Review: X-Men: Apocalypse (Film)

Heute wie versprochen ein neuerer Film und die passende Rezension dazu, die mal wieder ein wenig euphorischer geraten ist, denn ja, auch dieser Abstecher ist ein Superhelden-Film ganz nach meinem Geschmack, der mich rundweg zu überzeugen wusste.

X-Men: Apocalypse

X-Men: Apocalypse, USA 2016, 144 Min.

X-Men: Apocalypse | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Bryan Singer
Autor:
Simon Kinberg

Main-Cast:
James McAvoy (Professor Charles Xavier)
Michael Fassbender (Erik Lehnsherr / Magneto)
Jennifer Lawrence (Raven / Mystique)
Oscar Isaac (En Sabah Nur / Apocalypse)
Nicholas Hoult (Hank McCoy / Beast)
Rose Byrne (Moira Mactaggert)
Tye Sheridan (Scott Summers / Cyclops)
Sophie Turner (Jean Grey)
Olivia Munn (Psylocke)
Lucas Till (Alex Summers / Havok)
in weiteren Rollen:
Evan Peters (Peter Maximoff / Quicksilver)
Josh Helman (Col. William Stryker)
Kodi Smit-McPhee (Kurt Wagner / Nightcrawler)
Ben Hardy (Angel)
Alexandra Shipp (Ororo Munroe / Storm)
Lana Condor (Jubilee)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus X-Men: Apocalypse | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Es ist das Jahr 1983, als in Kairo der unsterbliche Apocalypse durch einen aberwitzigen Zufall aus seiner Jahrtausende währenden Gefangenschaft entkommt, nachdem er im alten Ägypten einem sorgsam vorbereiteten Putsch zum Opfer gefallen war. Und noch immer sinnt der Mutant auf Rache und plant, die gesamte Menschheit zu unterwerfen, wozu er beginnt, eine ausgesuchte Schar loyaler Anhänger um sich zu scharen. Während Apocalypse seine Pläne verfolgt, kommt in Polen die wahre Identität des mittlerweile im Verborgenen lebenden Erik Lehnsherr ans Licht, was schnell tragische Konsequenzen nach sich zieht und Erik veranlasst, erneut in die Rolle von Magneto zu schlüpfen. Von diesem Treiben ahnt Professor Charles Xavier zu diesem Zeitpunkt noch nichts und geht völlig daran auf, seine Schule für Hochbegabte zu leiten und den jüngst dort aufgenommenen Scott Summers herumzuführen. Doch Apocalypse ist, will er seine Pläne bestmöglich und effektiv in die Wege leiten, auf Xaviers besondere Talente angewiesen und so werden bald die gesamten X-Men – kaum mehr als eine Gruppe unbedarfter Schülerinnen und Schüler – in den globalen Konflikt hineingezogen, den Apocalypse initiiert…

Rezension:

Ich hätte ja nach X-Men: Zukunft ist Vergangenheit weder zu glauben, noch zu hoffen gewagt, dass mich ein sich hieran anschließender Nachfolger ähnlich begeistern können würde, doch gleich vom ersten Moment an ist X-Men: Apocalypse großes, episches und wuchtiges Augenöffner-Kino, das mich prompt in seinen Bann zu schlagen wusste. Nun weiß ich auch, dass Oscar Isaac (Ex Machina) als Besetzung für den namensgebenden Apocalypse von vielen verschmäht worden ist, doch war ich von seiner Darstellung des übermächtigen Mutanten tatsächlich schwer angetan und kann hier keine Schwäche des Films ausmachen, der erneut von Filmreihen-Schöpfer Bryan Singer realisiert worden ist. Im direkten Vergleich mag zwar der Vorgänger allein aufgrund der Verquickung der Zeitlinien dem Gefühl nach der epischere Film gewesen sein, doch wartet der dritte Teil der neuen X-Men-Reihe dafür mit Stärken ganz anderer Natur auf, denn endlich erfahren auch hinlänglich bekannte Helden wie etwa Cyclops oder Jean Grey ihr lang ersehntes Reboot und so sehr ich seinerzeit James Marsden und Famke Janssen in den Rollen geschätzt habe, machen ihre Nachfolger Tye Sheridan (Mud) und Sophie Turner (Game of Thrones) einen durchaus überzeugenden Job, wenn sie auch hier die meiste Zeit ebenso noch die zweite Geige spielen wie ihre Vorgänger in der unverhältnismäßig Wolverine-lastigen ersten Trilogie.

Szenenbild aus X-Men: Apocalypse | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Vielleicht mag das aber auch eine der größten Stärken von X-Men: Apocalypse gewesen sein, dass das neu gestartete Franchise nun endlich wieder selbstbewusst auf eigenen Beinen steht und sich auf die ihm innewohnenden Qualitäten konzentriert, denn so toll Hugh Jackman als Wolverine auch sein mag, muss sich eben nicht jeder X-Men-Film um seine Figur drehen. Entsprechend stehen zwar auch hier wieder James McAvoy (Victor Frankenstein) und Michael Fassbender (Slow West) in ihren Rollen im Zentrum der Ereignisse, doch präsentiert sich dieser X-Men-Film doch wieder weit mehr als Ensemble-Geschichte, als man das in den letzten Jahren gewohnt war. Dabei ist es ebenso schön zu beobachten, wie die Zeit voranschreitet und man sich gleichzeitig um Rückbezüge zu den ersten beiden Teilen der Reihe bemüht, ohne dass es zu gewollt oder konstruiert wirken würde, während die Geschichte angenehm langsam zur Entfaltung kommt, statt gleich nach einer guten Stunde in eine nicht enden wollende Materialschlacht auszuarten, wie es die jüngeren DC-Filme wie etwa Man of Steel oder Batman v Superman zu tun pflegten, denn eine solche Vorgehensweise stand ja durchaus zu befürchten, wenn man berücksichtigt, dass der dritte neue Film der Reihe mit seinen üppigen beinahe zweieinhalb Stunden Spielzeit auch den bis dato längsten Vertreter des Franchise darstellt.

Szenenbild aus X-Men: Apocalypse | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Stattdessen aber nimmt man sich ausgiebig Zeit, nicht nur, um die Herkunft von Apocalypse in einer bahnbrechenden Historien-Szene im alten Ägypten zu beleuchten, sondern auch, um aufzuzeigen, wie es den Figuren seit den rund eine Dekade zurückliegenden Ereignissen ergangen ist. Nebenbei wird hier neben unter anderem Cyclops natürlich noch ein ganzer Stoß neuer Figuren eingeführt, deren Background sich zweifelsohne teils gravierend von ihrer Comic-Vita unterscheidet, doch befinden wir uns ja nun auch sozusagen in einem Parallel-Universum, nachdem Singer im vorangegangenen Teil mal eben auch X-Men: Der letzte Widerstand zu negieren gewusst hat und dementsprechend nehme ich den Autoren die Freiheiten nicht übel, sondern freue mich über gehörig frischen Wind in der Serie, auch wenn die Vielzahl der Figuren natürlich auch mit sich bringt, dass viele von ihnen noch ausnehmend blass ihr Dasein fristen und gar völlig verheizt werden. Ansonsten greift man aber auch gern auf bewährte Konzepte zurück und lässt beispielsweise Evan Peters als Quicksilver eine diesmal noch weitaus monumentalere Zeitlupen-Sequenz absolvieren, derweil er auch als Figur diesmal deutlich mehr mitmischen darf, auch wenn man aus dem Umstand, dass Erik Lehnsherr sein Vater ist, gerne mehr hätte machen dürfen, doch vielleicht spart man sich das ja auch einfach für den 2018 erscheinenden X-Men: Dark Phoenix, der gegen Ende des Films schon recht offensiv angeteasert wird.

Szenenbild aus X-Men: Apocalypse | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Zugegeben, der Plot von X-Men: Apocalypse mag mancherorts bei näherer Betrachtung arg zusammengeschustert sein und hätte durchaus eine noch detaillierte Ausarbeitung erfahren dürfen, wenn ich da allein an die plakative Art und Weise denke, wie Apocalypse ein Gefolge – seine "Vier Reiter" – um sich zu scharen beginnt, denn das sich Mutanten aufgrund der Aussicht gesteigerter Kräfte so bereitwillig einem Wesen verpflichten, das im Grunde die Zerstörung der Welt zum Ziel hat, mutet doch schon arg seltsam an und ist reichlich platt, doch werden derlei Patzer in der Dramaturgie zumindest in meinen Augen spielend dadurch aufgehoben, dass speziell McAvoy und Fassbender wieder einmal ein paar großartige Szenen spendiert worden sind, die ihre jeweiligen Figuren trefflich in Szene setzen und vor allem Magnetos seit jeher extrem ambivalente Gefühlswelt gekonnt herauszuarbeiten, so dass sich Michael Fassbender nicht zum ersten Mal zum nicht ganz so heimlichen Star der Film-Reihe aufschwingt. Ansonsten hat es natürlich auch hier wieder Jennifer Lawrence (Passengers) als Mystique wie auch Nicholas Hoult (Equals) als Beast, die beide routiniert ihre Rollen verkörpern, wobei sie hier auffällig häufig in menschlicher Gestalt unterwegs gewesen sind, aber das nur am Rande.

Szenenbild aus X-Men: Apocalypse | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So hätte Singers neuester X-Men-Streich durchaus an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Tiefe gutgetan und auch die ewig gleichen Diskussionen zwischen Charles und Erik beginnen sich langsam totzulaufen, doch fernab dessen ist X-Men: Apocalypse brachial-gutaussehende und extrem mitreißende Unterhaltung, die noch dazu in knapp 150 Minuten gänzlich ohne Längen auskommt. Dabei nimmt sich der Film nicht nur die benötigte Zeit, um Figuren und Setting zu etablieren, sondern bewahrt sich auch eine Prise Humor und Augenzwinkern, kann dennoch in den richtigen Momenten auch ernst und emotional sein und geht damit den goldenen Mittelweg zwischen den vermehrt auf Humor setzenden Marvel-Filmen des MCU und den kompromisslos düster und ernsthaft gezeichneten DC-Filmen. Vor allem aber funktioniert der Film gleichermaßen als furioser Abschluss einer rundherum stimmigen Film-Trilogie wie auch als Grundstein weiterer Geschichten, die sich nun dem Anschein nach vielleicht mehr auf das in diesem Teil erfolgreich eingeführte jüngere Klientel der Mutanten konzentrieren werden. Entsprechend gespannt erwarte ich nun natürlich die Veröffentlichung von X-Men: Dark Phoenix, der gerüchteweise gar ein Zweiteiler werden könnte.

Fazit & Wertung:

Mit X-Men: Apocalypse zeigt Bryan Singer auf, wie man eine Superhelden-Trilogie zu einem fulminanten Abschluss bringen kann, derweil es sich ja längst nicht um das Ende der Film-Reihe handelt, sondern gleichsam um einen kalkulierten Neustart, doch fügen sich die Zugänge in der Besetzung erfreulich stimmig in das Ensemble, während die Welt der X-Men weitere Facetten hinzugewinnt. Einzelne Plot-Points mögen hier zwar recht generisch daherkommen, doch inszenatorisch wie emotional mitreißende Szenen und Passagen lassen über derlei kleinere Verfehlungen wohlwollend hinwegsehen, womit Singers Film ein rundherum mitreißender und packender Wurf in einer ohnehin ungemein hochkarätig realisierten Superhelden-Reihe ist, der selbstbewusst auf eigenen Füßen zu stehen vermag und im selben Augenblick der umtriebigen Vergangenheit des Franchise Rechnung zu tragen versteht.

9 von 10 apokalyptischen Bedrohungen

X-Men: Apocalypse

  • Apokalyptische Bedrohungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit X-Men: Apocalypse zeigt Bryan Singer auf, wie man eine Superhelden-Trilogie zu einem fulminanten Abschluss bringen kann, derweil es sich ja längst nicht um das Ende der Film-Reihe handelt, sondern gleichsam um einen kalkulierten Neustart, doch fügen sich die Zugänge in der Besetzung erfreulich stimmig in das Ensemble, während die Welt der X-Men weitere Facetten hinzugewinnt. Einzelne Plot-Points mögen hier zwar recht generisch daherkommen, doch inszenatorisch wie emotional mitreißende Szenen und Passagen lassen über derlei kleinere Verfehlungen wohlwollend hinwegsehen, womit Singers Film ein rundherum mitreißender und packender Wurf in einer ohnehin ungemein hochkarätig realisierten Superhelden-Reihe ist, der selbstbewusst auf eigenen Füßen zu stehen vermag und im selben Augenblick der umtriebigen Vergangenheit des Franchise Rechnung zu tragen versteht.

9.0/10
Leser-Wertung 8.33/10 (3 Stimmen)
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X-Men: Apocalypse ist am 22.09.16 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


  • Yep, abgesehen vom zu generischen und actionlastigen Showdown hat mir „Apocalypse“ auch sehr gut gefallen. Ich kann die mittelmäßigen Kritiken und das mittelmäßige Einspielergebnis wirklich nicht nachvollziehen …

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