Review: Premium Rush (Film)

Ewig keinen Film mehr mit Joseph Gordon-Levitt gesehen und bevor ich mich neueren Projekten mit ihm widme, wird nun heute also erst einmal nachfolgender Film nachgeholt, der nun auch immerhin schon geraume Zeit seiner Sichtung geharrt hat.

Premium Rush

Premium Rush, USA 2012, 91 Min.

Premium Rush | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
David Koepp
Autoren:
David Koepp
John Kamps

Main-Cast:
Joseph Gordon-Levitt (Wilee)
in weiteren Rollen:
Michael Shannon (Bobby Monday)
Dania Ramirez (Vanessa)
Jamie Chung (Nima)

Genre:
Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Premium Rush | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Wilee gilt nicht nur als einer der wagemutigsten, sondern auch als einer schnellsten und zuverlässigsten Fahrradkuriere im dicht bevölkerten Manhattan, was damit zusammenhängen dürfte, dass seiner Meinung nach "Bremsen der Tod" sind und er auf selbige bei seinem Eingangrad kurzerhand ganz verzichtet. Nachdem Konkurrent Manny ihm wieder einmal eine Lieferung vor der Nase weggeschnappt hat, drängt Wilee umso mehr darauf, den nächsten Job zu ergattern und lässt sich bereitwillig von seinem Boss Raj zur Columbia Law School schicken, um dort ein extrem eiliges Paket in Empfang zu nehmen und binnen neunzig Minuten durch die halbe Stadt zu kutschieren. Noch nicht vom Campus wieder runter, drängt allerdings ein Mann namens Bobby Monday auf Herausgabe des Pakets mit unbekanntem Inhalt, doch Wilee weigert sich und verweist auf die Prinzipien des Kurierdienstes, nicht ahnend, dass damit einem atemlose Verfolgungsjagd ihren Anfang nimmt, denn Bobby ist bereit alles in Kauf zu nehmen, um in den Besitz des Päckchens zu kommen…

Rezension:

Einen Action-Film rund um einen New Yorker-Fahrradkurier zu stricken, schien mir schon 2012, als Premium Rush die hiesigen Kinos erreichte, wie ein gleichermaßen merkwürdiges als auch interessantes Unterfangen und auch wenn es nun rund fünf Jahre gedauert hat – derweil die Blu-ray seit 2015 bei mir in der Schublade schlummerte – bevor ich mir David Koepps rasantes Radfahrer-Spektakel angesehen habe, hat es doch wenig von seinem Charme und Esprit verloren, auch wenn man hier sicherlich an gleich mehreren Stellen Abstriche machen muss, um diesen ungewöhnlichen Thriller, der als atemlose Hetzjagd quer durch die belebten Straßen der Metropole daherkommt, wirklich genießen zu können. Angefangen mit der von Joseph Gordon-Levitt (Don Jon) verkörperten Hauptfigur nämlich, deren prägnanteste Charakterisierung wohl ihr Name Wilee – frei nach dem nimmermüden Kojoten aus Road Runner – sein dürfte, kranken nämlich ein Großteil der Charaktere an wirklich arg rudimentär ausgearbeiteten Zügen, die einzig und allein dem Fortkommen der Story dienen und so etwas wie Individualität bereits im Keim ersticken.

Szenenbild aus Premium Rush | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Kunststück, hetzt sich Premium Rush auch lediglich knappe neunzig Minuten dahin und verzichtet weitestgehend auf längerfristige Verschnaufpausen, womit die Exposition und Charakterisierung eben auf der Strecke bleibt und sich beinahe zwangsläufig auf schlaglichtartige Einsprengsel beschränken muss. In dieser Hinsicht hat Michael Shannon (Nocturnal Animals), der hier in Gestalt des korrupten Cops Bobby Monday den Antagonisten geben darf, den weitaus gefälligeren Posten, denn dank der nicht-chronologischen Erzählweise wird ihm quasi nachträglich eine regelrechte Vita zugestanden, um die zunehmend absurder werdende Verfolgungsjagd zu rechtfertigen, wobei man Shannon den Spaß, den ihm diese subversiv-garstige Rolle bereitet haben muss, jederzeit zu spüren meint. Alle weiteren Gestalten bleiben in der alles überschattenden Auseinandersetzung zwischen Wilee und Bobby derweil bloße Staffage und dienen wenn überhaupt dazu, die "Handlung" in eine neue Richtung zu lenken, was in diesem Fall bedeutet, dass die Hetzjagd andere Wege einschlägt.

Das mag sich jetzt schon gar nicht mal so begeisterungswürdig anhören, doch weiß Koepp hier weitaus besser als in beispielsweise seinem drei Jahre später entstandenen Nachfolgefilm Mortdecai, mit welchen Charakteristika er seine Figuren auszustatten hat, damit die Dramaturgie als solche hinlänglich funktioniert. So steht hier eben weitaus mehr die reißerische – und dank Fahrrad-Verfolgungsjagden angenehm ungewöhnliche – Inszenierung im Vordergrund, die einerseits mit ein paar tollen Stunts und klasse Ideen zu punkten versteht und andererseits noch durch eine Reihe "Was-wäre-wenn?"-Szenarien aufgelockert wird, wenn Wilee an überfüllten Kreuzungen seine Optionen im Geiste durchgeht, unbeschadet über die Straße zu kommen, verfügt sein hippes Fixie schließlich nicht einmal über Bremsen, weshalb ihn viele seiner Kollegen für lebensmüde halten.

Szenenbild aus Premium Rush | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Viel mehr hat dieser Wilee als Figur dann auch nicht zu bieten, doch bringt Gordon-Levitt die benötigte Lässigkeit mit sich, um trotzdem Sympathien für seine Figur zu wecken, die sich anfänglich auch eher aus fadenscheinigen Gründen dagegen sperrt, das ominöse Paket auszuhändigen, auf dass es Bobby Monday abgesehen hat. Das allerdings ist dann doch auch wieder einer der Knackpunkte an Premium Rush, denn gegen eine nur rudimentäre Geschichte ist hier kaum etwas einzuwenden, wohingegen ich es vermutlich noch mehr begrüßt hätte, würde besagtes Paket sich als plumpes MacGuffin outen, das lediglich die Handlung in Gang zu bringen hat, denn die Art und Weise, wie der Inhalt im Mittelteil zunehmend mit Bedeutung aufgeladen wird, bremst einerseits das furiose Vergnügen in den denkbar unmöglichsten Momenten aus und suggeriert andererseits eine Ernsthaftigkeit, die sich nicht so recht mit dem ansonsten bewusst übersteuerten Geschehen vereinbaren lässt, das trotz Tempo und Thrill eben immer auch auf witzig und leichtfüßig getrimmt zu sein scheint. Dessen aber ungeachtet macht die Hetzjagd quer durch die Stadt einiges her und auch eine Menge Spaß, wenn auch der Plot bei näherer Betrachtung doch als ziemlicher Nonsens verbucht werden darf, wobei die mitreißende Inszenierung, frische Ideen und nicht zuletzt ein stimmungsvoller Soundtrack über solche erzählerischen Unpässlichkeiten ohnehin wohlwollend hinwegsehen lassen.

Fazit & Wertung:

David Koepps Fahrradkurier-Action-Thriller Premium Rush macht inszenatorisch einiges her und ist mit Gordon-Levitt als Hauptfigur Wilee und Shannon als Antagonist vorzüglich besetzt, was in Anbetracht der überwiegend oberflächlich bleibenden Figuren ein enormer Zugewinn ist, zumal auch der eigentliche Plot einer näheren Betrachtung kaum standhalten dürfte. Als kurzweiliger und temporeicher, frisch und unverbraucht daherkommender Adrenalinrausch mit nur wenigen Verschnaufpausen und einer chronologisch verschachtelten Erzählweise macht die Tour quer durch New York allerdings eine überaus gute Figur.

8 von 10 ungewöhnlichen Abkürzungen durch die Straßen von Manhattan

Premium Rush

  • Ungewöhnliche Abkürzungen durch die Straßen von Manhattan - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

David Koepps Fahrradkurier-Action-Thriller Premium Rush macht inszenatorisch einiges her und ist mit Gordon-Levitt als Hauptfigur Wilee und Shannon als Antagonist vorzüglich besetzt, was in Anbetracht der überwiegend oberflächlich bleibenden Figuren ein enormer Zugewinn ist, zumal auch der eigentliche Plot einer näheren Betrachtung kaum standhalten dürfte. Als kurzweiliger und temporeicher, frisch und unverbraucht daherkommender Adrenalinrausch mit nur wenigen Verschnaufpausen und einer chronologisch verschachtelten Erzählweise macht die Tour quer durch New York allerdings eine überaus gute Figur.

7.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
moviescape.blog: 7/10 Punkte

Premium Rush ist am 28.02.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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