Review: Pan (Film)

Und wir machen weiter mit einer leider nur leidlich überzeugenden Fantasy-Chose, von der ich mir trotz mittelmäßiger Kritiken allein des Regisseurs wegen doch mehr versprochen hätte, aber man muss ja auch mal danebenliegen. Egal, halten wir uns nicht mit langer Einleitung auf, denn ich habe mich natürlich noch weitaus detaillierter ausgeführt, wie ihr lesen werdet.

Pan

Pan, USA/UK/AU 2015, 111 Min.

Pan | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Joe Wright
Autor:
Jason Fuchs

Main-Cast:
Hugh Jackman (Blackbeard)
Garrett Hedlund (Hook)
Rooney Mara (Tiger Lily)
Levi Miller (Peter)
in weiteren Rollen:
Amanda Seyfried (Mary)
Adeel Akhtar (Sam Smiegel)
Nonso Anozie (Bishop)
Kathy Burke (Mother Barnabas)
Lewis MacDougall (Nibs)
Cara Delevingne (Mermaids)

Genre:
Fantasy | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Pan | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Nachdem seine Mutter ihn als Baby vor einem Londoner Waisenhaus abgelegt hat, lebt der inzwischen zwölfjährige Peter dort mit zahlreichen anderen Waisen, doch immer wieder verschwinden Kinder, derweil die grantige Heimleiterin vehement behauptet, sie seien adoptiert worden. Während über den Dächern der Stadt der Zweite Weltkrieg tobt und immer wieder Bomben aufs nächtliche London niedergehen, versucht Peter der Sache auf den Grund zu gehen und traut seinen Augen kaum, denn Piraten an Bungee-Seilen stibitzen die Jungs in Windeseile aus ihren Betten und diesmal gerät auch Peter in deren Fänge und wird auf einem fliegenden Piratenschiff verschleppt. In fernen Gestaden angekommen, werden die entführten Kinder gezwungen, in den Minen des fiesen Kapitäns Blackbeard nach Feenstaub zu graben. Dort lernt Peter auch einen jungen Draufgänger kennen, der nur als Hook bekannt ist und der sich als seine Rettung erweisen könnte, nachdem Peter von Blackbeard über die Planke eines der Schiffe gejagt wird und statt zu fallen zu fliegen beginnt…

Rezension:

Ich war ja skeptisch, was den neuesten Peter Pan-Wurf – schlicht Pan betitelt – angeht, doch schrecken mich schlechte Kritiken ja eher selten und immerhin ist der Film ja nun einmal einerseits von Joe Wright (Wer ist Hanna?), dessen Filme mir bisher immer gut gefallen haben (auch wenn ich noch immer nicht dazu gekommen bin, mir Anna Karenina anzusehen) und andererseits sah das, was die Trailer zu offerieren bereit waren, ja nun auch nicht wenig vielversprechend aus. Tatsächlich beginnt der Film auch eigentlich recht gut und allein wenn man den kleinen Peter im ungemein tristen Waisenhaus das erste Mal trifft, freut man sich bereits auf den unweigerlichen Farben-Overkill, der sicherlich beim Einzug ins Niemandsland – ach nein, Neverland – nicht lange auf sich warten lassen wird und tatsächlich wird man in dieser Hinsicht auch nicht enttäuscht, wenn es auch zunächst in die finsteren Minen der Piraten geht. Nun krankt der Film aber leider auch bereits auf den ersten Metern daran, dass Levi Miller als Peter doch zunächst ziemlich hölzern agiert und nicht gerade eben für sich einzunehmen weiß, doch soll sich das im weiteren Verlauf zumindest ein Stück weit bessern.

Szenenbild aus Pan | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Was mich wiederum noch immer etwas ratlos zurücklässt, ist der erste Auftritt seitens Hugh Jackman (Chappie) als Blackbeard, denn selbst wenn der mit großartiger Präsenz jede Szene an sich zu reißen weiß, mutet das von den Piraten geschmetterte "Smells Like Teen Spirit" noch immer seltsam an, zumal dieser Kniff nur noch einmal mit "Blitzkrieg Bop" aufgegriffen wird, weshalb es letztlich ein Fremdkörper bleibt und nicht annähernd so gut funktioniert wie beispielsweise in Moulin Rouge, wo der Nirvana-Kultsong in passenderem Ambiente und Zusammenhang ebenfalls zum Besten gegeben wird. So war ich vom Set-Design der Piratenheimat mit den offensichtlichen Steampunk-Elementen mehr als angetan, doch dramaturgisch bleibt zunächst die Frage, wohin sich der Film entwickeln mag, derweil Peter hier auch das erste Mal auf seinen späteren Erz-Widersacher Hook trifft, der von Garrett Hedlund (On the Road – Unterwegs) als eine Art Indiana Jones-Verschnitt gespielt wird, was sicherlich nicht die schlechteste Herangehensweise an die Rolle ist und ihm auch einige Sympathiepunkte bei mir eingebracht hat, während ich auch Adeel Akhtar als Smee ziemlich gelungen empfunden habe. Doch gerade wenn man meint, man würde mit dem Geschehen warmwerden und der Zauber begänne, sich zu entfalten, folgt eine doch leider selten dämliche Luftschiff-Verfolgungsjagd und hieran anschließend eine Begegnung mit CGI-Schrecken der ganz anderen Art, denn eine Schar garstiger Vögel ist so dermaßen lieblos animiert, dass es den eigentlich gewollten Schrecken der Szene locker übertüncht.

In dieser Beziehung nämlich ist Pan erschreckend durchwachsen geraten und während manche Szenen und viele der Kostüme bahnbrechend gut aussehen, gibt es auch immer wieder Totalausfälle, die mich ein ums andere Mal aus dem Film zu reißen wussten, ob es sich dabei um schlecht animierte Wesen und Effekte handelt oder schlichtweg verkleidet wirkende Personen, die sich in ihrer Montur sichtlich unwohl fühlen. Eines der auffälligsten Beispiele ist in diesem Zusammenhang sicherlich Rooney Mara (Side Effects), die ich ja wirklich sehr schätze, die hier aber nicht nur im Vorfeld für eine sicherlich nicht ungerechtfertigte Whitewashing-Debatte verantwortlich war – spielt sie schließlich die eigentlich indigene Tiger Lilly – , sondern eben auch die meiste Zeit verkleidet wirkt und folglich nicht wirklich in ihrer Rolle aufgeht, wenn sie auch in einzelnen Szenen zu glänzen weiß. Überhaupt sind einige Sequenzen für sich genommen immer wieder sehr gelungen und auch manche der eher skurrilen Einfälle seitens Joe Wright wie etwa die in Farbwolken zerplatzenden Waldbewohner fügen sich merklich besser ins Geschehen als die Grunge- und Punk-Sounds, doch trägt das alles nicht dazu bei, den Film zu einem stimmigen Ganzen zu verknüpfen und so wirkt der Plot immer wieder reichlich zerfahren und zusammenhanglos.

Szenenbild aus Pan | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Das Finale wiederum – oder sagen wir das letzte Drittel des Films – macht dann erneut deutlich, woran Pan neben vielen kleineren Ausfällen am meisten krankt, denn anstatt der dringend benötigten Magie, die ein Film, der in Neverland spielt, unweigerlich verströmen sollte, Zeit und Raum zur Entfaltung zu geben, reiht sich Action-Sequenz an Action-Sequenz und der Showdown setzt dem Ganzen die Krone auf, statt sich hier auch nur noch einen Deut um seine Figuren zu scheren. Das sicherlich größte Ärgernis aber mag sein, dass Wright nebst Drehbuchautor Jason Fuchs den Ansatz verfolgt haben, eine andere Version der Geschichte von Peter Pan zu erzählen und während man den halben Film darauf wartet, dass die Fehde zwischen Peter und Hook ihren Anfang findet, darf man spätestens in der letzten Szene feststellen, dass dies, wenn überhaupt, Thema eines (wahrscheinlich niemals produzierten) Nachfolgefilms sein mag, was den ohnehin schon mageren Plot zusätzlich ausdünnt. Mag sein, dass die hektischen Verfolgungsjagden und Kämpfe die Kleinsten unter uns noch zu begeistern wissen, doch zeichnen sich gute Kinderfilme ja oft auch dadurch aus, auch einem erwachsenen Publikum zur Genüge zu gereichen, aber davon ist Pan dann doch weit entfernt und begnügt sich mit einigen allzu offensichtlichen Querverweisen auf die ursprüngliche Geschichte, die in letzter Konsequenz aber auch kaum mehr als ein müdes Schulterzucken hervorrufen.

Fazit & Wertung:

Joe Wright mag sicherlich mit den besten Ambitionen an Pan herangegangen sein, doch statt sich auf den Zauber der Erzählung zu konzentrieren, sucht er die Magie in bunten Farben und aberwitzigen Einfällen, was seine dramaturgisch ohnehin schon magere Geschichte schnell zu purem Blendwerk werden lässt, dass mit möglichst viel Getöse über inhaltliche und emotionale Unwägbarkeiten hinwegzutäuschen versucht.

5,5 von 10 aberwitzigen Flugeinlagen

Pan

  • Aberwitzige Flugeinlagen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Joe Wright mag sicherlich mit den besten Ambitionen an Pan herangegangen sein, doch statt sich auf den Zauber der Erzählung zu konzentrieren, sucht er die Magie in bunten Farben und aberwitzigen Einfällen, was seine dramaturgisch ohnehin schon magere Geschichte schnell zu purem Blendwerk werden lässt, dass mit möglichst viel Getöse über inhaltliche und emotionale Unwägbarkeiten hinwegzutäuschen versucht.

5.5/10
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Pan ist am 17.03.16 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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