Review: Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (Film)

Zum Wochenende hin darf es ruhig noch einmal was knalliger sein und was wäre da besser geeignet als meine Film-Kritik zum jüngst (gestern) erschienenen Valerian, der mich erfreulich gut zu unterhalten wusste, auch wenn man dafür Abstriche bei der Sinnhaftigkeit der Geschichte in Kauf nehmen muss. Kommt aber natürlich jetzt alles noch mal in ganz ausführlich:

Valerian
Die Stadt der tausend Planeten

Valerian and the City of a Thousand Planets,
FR/CN/BE/DE/AE/USA/UK/CA 2017, 137 Min.

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Luc Besson
Autoren:
Luc Besson
Pierre Christin (Comic-Vorlage)
Jean-Claude Mézières (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Dane DeHaan (Major Valerian)
Cara Delevingne (Sergeant Laureline)
Clive Owen (Commander Arun Filitt)
Rihanna (Bubble)
in weiteren Rollen:
Ethan Hawke (Jolly the Pimp)
Herbie Hancock (Defence Minister)
Kris Wu (Sergeant Neza)
Sam Spruell (General Okto-Bar)
Rutger Hauer (President of the World State Federation)

Genre:
Science-Fiction | Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Valerian - Die Stadt der tausend Planeten | © Universum Film
© Universum Film

Im 28. Jahrhundert bekommen die Regierungsagenten Captain Valerian und Sergeant Laureline den Auftrag, den letzten Transmutator sicherzustellen, ein Relikt vom vor Jahren zerstörten Planeten Mül und der letzte seiner Art. Dabei entpuppt sich der Transmutator als possierliches Tierchen, das Valerian und Laureline in Gewahrsam nehmen können. Prompt werden die beiden zur Raumstation Alpha zitiert, wo ihnen Commander Arun Filitt eine noch viel gewichtigere Aufgabe überträgt, denn die planetenähnliche Station mit tausenden unterschiedlichen Spezies scheint von innen heraus von einem Virus bedroht. Als Valerian und Laureline der Sache allerdings nachgehen wollen, werden sie von einem Angriff der Pearls überrascht, den letzten Überlebenden von Mül, die den Commander in ihre Gewalt bringen, mutmaßlich in der falschen Annahme, er hätte den Transmutator bei sich. Während Valerian die Verfolgung aufnimmt, befindet sich das Wesen allerdings noch immer in sicherer Verwahrung bei Laureline, die allerdings ihrerseits bald eine Rettungsaktion starten muss, als die Funkverbindung zu Valerian abreißt…

Rezension:

Lange Zeit habe ich mich auf Valerian – Die Stadt der tausend Planeten gefreut, es dann aber schlussendlich – wie beinahe immer – doch nicht ins Kino geschafft. In diesem Fall nicht weiter tragisch, denn keine viereinhalb Monate später feiert der Film nun im Heimkino Premiere und zumindest jetzt galt es, schnellstmöglich einen Blick zu riskieren, handelt es sich schließlich um ein Herzensprojekt von Luc Besson, dessen beste Filme zwar schon eine ganze Weile zurückliegen, der mich aber beispielsweise auch mit Lucy doch zumindest großartig zu unterhalten wusste. Ähnlich gelagert war nun auch meine Erwartungshaltung bei diesem opulenten Science-Fictioner, von dem ich mir nun nicht eben eine wahnsinnig tiefgründige Story, dafür aber gehörige Schauwerte erwartet habe und mit genau dieser Annahme liegt man in diesem Fall goldrichtig. So legt Besson eindeutig weniger Wert auf ausgefeilte Dialoge und selbst die meisten One-Liner hat man so oder ähnlich schon anderswo gehört (gleich zu Beginn zitiert Besson sich gar selbst indem er die wohl berühmteste Zeile aus Taken beinahe eins zu eins übernimmt), doch finden sich die Stärken dann wiederum auf optischer und inszenatorischer Seite, was ohne Frage die Fans der Comics vor den Kopf stoßen könnte, denn allein beim Titelhelden Valerian von Charakterisierung zu sprechen wäre beinahe etwas hochgegriffen.

Szenenbild aus Valerian - Die Stadt der tausend Planeten | © Universum Film
© Universum Film

Das liegt gar nicht mal an Dane DeHaan (Kill Your Darlings), der im Grunde einen ordentlichen Job als Actionheld macht, sondern eben am Drehbuch, das ihm nun nicht eben viele Dialogzeilen in den Mund legt und ihn auch ansonsten wie den typischen, arroganten Draufgänger und Schürzenjäger agieren lässt, so dass ausgerechnet die nicht eben für ihr schauspielerisches Talent gelobte Cara Delevingne (Suicide Squad) ihm in diesem Fall spielend den Rang abläuft. So erwartet zwar der Film auch von ihrer Figur Laureline nicht gerade Unmögliches, gesteht ihr aber weitaus mehr überzeugende Szenen zu und zeigt sie als resolute, selbstbewusste und dominante Kämpferin, die sicherlich nicht auf die Hilfe irgendeines Mannes angewiesen ist und auch weit ernsthafter an die Mission herangeht, die es zu erfüllen gilt, als ihr direkter Vorgesetzter Valerian, der viel eher wie ein zu groß geratener Kindskopf daherkommt. Nichtsdestotrotz gelingt es DeHaan und Delevingne dennoch weitaus besser, ihren Figuren Kontur zu verleihen, als den ungleich erfahreneren Mimen Clive Owen (Blood Ties) und Sam Spruell (The Counselor), denn deren Commander und General verfügen noch weit weniger über jedwede Alleinstellungsmerkmale, die über klassische Stereotypen von Militärvertretern hinausgehen. Gerade im Zusammenspiel mit Owen und Spruell mag aber auch das Alter der beiden Protagonisten kurzzeitig irritieren, kennt man Spezialagenten eines gewissen Kalibers nun doch eher mit einigen Jährchen mehr auf dem Buckel, wobei sich diese Irritation recht schnell legt, wenn man bereit ist, sich auf das kunterbunte Vergnügen einzulassen.

Und ein Vergnügen ist Valerian – Die Stadt der tausend Planeten in vielerlei Hinsicht, wenn ich allein an die zahllosen Alien-Rassen denke, die hier mehr oder minder prominent durchs Bild marschieren dürfen und auf die merklich Mühe verwandt worden ist, während beispielsweise ein in einer anderen Dimension befindlicher Markt ganz und gar großartig in Szene gesetzt wird, wenn Valerian über eine menschenleere Wüstenfläche marschiert und mithilfe geeigneter Hilfsmittel von dort auf einen überfüllten und belebten Marktplatz zu "wechseln" versteht. So richtig neu wirkt die Idee zwar nicht, wie man auch in mehr als einer Szene denkt, das doch so oder ähnlich schon mal gesehen zu haben, ob es sich um ein Wüstenungeheuer handelt, das Volk der Pearls, die nicht von ungefähr – abgesehen von ihrer Hautfarbe – an die Na’vi aus Avatar erinnern oder auch die Tanzeinlage von Rihannas Figur Bubble, die hier gemeinsam mit Ethan Hawke (Die glorreichen Sieben) einen herrlich übersteuerten Gastauftritt absolvieren darf. Das stört aber alles weniger, als dass es dem zunehmend episodischer wirkenden Geschehen nützt, denn es macht Spaß, nach all den Reminiszenzen und Querverweisen Ausschau zu halten und sich in dem temporeichen Treiben zu verlieren, nicht nur, aber auch, um über die inszenatorischen Schwächen hinwegzusehen, denn mehr als einmal musste ich mich dann doch fragen, ob Valerian und/oder Laureline nun eigentlich wissen, was sie als Nächstes zu tun gedenken oder ob sie aufs Geratewohl drauflos stolpern.

Szenenbild aus Valerian - Die Stadt der tausend Planeten | © Universum Film
© Universum Film

Also nein, dramaturgisch ist Valerian mitnichten ein Überflieger und nicht annähernd so episch geraten, wie der Trailer beispielsweise es suggerieren könnte, doch ist es ein ausgemachter Spaß, Captain Valerian und Sergeant Laureline bei ihrem Treiben zu beobachten und gemeinsam durch eine vor Kreativität und Einfallsreichtum sprudelnde Welt zu rasen, zumal an jeder Ecke und in jedem Winkel neue Wesenheiten, neue Skurrilitäten darauf warten entdeckt zu werden und zum Schmunzeln zu verleiten. Das verträgt sich zwar nicht so wirklich gut mit der an sich höchst tragisch angelegten Geschichte um die Pearls, doch ist die auch kaum mehr als ein Aufhänger für eine mehr als zweistündige Weltraum-Odyssee, an deren Ende ein reichlich generisch geratener Bösewicht lauert, was zu diesem Zeitpunkt dann aber auch kaum noch stört, ist man sich des Wesens des Films hier schließlich schon längst bewusst und als Popcorn-Spektakel taugt Bessons Herzensprojekt allemal, zumal man die Hingabe dem Projekt in jeder Sekunde anmerkt. Irritierend ist es aber trotzdem, dass die Film-Adaption der Comic-Vorlage in dieser auf Bombast und Spektakel ausgerichteten Machart wohl kaum gerecht werden dürfte, denn so betrachtet hätte Besson ebenso gut eine gänzlich originäre Welt erschaffen können, in deren Zentrum dennoch ein wagemutiger Captain und ein schlagkräftiger wie tougher Sergeant stehen.

Ein paar Worte zu Valerian – die Stadt der tausend Planeten 3D:

Die IMDb lässt verlauten, dass Luc Besson sich dagegen entschieden hat, sein spaßiges Science-Fiction-Epos in 3D zu drehen und dennoch existiert eine – logischerweise im Nachhinein konvertierte – 3D-Version des Films, die ausgerechnet zu Beginn aber selten so richtig zu überzeugen weiß. Das mag zunächst damit zusammenhängen, dass der Film mit Archiv-Aufnahmen in Schwarzweiß aus dem Jahre 1975 eröffnet (dem Jahr übrigens, in dem der sechste Band der Reihe, auf dem der Film lose basiert, veröffentlicht worden ist), doch auch wenn sich der Bildschirm öffnet und die Weiten des Weltalls sichtbar werden, kommt es doch zu einigen Unschärfen, wobei sich dieser Eindruck zum Glück schnell legt. Im Mittelteil wiederum ist das dreidimensionale Geschehen recht schön abgebildet und verleiht dem Ganzen eine spürbare Tiefenschärfe. Bei den rasanten Fahrten quer durch den Planeten kommen dann aber auch wirkliche Stärken zum Tragen, wodurch das Geschehen noch bombastischer, noch opulenter wirkt, ein wirkliches Muss ist das 3D in diesem Fall aber tatsächlich nicht, steht einem Film wie Valerian aber selbstredend mehr als gut zu Gesicht.

Fazit & Wertung:

Luc Besson vermag mit seiner nach langen Jahren realisierten Adaption Valerian – Die Stadt der tausend Planeten, ein vor Ideen und Kreativität sprühendes Abenteuer zu inszenieren, das allerdings auf erzählerischer Seite doch eher schwach auf der Brust ist und ebenso wenig mit tiefgreifenden Dialogen zu punkten versteht. Augenöffner-Optik und eine rasante Inszenierung trösten zwar über die dramaturgischen Schwächen hinweg, doch ist auch in mehr als einer Szene deutlich, dass hier noch einiges an Potential auszuloten gewesen wäre, um dem Film über seinen reinen Unterhaltungswert hinaus auch eine längerfristige Daseinsberechtigung angedeihen zu lassen. Immerhin, als schmissig inszeniertes Popcorn-Spektakel mit allerhand Querverweisen und Reminiszenzen macht der Science-Fictioner schlichtweg Laune.

7,5 von 10 fremdartigen Spezies

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

  • Fremdartige Spezies - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Luc Besson vermag mit seiner nach langen Jahren realisierten Adaption Valerian – Die Stadt der tausend Planeten, ein vor Ideen und Kreativität sprühendes Abenteuer zu inszenieren, das allerdings auf erzählerischer Seite doch eher schwach auf der Brust ist und ebenso wenig mit tiefgreifenden Dialogen zu punkten versteht. Augenöffner-Optik und eine rasante Inszenierung trösten zwar über die dramaturgischen Schwächen hinweg, doch ist auch in mehr als einer Szene deutlich, dass hier noch einiges an Potential auszuloten gewesen wäre, um dem Film über seinen reinen Unterhaltungswert hinaus auch eine längerfristige Daseinsberechtigung angedeihen zu lassen. Immerhin, als schmissig inszeniertes Popcorn-Spektakel mit allerhand Querverweisen und Reminiszenzen macht der Science-Fictioner schlichtweg Laune.

7.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist am 30.11.17 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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