Review: Exodus: Götter und Könige (Film)

Und der nächste Blockbuster, den es nachzuholen galt und ich bin beinahe genauso enttäuscht wie vom ersten DC-Film letzte Woche Freitag, aber es geht auch bald wieder aufwärts. Bis dahin könnt ihr hier nachlesen, warum mich Ridley Scotts Bibel-Epos nur leidlich zu überzeugen wusste.

Exodus
Götter und Könige

Exodus: Gods and Kings, UK/USA/ES 2014, 150 Min.

Exodus: Götter und Könige | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Ridley Scott
Autoren:
Adam Cooper
Bill Collage
Jeffrey Caine
Steven Zaillian

Main-Cast:

Christian Bale (Moses)
Joel Edgerton (Ramses)
John Turturro (Seti)
Aaron Paul (Joshua)
Ben Mendelsohn (Viceroy Hegep)
Sigourney Weaver (Tuya)
Ben Kingsley (Nun)

Genre:
Action | Historie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Exodus: Götter und Könige | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Rund 1.300 Jahre vor unserer Zeitrechnung regiert Pharao Seti über ganz Ägypten, derweil sich sein Sohn Ramses wie auch Moses, der eine Art Ziehsohn der Familie geworden ist, als dessen Generäle verdingen und Seite an Seite stehen. Eines Tages allerdings wird Moses auf eine Mission geschickt, um immer wieder aufkeimende Sklavenaufstände zu ersticken und im Zuge dessen erzählt ihm Nun, einer der Ältesten, eine schockierende Geschichte, in der er behauptet, Moses sei selbst ein Israelit, der als Neugeborenes vor dem Pharao versteckt worden sei, als der die Tötung aller Erstgeborenen befahl, aus Furcht vor einer Prophezeiung. Moses schenkt dem Gerede kein Gehör, doch nachdem Seti verstorben und Ramses dessen Nachfolger als Pharao geworden ist, erfährt auch dieser von der Geschichte und verbannt Moses. Der überlebt wie durch ein Wunder den Gewaltmarsch durch die Wüste und baut sich alsbald ein bescheidenes, aber glückliches Leben auf, bis zu dem Tag zumindest, als ihm wahrhaftig Gott erscheint und ihm aufträgt, die Israeliten von dem Joch Ramses‘ zu erlösen und in die Freiheit zu führen…

Rezension:

Ridley Scott ist ja nicht erst seit Königreich der Himmel unter anderem bekannt für epische Historien-Geschichten und ganz allgemein bombastische Blockbuster, derweil ich um Exodus: Götter und Könige lange Zeit einen großen Bogen gemacht habe, zumal mir das biblische Thema nicht so zu liegen schien, während allein schon Christian Bale (Auge um Auge) für mich Grund genug war, den Film nie so richtig aus den Augen zu verlieren. Mit entsprechend gemischten Gefühlen ging es schlussendlich doch an die Sichtung, doch sollte sich schnell herausstellen, dass meine anfängliche Skepsis sich doch als begründet erweisen sollte, denn so episch und bombastisch das Geschehen auch sein mag, verlässt sich Scott doch viel zu sehr auf das Ausmaß seiner Materialschlacht, als dass er seinen Figuren wirkliche Bedeutung beimessen würde. Das findet seinen Anfang mit den zwei Hauptfiguren und späteren Rivalen Moses und Ramses, denn so charismatisch sowohl Christian Bale als auch Joel Edgerton (Midnight Special) sein mögen, gibt man ihnen abgesehen von recht rudimentärer Charakterisierung nicht viel an die Hand, womit sie arbeiten könnten, weshalb sie sich oftmals einzig auf ihre durchaus beeindruckende Präsenz verlassen müssen.

Szenenbild aus Exodus: Götter und Könige | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Ansonsten kommt auch der eigentliche Plot, der zur Entzweiung der zwei Brüder im Geiste führt, nur ziemlich holprig in Fahrt, zumal hier ohne tieferen Sinn die Figuren Nun und Joshua eingeführt werden, deren Darsteller Ben Kingsley (Collide) und mehr noch Aaron Paul (The Path) nicht nur unterfordert, sondern regelrecht verschenkt sind, denn beide dieser vermeintlich wichtigen Figuren bekommen auch im weiteren Verlauf nur eine Handvoll Leinwandminuten spendiert, die kaum tiefere Bewandtnis für den Fortgang der Geschichte haben, wenn etwa Pauls Joshua Moses bei seiner Zwiesprache mit Gott beobachtet, ohne dass dies je Konsequenzen hätte. Immerhin, die Art und Weise, wie hier Gott selbst Teil der Handlung wird hat mir durchaus gefallen und punktet mit einem frischen wie treffenden Ansatz, während der hieraus resultierende Ausbruch der einzelnen Plagen nicht nur optisch phänomenal geraten ist und mitunter das Highlight des Films darstellen dürfte.

Dennoch krankt Exodus in vielen Punkten – wie auch bei den Plagen – daran, dass im Grunde jederzeit offenbar ist, wie die Geschichte ihren Fortgang findet, so dass sich Überraschungen weitestgehend erfolglos suchen lassen, was man aber mit einer vielschichtigen, differenzierteren Figurenzeichnung sicherlich hätte übertünchen können. Immerhin Ben Mendelsohn (Slow West) weiß aus seiner vergleichsweise kleinen Rolle als Emporkömmling Hegep erstaunlich viel zu machen und überzeugt wie eh und je, während Edgertons Ramses zumindest in der zweiten Hälfte noch eine Handvoll denkwürdiger Momente spendiert bekommt. Doch demgegenüber wird ausgerechnet Moses und seine Motivation, sein Volk aus Ägypten zu führen, nur mehr unzureichend herausgearbeitet, während sein Leben im Exil in nur wenigen Minuten abgehandelt wird und er dann prompt beschließt, seine Familie zurückzulassen und sich zum Retter des Volkes aufzuschwingen, was schon sehr platt inszeniert worden ist. Überhaupt reiht Scott hier gerne weithin bekannte Versatzstücke aneinander und kupfert teils gar von seinen eigenen Filmen wie etwa Gladiator ab, was nicht gerade dabei hilft, seinem Bibel-Epos die dringend benötigte Eigenständigkeit zu verleihen.

Szenenbild aus Exodus: Götter und Könige | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So wirkt vieles an Exodus überaus generisch, so fulminant das Setting und speziell die Plagen auch inszeniert worden sein mögen, während auch die Teilung des Meeres allen Regeln des Blockbuster-Kinos folgt und sich rein optisch keine Blöße gibt, doch wird Moses eben auch spürbar zum kampfesmutigen Helden hochstilisiert, werden manche Szenen üppig ausgewalzt, um bloß auf die opulenten Schauwerte verweisen zu können, während sich geschichtlich nicht allzu viel tut. Von der auch bei diesem Film wieder recht laut gewordenen Whitewashing-Debatte ganz zu schweigen, wobei ich Scott schon durchaus glaube, dass sich ein derartiger Monumentalfilm mit unbekannteren Darstellern kaum hätte realisieren lassen, weil bekannte Namen schon ausgeprägte Zugpferde im Film-Business sein können, doch zeigt Exodus auf der anderen Seite eben auch, dass bekannte Namen noch längst kein Garant für einen guten Film sind, ebenso wenig wie ein sicherlich mehr als üppiges Budget, denn Scott versäumt es bei all dem Budenzauber, der Geschichte um Moses einen spürbaren eigenen Stempel aufzudrücken (wie es hingegen Aronofsky mit seiner fantastisch angehauchten Noah-Interpretation getan hat) und verschenkt viele der sich bietenden Chancen, derweil der Film schon während des letzten Drittels Ermüdungserscheinungen zu zeigen beginnt, denn Spannung mag nicht so recht aufkommen, wenn der Ausgang doch längst feststeht. Entsprechend überraschungsarm hangelt sich der Film also von Station zu Station und wird mit kaum etwas längerfristig in Erinnerung bleiben, obschon die Bilder für sich genommen wieder ausnehmend beeindruckend geraten sind.

Fazit & Wertung:

Im Grunde ist Ridley Scotts Exodus: Götter und Könige ein Monumental-Epos wie es im Buche steht und befolgt alle Lehren des auf Opulenz und Bombast gepolten Kinos, vergisst darüber aber beinahe gänzlich, einen eigenen Ansatz für die Geschichte zu finden oder auch nur, sich den prominent besetzten Figuren zu widmen, die beinahe gänzlich zu kaum mehr als puren Stichwortgebern und Klischees verkommen, was der ohnehin schon vergleichsweise überraschungsarmen Geschichte noch zusätzlich Wasser abgräbt.

5,5 von 10 göttlichen Erscheinungen

Exodus: Götter und Könige

  • Göttliche Erscheinungen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Im Grunde ist Ridley Scotts Exodus: Götter und Könige ein Monumental-Epos wie es im Buche steht und befolgt alle Lehren des auf Opulenz und Bombast gepolten Kinos, vergisst darüber aber beinahe gänzlich, einen eigenen Ansatz für die Geschichte zu finden oder auch nur, sich den prominent besetzten Figuren zu widmen, die beinahe gänzlich zu kaum mehr als puren Stichwortgebern und Klischees verkommen, was der ohnehin schon vergleichsweise überraschungsarmen Geschichte noch zusätzlich Wasser abgräbt.

5.5/10
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Exodus: Götter und Könige ist am 07.05.15 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Wirklich erstaunlich, wie der Regisseur von „Gladiator“ und „Königreich der Himmel“ diese Story mit dieser Besetzung so vermasseln konnte. Klar, ein Teil der Schuld wird beim Drehbuch liegen, aber trotzdem hätte man da sicher mehr rausholen können. Zum Glück habe ich dafür wegen der mäßigen Kritiken kein Geld ausgegeben (obwohl es für mich im Vorfeld eigentlich ein „Must-See“ war), sondern den Film erst später im Fernsehen angeschaut …

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