Review: Deadpool 2 – Super Duper $@%!#& Cut (Film)

Zum Wochenende haue ich noch mal einen raus, denn gestern hat der eigenwillige Anti-Held in seinem zweiten Abenteuer Heimkino-Premiere gefeiert und nachdem ich mir erst Teil 2 und dann noch einmal beide Teile im selbst veranstalteten Double-Feature angesehen habe, möchte ich nun gern meine Eindrücke zum Film mit euch teilen.

Deadpool 2
Super Duper $@%!#& Cut

Deadpool 2, USA 2018, 119 Min. / 134 Min. (Super Duper $@%!#& Cut)

Deadpool 2 | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
David Leitch
Autoren:
Rhett Reese
Paul Wernick
Ryan Reynolds

Main-Cast:

Ryan Reynolds (Wade Wilson / Deadpool / Voice of Juggernaut)
Josh Brolin (Cable)
Morena Baccarin (Vanessa)
Julian Dennison (Firefist)
Zazie Beetz (Domino)
T.J. Miller (Weasel)
Brianna Hildebrand (Negasonic Teenage Warhead)
Jack Kesy (Black Tom)

Genre:
Action | Abenteuer | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Trotz einer erfolgreichen "Welt-Tournee", die Deadpool in die Herzen zahlloser krimineller Vereinigungen hat reisen und ihn ausgiebig seinem Hobby – Menschen zu töten – frönen lassen, läuft es nicht gerade rund für den ohnehin als lebensmüde zu bezeichnenden "Merc with a Mouth", der nun nach einem regelrechten Schicksalsschlag tatsächlich plant, seinem Leben ein Ende zu setzen. Gerettet wird er letztlich von dem gutmütigen Colossus, der Wades Überreste kurzerhand zum Anwesen der X-Men bringt und Deadpool nach dessen Genesung überzeugt, sich als Azubi bei dem Superhelden-Team zu versuchen. Bereits der erste Außeneinsatz läuft allerdings gründlich aus dem Ruder, nachdem es eigentlich nur darum ging, einen Teenager-Mutanten, der sich selbst den zweideutigen Namen Firefist gegeben hat, unter Kontrolle zu bekommen. Prompt bei den X-Men in Ungnade gefallen, sieht Deadpool sich aber bald mit weiteren Problemen konfrontiert, als ihn der aus der Zukunft stammende Cable attackiert, auch wenn sich herausstellt, dass der es wohl eher auf Firefist abgesehen hat. Kurzerhand fasst Deadpool den Entschluss, sein eigenes Superhelden-Team zu gründen und da der Begriff X-Men nicht einmal genderneutral ist, tauft er seine Gruppe kurzerhand X-Force…

Szenenbild aus Deadpool 2 | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Rezension:

Im Vorfeld war ich ja durchaus skeptisch, was die Fortsetzung zu Deadpool und somit Deadpool 2 angeht, denn dergestalt frisch, anarchisch und kompromisslos wie der erste Teil daherkommt und dadurch fernab seiner eher mauen Story dann doch zu unterhalten weiß, kann ein zweiter Teil doch eigentlich gar nicht mehr wirken, zumal sich auch hier mit verdreifachtem Budget ein Anflug des "Höher-Schneller-Weiter-Syndroms" abzuzeichnen begann. Schlussendlich verließ auch noch Regisseur Tim Miller wegen "kreativer Differenzen" das Projekt, wurde aber immerhin durch David Leitch ersetzt, der nun zwar nicht gerade für sein komödiantisches Talent oder Timing bekannt ist, dafür aber durch John Wick immerhin für mitreißende und innovative Actionszenen, weshalb es kaum verwundert, dass Wick bereits in den Opening-Credits referenziert wird. Komödiantisch veranlagt muss Leitch aber zum Glück gar nicht sein, denn dafür gibt es ja die Autoren Rhett Reese und Paul Wernick, die diesmal hochoffiziell von Ryan Reynolds als Drehbuchschreiber unterstützt werden. Das erweist sich als Segen, denn in Sachen Inszenierung und Humor merkt man tatsächlich kaum einen Unterschied, wie ich nach einem Double-Feature beider Teile bestätigen kann, so dass der Vorgänger-Teil sogar des Öfteren bewusst und gelungen referenziert wird und sich viele kleine Gags tatsächlich erst im direkten Vergleich erkennen lassen.

Vor allem aber wirkte Deadpool 2 auf den ersten Blick ein wenig überladen, was sich aber zum Glück nicht bewahrheitet hat, denn die Einführung von Cable und Domino nebst Gründung der X-Force hätte leicht nach hinten losgehen können, doch verläuft allein das Zusammenstellen der X-Force sowie auch deren erster Einsatz nicht nur anders als geplant, sondern auch definitiv anders, als die Promo-Szenen im Vorfeld haben glauben lassen. Wenn man hier übrigens extrem gut aufpasst, kann man einen kurzen Blick auf Brad Pitt als Vanisher erhaschen, der mit 1,5 Sekunden Leinwandpräsenz den wohl kürzesten Cameo der Filmgeschichte abliefert (für den er einen Kaffee spendiert bekommen hat). Aber auch ansonsten ist die bunt zusammengewürfelte X-Force eines von vielen Highlights in einem zwar wirklich vollgepackten, aber eben nie überladen wirkenden Film, dessen erste fünfundzwanzig Minuten allein schon für mich absolutes Kult-Potential besitzen und im Grunde lediglich das Intro darstellen, bevor der eigentliche Plot des knapp 135 Minuten dauernden Streifens zur Entfaltung kommt. Moment mal, mag sich mancher denken, Deadpool 2 läuft doch keine zwei Stunden, doch spreche ich an dieser Stelle freilich vom Super Duper $@%!#& Cut, der eine gute Viertelstunde an neuem Material (inklusive der umstrittenen Adolf-Hitler-Szene im Abspann) hinzufügt und meines Erachtens deutlich lohnenswerter ist als die Kinofassung des Films (hinsichtlich eines umfangreichen Vergleichs empfehle ich einmal mehr den entsprechenden Schnittbericht).

Szenenbild aus Deadpool 2 | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Das liegt einerseits daran, dass insbesondere in der ersten halben Stunde so einiges an Material und insbesondere Action und Situationskomik hinzukommt, während im weiteren Verlauf des Films insbesondere die Szenen um Firefist (Julian Dennison) Sinn machen, denn wenn man sich betrachtet, was da alles in der Kinofassung gefehlt hat, erhält dessen Figur hier deutlich mehr Profil und wird folglich auch in ihrem Handeln ungleich nachvollziehbarer. Ansonsten ist aber auch bei Deadpool 2 die Handlung eher als rudimentär zu bezeichnen und folgt der von Deadpool selbst gelebten Prämisse "maximaler Einsatz" ist also mehr auf Gag-Dichte und die Möglichkeit für ausufernde Action-Choreografien ausgelegt, die hier übrigens noch einmal deutlich hochwertiger und spektakulärer ausfallen, wie man sich das eben von einem zweiten Teil erwartet. Dabei verliert die absurde Action um den "Merc with a Mouth" unter der Schirmherrschaft von David Leitch aber tatsächlich auch weit weniger von ihrem Verve als ich das erwartet hätte. Vorrangig liegt das zweifelsohne daran, dass insbesondere Ryan Reynolds (Killer’s Bodyguard) einmal mehr in seiner Paraderolle aufblüht und jederzeit sichtlichen Spaß an dem Treiben hat du sich gerne und häufig selbst durch den Kakao zu ziehen bereit ist.

Da erweist sich natürlich speziell Josh Brolin als angenehmes Gegengewicht in der stoischen Ernsthaftigkeit seiner Figur Cable, so dass sich auch Deadpool die Frage nicht verkneifen kann, ob er sich sicher sei, nicht doch aus dem DC-Universum zu stammen, so düster wie er sei. Aber auch aus Brolins Beteiligung als Thanos in The Avengers 3: Infinity War wird freilich kein Hehl gemacht und es bleibt spannend zu beobachten, wie sich das in Zukunft verhalten wird, wo doch nun seitens Disney ein Zusammenschluss des etablierten MCU mit dem Marvel-X-Men-Kosmos angestrebt wird. Weiterer Neuzugang ist derweil Zazie Beetz als Domino, deren Superheldenkraft sie profan als "Glück" bezeichnet, was aber im fertigen Film tatsächlich mehrfach trefflich in Szene gesetzt wird. Ansonsten ist aber von Morena Baccarin (Serenity) über T.J. Miller bis hin zu Taxi-Fahrer Dopinder (Karan Soni) aber auch mit reichlich alten Bekannten zu rechnen, die ebenfalls dafür Sorge tragen, dass die beiden Filme weitestgehend wie aus einem Guss wirken.

Szenenbild aus Deadpool 2 | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Letztlich ist es bei hier aber wie bei jedem anderen (Superhelden-)Film, dass insbesondere der persönliche Geschmack darüber entscheidet, inwiefern man sich mit dem chaotisch-subversiven Treiben anfreunden kann, doch wem der erste Teil bereits zugesagt hat, der sollte meines Erachtens nach (mir zumindest ging es so) auch gehörige und ungebrochene Freude an Deadpool 2 empfinden, auch wenn der Film zugegebenermaßen mit einem echten Tiefschlag eröffnet. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir der Humor hier für meinen Geschmack doch auch des Öfteren zu plump und pubertär geraten ist, doch hat auch da eben jeder eine andere Hemmschwelle und wenn schon die unter die Gürtellinie zielenden Gags nicht zu zünden wissen, gibt es doch immerhin noch genug Schauwerte und anderweitigen, speziell referenziellen Humor, der den Film zu einem Erlebnis werden lässt, weshalb ich schwer hoffe, dass die angekündigten Projekte X-Force und Deadpool 3 nun nicht durch den Zusammenschluss des Franchises bedroht oder verzögert werden, denn dieser Film hat mir tatsächlich den Glauben daran zurückgegeben, dass es auch rundweg überzeugende zweite Teile geben kann, die ihren Vorgänger gar in mancher Hinsicht zu übertrumpfen wissen, denn in Sachen "Epicness", Abwechslungsreichtum, Action und Humor hat tatsächlich der Nachfolger knapp die Nase vorn und leidet kaum daran, dass man nun schon im Vorfeld weiß, welch blutig-absurd-respektloses Vergnügen einen hier erwartet. Schließen möchte ich derweil mit dem Hinweis, dass man sich die beiden Rednecks, denen Cable zu Beginn begegnet, ebenfalls genauer anschauen sollte, denn hinter dem heftigen Make-Up verbergen sich Matt Damon und Alan Tudyk, deren Dialog ebenfalls durch den Super Duper $@%!#& Cut erweitert wird.

Fazit & Wertung:

Trotz – oder dank – Regiewechsel von Tim Miller zu David Leitch gelingt es Deadpool 2 sowohl, dem Ton des ersten Teils treu zu bleiben und nichts von seiner respektlosen Art zu verlieren, sondern gleichsam mit Witzen am Fließband und großartiger Action zu punkten, derweil Reynolds einmal mehr spürbar und lustvoll in seiner Rolle als "Merc with a Mouth" aufgeht. Tatsächlich ein zweiter Teil, der sich in keiner Hinsicht zu verstecken braucht und insbesondere als 15 Minuten längerer Super Duper $@%!#& Cut in Sachen Referenz- und Meta-Humor die Nase ganz weit vorn hat.

8,5 von 10 tödlichen Schussverletzungen

Deadpool 2 - Super Duper $@%!#& Cut

  • Tödliche Schussverletzungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Trotz – oder dank – Regiewechsel von Tim Miller zu David Leitch gelingt es Deadpool 2 sowohl, dem Ton des ersten Teils treu zu bleiben und nichts von seiner respektlosen Art zu verlieren, sondern gleichsam mit Witzen am Fließband und großartiger Action zu punkten, derweil Reynolds einmal mehr spürbar und lustvoll in seiner Rolle als "Merc with a Mouth" aufgeht. Tatsächlich ein zweiter Teil, der sich in keiner Hinsicht zu verstecken braucht und insbesondere als 15 Minuten längerer Super Duper $@%!#& Cut in Sachen Referenz- und Meta-Humor die Nase ganz weit vorn hat.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (2 Stimmen)
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Deadpool 2 ist am 27.09.18 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. In den Genuss des Super Duper $@%!#& Cut kommt man allerdings nur bei den beiden Blu-ray-Varianten. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 14. Oktober 2018

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