Review: The Neon Demon (Film)

So, eine weitere Lücke gefüllt und ziemlich angetan gewesen von dem Ganzen, wobei ich mit dieser Meinung bei einem Blick auf die "Meinungen aus der Blogosphäre" ja doch eher alleine bin, aber was soll‘s, wäre ja noch blöder, mich zu ärgern, dass mir etwas gefallen hat, was andere nicht (so sehr) mochten, denn andersrum wäre ja schließlich viel schlimmer.

The Neon Demon

The Neon Demon, USA/DK/FR 2016, 118 Min.

The Neon Demon | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Nicolas Winding Refn
Autoren:
Nicolas Winding Refn
Mary Laws
Polly Stenham

Main-Cast:

Elle Fanning (Jesse)
Karl Glusman (Dean)
Jena Malone (Ruby)
Bella Heathcote (Gigi)
Abbey Lee (Sarah)
Desmond Harrington (Jack)
Christina Hendricks (Roberta Hoffmann)
Keanu Reeves (Hank)

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Neon Demon | © Koch Media
© Koch Media

Mit zarten sechzehn Jahren kommt die junge Jesse mit leichtem Gepäck und großen Träumen nach Los Angeles und strebt eine Karriere als Model an. Nachdem Agenturchefin Roberta von ihr recht angetan ist, nimmt ihre Karriere an Fahrt auf. Noch vor einem Shooting mit Star-Fotograf Jack freundet sich Jesse mit der Visagistin Ruby an, die sie mit den Models Gigi und Sarah bekannt macht, doch die sehen in dem Mädchen alsbald echte Konkurrenz, nachdem Jesse die Herzen der Agentur-Chefs und Mode-Schöpfer im Sturm zu erobern scheint. Doch es ist nicht alles Glanz und Glamour in L.A. und während Jesses Aufstieg in der Modewelt unaufhaltsam scheint, hat sie mit den Avancen des cholerischen wie schmierigen Motel-Betreibers Hank zu kämpfen, während auch ihr Freund – seines Zeichens aufstrebender Fotograf – sich zunehmend von Jesses Verhalten vor den Kopf gestoßen fühlt…

Rezension:

Nach Nicolas Winding Refns weithin gefeiertem Drive und dessen Nachfolgefilm Only God Forgives, der ja schon wieder einige Zuschauer mit seiner exzentrischen, wortkargen und überstilisiert-brutalen Inszenierung verprellt haben dürfte, kam der dänische Regisseur und Drehbuchautor Mitte 2016 mit seinem neuesten Werk The Neon Demon daher, verzichtete diesmal auf die Beteiligung von Ryan Gosling und setzte stattdessen Jungstar Elle Fanning (Young Ones) in den Fokus der Erzählung, derweil sich die Geschichten tatsächlich wieder einmal in vielen Punkten ähneln, vor allem aber die Machart und Handschrift des künstlerisch ambitionierten Filmemachers wieder mehr als deutlich zutage treten, während sein dritter Ausflug gen Amerika nun wie der exakte Mittelweg zwischen beiden vorangegangenen Werken wirkt, zumindest ein Stück weit weniger wortkarg daherkommt und sich immerhin in der zweiten Hälfte um eine fortlaufende Handlung bemüht, während die gesamte Mär sich ansonsten natürlich auch hier wieder aus einer ganzen Schar irritierender, verstörender, albtraumhafter und surrealer Szenen zusammensetzt, womit wir uns hier wieder ein Stück weit in Richtung Arthouse bewegen, ohne der Unzugänglichkeit von Only God Forgives zu verfallen.

Szenenbild aus The Neon Demon | © Koch Media
© Koch Media

Die Prämisse des Films, die Botschaft oder Grundaussage des Films ist dabei so alt wie vorhersehbar und konstatiert, dass die Modebranche als Ganzes sich selbst verschlingt und es wäre kein echter Winding Refn, wenn er diese Botschaft nicht auch manchmal mit der Holzhammer-Methode an den Mann zu bringen versuche, doch davon abgesehen ist es auch ein formidabel zusammengesetztes Schauermärchen, teilweise ein regelrechter Horrorfilm, ohne dass man den Horror dabei die meiste Zeit genau benennen könnte, denn im Grunde sind es hier oft unheilschwangere Blicke und Einstellungen, die Schreckliches suggerieren, ohne dass man den Finger darauf halten könnte, woher diese Bedrohlichkeit stammt. So wird The Neon Demon aber auch sicherlich wieder eine Vielzahl Zuschauer verprellen, die sich eine zielgerichtetere Handlung und eine stimmigere Auflösung erhofft hätten, denn mehr denn je lässt der Regisseur schlussendlich ziemlich viel in der Luft hängen, was in Kombination mit den zum Ende hin zunehmend surrealer und verstörender werdenden Szenen, deren Bedeutung sich erst nach eingehender Auseinandersetzung mit der Intention des Filmemachers erschließen dürfte, zu einem letzthin doch unbefriedigenden Erlebnis führen könnte.

Substanziell wird es hier auch allerhöchstens auf der Meta-Ebene und der eigentliche Plot besteht tatsächlich im Grunde nur daraus, wie ein junges, unbedarftes Mädchen in den Molloch von L.A. gerät und als neuer Fisch im Becken von den dort kreisenden Haien zerfetzt zu werden droht, während selbst fernab der bizarr-überhöhten Schein- und Glitzerwelt die Gefahr an allen Ecken lauert, woran insbesondere Keanu Reeves (John Wick) als schmerbäuchiger und zutiefst opportuner Motel-Besitzer seine wahre Freude gehabt haben dürfte und einen kernigen Nebenpart ausfüllt, während ansonsten die männlichen Gestalten hier samt und sonders zu Stereotypen und Archetypen verkommen und ebenso schnell wieder aus dem Skript geschrieben werden, wie sie in Erscheinung treten, ob es sich nun um den gutherzig-naiven Freund der jungen Jesse handelt oder den hier erschreckend morbide wirkenden Desmond Harrington (Dexter) als Fotograf Jack. Eher enttäuschend ist in diesem Zusammenhang auch der Part von Christina Hendricks (Hap and Leonard), der nur wenige Minuten Leinwandzeit zugestanden werden, bevor sie in der Versenkung verschwindet.

Szenenbild aus The Neon Demon | © Koch Media
© Koch Media

Neben der Figur von Elle Fanning, dem blutjungen und (selbst)zerstörerischen Blondchen, dem der Film in letzter Konsequenz auch seinen Titel verdankt, steht aber ganz klar die Figur von Jena Malone im Vordergrund, die in ihrer Rolle der Make-Up Artist Ruby so dermaßen aufgeht, dass man es mit der Angst zu tun bekommen kann, womit sie einmal mehr eine enorm eindrückliche Performance abliefert und in diesem Fall eine der wohl verstörendsten Sexszenen der letzten Jahre quasi im Alleingang stemmt (wer den Film oder die Szene kennt, wird die Anspielung verstehen) und damit hätten wir auch wieder die Überleitung geschaffen, dass man sich auch diesen NWR-Film – der werte Regisseur und Schreiber sieht und vermarktet sich mittlerweile selbst als Marke – nur ansehen sollte, wenn der eigene Magen mit gesunder Konstitution gesegnet ist, denn auch wenn das Geschehen gerade zu Beginn noch relativ harmlos scheint, lässt es sich auch The Neon Demon nicht nehmen, nach und nach den Härtegrad hochzuschrauben und mit zunehmen blutiger und expliziter werdenden Aufnahmen auf ein Finale zuzusteuern, dass ich mir so sicherlich nicht erwartet hätte, denn im Laufe der gut zwei Stunden Laufzeit macht dieses Werk doch einige Wandlungen durch und entfernt sich zunehmend von der Realität, was mich persönlich enorm fasziniert hat, derweil ich auch hier wieder ganz nah bei all Jenen bin, die mit diesem Werk nichts anzufangen wissen werden, denn eigen ist es schon, was einem hier als Horrorfilm-/Satire-/Mystery-Thriller-Konglomerat verkauft wird, künstlerisch aber wieder einmal allererste Güte, wozu auch der wummernde Electroscore seitens Cliff Martinez, der nicht nur für Winding Refns vorangegangene zwei Filme kompositorisch verantwortlich zeichnete, sondern auch den in Teilen ähnlich gelagerten Spring Breakers musikalisch untermalen durfte, sein Übriges beiträgt.

Fazit & Wertung:

Mit The Neon Demon bleibt Nicolas Winding Refn seinem Habitus vollends treu und liefert eine weitere verstörende, von sirrenden Neonlichtern und wummernden Beats durchzogene Mär ab, die auf ungewöhnliche Weise mit dem Horror-Genre kokettiert und sich in der zweiten Hälfte mehr und mehr zum irritierend-verstörenden Mystery-Thriller mausert, derweil die Grundaussage des Films – ebenso wie der eigentliche Plot – gewohnt mager ausfallen, was aber bei entsprechender Affinität für eher assoziativ geartete Filme dem Genuss dieses künstlerisch überhöhten Werkes keinen Abbruch tut. Nur mögen muss man diese Art von Filmen eben schon, denn sonst gerät auch dieser Film des eigenwilligen Dänen zu einer Enttäuschung.

8,5 von 10 verstörenden Foto-Shootings

The Neon Demon

  • Verstörende Foto-Shootings - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit The Neon Demon bleibt Nicolas Winding Refn seinem Habitus vollends treu und liefert eine weitere verstörende, von sirrenden Neonlichtern und wummernden Beats durchzogene Mär ab, die auf ungewöhnliche Weise mit dem Horror-Genre kokettiert und sich in der zweiten Hälfte mehr und mehr zum irritierend-verstörenden Mystery-Thriller mausert, derweil die Grundaussage des Films – ebenso wie der eigentliche Plot – gewohnt mager ausfallen, was aber bei entsprechender Affinität für eher assoziativ geartete Filme dem Genuss dieses künstlerisch überhöhten Werkes keinen Abbruch tut. Nur mögen muss man diese Art von Filmen eben schon, denn sonst gerät auch dieser Film des eigenwilligen Dänen zu einer Enttäuschung.

8.5/10
Leser-Wertung 4/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmaffe: 2,5/5
Filmherum: 3/5
Der Kinogänger: 7/10

The Neon Demon ist am 27.10.16 auf DVD und Blu-ray und am 10.11.16 als 4K UHD Blu-ray bei Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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