Review: Ghost in the Shell (Film)

Wie versprochen gibt es heute einen weiteren Film mit "G" und auch wenn ich nicht behaupten kann, mit dieser Adaption einen meiner neuen Lieblingsfilme gesehen zu haben, freue ich mich dennoch sehr, diese Wissenslücke nun dann auch endlich – und noch dazu pünktlich zum Wochenende –geschlossen zu haben.

Ghost in the Shell

Ghost in the Shell, UK/CN/IN/HK/USA 2017, 107 Min.

Ghost in the Shell | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Regisseur:
Rupert Sanders
Autoren:
Jamie Moss (Drehbuch)
William Wheeler (Drehbuch)
Ehren Kruger (Drehbuch)
Shirow Masamune (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Scarlett Johansson (Major)
in weiteren Rollen:
Takeshi Kitano (Aramaki)
Michael Pitt (Kuze)
Pilou Asbæk (Batou)
Chin Han (Togusa)
Juliette Binoche (Dr. Ouelet)

Genre:
Science-Fiction | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Ghost in the Shell | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Die nahe Zukunft ist geprägt von erstaunlichen technischen Fortschritten, dennoch handelt es sich bei Major um die erste ihrer Art, einen mit menschlichem Gehirn versehenen Cyborg. Dergestalt prädestiniert für Kampfeinsätze ist Major Teil der Elite-Truppe Sektion 9 unter der Schirmherrschaft der Hanka Corporation. Als der Cyber-Hacker Kuze damit beginnt, gezielt die Wissenschaftler von Hanka auszuschalten, wird selbstredend Sektion 9 involviert und soll mit Major als Speerspitze der Anti-Terroreinheit den Hacker ausfindig und unschädlich machen. Bei ihrer Jagd auf Kuze muss Major allerdings bald feststellen, dass man ihr mitnichten alles über ihre Herkunft verraten hat und folglich auch ihr Vertrauen in die Hanka Corporation und deren Wissenschaftler auf den Prüfstand gestellt werden sollte…

Rezension:

Gar nicht so einfach, sich zu einem Film zu äußern, dessen Vorlage(n) eine derart große Fangemeinde besitzen wie Ghost in the Shell und gleich damit eröffnen zu müssen, dass man besagten Manga nie gelesen, den Anime nie gesehen hat, aber auch fernab dieser unweigerlichen Vergleiche gab es ja schon genug Trubel um den Film aufgrund der hier besonders lautstarken Whitewashing-Debatte dahingehend, dass Scarlett Johansson (Under the Skin) in der Rolle der Major besetzt worden ist, obwohl die originäre Figur doch offensichtlich asiatische Züge aufweist, obschon selbst Mamoru Oshii, Regisseur des gleichnamigen Films von 1995 sich gegen diese Kritik ausgesprochen hat und auch in meinen Augen die Kontroverse ein wenig überzogen scheint, zumal mir die Frage der ethnischen Herkunft von Major im Film ganz gelöst worden scheint, fernab dessen, dass Johansson sich die Figur spürbar zu eigen macht und ganz objektiv einen großartigen Job macht, mit nuancierten Gesten und zurückhaltender Mimik die innere Zerrissenheit ihrer Figur zu umreißen und gleichzeitig in den actionorientierteren Szenen auf den Punkt gebrachte Stärke und unbändige Willenskraft demonstriert.

Szenenbild aus Ghost in the Shell | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Dabei gibt es an Actionsequenzen gar nicht einmal so viele in dem Film, wie ich das im Vorfeld vermutet hätte, so dass Trailer und Marketing den Film doch deutlich reißerischer anpreisen, als er sich letztlich gibt, so dass überraschend viel Raum für die Exposition des Settings und zumindest der Hauptfigur bleibt, derweil die weiteren Charaktere zugegebenermaßen eher blass bleiben. So widmet sich Ghost in the Shell tatsächlich im Subtext der Frage nach dem eigenen Selbst und was es ausmacht, ein Mensch zu sein, beziehungsweise worüber dieses Selbstverständnis definiert werden könnte, was einen akzeptablen, philosophischen Unterbau für die Story liefert, wobei selbige natürlich im Kern eher oberflächlich bleibt und derartige Gedankengänge und Überlegungen nur angerissen werden, handelt es sich schließlich immer noch zuvorderst um einen Blockbuster, der eher nicht mit einem tiefschürfenden Selbstfindungstrip, sondern mit seinen Schauwerten überzeugen möchte. Dennoch präsentierte sich mir der Film in seiner Summe doch als überraschend intelligent und reflexiv, gerade nach den vielen doch sehr mäßigen Kritiken und auch Verrissen, die man so hat lesen können, was mich auch insofern erstaunt hat, dass der verantwortliche Rupert Sanders sich mit seiner Regie-Arbeit bei Snow White & the Huntsman nun auch nicht unbedingt für einen Posten bei einem derartigen Film empfohlen hat.

Diesbezüglich stellt sich natürlich die Frage nach einer eventuell verzerrten, weil gedämpften Erwartungshaltung, die den Film in meinen Augen dann hat besser abschneiden lassen, als er es möglicherweise verdient hätte, doch war ich so oder so erstaunlich angetan von den leisen Zwischentönen und dem Umstand, dass der beinahe schon obligatorische "Endkampf" mitnichten das Highlight des Films darstellt, dem sich nämlich in emotionaler Hinsicht noch weit gewichtigere Szenen anschließen, die mich in Kombination mit einem wendungsreichen Plot den Film in guter Erinnerung behalten lassen werden. Ebenfalls sehr gelungen war in meinen Augen die Chemie zwischen Major und ihrem von Pilou Asbæk (Lucy) verkörperten Kampfgefährten Batou, der sowohl als Sidekick wie auch Stichwortgeber trefflich funktioniert, derweil Takeshi Kitano einen ungemein würdevollen Boss für Major abgibt und Michael Pitt (Boardwalk Empire) in nur wenigen Szenen mit seiner Verkörperung von Kuze eine erstaunlich ambivalente Figur kreiert, aus der man gerne noch mehr hätte machen können. Ähnlich verhält es sich mit den Rollen von Juliette Binoche (Godzilla) und dem mir aus Marco Polo bekannten Chin Han, die zwar beide einen routinierten Job abliefern, mit ihren Figuren aber auch spürbar in recht generische Bahnen gedrängt werden, die nicht viel Raum für Entfaltung oder Eigenständigkeit lassen.

Szenenbild aus Ghost in the Shell | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Aber natürlich ist Ghost in the Shell auch fernab seiner durchaus noch ausbaufähigen Tiefe nicht frei von Mängeln und ausgerechnet das CGI weiß nicht in jedem Moment zu überzeugen, namentlich bei den Panoramaaufnahmen, die doch ausgemacht künstlich erscheinen, wohingegen die Effekte bei den Figuren und ihren künstlichen Verbesserungen wie auch in den Action-Szenen deutlich überzeugender geraten sind. Ebenfalls überzeugend die Konzeption der Action an sich, denn die nimmt sich nicht nur überraschend zurück, sondern ist im Gegenzug auch stets auf den Punkt inszeniert und exponiert sich ein jedes Mal mit neuen, besonderen und einfallsreichen Schauwerten. Ungeachtet des Umstandes, dass die Vorlage zum Film so frenetisch bejubelt wird und die Hollywood-Adaption da nur verlieren kann, krankt aber Ghost in the Shell vielleicht unter anderem auch an dem Umstand, dass die Veröffentlichung natürlich ärgerlich nah an der von Blade Runner 2049 gelegen hat, denn Look und Optik des Films haben sich natürlich unverkennbar von Blade Runner inspirieren lassen, was auch an einer Pan Am-Werbeanzeige im Film – einer direkten Reminiszenz an Ridley Scotts Kultfilm – erkennbar ist, so dass der Film auch an dieser Front in der Wahrnehmung des Zuschauers an Eigenständigkeit verliert und beinahe unweigerlich wie ein Sammelsurium fremder Ideen und Ansätze wirken müssen. Dafür allerdings geht die Mischung überraschend gut auf, wenn man sich entsprechend unvoreingenommen der wohl durchaus eher freien Interpretation des Stoffes nähert und weder einen adrenalintreibenden Action-Knaller, noch einen philosophisch-tiefgründiges Gedankenspiel erwartet, denn tatsächlich pickt sich der Film das Beste aus so einigen Welten, macht dies aber weitaus besser und souveräner als zu befürchten stand. Kultstatus wird er damit zwar sicher nicht erreichen und ein wenig mehr Eigenständigkeit und erzählerische Tiefe wären durchaus wünschenswert gewesen, aber ich kann zumindest jetzt schon attestieren, dass Sanders‘ Werk noch einige Male in meinem Player landen wird.

Fazit & Wertung:

Rupert Sanders liefert mit Ghost in the Shell eine solide (Hollywood-)Interpretation des gleichnamigen Stoffes ab und veredelt seinen Blockbuster mit überraschend vielen leisen Zwischentönen, auch wenn er die komplexeren Themen lediglich anreißt und gerne noch hätte vertiefen können. Optisch immerhin gerät der Cyberpunk-Film in manchen Momenten zum regelrechten Augenöffner und besticht mit einem wendungs- wie abwechslungsreichen Plot ohne spürbare Längen. Etwas mehr inszenatorische Eigenständigkeit und Mut zu höherer Komplexität hätten dem Werk aber ohne Frage gutgetan, wenngleich sich das Endergebnis durchaus sehen lassen kann.

7,5 von 10 verdrängten Erinnerungen

Ghost in the Shell

  • Verdrängte Erinnerungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Rupert Sanders liefert mit Ghost in the Shell eine solide (Hollywood-)Interpretation des gleichnamigen Stoffes ab und veredelt seinen Blockbuster mit überraschend vielen leisen Zwischentönen, auch wenn er die komplexeren Themen lediglich anreißt und gerne noch hätte vertiefen können. Optisch immerhin gerät der Cyberpunk-Film in manchen Momenten zum regelrechten Augenöffner und besticht mit einem wendungs- wie abwechslungsreichen Plot ohne spürbare Längen. Etwas mehr inszenatorische Eigenständigkeit und Mut zu höherer Komplexität hätten dem Werk aber ohne Frage gutgetan, wenngleich sich das Endergebnis durchaus sehen lassen kann.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Ghost in the Shell ist am 03.08.17 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Paramount im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Eine Reaktion

  1. Der Kinogänger 23. Februar 2018

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