Review: Shut In (Film)

Und nach einem sehr überzeugenden Film am Dienstag folgt nun ein sehr enttäuschender Film am Donnerstag, bevor es nächste Woche mit dem gewohnten chronologischen Turnus weitergeht, der – so viel kann ich schon verraten – mit einigen Schmankerln wird aufwarten können. Bis dahin aber erst einmal viel Spaß mit meiner neuesten Film-Kritik.

Shut In

Shut In, FR/CA 2016, 91 Min.

Shut In | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Farren Blackburn
Autor:
Christina Hodson

Main-Cast:
Naomi Watts (Mary)
in weiteren Rollen:
Oliver Platt (Dr. Wilson)
Charlie Heaton (Stephen)
Jacob Tremblay (Tom)
David Cubitt (Doug)
Clémentine Poidatz (Lucy)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Shut In | © Universum Film
© Universum Film

Nachdem Mary und ihr Mann beschlossen haben, den achtzehnjährigen Stephen in einem Erziehungsheim unterbringen zu wollen, verunglückt das Auto mit Vater und Sohn an Bord. Während Marys Mann stirbt, bleibt sie mit Steifsohn Stephen allein zurück, wobei der allerdings schwerste Hirnverletzungen davongetragen hat, nicht mehr sprechen kann und an den Rollstuhl gefesselt ist. Nach einer langen Zeit der Reha nimmt Mary Stephen wieder zu sich nach Hause, doch ihr Job als Kinderpsychologin, gepaart mit den Widrigkeiten des zunehmend schwieriger werdenden Alltags mit dem gehandicapten Stephen wachsen ihr alsbald über den Kopf, derweil der Fall des neunjährigen tauben Waisen Tom sie ebenfalls mitnimmt, soll der schließlich auch in ein Heim für schwer Erziehbare "abgeschoben" werden, nachdem sie gerade erste Fortschritte mit ihm gemacht hat. Während sich dann ein regelrechter Schneesturm zusammenzubrauen beginnt, steht Tom plötzlich eines Nachts vor ihrer Tür…

Rezension:

Ich bin ja nun wahrlich kein versierter, geschweige denn passionierter Horrorfilme-Gucker und dennoch wusste mich Shut In die meiste Zeit kaum hinter dem Ofen hervorzulocken, was es umso verwunderlicher macht, dass das Skript seitens Christina Hodson es auf die Blacklist der beliebtesten, ungedrehten Filme gebracht hat, denn von der Faszination, die manch einer beim Lesen des Drehbuchs gespürt haben mag, ist leider beim fertigen Film wenig zu entdecken. So sind die Schockmomente beinahe allesamt von Weitem zu erkennen und gemeinsam mit der zunächst ungemein unbedeutenden, vor sich hin dümpelnden Handlung ist an Spannung zunächst kaum zu denken. Das mag irgendwann auch Regisseur Farren Blackburn aufgegangen sein, denn alsbald verlegt er sich darauf, Traumsequenz an Traumsequenz zu reihen – ebenfalls mit obligatorischem Schocker, wohingegen speziell eine Szene, bei der man meint, sie würde eine Wende in der Geschichte herbeiführen, achtlos fallen gelassen und nicht wieder aufgegriffen wird.

Szenenbild aus Shut In | © Universum Film
© Universum Film

Da hilft dann auch eine Naomi Watts (The Sea of Trees) nicht mehr, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wobei sie noch die Einzige ist, die zumindest darstellerisch ein wenig Boden gut macht, denn in der Rolle der überforderten, von Schuldgefühlen, Angst, Reue und Mitleid geplagten Mutter und Therapeutin darf sie durchaus wieder zeigen, was in ihr steckt und begeistert wieder einmal mit punktgenauem und nuancierten Spiel, wobei sie im Laufe der letzten Jahre ja mehr als bewiesen haben dürfte, sich in so ziemlich jedem Genre und Sujet nicht nur heimisch zu fühlen, sondern auch behaupten zu können. Dem gegenüber stehen hier gleich zwei Jungschauspieler, einerseits Charlie Heaton als der schwer hirngeschädigte und an den Rollstuhl gefesselte Stiefsohn Stephen und Jacob Tremblay als der Neunjährige Tom, der inmitten eisigsten Unwetters alsbald bei Mary (Watts) auf der Schwelle steht. Last but not least wäre noch Oliver Platt (Kill the Messenger) zu nennen, der allerdings die meiste Zeit zum reinen Stichwortgeber verkommt und im Grunde ein billiger Kniff ist, um die Figur Mary in die Lage zu versetzen, sich mit jemandem auszutauschen, was die zunehmend merkwürdiger und verstörender werdenden Vorkommnisse anbelangt, derweil alle weiteren Figuren im Grunde bloße Statisten sind, die auch entsprechend kaum an Profil, geschweige denn Charakter gewinnen (nicht, dass es da Platts Figur anders ergehen würde).

Während Shut In also in aller Getragenheit am Zuschauer vorbeizieht und selbst Mary kaum mehr als rudimentäre Charaktereigenschaften zugebilligt bekommt – es also allein an Naomi Watts liegt – die Figur trotz aller Widrigkeiten mit so etwas wie Leben zu füllen – platzt dann nach einer guten Stunde der halbgaren Überraschungsmomente und des erwartungsgemäß irrationalen Verhaltens ("Ruf ich wohl besser die Polizei? Ach nee, wird schon nix sein. Oh, ein bedrohliches Geräusch aus dem dunklen Keller, da geh ich wohl besser mal hin" [Gedächtnisprotokoll anzunehmender Gedankengänge]) der Knoten und der selbst von mir meilenweit gegen den Wind zu riechende Twist beginnt sich zu entfalten, offenbart dabei aber gleich noch mehr inszenatorische Patzer und logische Auslassungen, zumal der Effekt im Grunde nur dadurch erreicht werden kann, dass man dem Zuschauer gehörig Wissen vorenthalten hat, weshalb ich mich auch unvermittelt fragte, ob die Geschichte womöglich weit besser funktioniert hätte, wenn man sie gänzlich anders aufgezäumt hätte als hier geschehen.

Szenenbild aus Shut In | © Universum Film
© Universum Film

Da dem aber nicht so ist, vermag auch die letzte halbe Stunde das Ruder nicht mehr wirklich herumzureißen und auch wenn es jetzt etwas temporeicher zur Sache gehen mag, ist Shut In spätestens hier in den Niederungen der nach Schema F produzierten, vermeintlichen Schocker angekommen und hat noch nicht einmal mehr Überraschungsmomente auf seiner Seite (ich weiß, die wussten schon vorher nicht zu überzeugen, kann man also so oder so sehen), bis alles in eine unausweichliche Konfrontation mündet, die genauso schnell abgefrühstückt wird, wie man das im Grunde bei jedem Aspekt dieses Films getan hat, um – reine Mutmaßung – doch bitte ja unter neunzig Minuten Laufzeit zu bleiben. So ist die Kürze hier tatsächlich auch leider ein Segen, denn abgesehen von Watts will hier gar nichts so richtig zünden und bei einem dergestalt konzipierten Film schlussendlich das Resümee ziehen zu müssen, sich weder gegruselt oder geängstigt zu haben, sich nicht hat schocken oder überraschen lassen zu können, sich weder gespannt noch interessiert in den Sessel gedrückt zu fühlen, ist wohl so etwas wie eine filmische Bankrotterklärung, der dieses Machwerk leider ziemlich nahekommt. Punkte gibt es dann am Ende überhaupt nur für die Hauptdarstellerin und ein paar vereinzelt funktionierende Szenen, wenn auch beides im enttäuschenden Einheitsbrei von Psychoschocker letztlich untergeht.

Fazit & Wertung:

Bei Farren Blackburns Shut In passt leider so gut wie gar nichts zusammen und selbst hartgesottene Genre-Fans sollten besser einen Bogen um den Streifen machen, denn von Tiefe und Charakterzeichnung oder wenigstens einer einfallsreichen Geschichte oder stimmig inszenierter Schockmomente ist hier nichts zu spüren und selbst wenn man sich auf den einzigen Lichtblick, Naomi Watts‘ gewohnt überzeugendes Schauspiel fokussiert, dürfte man mit diesem halbgar konzipierten Machwerk kaum glücklich werden, wenn das "Vergnügen" mit kaum neunzig Minuten immerhin ein kurzes bleibt.

3 von 10 Geräuschen im Dunkeln

Shut In

  • Geräusche im Dunkeln - 3/10
    3/10

Fazit & Wertung:

Bei Farren Blackburns Shut In passt leider so gut wie gar nichts zusammen und selbst hartgesottene Genre-Fans sollten besser einen Bogen um den Streifen machen, denn von Tiefe und Charakterzeichnung oder wenigstens einer einfallsreichen Geschichte oder stimmig inszenierter Schockmomente ist hier nichts zu spüren und selbst wenn man sich auf den einzigen Lichtblick, Naomi Watts‘ gewohnt überzeugendes Schauspiel fokussiert, dürfte man mit diesem halbgar konzipierten Machwerk kaum glücklich werden, wenn das "Vergnügen" mit kaum neunzig Minuten immerhin ein kurzes bleibt.

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