Review: Like Crazy (Film)

Eigentlich wäre ja heute Zeit für eine Serie gewesen, doch Zeit war eben gerade das, was ich nicht hatte und deshalb reden wir heute kurzerhand wieder einmal über einen Film, den ich kürzlich gesehen habe, denn was das angeht, habe ich im Moment wieder erfreulichen Vorlauf.

Like Crazy

Like Crazy, USA 2011, 86 Min.

Like Crazy | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Regisseur:
Drake Doremus
Autoren:
Drake Doremus
Ben York Jones

Main-Cast:
Anton Yelchin (Jacob)
Felicity Jones (Anna)
Jennifer Lawrence (Sam)
in weiteren Rollen:
Charlie Bewley (Simon)
Alex Kingston (Jackie)
Oliver Muirhead (Bernard)
Finola Hughes (Liz)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Like Crazy | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Studentin Anna hat ein Auge auf ihren Kommilitonen Jacob geworfen und nach einer handgeschriebenen Nachricht an den Angebeteten kommt es alsbald zum ersten Date und sowohl Anna als auch Jacob stürzen sich Hals über Kopf in eine Romanze wie aus dem Bilderbuch, doch der Umstand, dass Anna aus England stammt und sie lediglich für das Studium ein befristetes Visum erhalten hat, führt alsbald zu Problemen, als sie sich entschließt, in Amerika bei ihrem Freund zu bleiben, denn ob dieses Verstoßes wird sie alsbald des Landes verwiesen und plötzlich sind Jacob und Anna tausende Kilometer voneinander getrennt und müssen darum kämpfen, einander wieder in die Arme fallen zu können. Dabei handelt es sich allerdings um einen Kampf, der sich über Jahre hinziehen wird und an dessen Ende die Frage stehen wird, ob es die Sache wirklich wert war…

Rezension:

Nachdem ich ja nun schlussendlich spätestens durch Rogue One für Felicity Jones entbrannt bin und auch mit dem filmischen Schaffen von Drake Doremus dank Breathe In erste Berührungspunkte hatte – auch wenn mich die überkonstruierte Story des in die Midlife-Crisis geratenen Familienvaters nur mäßig zu überzeugen wusste – schien weniges naheliegender, als nun rückwärtschronologisch vorzugehen und mich einem weiteren seiner Filme, noch dazu ebenfalls mit Felicity Jones, vor allem aber dem im vergangenen Jahr viel zu früh verstorbenen Anton Yelchin – dem jüngst noch im Abspann zu Star Trek Beyond gedacht worden ist – zu widmen und tatsächlich wusste mich Like Crazy weitaus mehr zu begeistern als Doremus‘ zwei Jahre später entstandenes Werk, möglicherweise deshalb, da hier die Geschichte zwar weitaus weniger dramatisch, dafür aber umso lebensechter daherkommt.

Szenenbild aus Like Crazy | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Und tatsächlich, all das, was mir auch schon bei Breathe In zu imponieren wusste, findet sich auch in Doremus‘ Vorgängerfilm, wohingegen die Dinge, die mir den Film mit Guy Pearce verleidet haben, hier noch nicht zum Tragen kommen, derweil der Regisseur dennoch einen ungewohnten Weg geht, seine Geschichte zu erzählen. So beginnt sein Film zunächst recht konventionell und stellt auf die klassische "Junge-trifft-Mädchen"-Konstellation ab, wobei es hier tatsächlich das Mädchen ist, das den ersten Schritt tut, doch dessen ungeachtet entfaltet sich von diesen ersten Minuten ausgehend eine ungemein unbeschwerte und dadurch umso glaubhaftere Liebesbeziehung, die spürbar von dem jugendlichen Taumel zehrt, der beide Hauptfiguren umgibt, selbst wenn Yelchin hier schon eine eher grüblerische und in sich gekehrte Figur mimt, derweil es Jones obliegt, den extrovertierten und quirligeren Part der Beziehung zu übernehmen. Gerade wenn man aber meint, Like Crazy hätte gar keine Ambitionen, einen roten Faden zu entwickeln und eine Geschichte zu erzählen, schließen sich alsbald die ersten Zeitsprünge an und die Love-Story beginnt – wenn auch fragmentarisch – an Kontur zu gewinnen.

Und immer offensichtlicher wird auch, dass Like Crazy mitnichten das locker-flockige Feel-Good-Movie ist, als das er sich zunächst gibt, denn der Film setzt vermehrt auf Realismus und damit einhergehend ist eben nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, doch wirken die Konflikte, vorrangig das Problem mit Annas Visum, dass die Liebenden über weite Teile tausende von Meilen voneinander trennt, nicht annähernd so aufgesetzt und überdramatisiert, wie man das aus ähnlich gelagerten Filmen kennt, was wiederum Doremus‘ Aussage untermauert, viele der Szenen und Dialoge seien improvisiert gewesen, was den Film ein Stück weit in Richtung des Mumblecore-Subgenres rückt und ihm ausnehmend gut zu Gesicht steht. Überhaupt lässt Doremus vermehrt Bilder statt Worte sprechen und so wird sein Film in manchen Teilen zu einem regelrecht assoziativen Erlebnis, das sich stetig im Fluss befindet, doch fallen dadurch auch die vermehrt auftretenden Zeitsprünge weit weniger störend ins Gewicht, denn anfänglich ist es schon reichlich irritierend, wenn Anna und Jacob davon sprechen, bald für Wochen und Monate getrennt zu sein und sich in der direkt anschließenden Szene wieder gemeinsam auf der Couch, im Bett oder sonstwo befinden.

Szenenbild aus Like Crazy | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

In kleineren Szenen wissen sich neben Yelchin und Jones zudem einerseits Jennifer Lawrence (American Hustle) als auch Alex Kingston (Gilmore Girls: Ein neues Jahr) zu profilieren und verleihen dem Film ein paar weitere, interessante Facetten. Einzig das Ende, so ehrlich und glaubhaft und aufrichtig es auch sein mag, dürfte nicht jedermanns Sache sein, ist andererseits aber so ehrlich und mutig wie schon lange kein Ende mehr, was den Film in meinen Augen nur noch aufwertet, zumal ich ja wie gesagt von Doremus‘ sich hieran anschließenden Spielfilm eher enttäuscht worden bin, während Like Crazy mich – auch wenn er mitnichten perfekt ist und die Erzählweise zuweilen regelrecht unausgegoren und sprunghaft wirkt – ob seiner Authentizität wirklich zu packen wusste, weshalb ich ihn jedem Freund der genannten DarstellerInnen sowie ungewöhnlicher und unangepasster Liebesgeschichten auch nur wärmstens ans Herz legen kann.

Fazit & Wertung:

Drake Doremus wirft mit Like Crazy einen gleichermaßen authentischen wie unverblümten Blick auf eine aufkeimende Liebesbeziehung und deren Fortgang über die Jahre hinweg. Trotz narrativer Schwächen sind es insbesondere die Hauptdarsteller Felicity Jones und Anton Yelchin, die den Film zu einem regelrechten Erlebnis werden lassen. Keine klassische Love-Story, aber vielleicht gerade deswegen so empfehlenswert.

7,5 von 10 flüchtigen Momenten des Beisammenseins

Like Crazy

  • Flüchtige Momente des Beisammenseins - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Drake Doremus wirft mit Like Crazy einen gleichermaßen authentischen wie unverblümten Blick auf eine aufkeimende Liebesbeziehung und deren Fortgang über die Jahre hinweg. Trotz narrativer Schwächen sind es insbesondere die Hauptdarsteller Felicity Jones und Anton Yelchin, die den Film zu einem regelrechten Erlebnis werden lassen. Keine klassische Love-Story, aber vielleicht gerade deswegen so empfehlenswert.

7.5/10
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Like Crazy ist am 18.10.12 auf DVD bei Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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