Review: Killer’s Bodyguard (Film)

Und wir starten wieder ins Wochenende mit einem vergleichsweise aktuellen Film, der mich so wunderbar zu unterhalten gewusst hat, dass ich möglicherweise ein halbes Pünktchen mehr vergeben habe, als er objektiv verdient hätte, aber da (Film-)Kritik ja ohnehin immer subjektiv ist hatte ich da jetzt auch nicht wirkliche Skrupel, zumal er meinen persönlichen Geschmack ziemlich exakt getroffen hat.

Killer’s Bodyguard

The Hitman’s Bodyguard, USA/HK/BG/NL 2017, 118 Min.

Killer's Bodyguard | © EuroVideo
© EuroVideo

Regisseur:
Patrick Hughes
Autor:
Tom O’Connor

Main-Cast:
Ryan Reynolds (Michael Bryce)
Samuel L. Jackson (Darius Kincaid)
Gary Oldman (Vladislav Dukhovich)
Salma Hayek (Sonia Kincaid)
in weiteren Rollen:
Elodie Yung (Amelia Roussel)
Joaquim de Almeida (Jean Foucher)
Kirsty Mitchell (Harr)
Richard E. Grant (Seifert)

Genre:
Action | Komödie | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Killer's Bodyguard | © EuroVideo
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Als Personenschützer ist Michael Bryce eine Koryphäe auf seinem Gebiet, bis zu dem Tag jedenfalls, wo ihm ein Fehler unterläuft und er auf einen Schlag seinen guten Ruf, sein Geld, seine Klienten verliert. Fortan verdingt er sich mit kleinen Aufträgen und hält sich mehr schlecht als recht über Wasser, bis seine Ex Amelia Roussel ihm unverhofft einen lukrativen Job zuschustert, als es gilt, den brandgefährlichen Auftragskiller Darius Kincaid zu einer Gerichtsverhandlung zu bringen. Dort steht nämlich der skrupellose Diktator Vladislav Dukhovic unter Anklage und es versteht sich von selbst, dass der Despot alles in seiner Macht stehende tun wird, um Kincaid von einer Aussage abzuhalten. Bryce und Kincaid derweil sind sich freilich ebenfalls nicht besonders grün, zumal der routinierte Killer keine Möglichkeit auslässt, einen Fluchtversuch zu wagen…

Rezension:

Man betrachtet Killer’s Bodyguard durchaus mit anderen Augen, wenn man darum weiß, dass hier ursprünglich ein deutlich ernsthafterer Film geplant gewesen sein mag, der allerdings kurz vor Beginn der Dreharbeiten zu einer Action-Komödie umgeschrieben worden ist. Das entpuppt sich meines Erachtens nach aber auch als exakt der richtige Schachzug, denn für ein Drama hätte die allzu generische, im Grunde wenig plausible Geschichte kaum getaugt, macht aber als Buddy-Comedy eine mehr als gute Figur und hat mich über die gesamte Laufzeit hinweg glänzend unterhalten. Das liegt nicht zuletzt – aber eben nicht nur – an dem großartigen Hauptdarsteller-Duo, deren beispiellose Chemie untereinander schon vieles wettzumachen versteht, was man dem Film dramaturgisch ankreiden möchte, wenn man einmal in die Verlegenheit kommen sollte, nur kurz darüber nachzudenken, was genau einem hier eigentlich vorgesetzt wird.

Szenenbild aus Killer's Bodyguard | © EuroVideo
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Der Aufhänger für die Geschichte, dass Diktator Dukhovich vor Gericht gezerrt wird, ist nämlich ebenso fadenscheinig wie die Probleme, die sich ergeben, Kincaid als Zeugen vorzuladen, während Interpol hier als gänzlich fiktive, weit über ihre Befugnisse und Kompetenzen hinausgehende Organisation inszeniert wird, was man im Rahmen einer Action-Komödie verzeihen mag, sonst aber sicherlich scharf kritisieren müsste. Hier ordnet sich die Handlung – die im Grunde allerdings einzig aus einem Road-Trip quer durch ein paar europäische Ausflugsziele besteht – spürbar dem Anspruch des Films unter, eine Riege aberwitziger Action-Feuerwerke abzubrennen und in deren Zentrum zwei bewusst gegensätzliche Charaktere aufeinanderprallen zu lassen. Dies geschieht mitunter regelrecht plakativ und Bryce und Kincaid lassen sich jederzeit in Gut und Böse, Schwarz und Weiß, draufgängerisch und vorsichtig unterteilen, während die obligatorische Annäherung und schlussendliche Verbrüderung ebenfalls nicht lange auf sich warten lässt. Die Zutaten von Killer’s Bodyguard sind also auf den ersten Blick bekannt, doch bedeutet das eben nicht, dass es Regisseur Patrick Hughes nicht trotzdem gelingen würde, selbige zu einem wohlschmeckenden Gericht zu verarbeiten.

Der Inszenierung geschuldet, wirken allerdings sowohl Gary Oldman (Den Sternen so nah) als auch Salma Hayek (Savages) weitestgehend verschenkt und verkörpern kaum mehr als Karikaturen, wenngleich Hayeks Figur als ebenfalls im Gefängnis sitzende Frau von Kincaid zumindest in dem angekündigten Sequel The Hitman’s Wife’s Bodyguard noch eine größere Rolle spielen dürfte. Warum man übrigens mal wieder aus "Hitman" für den "deutschen" Titel "Killer" machen musste, wird mir auf ewig absolut schleierhaft bleiben, aber das soll ja den Film als solchen nicht beeinflussen und der brilliert da, wo er soll, nämlich insbesondere bei seinen Hauptfiguren. So liefern sich Ryan Reynolds (Self/less) und Samuel L. Jackson (Legend of Tarzan) ein regelrechtes Kopf-an-Kopf-Rennen, denn was hier darstellerisch nicht unbedingt gefordert sein mag, wissen sie mit Selbstironie und Timing aufzuwiegen, die für einen Film dieser Art von enormer Wichtigkeit sind. Zum Glück weiß aber auch Regisseur Hughes mit diesen Begriffen etwas anzufangen und so gehen hier tatsächlich auf den Punkt inszenierte Action und minutiös durchchoreografierte Situationskomik Hand in Hand, auch wenn freilich nicht jeder Gag zünden mag.

Szenenbild aus Killer's Bodyguard | © EuroVideo
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Während Jackson also den "Bad Motherfucker" gibt und sich in der spleenigen Rolle des überdrehten Auftragskillers scheinbar enorm gut gefällt, nimmt sich Reynolds zunächst sehr zurück, um den desillusionierten, vom Leben enttäuschten Personenschützer zu verkörpern, um im weiteren Verlauf auf herrlich unprätentiöse Weise mehr und mehr aus sich herauszukommen. Hinzu kommt freilich Hughes‘ Routine bei der Inszenierung mitreißender Action-Sequenzen, die sich auch angenehm abwechslungsreich präsentieren und von Zweikämpfen über Auto- und Boots-Verfolgungsjagden sowie einer Auseinandersetzung in einem Heimwerkermarkt alles beinhaltet, was man sich heutzutage in dem Metier erwartet. Das führt in der Summe zu einem rundherum vergnüglichen Filmerlebnis, das nicht nur durch Elodie Yung (Daredevil) in einer Nebenrolle zusätzlich veredelt wird. Ernst nehmen oder länger drüber nachdenken, was Sinn und Zweck des Ganzen ist, sollte man zwar definitiv nicht, doch spätestens mit der Drehbuch-Kurskorrektur in Richtung übersteuerter Action-Komödie sollten derlei Dinge auch nicht mehr großartig ins Gewicht fallen, denn dafür ist Killer’s Bodyguard viel zu kurzweilig und unterhaltsam, als dass man sich von schnödem Anspruchsdenken den Spaß vermiesen lassen sollte.

Fazit & Wertung:

Regisseur Patrick Hughes inszeniert mit Killer’s Bodyguard einen bestens aufgelegten Buddy-Action-Movie mit reichlich Witz und Charme, dessen Plot sich allerdings schnell als pures Vehikel für die temporeiche Inszenierung der beiden Protagonisten enttarnt und folglich kaum Tiefe oder Logik erkennen lässt. Dafür allerdings brillieren sowohl Jackson als auch Reynolds in ihren jeweiligen Rollen und haben sichtlich Spaß an dem exaltierten Reigen.

8 von 10 hartnäckigen Verfolgern

Killer's Bodyguard

  • Hartnäckige Verfolger - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Patrick Hughes inszeniert mit Killer's Bodyguard einen bestens aufgelegten Buddy-Action-Movie mit reichlich Witz und Charme, dessen Plot sich allerdings schnell als pures Vehikel für die temporeiche Inszenierung der beiden Protagonisten enttarnt und folglich kaum Tiefe oder Logik erkennen lässt. Dafür allerdings brillieren sowohl Jackson als auch Reynolds in ihren jeweiligen Rollen und haben sichtlich Spaß an dem exaltierten Reigen.

8.0/10
Leser-Wertung 6.5/10 (2 Stimmen)
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DVD:

Blu-ray:

vgw

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