Review: Company Men (Film)

Und wir starten ins Wochenende mit einem weiteren Werk aus meinem Fundus viel zu lange vernachlässigter Werke, der dem Gefühl nach etwa seit seiner Heimkino-Veröffentlichung bei mir in der Schublade schlummert, was sich mit dieser Rezension nun aber erledigt hat, denn jetzt darf die Scheibe natürlich umziehen ins Regal, wie sich all die anderen gesehenen und rezensierten Filme tummeln. Eine Art kleines und spätes Happy-End zum Wochenende sozusagen.

Company Men

The Company Men, UK/USA 2010, 104 Min.

Company Men | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Regisseur:
John Wells
Autoren:
John Wells

Main-Cast:
Ben Affleck (Bobby Walker)
Chris Cooper (Phil Woodward)
Kevin Costner (Jack)
Tommy Lee Jones (Gene McClary)
in weiteren Rollen:
Maria Bello (Sally)
Rosemarie DeWitt (Maggie)
Craig T. Nelson (Salinger)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Company Men | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Bobby Walker ist der typische amerikanische Emporkömmling, verdient immens viel Geld, fährt seinen Porsche allein als Status-Symbol und sieht sich bereits in der Rolle des nächsten CEO seiner Firma, als die Finanzkrise ihm einen Strich durch die Rechnung macht und er aus heiterem Himmel seinen unverschämt gut bezahlten Job verliert. Plötzlich steht Bobby vor dem Aus und muss sich händeringend um einen neuen Job bemühen, doch geht es seinen Kollegen Gene McClary und Phil Woodward nicht besser, fallen auch sie schließlich den Rationalisierungsmaßnahmen der Firma zum Opfer, mit dem feinen Unterschied, dass sie schon deutlich mehr Jahre zählen als Walker und kaum noch auf eine ähnlich lukrative Neuanstellung hoffen können. Dennoch müht sich McClary, sich seinen Optimismus zu bewahren, während es mit Woodward zunehmend bergab geht, derweil es Walkers Stolz ihm noch nicht erlaubt, das Angebot eines Aushilfsjob bei seinem Schwager Jack anzunehmen…

Rezension:

Nicht zum ersten und sicherlich auch nicht zum letzten Mal – obwohl seit Veröffentlichung der Filme nun schon geraume Zeit ins Land gezogen ist – wird an dieser Stelle der Vergleich zwischen J.C. Chandors Margin Call und John Wells‘ Company Men bemüht, eint beide Werke schließlich, dass sie sich der 2008 wütenden Finanzkrise widmen, doch wo Chandor seinen Fokus auf den Mikrokosmos einer einzelnen Firma und deren interne Strukturen legt, widmet sich Wells vorrangig den Fallengelassenen, den frisch geschassten Managern, die ob ihrer unerwarteten Kündigung aus allen Wolken fallen. Obwohl sich Wells aber nun sozusagen mehr der menschlichen Seite des Dramas zuwendet und dahingehend einen dankbaren Ansatz findet, ins Zentrum seiner Erzählung gleich drei Figuren zu stellen, die jeweils unterschiedlich auf die persönliche Krise reagieren, hat mich der auf den ersten Blick etwas unzugänglichere Margin Call ein Stück weit mehr zu überzeugen gewusst, womit aber mitnichten gesagt sein soll, dass die Company Men sich nicht lohnen würden.

Szenenbild aus Company Men | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Recht schnell dringt Wells in seinem Film – dessen Skript ebenfalls auf seine Kappe geht – zum Kern des Konflikts vor und es dauert nicht lange, bis die Manager und CEOs sich auf der Straße wiederfinden, wobei die meiste Aufmerksamkeit sicherlich dem von Ben Affleck (Live by Night) verkörperten Bobby Walker zuteilwird, der privat plötzlich gehörig zurückstecken muss und sich mit anfänglichem Eifer in die Stellensuche stürzt, nur um alsbald zu erkennen, dass er mitnichten der einzige große Fisch im Teich ist, der händeringend eine neue Anstellung sucht. Besonders interessant wird dieser Part der Erzählung aber auch durch Walkers Frau, dargestellt von Rosemarie DeWitt (Kill the Messenger), denn beiden werden im Rahmen der Erzählung einige intime Szenen zugestanden, die Company Men als Drama erst so richtig wirken lassen, wobei es Kevin Costners (3 Days to Kill) bodenständige, etwas ruppige und gegenüber den "Bürohengsten" oft abschätzige Art als Vertreter der Arbeiterklasse ist, die ihn zum heimlichen Glanzstück des Films werden lassen und den Part um Afflecks Figur erst so richtig interessant machen.

Diese Mühe erfahren Tommy Lee Jones (The Homesman) und Chris Cooper (Im August in Osage County) bei der Ausgestaltung ihrer Figuren und Plots nicht annähernd, doch gelten beide nicht von ungefähr als ungemein fähige Darsteller, denn was ihnen an Screentime fehlen mag, gleichen sie doch durch ihre charismatische, fein nuancierte Darstellung aus, zumal ihre jeweiligen Parts und Entwicklungen mitnichten unspannend in Szene gesetzt werden. Dennoch fühlt sich Company Men in dieser Hinsicht beinahe etwas überladen an und wenn dann auch noch Maria Bello (Lights Out) dramaturgisch bedacht wird, wird es beinahe ein wenig viel des Guten, zumal ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, hier eine Art Quotenfrau vorgesetzt zu bekommen, was der Darstellerin nun einmal nicht annähernd gerecht wird und sich unter schlechtem Stil verbuchen lässt.

Szenenbild aus Company Men | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Immerhin verkommt Company Men aber zu keinem Zeitpunkt zum tränendrüsen-strapazierenden Rührstück und bietet die meiste Zeit – speziell natürlich zum Ende hin – einen Hoffnungsschimmer am Horizont, wobei Wells es auch nicht ganz vermeiden kann, zuweilen ein wenig pathetisch zu sein. In der Summe ein durchaus überzeugendes Charakter-Drama, dass durch die realen Hintergründe ohne Frage gewinnt, doch fernab der persönlichen Schicksale ist mir hier das eigentliche Thema Finanzkrise ein wenig zu kurz gekommen, dient es im Grunde schließlich nur als Aufhänger für eine ansonsten recht generische Geschichte, deren größter Verdienst es sein mag, dass man mit den arbeitslos gewordenen Managern mitfühlt, obwohl sie sich bis dato doch in so absurden Sphären des Verdienstes bewegt haben, dass viele Zuschauer hier nur bedingt vorhandenes Identifikations-Potential erkennen dürften.

Fazit & Wertung:

John Wells‘ Company Men macht als persönliches Drama vor dem Hintergrund der Finanzkrise eine solide Figur und weiß durchaus zu gefallen, doch so schön der Ansatz ist, sich unterschiedlichen Figuren und Schicksalen zu widmen, hätte eine ausgeprägtere Fokussierung dem Geschehen vermutlich gutgetan, denn so bekommt kaum einer der Charaktere die ihm zustehende Screentime spendiert, was jede der Geschichten für sich teils ein wenig verwässert. Der Cast allerdings weiß hier vieles auszugleichen und es mag einer der Coups des Films sein, sich einer so prestigeträchtigen wie fähigen Besetzung versichert zu haben.

7 von 10 arbeitslos gewordenen CEOs

Company Men

  • Arbeitslos gewordene CEOs - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

John Wells‘ Company Men macht als persönliches Drama vor dem Hintergrund der Finanzkrise eine solide Figur und weiß durchaus zu gefallen, doch so schön der Ansatz ist, sich unterschiedlichen Figuren und Schicksalen zu widmen, hätte eine ausgeprägtere Fokussierung dem Geschehen vermutlich gutgetan, denn so bekommt kaum einer der Charaktere die ihm zustehende Screentime spendiert, was jede der Geschichten für sich teils ein wenig verwässert. Der Cast allerdings weiß hier vieles auszugleichen und es mag einer der Coups des Films sein, sich einer so prestigeträchtigen wie fähigen Besetzung versichert zu haben.

7.0/10
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Company Men ist am 09.12.11 auf DVD und Blu-ray bei Senator Home Entertainment im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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