Review: Tomb Raider (Film)

Ja, zum Wochenende gehört ein guter Film und die dazu passende Kritik und nachdem es seit gestern nun auch Tomb Raider zu kaufen gibt (und ich mir den Film sogar extra vorbestellt hatte!) kommt hier nun postwendend meine Meinung zum Film, zumal dessen Flair übrigens gerade wunderbar zu den vorherrschenden Temperaturen passt.

Tomb Raider

Tomb Raider, UK/USA 2018, 118 Min.

Tomb Raider | © Warner
© Warner

Regisseur:
Roar Uthaug
Autoren:
Geneva Robertson-Dworet
Alastair Siddons

Main-Cast:
Alicia Vikander (Lara Croft)
in weiteren Rollen:
Dominic West (Richard Croft)
Walton Goggins (Mathias Vogel)
Daniel Wu (Lu Ren)
Kristin Scott Thomas (Ana Miller)
Nick Frost (Pawnbroker Alan)

Genre:
Abenteuer | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Tomb Raider | © Warner
© Warner

Sieben Jahre sind vergangen, seit Lara Crofts Vater Richard auf einer ominösen Expedition verschwunden ist und noch immer weigert sich die junge Frau, dessen Tod zu akzeptieren, weshalb es ihr nicht vergönnt ist, Zugriff auf ihr millionenschweres Erbe und das väterliche Anwesen Croft Manor zu erhalten, weshalb sie sich als Fahrradkurierin verdingt und sich nicht nur die Monatsbeiträge für den Kickbox-Club vom Mund absparen muss. Als nun aber Croft Manor zwangsversteigert werden soll, willigt Lara schließlich ein, ihren Vater für tot erklären zu lassen, doch nachdem Familienanwalt Mr. Yaffe ihr bei dem Termin ein japanisches Rätselkästchen ihres Vaters überreicht, kommt Lara schnell auf Richards Spur, der zu ihrem Erstaunen eine Art Doppelleben geführt hat. So beginnt die junge Croft die Hinweise zu sichten und die Fragmente zusammenzusetzen, die sie in Richtung Hongkong und von dort zu der auf keiner Karte verzeichneten Insel Yamatai führen, wo sich das Grab der Sonnenkönigin Himiko befinden soll, das zu finden sich anscheinend nicht nur ihr Vater, sondern auch eine Organisation namens "Trinity" vorgenommen hat…

Rezension:

Auch auf die Gefahr hin, mich direkt im ersten Absatz unbeliebt zu machen, beginnen wir mal damit, dass ich seinerzeit mit der von Angelina Jolie verkörperten Lara Croft beziehungsweise den drumherum gestrickten Filmen herzlich wenig anfangen konnte, was aber auch damit zusammenhängen mag, dass ich niemals eines der Spiele gespielt habe und folglich vielleicht auch einfach zu wenig in der Materie war oder mir etwas anderes erwartet hätte. Und ja, Jolie mag seinerzeit die perfekte Besetzung gewesen sein und der Figur entsprochen haben, doch so sehr Croft auch als Archetyp einer schlagkräftigen, toughen Kickass-Heldin gefeiert werden mag, sind insbesondere ihre Outfits und Proportionen doch eben auch spürbar von Männerhand geschaffen, was sie für mich – Hype hin oder her – immer ein wenig generisch und unecht hat wirken lassen. Dieser Umstand sollte sich mit dem Reboot der Spielereihe 2013 ändern und eben dieses Reboot ist es, von dem sich die Filmemacher für Tomb Raider zumindest haben inspirieren lassen, weshalb ich auch die im Vorfeld geführten Diskussionen im Internet über Vikanders Oberweite reichlich kopfschüttelnd verfolgt habe, zumal das Niveau dieser "Unterhaltungen" allein vom Anlass her unterste Schublade gewesen ist. Warum ich das erwähne, hängt schlichtweg damit zusammen, dass viele noch immer die üppig ausgestattete, quasi unbesiegbare, mit zwei Pistolen ausgestattete Lara vor Augen hatten, um nun einen Film, der mit dieser Lara rein gar nichts zu tun hat, teilweise schon im Vorfeld zu verteufeln.

Alicia Vikander ist Lara Croft | Zeichnung von Wulf Bengsch

Da ich ja nun aber ein ausgewiesener Fan von Alicia Vikander (Ex Machina) bin, war ich sehr gespannt auf den Film und hatte ihn mir auch recht frühzeitig fürs Heimkino vorbestellt, was für mich sehr ungewöhnlich ist, da ich eigentlich auf fallende Preise warte und spekuliere. Ich war sogar so angefixt von dem – noch nicht gesehenen – Film, dass ich mir als Einstimmung mit der Tomb Raider Definitive Edition für die PS4 mein erstes Spiel in diese Richtung zugelegt habe (von dem ich übrigens auch schwer begeistert war) und hier wird uns nun einmal eine gänzlich andere Lara präsentiert, eine, die noch nicht spielend jede Krise zu meistern versteht, die sich noch nicht abgewöhnt hat, Angst zu haben oder Schmerz zu zeigen, die noch nicht so erfahren, tough und abgebrüht ist und eben auch keine zwei Pistolen mit sich herumschleppt. Dieses Spiel und diese Lara als Ausgangspunkt genommen, kann ich auch nur festhalten, dass in meinen Augen Alicia Vikander hier eine echte Traumbesetzung darstellt und sich ja auch im Vorfeld reichlich reingehängt hat, um der Physis und Agilität der Figur entsprechen zu können, was ihr ebenfalls bravourös gelungen ist. Das sieht man besonders schön, wenn sie sich hier vermeintlich übermächtigen Gegnern gegenübersieht, die sie allein schon an Statur sichtbar überragen, doch kommt zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf, sie könne sich nicht wehren oder sei unterlegen und das, obwohl sie durchaus auch gehörig einstecken muss und freilich auch mal ins Leere greift – ebenfalls ganz wie im Spiel.

Dadurch erscheint die Figur der Lara Croft hier in meinen Augen um einiges faszinierender und auch menschlicher, da man eben nicht dazu übergegangen ist, eine vermeintliche Superheldin zu inszenieren, sondern lediglich eine reichlich begabte und enorm sportliche junge Frau, die sich mit Schnelligkeit und Cleverness ihren Weg sucht. Um aber nicht seitenlang einzig über die Hauptfigur zu reden – die allerdings zweifelsohne das Herzstück des Films ausmacht und es auch war, die mich am nachhaltigsten begeistert hat -, kommen wir mal langsam auf den Film als solchen zu sprechen. Dieser teilt sich im Grunde in drei große Stücke, denn wie sich das für eine Origin-Story gehört – es handelt sich bei Tomb Raider nämlich mitnichten um ein Remake, wie viele immer noch irrigerweise meinen – bekommen wir freilich erst einmal einen Einblick in Laras Alltag serviert, um ihre Lebensumstände zu umreißen, aber eben auch gleich mehrfach sowohl ihr helles Köpfchen als auch ihre sportliche Affinität zu betonen, was in seiner Ausgestaltung zwar durchaus generisch, aber auch unterhaltsam geraten ist, bevor ihr aus dem Nachlass ihres Vaters ein Rätselkästchen anvertraut wird, dass sie auf die Spur ihres vor sieben Jahren verschollenen Vaters bringt, den sie partout nicht für tot erklären lassen will.

Szenenbild aus Tomb Raider | © Warner
© Warner

Der zweite und meines Erachtens auch gelungenste Part folgt mit der Reise zu der ominösen Insel und Laras Überlebenskampf im Dschungel, der dann auch erwartungsgemäß die meisten Computerspiel-anleihen aufweist, die sich zwar nicht immer hundert Prozent organisch ins Geschehen einfügen mögen, aber durch die Bank spektakulär gefilmt worden sind und das Adrenalin durchaus in die Höhe zu treiben vermögen. Der letzte Part wiederum umfasst dann das im Grunde namensgebende Grabräubern, wobei hier ein wenig die frischen Ideen fehlen, so dass es sich im Grunde um den schlechtesten Part des Films handelt, denn so eindrucksvoll die Set-Pieces sein mögen, krankt dieser "Ausflug" wie eigentlich immer an unglaubwürdigen, anachronistischen Apparaturen und einem sich dann doch zu sehr nach "Spielemodus" anfühlenden Ablauf. So darf man sich von Tomb Raider freilich kein ausgefeiltes Drama erwarten und die Story nebst weiterer Figuren ist schon spürbar dem Bausatz für kurzweilige Abenteuerfilme entsprungen, doch ist es dieser Abenteuer- und Survival-Aspekt eben auch, den ich mir von einem solchen Film erwarte – insbesondere nach Kenntnis des gleichnamigen Spiels von 2013 – und in der Hinsicht wird wirklich abgeliefert. Das Insel-Setting und die Jump’n’Run-Einlagen machen ihrem Ruf dabei ebenfalls alle Ehre, derweil der Film trotz seiner Altersfreigabe ab 12 Jahren doch angenehm dreckig und düster geraten ist. Zudem verzichtet man die meiste Zeit sogar auf die sonst so beliebten humorigen Einlagen und geht eher grimmig und ernst zu Werke, wobei es auch hier vornehmlich Vikander ist, die sich spürbar reinhängt und in wirklich jeder Szene überzeugt.

Das kann man in dem Ausmaß leider von den weiteren Figuren nicht behaupten, was aber zu großen Teilen mit dem doch dramaturgisch eher schwach ausgeprägten Skript zu tun hat, so dass Walton Goggins (American Ultra) als Bösewicht zwar herrlich fies und bedrohlich sein darf, ansonsten aber nicht eben viel Tiefe oder Gewicht verleihen bekommt, während ausgerechnet der in Into the Badlands so großartige Daniel Wu hier zum relativ gesichtslosen Sidekick degradiert wird, wobei ich bewusst nicht anprangere, dass er seine Martial-Arts-Künste hier einmal nicht zum Besten gibt, denn das war eigentlich eine schöne und willkommene Abwechslung, auch wenn das natürlich wie ein Schuss vor den Bug der TV-Trope All Asians Know Martial Arts wirkt. Leider kommt aber eben auch sonst nicht viel von der Figur, die dann doch eben kaum mehr als Stichwortgeber und Zuarbeiter sein darf, statt sich auf eigene Motivation oder Gedanken verlassen zu können. Dominic West (Centurion) als Laras verschollener Vater mag derweil in weiten Teilen simples Plot-Device sein, unterstützt aber in den gemeinsamen Szenen zumindest Laras Geschichte und familiären Background, was eine willkommene Abwechslung in den durchaus üppigen Action-Szenen darstellt, die den Film ansonsten freilich dominieren.

Szenenbild aus Tomb Raider | © Warner
© Warner

Da stellt sich natürlich die nicht ganz unberechtigte Frage, wieso man nicht gleich zu einer Umsetzung der Spielehandlung übergegangen ist, denn die kam atmosphärisch locker an einen Spielfilm heran, aber solche Dinge wissen dann doch nur die Verantwortlichen, auch wenn sie natürlich in Kauf nehmen, den Zorn der eingefleischten Fans auf sich zu ziehen für jedes Quäntchen, das verändert worden ist. Ich für meinen Teil, nur rudimentär vertraut mit dem Tomb Raider-Hype, empfand den Film in seiner Summe allerdings als durchaus gelungen, auch wenn man ohne großen Aufwand einige logische Fallstricke ausmachen kann, die gerne noch hätten ausgemerzt werden können, doch handelt es sich eben auch – mal wieder – um den Auftakt einer Reihe, wie insbesondere die zum Ende des Films einfließenden Erkenntnisse und eine sehr schöne Credits-Scene, die kurioserweise schon im Trailer angeteasert worden ist. Trotz einiger Mängel und Ungereimtheiten für mich ein wirklich gelungener Abenteuerfilm, der durchaus das eine oder andere Mal an Indiana Jones denken lässt (und auch besser ist als der unsägliche vierte Teil der Reihe), vor allem aber von einer immens charismatischen, physisch präsenten Hauptdarstellerin lebt, die sich wirklich in die Seile hängt und die ich gerne noch auf weiteren Abenteuern begleiten werde – dann meinetwegen auch mit Doppelpistolen.

Fazit & Wertung:

Der norwegische Regisseur Roar Uthaug liefert mit Tomb Raider eine durchaus gelungene Interpretation der Spielfigur und ihrer Welt ab, die vor allem als Auftakt einer längeren Reihe taugt und Alicia Vikander in einer Paraderolle brillieren lässt. Dramaturgisch mag es nicht eben anspruchsvoll zur Sache gehen, doch entschädigen hierfür neben der Hauptdarstellerin die gelungenen Set-Pieces, gehörig Abenteuer-Flair und eine teils grandiose Kameraführung.

7,5 von 10 waghalsige Sprünge

Tomb Raider

  • Waghalsige Sprünge - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der norwegische Regisseur Roar Uthaug liefert mit Tomb Raider eine durchaus gelungene Interpretation der Spielfigur und ihrer Welt ab, die vor allem als Auftakt einer längeren Reihe taugt und Alicia Vikander in einer Paraderolle brillieren lässt. Dramaturgisch mag es nicht eben anspruchsvoll zur Sache gehen, doch entschädigen hierfür neben der Hauptdarstellerin die gelungenen Set-Pieces, gehörig Abenteuer-Flair und eine teils grandiose Kameraführung.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (2 Stimmen)
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Tomb Raider ist am 02.08.18 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Warner erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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