The Amazing Spider-Man war ja Peters Suche nach seinen Eltern und speziell dieser Part findet nun auch im zweiten Teil eine stimmige Fortsetzung, auch wenn die schlussendliche Auflösung von ihrer Wirkung her doch irgendwie völlig verpufft, aber das steht ja wiederum auf einem anderen Blatt und mag dem Umstand geschuldet sein, dass hier noch ein dritter Teil hätte folgen sollen. Das wird natürlich ebenso deutlich bei Paul Giamattis völlig verschenkter Rolle als Aleksei Sytsevich, den er einmal kurz zu Beginn und einmal zum Ende des Films hin verkörpern darf und in einen unsäglichen Cliffhanger entlässt, den man aber beinahe nicht als solchen bezeichnen kann, weshalb ich geneigt bin zu behaupten, dass man dieses Rahmenkonstrukt auch hätte weglassen können, um den Film auf eine schnittigere Laufzeit von unter 140 Minuten zu bringen. Dessen ungeachtet tut ein actionreicher Einstieg einem Superheldenfilm ja meistenteils auch durchaus gut, zumal viele ja wohl auch bemängelt haben, dass hier der Liebesgeschichte zwischen Peter und Gwen zu viel Raum zugestanden würde, was ich zwar gar nicht so empfunden habe, weil in meinen Augen ein stimmiger Superheldenfilm auch gerne mehr sein darf als nur eine Aneinanderreihung von Action- und Bombast-Szenen und ich die Chemie zwischen Garfield und Stone auch als ziemlich überzeugend empfunden habe, aber jedem bekanntlich das seine.

Schwieriger wird es da schon mit Bösewicht Nummer 1, dem von Jamie Foxx (Django Unchained) verkörperten Max Dillon, der alsbald zu Electro werden wird, denn während mir noch seine anfänglichen Szenen und die damit einhergehende Exposition der Figur ziemlich gut gefallen haben und der Figur eine Tragik innewohnt, die man bei den Superschurken heutzutage selten findet, ihn also nicht als klassischen Welteroberungs-Kasper auftreten lassen, verkommt die Figur leider in der zweiten Hälfte dann doch wieder zum plumpen Haudrauf, was ein wenig schade ist um das vorangegangene Character-Building. Noch schlimmer allerdings erwischt es Dane DeHaan (Kill Your Darlings), denn während der eigentlich einen stimmigen Harry Osborn verkörpert, muss er sich in dieser Rolle einerseits mit James Franco, später als Green Goblin vergleichen lassen und ohne ihm böses zu wollen, zieht er in beiden Fällen den Kürzeren, was aber auch daran liegt, dass seiner Figur nicht genügend Raum zur Entfaltung gegeben wird, woran man schon merkt wie vollgestopft The Amazing Spider-Man 2 vom Plot her ist. Vor allem aber dürfen sich die Drehbuchautoren die Frage gefallen lassen, wieso es denn schon wieder Osborn und schon wieder der Goblin haben sein müssen, gibt das Universum von Spider-Man schließlich genug lohnenswerte Bösewichte her, die nicht bereits in der vorangegangenen Trilogie verheizt worden sind.

Szenenbild aus The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Dessen ungeachtet hat mir The Amazing Spider-Man 2 zu Beginn und im Mittelteil doch überwiegend gut gefallen und bot eine unterhaltsame Mischung aus Action, Herzschmerz und Humor, doch je weiter der Film voranschreitet, deutet sich das auch leider ziemlich unsägliche Finale an, dass mir für meinen Teil viel zu überzogen, zu übertrieben daherkam und auch tricktechnisch nicht wirklich zu überzeugen wusste, während der Endkampf beziehungsweise eher die Endkämpfe weitestgehend generisch geraten sind und der vermeintlich dramatische Twist, der dank Internet ja schon lange vor Veröffentlichung des Films gespoilert worden ist, dann irgendwie auch zusammenkonstruiert wirkt. Die sich im Nachgang anschließende längere Auslaufphase, um dann auf die letzten Meter das Tempo noch mal anzuziehen, macht den Film dann nun auch nicht eben besser und führte mir mehr als deutlich vor Augen, dass die größte Schwachstelle in diesem Werk ohne Frage das letzte Drittel war, welches weitaus stimmiger und überzeugender hätte inszeniert werden können. Immerhin aber habe ich den Film jetzt gesehen und kann mitreden, vor allem aber attestieren, dass er so schlecht, wie sein Ruf vermuten lässt, gar nicht ist, leider aber auch nicht wirklich gut.

Fazit & Wertung:

Marc Webbs The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro macht geschichtlich einiges gut und richtig und schließt gefühlsmäßig direkt an den ersten Teil an, doch mit zunehmender Laufzeit wirkt der Plot immer überladener und verliert seine Stringenz, was schließlich in ein viel zu langes, viel zu überraschungsarmes Finale mündet, das der nach zwei Teilen eingestellten Reihe einen ziemlich unrühmlichen Abschluss bereitet.

6 von 10 zur Strecke gebrachten Verbrechern

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

  • Zur Strecke gebrachte Verbrecher - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Marc Webbs The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro macht geschichtlich einiges gut und richtig und schließt gefühlsmäßig direkt an den ersten Teil an, doch mit zunehmender Laufzeit wirkt der Plot immer überladener und verliert seine Stringenz, was schließlich in ein viel zu langes, viel zu überraschungsarmes Finale mündet, das der nach zwei Teilen eingestellten Reihe einen ziemlich unrühmlichen Abschluss bereitet.

6.0/10
Leser-Wertung 1/10 (1 Stimme)
Sende

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro ist am 04.09.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


  • Singende Lehrerin

    Ah, da kommt der Film bei dir einen Punkt besser weg als bei mir: https://singendelehrerin.wordpress.com/2014/04/20/the-amazing-spider-man-2-in-3dmarc-webb-usa-2014/

    Ich mochte übrigens Andrew Garfield tatsächlich im ersten Reboot-Teil auch sehr, sehr gerne, weswegen ich mich eigentlich auf diesen zweiten Teil richtig gefreut hatte. Vielleicht war auch deswegen meine Enttäuschung etwas größer – denn ich hab den Film relativ kurz nach Kinostart gesehen und vorher noch keine negativen Kritiken gelesen.

    Interessant finde ich, dass du auch die Tricktechnik bemängelst – das war mir auch negativ aufgefallen. Ich kann auch bestätigen, dass der Film besonders im letzten Drittel deutlich nachlässt – und ein schlechtes Ende vermasselt mir leider meistens den ganzen Film…

    • Stimmt, das könnte gut zusammenhängen, dass bei mir einige Zeit dazwischen lag, denn mit gedrosselten Erwartungen fand ich ihn dann doch ziemlich okay, wobei er eben zum Ende hin immer weniger überzeugt, das stimmt schon. Naja und das Ende selbst hätte man wohl auch anders gestalten können, aber gut, letztlich bin ich doch froh, ihn mir mal angesehen zu haben, eben auch, weil ich Garfield als Spider-Man ja eigentlich gut fand.

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