Review: Passengers (Film)

Heute geht es erneut um einen neueren Film, denn noch immer zehre ich von meinen Einkäufen vom Amazon Prime Day, derweil natürlich längst Dutzende neuer blauer Scheiben bei mir eingezogen sind, aber hey, unter dem Label "Hobby" lässt sich doch einiges rechtfertigen und besser so, als wenn ich nicht wüsste, was ich mir als Nächstes ansehen kann.

Passengers

Passengers, USA 2016, 116 Min.

Passengers | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Morten Tyldum
Autor:
Jon Spaihts

Main-Cast:
Jennifer Lawrence (Aurora Lane)
Chris Pratt (Jim Preston)
in weiteren Rollen:
Michael Sheen (Arthur)
Laurence Fishburne (Gus Mancuso)
Andy Garcia (Captain Norris)

Genre:
Abenteuer | Drama | Romantik | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Passengers | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Einige hundert Jahre in der Zukunft ist die Menschheit längst zu den Sternen aufgebrochen und da die zu bewältigenden Strecken trotz modernster Technik noch immer immens sind, hat sich der künstliche Tiefschlaf als gangbare Praxis etabliert, so dass beispielsweise der Flug zum Kolonie-Planeten Homestead II rund 120 Jahre dauert, von denen die Reisenden aber einen Großteil schlafend verbringen. Auf einem dieser Kolonieschiffe – der Avalon – befindet sich auch der Maschinenbauer Jim Preston, doch nach einer Kollision mit einem Meteoriten weist seine Kammer eine Fehlfunktion auf und weckt ihn, beinahe neunzig Jahre vor der Zeit. Obwohl sich neben der Crew ganze 5.000 Passagiere an Bord des Schiffes befinden, ist Jim in seiner prekären Lage gänzlich allein und Versuche, sich selbst wieder in Schlaf zu versetzen, scheitern. Einzig der künstliche Barkeeper Arthur leistet ihm ein wenig Gesellschaft, bis zu dem Moment zumindest, als in Gestalt der New Yorker Schriftstellerin Aurora Lane die zweite Person aus dem Schlaf gerissen wird…

Rezension:

Über kurz oder lang komme ich ja um kaum einen Science-Fiction-Film herum und auch wenn das Medien-Echo zu Passengers meinem Empfinden nach durchwachsen war, hörte es sich eben auch nicht unbedingt nach einem Totalausfall an, ganz davon abgesehen, dass die Besetzung für sich spricht und ich mir durchaus vorstellen konnte, dort würde sich eine gewisse Chemie entfalten. Bezüglich des Plots wiederum war ich durchaus skeptisch, ließ sich schließlich von mehreren Seiten vernehmen, der Film würde sich gegen Ende den üblichen Hollywood-Klischees beugen (was ich nicht verneinen kann), doch Drehbuchautor Jon Spaihts war nun einmal auch am Skript zu Doctor Strange beteiligt, andererseits auch an dem in meinen Augen doch enttäuschenden Prometheus, was nicht für eine aussagekräftige Prognose sprechen wollte. Spaihts allerdings tut es merklich gut, hier auf eigene Faust agieren zu können, weshalb es mich auch nicht verwundert, dass die Geschichte prompt auf der Blacklist der beliebtesten, unverfilmten Skripte gelandet ist.

Szenenbild aus Passengers | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur Morten Tyldum derweil schien eine sichere Bank und wusste mich schon bei The Imitation Game vom ersten Moment an abzuholen, doch schien Passengers auf den ersten Blick eben nicht nur hinsichtlich des Science-Fiction-Aspekts eine gänzlich andere Sparte zu sein, denn dem Marketing zum Dank erwartete ich mir einen enorm tempo- und actionreichen Film, womit man mich trefflich in die Irre zu führen wusste, denn was man im Trailer geboten bekommt, was nur entfernt mit Thrill und Trara zu tun hat, versteckt sich beinahe samt und sonders im letzten Drittel des Films, der sich anfänglich als regelrechtes Kammerspiel entpuppt, in dessen Zentrum zunächst lediglich Chris Pratt (Jurassic World) steht, dem sich alsbald Jennifer Lawrence (X-Men) hinzugesellt. Entsprechend wichtig ist auch die angesprochene Chemie und in meinen Augen funktioniert selbige ganz wunderbar. Gut so, denn Tyldum entwirft in weiten Teilen eine Science-Fiction-RomCom, was wiederum nicht jedem schmecken dürfte, mir aber ausnehmend gut gefallen hat. Vor allem ist es hier natürlich einmal mehr dem spitzbübischen Charme seitens Pratt zu verdanken, dass auch eine gute Prise Humor Teil der Erzählung ist, die mich oft mehr als nur schmunzeln lassen hat.

Interessant(er) wird Passengers aber natürlich vor allem aufgrund des ungewöhnlichen Settings, das hier dankenswerterweise weit mehr als nur Mittel zum Zweck ist und in seiner Gänze nicht nur durchdacht, sondern auch liebevoll designt wirkt, wobei man hinsichtlich der Love-Story selbst natürlich unterstellen könnte, sie könne sich auch an einem beliebigen anderen Ort zu einer beliebigen Zeit abspielen, was grundsätzlich richtig ist, wenn man einmal den Twist außeracht lässt, der eben einen kleinen, aber feinen Unterschied macht. Dennoch, das liebevolle, an ein intergalaktisches Kreuzfahrtschiff erinnernde Set-Design, die großartige Nebenrolle für Michael Sheen (Midnight in Paris) als Barkeeper-Droide Arthur und nicht zuletzt die unterschiedlichen Stationen auf der Reise mit der Avalon bilden genügend Alleinstellungsmerkmale, um den Film auf selbstbewussten, eigenen Füßen stehen zu lassen, zumal der schlicht und ergreifend mit gehörig Unterhaltungswert punktet und die meiste Zeit gar nicht einmal so dumm wirkt, wird schließlich wie nebenbei noch ein Zwei-Klassen-System thematisiert, dass in Anbetracht der zunehmend prekärer werdenden Situation im zwischenmenschlichen Sinne zwar an Bedeutung verliert, das Zweiergespann aber gleichsam vor ein paar unüberwindbare Hürden stellt.

Szenenbild aus Passengers | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Hier liegt dann aber auch leider eine der Schwächen des Films, denn so sehr Passengers insbesondere in der ersten Hälfte zu gefallen weiß, hätte es des actionreichen dritten Aktes nicht bedurft – abgesehen für die Zuschauer lockenden Szenen im Trailer – , um ein uneingeschränkt empfehlenswertes Filmerlebnis zu generieren, zumal mit zunehmendem Tempo auch vermehrt die Logik über Bord geworfen wird. Das betrifft leider auch die Figur des von Laurence Fishburne (Hannibal) verkörperten Gus Mancuso, über dessen Funktion im Film und an Bord des Schiffs ich hier gar nichts verlieren möchte, doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich der Charakter schon als sehr plattes Plot-Device, das Hand in Hand mit dem übertriebenen klischeehaften "Finale" geht, das auch ohne künstlich erzeugtes Drama sicher trefflich funktioniert hätte. So nimmt sich Tyldums Passengers leider auf den letzten Metern selbst ein bisschen den Wind aus den Segeln, doch wussten zumindest mich die finalen Einstellungen ein wenig zu versöhnen, da hier dann wiederum unerwartet konsequent agiert worden ist und man sich hinsichtlich eines beinahe obligatorischen Happy-Ends zumindest im Rahmen der selbstgesteckten Grenzen bewegt. So man also mit einem dramaturgisch nur mäßig überzeugenden, dafür immerhin optisch fulminanten Finale leben kann und im Vorfeld weiß, dass einen hier in weiten Teilen eine ungewöhnliche, kammerspielartige Liebesgeschichte erwartet, kann ich den Film dennoch ohne weitere Einschränkungen empfehlen.

Fazit & Wertung:

Morten Tyldum bietet mit Passengers einen höchst ungewöhnlichen Science-Fiction-Film, dessen Versatzstücke zwar überwiegend nicht gerade neu und unbekannt sind, die aber in der Mischung sowie der ungewöhnlichen Ausrichtung als Love-Story überraschend gut funktionieren, was aber auch an der Darstellung der zwei Protagonisten liegt, die den Film tatsächlich weitestgehend im Alleingang zu schultern haben. Schade, dass dem dramaturgisch so überzeugenden Treiben zum Ende hin ein wenig die Puste ausgeht und man sich in sinnentleerte Action zu flüchten müssen meint, denn nicht nur inszenatorisch, sondern leider auch qualitativ vollzieht sich hier ein nicht wegzudiskutierender Bruch.

7,5 von 10 Defekten an Bord der Avalon

Passengers

  • Defekte an Bord der Avalon - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Morten Tyldum bietet mit Passengers einen höchst ungewöhnlichen Science-Fiction-Film, dessen Versatzstücke zwar überwiegend nicht gerade neu und unbekannt sind, die aber in der Mischung sowie der ungewöhnlichen Ausrichtung als Love-Story überraschend gut funktionieren, was aber auch an der Darstellung der zwei Protagonisten liegt, die den Film tatsächlich weitestgehend im Alleingang zu schultern haben. Schade, dass dem dramaturgisch so überzeugenden Treiben zum Ende hin ein wenig die Puste ausgeht und man sich in sinnentleerte Action zu flüchten müssen meint, denn nicht nur inszenatorisch, sondern leider auch qualitativ vollzieht sich hier ein nicht wegzudiskutierender Bruch.

7.5/10
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Passengers ist am 11.05.17 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Sony Pictures Home Entertainment Inc. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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