Review: Suicide Squad – Extended Cut (Film)

Schon ist wieder Wochenende, schon hat ein neuer Monat begonnen und schon komme ich wieder mit einer Film-Kritik ums Eck. Wer da nicht das Gefühl bekommt, die Zeit rase quasi vorbei, dem kann ich auch nicht mehr helfen. So, und jetzt kommt mir gut in die freien Tage, ich für meinen Teil gehe jetzt gleich erst einmal Lego shoppen!

Suicide Squad
Extended Cut

Suicide Squad, USA 2016, 123 Min.

Suicide Squad | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
David Ayer
Autor:
David Ayer

Main-Cast:
Will Smith (Deadshot)
Jared Leto (The Joker)
Margot Robbie (Harley Quinn)
Joel Kinnaman (Rick Flag)
Viola Davis (Amanda Waller)
in weiteren Rollen:
Jai Courtney (George Harkness / Captain Boomerang)
Jay Hernandez (Diablo)
Adewale Akinnuoye-Agbaje (Killer Croc)
Ike Barinholtz (Griggs)
Scott Eastwood (Lieutenant GQ Edwards)
Cara Delevingne (June Moone / Enchantress)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Suicide Squad | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Nun, da Superman nicht mehr am Himmel fliegt, braucht die Welt eine neue Waffe, um sich gegen Bedrohungen ähnlichen Kalibers erfolgreich zur Wehr zu setzen und entsprechend setzt die Regierungsbeamte Amanda Waller alles daran, ihren ungewöhnlichen Plan umzusetzen, eine Spezialeinheit aus Superschurken zusammenzustellen, um sie für den Dienst für das Gute zu verpflichten und nach einer eindrucksvollen Demonstration bekommt sie die nötige Rückendeckung, um Gestalten wie den Killer Deadshot, die verrückte Harley Quinn, den mutierten Kanalisationsbewohner Killer Croc, den australischen Captain Boomerang oder den pyromanisch veranlagten Diablo um sich zu scharen und mithilfe von Implantaten gefügig zu machen. Währenddessen befreit sich die uralte Entität Enchantress aus dem Körper der Archäologin June Moone und begibt sich nach Midway City, um von dort aus mit ihrem Bruder die Welt zu zerstören, was dann wohl den ersten Auftrag für die frisch gebildete "Suicide Squad&qot; bedeuten dürfte…

Rezension:

Wider besseren Wissens habe ich mich trotz der verhaltenen bis vernichtenden Kritiken nun auch an Suicide Squad herangetraut und hierbei meine Hoffnung in den Extended Cut des Streifens gelegt, der, wenn auch nur knapp zehn Minuten länger, vielleicht ein etwas runderes Seherlebnis ergeben könnte und ja, ich weiß, dass ich mir eigentlich erst Batman v Superman: Dawn of Justice hätte ansehen müssen, doch habe ich das ja schon bei den Marvel-Filmen nicht so genau genommen, derweil es mir scheint, dass dies hier noch weniger störend ins Gewicht fällt. Sei es wie es will, ist der Extended Cut tatsächlich die ansprechendere, weil dezent wie gekonnt erweiterte Variante des Films, doch ist der dennoch weit davon entfernt, wirklich gut zu sein, selbst wenn ich meine wohlwollenden "ich will nur Popcorn-Kino, Spaß und Unterhaltung"-Maßstäbe an den Film anlege. Das liegt mehr als alles andere schlicht daran, dass man versucht hat, einen bitterbösen Film voller Schurken in den Hauptrollen zu realisieren und vorgab, so richtig garstig und gemein sein zu wollen, nur um das Ganze dann auf familientaugliche, handzahme Unterhaltung runter zu pegeln, so dass Suicide Squad am Ende harmloser daherkommt als Genre-Vertreter wie Deadpool, der besser zeigt, wie es hätte gehen können.

Szenenbild aus Suicide Squad | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Da fällt dann schon gar nicht mehr so störend auf, dass der Plot an sich schon sehr rudimentär geraten ist und viele Parallelen mit beispielsweise The Raid aufweist, der ja nun auch sehr stringent – aber eben auch kompromisslos – inszeniert worden ist. Dabei beginnt Suicide Squad durchaus vielversprechend mit einer ausgiebigen Vorstellung der einzelnen Schurken (wobei man sich auch hier auf die prominenteste Klientel beschränkt) und mündet nach ein wenig Vorgeplänkel und ungefähr 45 verstrichenen Minuten Laufzeit direkt am Ort des Geschehens. Bis dahin hatte mich der Film auch durchaus auf seiner Seite, war mir schließlich dort auch noch nicht bewusst, dass die gesamte restliche Laufzeit darauf verwandt werden würde, die Handvoll Oberfieslinge von Haus zu Haus und Treppenhaus zu Treppenhaus zu schicken, um gegen gesichtslose Horden Fieslinge der anderen Fraktion ins Feld zu ziehen, denn trotz gutgemeinter One-Liner und ein paar halbgar aufbereiteten Nebenplots ist das leider ein bisschen wenig, um noch einmal für rund anderthalb Stunden fesseln zu können.

Apropos Nebenplot hat es mich aber vor allem erstaunt, wie klein die Rolle von Jared Leto (Dallas Buyers Club) und damit des Jokers im Film ist, gerade angesichts der Tatsache, wie viel Theater nicht nur im Vorfeld um seine Besetzung und die damit verbundene "Nachfolge" des verstorbenen Heath Ledger gemacht worden ist. Ansonsten weiß Leto aber durchaus zu polarisieren und orientiert sich mit "seinem" Joker spürbar an den Comics, womit er zwar weit mehr wie eine Karikatur wirkt, bunter, irrealer und nicht so geerdet wie Ledgers Variation in Nolans ohnehin deutlich ernsterer Batman-Trilogie, sich damit die Figur aber auch gekonnt zu eigen macht. Über Letos kleine Rolle (die im Extended Cut immerhin einige zusätzliche Szenen spendiert bekommen hat) offenbart aber gleichzeitig auch eines der wohl größten Probleme von Suicide Squad, denn fernab von Will Smith als Deadshot und Margot Robbie als Harley Quinn bekommt im Grunde keine der Figuren ausreichend Raum zur Entfaltung, geschweige denn eine nachvollziehbare Vita spendiert.

Ohnehin – aber das mag auch Teil des Problems der Vorlage sein – habe ich mich mehr als einmal gefragt, worin denn die Superkräfte der Superschurken bestehen sollen, denn das Jai Courtneys Figur des Captain Boomerang wohl wahnsinnig toll Bumerang werfen kann, kann ja wohl kaum als Kraft durchgehen, zumal er das nicht einmal sonderlich oft tut. Andere Figuren wiederum wie die der Katana (Karen Fukuhara) sind so dermaßen zusammengestaucht worden, dass sie kaum noch eine Daseinsberechtigung in dem Film haben (weshalb Fukuhara nicht einmal mehr beim Cast genannt wird). Da lobe ich mir eine resolut aufspielende Viola Davis (Prisoners) als Amanda Waller und einen etwas blass bleibenden, dafür routiniert aufspielenden Joel Kinnaman (Run All Night) als Rick Flag, der übrigens ursprünglich von Tom Hardy hätte gespielt werden sollen, wobei ich mir den weit eher als Captain Boomerang hätte vorstellen können, zumal der in der deutschen Fassung mit Torben Liebrecht auch noch Hardys‘ Stamm-Synchronsprecher spendiert bekommen hat. Über Sinn und Unsinn, Cara Delevingne (Pan) als June Moone beziehungsweise Enchantress zu besetzen kann man derweil streiten, doch mir persönlich hat ihre Darstellung durchaus zu gefallen gewusst.

Szenenbild aus Suicide Squad | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Bleiben schlussendlich also genau zwei Hauptfiguren und auch hier liegen Licht und Schatten nah beieinander, denn auch ich bin – für mich völlig überraschend – ein großer Fan der Darstellung von Margot Robbie (The Wolf of Wall Street) als Harley Quinn, zumal es gerade im Extended Cut noch einiges mehr an Szenen mit ihr und dem Joker zu sehen gibt, speziell auch aus der Zeit vor ihrer "Verwandlung", so dass es mitnichten damit getan ist, "nur" die Psycho-Badass-Bitch zu geben, wohingegen Will Smith leider weitestgehend enttäuscht. Das liegt gar nicht mal so sehr an ihm, sondern vielmehr dem Weichspül-Wohlfühlcharakter von Suicide Squad, denn Deadshot ist schlichtweg viel zu sympathisch geraten, was das Bild des weltbesten und skrupellosesten Killers der Welt leider schnell ad absurdum führt, denn mit der Holzhammer-Methode wird einem hier eingebläut, dass der Herr Deadshot doch im Herzen immer zuerst liebender Vater sein wird. So wirkt in David Ayers Film leider vieles wie gewollt und nicht gekonnt: die Bösen sind nicht "wirklich" böse, Gewalt ist nicht gewalttätig, die Action-Einlagen handzahm und wie mit angezogener Handbremse inszeniert, der Antagonist wirkt wie aus dem Hut gezaubert und die ach so mörderische Suicide Squad mit ihren Kräften wie "Bumerang-schmeißen" oder "Wie-ein-Krokodil-aussehen-und-stark-sein", dicht gefolgt von "Dank-Joker-bekloppt-und-geschickt-mit-dem-Baseballschläger" versetzt nun auch nicht eben in Begeisterungsstürme. Kaum zu glauben, dass ich den Film aber trotz all der Kritik irgendwie auch unterhaltsam fand, nur eben nicht "gut" im eigentlichen Sinne.

Fazit & Wertung:

David Ayer mag bei der Inszenierung von Suicide Squad die besten Absichten gehabt haben, doch gelingt ihm her das seltene Kunststück, den Film einerseits völlig überfrachtet wirken zu lassen, so dass viele Figuren kaum mehr Profil bekommen als ein Abziehbild, ihn andererseits mit einem dermaßen generischen Plot auszustatten, das die Inhaltsbeschreibung sich im Kern auch auf "fiese Leute gehen in die Stadt um noch fiesere Leute zu stoppen" runterbrechen ließe. Die fehlende Härte allerdings bricht dem Streifen das Genick und lässt ihn bei aller plakativen Dunkelheit zu einem im Herzen quietschbunten Popcorn-Filmchen verkommen, das doch so gerne böse und subversiv und anarchisch gewesen wäre. Immerhin zünden nicht wenige One-Liner, ist die Einführung der Schurken unterhaltsam geraten, wissen der Joker wie auch Harley Quinn durchaus mit psychotischem Charme aufzuwarten, doch auch wenn all diese Aspekte eine gewisse Kurzweil garantieren, wäre doch spürbar so viel mehr möglich gewesen, als nur einen soliden und oberflächlichen Genre-Vertreter zu generieren.

6,5 von 10 psychopathischen Superschurken

Suicide Squad - Extended Cut

  • Psychopathische Superschurken - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

David Ayer mag bei der Inszenierung von Suicide Squad die besten Absichten gehabt haben, doch gelingt ihm her das seltene Kunststück, den Film einerseits völlig überfrachtet wirken zu lassen, so dass viele Figuren kaum mehr Profil bekommen als ein Abziehbild, ihn andererseits mit einem dermaßen generischen Plot auszustatten, das die Inhaltsbeschreibung sich im Kern auch auf "fiese Leute gehen in die Stadt um noch fiesere Leute zu stoppen" runterbrechen ließe. Die fehlende Härte allerdings bricht dem Streifen das Genick und lässt ihn bei aller plakativen Dunkelheit zu einem im Herzen quietschbunten Popcorn-Filmchen verkommen, das doch so gerne böse und subversiv und anarchisch gewesen wäre. Immerhin zünden nicht wenige One-Liner, ist die Einführung der Schurken unterhaltsam geraten, wissen der Joker wie auch Harley Quinn durchaus mit psychotischem Charme aufzuwarten, doch auch wenn all diese Aspekte eine gewisse Kurzweil garantieren, wäre doch spürbar so viel mehr möglich gewesen, als nur einen soliden und oberflächlichen Genre-Vertreter zu generieren.

6.5/10
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Suicide Squad ist am 19.12.16 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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