Review: Rogue One: A Star Wars Story (Film)

Das Star Wars Universum

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Und es reißt nicht ab mit den Blockbuster-Rezensionen, denn natürlich musste ich mir auch den neusten Star Wars-Film zeitnah ansehen (wie am Dienstag schon erwähnt) und komme nicht umhin, euch meine Eindrücke zu schildern. Los geht’s also, diesmal in eine weit, weit entfernte Galaxis!

Rogue One: A Star Wars Story

Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016, 133 Min.

Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Gareth Edwards
Autoren:
Chris Weitz
Tony Gilroy

Main-Cast:
Felicity Jones (Jyn Erso)
Diego Luna (Cassian Andor)
Ben Mendelsohn (Orson Krennic)
Donnie Yen (Chirrut Îmwe)
Mads Mikkelsen (Galen Erso)
Alan Tudyk (K-2SO)
Wen Jiang (Baze Malbus)
Forest Whitaker (Saw Gerrera)
in weiteren Rollen:
Riz Ahmed (Bodhi Rook)
Jimmy Smits (Bail Organa)
Alistair Petrie (General Draven)
Genevieve O’Reilly (Mon Mothma)
Ben Daniels (General Merrick)
Paul Kasey (Admiral Raddus)
James Earl Jones (Darth Vader [Stimme])

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Die Galaxis wird unterjocht vom Imperium, der Gedanke an Freiheit scheint wie einer fernen Erinnerung entsprungen und weite Teile der zahllosen Systeme haben sich längst dem Joch gebeugt, während ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Widerständlern unter dem Banner der Rebellen-Allianz sich noch immer gegen die diktatorische Herrschaft auflehnt. Dann allerdings kommen erste Gerüchte auf, das Imperium baue eine nie dagewesene Kampfstation, den Todesstern, der ganze Planeten zu vernichten imstande sei. Um dem etwas entgegenzusetzen, beauftragen die Rebellen von Yavin 4 aus Cassian Andor, eine Frau namens Jyn Erso ausfindig zu machen, die den Kontakt zu dem extremistischen Saw Gerrera herzustellen imstande sein könnte. Doch Jyn ist auch die Tochter von Galen Erso, der als Hauptkonstrukteur des Todessterns zu trauriger Berühmtheit gelangt ist. Gemeinsam brechen Jyn, Cassian und dessen umprogrammierter Droide K-2SO auf, um Gerrera aufzusuchen und einen Weg zu finden, die mächtigste Waffe des Imperiums unschädlich zu machen…

Rezension:

Mit Rogue One: A Star Wars Story liegt nun also der erste Film außerhalb des Episoden-Schemas vor, gleichzeitig aber auch der erste Film des Franchise, der ohne den schon beinahe ikonografischen Lauftext daherkommt, was zugegebenermaßen kurz befremdlich gewirkt hat, wie man so ohne Erklärung und Einleitung ins Geschehen geworfen wird, doch begründet sich dies natürlich auch dadurch, dass es sich im Grunde um den Film gewordenen Lauftext zu Episode IV handelt, der nämlich im Grunde die gesamte Synopsis des Films umfasst. So bietet der grundsätzliche Plot natürlich eher wenig Überraschungen, wie man bereits im Vorfeld weiß, denn das alles damit endet, dass die Baupläne des Todessterns in die Hände der Rebellen-Allianz fallen, kann nun wirklich nicht mehr als Spoiler gewertet werden. Natürlich hätte sich dieser Umstand leicht zum Problem auswachsen können, doch entfaltet die Geschichte schnell die gewohnte Sogwirkung, dass es tendenziell eher unerheblich scheint, was die Konklusion der Chose sein wird, sondern weit spannender ist, wie es dazu kommt.

Szenenbild aus Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Dessen ungeachtet ist der Einstieg in den Film meines Erachtens nur bedingt gelungen, denn nach einer recht stereotypen Szene mit Jyn Erso als Kind, die zeigt, wie ihr Vater von dem Imperialen Orson Krennic aufgegriffen wird, während es Jyn gelingt, sich zu verstecken (ein Plot-Device, das man bereits gefühlte hundert Mal gesehen hat), müht man sich nach einem sechzehnjährigen Zeitsprung in die Gegenwart des Films, also kurze Zeit vor den Geschehnissen aus Episode IV, die nun erwachsene Jyn vorzustellen sowie den Rebellen Cassian Andor und den desertierten imperialen Piloten Bodhi Rook, der wiederum auf der Suche nach Saw Gerrera ist, um ihm eine Botschaft zu übermitteln. Problematisch dabei ist einzig, dass sich all diese Personen zu Beginn des Films auf unterschiedlichen Planeten befinden und so springt die Szenerie munter von hier nach dort, untermalt von leider übertrieben pathetischem Orchester-Einsatz, das nicht nur einen Tick zu aufdringlich ist, um je die Klasse der Kompositionen von John Williams zu erreichen, dessen einschlägig bekannte Themes aber immerhin zu späterem Zeitpunkt des Öfteren aufgegriffen werden. Trotz dieses zuweilen etwas holprigen Einstiegs aber nimmt die Story spätestens mit der Befreiung Jyns durch Cassian Andor und dessen treuem Begleiter, dem umprogrammierten imperialen Droiden K-2SO spürbar an Fahrt auf.

Szenenbild aus Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Das Star Wars-Franchise ist ja schon seit jeher bekannt dafür, ungemein liebenswerte und großartige Droiden zu konzipieren und K-2 macht da keine Ausnahme, zumal im Original gesprochen von Alan Tudyk (Firefly), was per se ja schon eine Adelung darstellt, weshalb man sich schlussendlich auch diesem Droiden – neben Hauptfigur Jyn Erso selbstredend – emotional am verbundensten fühlt, was ich Rogue One als großes Plus anrechne. Apropos Jyn Erso, muss ich auch sagen, dass Felicity Jones (Breathe In) sich spätestens hier in mein Herz gespielt hat, wobei die Rolle an sich tatsächlich gar nicht einmal übermäßiges Talent erfordert, die Figur sich dafür aber so stimmig wie lange kein Charakter mehr in den bestehenden Star Wars-Kosmos fügt. Überhaupt muss man Gareth Edwards, der mich mit seiner Neuauflage von Godzilla ja eher enttäuscht hat – zugutehalten, alles Menschenmögliche getan zu haben, um diesen Film nicht nur optisch mit dem ersten Teil der Ur-Trilogie zu verknüpfen, angefangen mit Archiv-Aufnahmen damaliger X- und Y-Wing-Piloten, die seinerzeit nicht verwendet worden sind und nun hier zum Einsatz kommen, über die detailreich und liebevoll ausstaffierte Rebellen-Basis auf Yavin 4, von der man für meinen Geschmack in den damaligen Filmen auch viel zu wenig gesehen hat, bis hin zu dem allgemein sehr düsteren und dreckigen Look, der sich gleichzeitig aber auch genügend Eigenständigkeit bewahrt, um klarzumachen, dass dies hier eben auch eine geringfügig andere Art von Film ist, denn von der teils märchenhaften Heldenreise der "alten" Trilogie ist Rogue One weit entfernt.

Einer der wohl strittigsten Punkte bei der Verknüpfung mit den bestehenden Filmen dürfte indes die "Wiederbelebung" des bereits 1994 verstorbenen Peter Cushing in seiner Rolle als Großmoff Tarkin mittels CGI sein und auch für mich hat die Figur nicht vom ersten Moment an funktioniert, wobei sich das mit jeder weiteren Szene gebessert hat. In diesem Zusammenhang sei aber auch erwähnt, dass meiner Begleitung im Kino die Computer-Herkunft dieser Figur nicht aufgefallen ist, ebenso wie bei dem kurzen Cameo einer nicht minder kultigen Figur ganz am Ende des Films, also können die Effekte so schlecht nicht gewesen sein und ILM hat hier schon einen durchaus überzeugenden Job abgeliefert, zumal ich es wohl skeptischer betrachtet hätte, wäre Tarkin in Rogue One nicht in Erscheinung getreten, so eng, wie er mit dem Projekt verknüpft ist (siehe hierzu auch James Lucenos Roman Tarkin).

Szenenbild aus Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Anders sieht es da bei anderen Gastauftritten aus, denn den kurzen Blick auf R2 und C-3PO im Hangar der Basis auf Yavin 4 hätte man sich ebenso schenken können wie die Cantina-Gäste, mit denen Luke später aneinandergeraten wird, während Jyn hier gerade noch so einer Schlägerei entgeht. Gefallen wiederum hat mir, dass man sowohl Jimmy Smits als Bail Organa wie auch Genevieve O’Reilly in der Rolle von Mon Mothma hat zurückkehren lassen, womit sich auch der Bogen zu der neueren, chronologisch aber vorgelagerten Trilogie spannen lässt, zumal deren Auftritte eben weit mehr sind als purer Fan-Service, denn wie irritierend wäre es gewesen, insbesondere Mon Mothma nicht auf Yavin 4 anzutreffen? Und ja, auch Darth Vader darf in diesem Zusammenhang nicht fehlen und James Earl Jones leiht ihm ein weiteres Mal zumindest die Stimme, derweil insbesondere eine Szene zum Ende des Films einen beinahe nahtlosen Übergang zu der initialen Sequenz aus Eine neue Hoffnung ermöglicht.

Szenenbild aus Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Um noch kurz bei den Figuren zu bleiben, muss man schon zugeben, dass die charakterliche Ausgestaltung wohl eine der offenkundigsten Schwächen von Rogue One darstellt, denn so sehr man sich über Gastauftritte, Cameos und Erwähnungen auch freuen mag, steht doch die Besatzung des Schiffes im Vordergrund und während Diego Lunas (Elysium) Cassian Andor zumindest mit ein paar rudimentären Charaktereigenschaften versehen ist, weisen die weiteren Figuren kaum Alleinstellungsmerkmale auf und den blinden Mönch mit Kampfstab, den man sich wohl bei einschlägigen Netflix-Produktionen wie Daredevil und Marco Polo der Coolness wegen ausgeliehen hat, hätte man sich im Grunde auch schenken können, so sympathisch seine Figur letztlich auch sein mag und so schön es ist, im Star Wars-Franchise eine ethnisch betrachtet so dermaßen heterogene Truppe anzutreffen.

Besser als bei dem bunt zusammengewürfelten Trupp des Schiffs von Andor und K-2SO sieht es da schon bei den weiteren Figuren aus, denn Ben Mendelsohn (Lost River) gibt als Orson Krennic einen ungewohnt jähzornigen und impulsiven Imperialen und liefert eine ebenso überzeugende Darstellung wie Mads Mikkelsen (Hannibal) als Jyns Vater Galen Erso, wenngleich der doch deutlich weniger Screentime hat, als ich zu hoffen gewagt hatte, als Figur und Triebfeder der Story – ist er schließlich der Erbauer des Todessterns und verantwortlich für den Schwachpunkt, der es den Rebellen ermöglichen wird, die gefürchtete Kampfstation dereinst zu zerstören – aber durchaus gut funktioniert. Ganz anders sieht es da ausgerechnet bei Oscar-Preisträger Forest Whitaker (Zulu) und seiner Figur des Extremisten Saw Gerrera aus, denn der Charakter wirkt in keiner Weise ausformuliert, die Beziehung zu Jyn als deren Ziehvater bleibt pure Behauptung und eine echte Relevanz für die Geschichte hat er letztendlich nicht, derweil er einen Hauch zu exzentrisch skizziert wird, um glaubhaft zu bleiben.

Szenenbild aus Rogue One: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

So durchwachsen sich aber das Figuren-Ensemble präsentiert, so stimmig ist dafür die Geschichte erzählt und ohne Zweifel stehen hier die Taten der Rebellen, das vorherrschende Gefühl von Angst und Unterdrückung, der Gedanke an Auflehnung und der Glaube an Hoffnung (auch wenn dieses Schlagwort wohl einmal zu häufig benutzt wird, um allzu plakativ auf den nächsten Teil der Filmreihe zu weisen) im Vordergrund und endlich herrscht wahrhaft "Krieg" im Krieg der Sterne, stehen " normale" Menschen und eben keine Jedi im Vordergrund der Erzählung, die nicht nur erwachsener und ernsthafter, sondern auch ein Stück weit geerdeter wirkt und mit Nachdruck unterstreicht, dass ein Star Wars-Film tatsächlich auch ohne Lichtschwertduelle auszukommen weiß. Atmosphärisch dürfte man sich also schnell heimisch fühlen und die unterschiedlichen Schauplätze beeindrucken mit großartiger Optik, ebenso wie die ersten Demonstrationen der Kampfkraft des Todessterns, die zu den optischen Highlights von Rogue One zählen. Einzig mit einer Fortsetzung braucht man ob der zeitlichen Verortung des Geschehens nicht zu rechnen, denn nicht nur die beinahe minutiöse Überleitung zu Episode IV sondern auch die ansonsten vorherrschende, erzählerisch-grimmige Konsequenz lassen diesbezüglich kaum einen Zweifel aufkommen.

Fazit & Wertung:

Gareth Edwards‘ Rogue One: A Star Wars Story ist sicherlich nicht frei von Mängeln und wartet auch mit einer eher schwachen Figurenentwicklung auf, doch die sympathischen Charaktere und der wendungsreiche Plot lassen es verschmerzen, dass man im Grunde weiß, wie die Geschichte enden wird, denn immerhin gelingt es ihm, echtes Star Wars-Feeling aufkommen zu lassen und das ganz ohne Jedi, dafür aber mit einer Handvoll umso mutigerer Rebellen. In den meisten Fällen gelingt zudem dem der Spagat, sich stilistisch einerseits an der Ur-Trilogie zu orientieren, gleichzeitig mit rauem Charme und einem düsteren Erzählton eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren.

8 von 10 draufgängerischen Heldentaten

Rogue One: A Star Wars Story

  • Draufgängerische Heldentaten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Gareth Edwards‘ Rogue One: A Star Wars Story ist sicherlich nicht frei von Mängeln und wartet auch mit einer eher schwachen Figurenentwicklung auf, doch die sympathischen Charaktere und der wendungsreiche Plot lassen es verschmerzen, dass man im Grunde weiß, wie die Geschichte enden wird, denn immerhin gelingt es ihm, echtes Star Wars-Feeling aufkommen zu lassen und das ganz ohne Jedi, dafür aber mit einer Handvoll umso mutigerer Rebellen. In den meisten Fällen gelingt zudem dem der Spagat, sich stilistisch einerseits an der Ur-Trilogie zu orientieren, gleichzeitig mit rauem Charme und einem düsteren Erzählton eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren.

8.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Singende Lehrerin: 8/10 Punkte

Rogue One: A Star Wars Story läuft seit dem 15.12.16 im Kino und erscheint demnächst auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Franzi

    Interessant, ich habe ähnliche Kritikpunkte, aber meine wertung ist deutlich tiefer. Der einzige, der mich bei Laune gehalten hat, war Ben Mendelsohn. Und Mads Rolle empfand ich auch eher als ärgerlich. Da hätte man so viel mehr daraus machen können.

  • Gloria | Nerd-Gedanken.de

    Finde ich spannend, dass wir in dieselbe Richtung gehen, was die Bewertung angeht – von mir gabs auch acht Punkte, und ähnliche Kritik. Bin trotz einiger Eckchen und Käntchen aber sehr gut unterhalten aus der Sache rausgegangen 😉

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