Review: The Avengers 3: Infinity War (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

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Da wäre ich nun also und präsentiere meine mit rund 3.200 Wörtern erwartungsgemäß umfangreiche – aber selbstredend spoilerfreie – Kritik zu Avengers: Infinity War. Einen Spoilerteil, der sich insbesondere mit dem Ende des Films auseinandersetzt, gibt es freilich weiter unten auch noch, doch den habe ich ganz explizit und auffällig gekennzeichnet, denn ich persönlich hätte mich wohl auch enorm geärgert, wäre irgendetwas "Verfängliches" vor der Kinosichtung zu mir durchgesickert.

The Avengers 3:
Infinity War

Avengers: Infinity War, USA 2018, 149 Min.

The Avengers 3: Infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Regisseure:
Anthony Russo
Joe Russo
Autoren:
Christopher Markus
Stephen McFeely

Main-Cast:

Robert Downey Jr. (Tony Stark / Iron Man)
Chris Hemsworth (Thor)
Mark Ruffalo (Bruce Banner / Hulk)
Chris Evans (Steve Rogers)
Scarlett Johansson (Natasha Romanoff / Black Widow)
Benedict Cumberbatch (Dr. Stephen Strange)
Don Cheadle (James Rhodes / War Machine)
Tom Holland (Peter Parker / Spider-Man)
Chadwick Boseman (T’Challa / Black Panther)
Paul Bettany (Vision)
Elizabeth Olsen (Wanda Maximoff / Scarlet Witch)
Anthony Mackie (Sam Wilson / Falcon)
Sebastian Stan (Bucky Barnes / White Wolf)
Danai Gurira (Okoye)
Letitia Wright (Shuri)
Dave Bautista (Drax)
Zoe Saldana (Gamora)
Josh Brolin (Thanos)
Chris Pratt (Peter Quill / Star-Lord)

in weiteren Rollen:

Tom Hiddleston (Loki)
Idris Elba (Heimdall)
Peter Dinklage (Eitri)
Benedict Wong (Wong)
Pom Klementieff (Mantis)
Karen Gillan (Nebula)
Vin Diesel (Groot [Stimme])
Bradley Cooper (Rocket [Stimme])
Gwyneth Paltrow (Pepper Potts)
Benicio Del Toro (The Collector)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Avengers 2: Infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Bereits seit geraumer Zeit terrorisiert der mächtige Titan Thanos das Universum und verfolgt den perfiden wie größenwahnsinnigen Plan, die Hälfte der Bevölkerung eines jeden Planeten auszulöschen, um so das Gleichgewicht wiederherzustellen und den Überlebenden ein besseres Leben zu ermöglichen. Zu diesem Zweck ist er auf der Suche nach den mystischen wie mächtigen Infinity-Steinen, die – so er denn alle sechs Exemplare in seinem Handschuh vereinigt – ihm gottgleiche Macht verleihen würden. Nun hat es Thanos schlussendlich auch Richtung Erde verschlagen, wo sich zwei der sagenumwobenen Steine befinden und während er seine mächtigsten Krieger – die sogenannte Black Order – zur Erde schickt, um der Steine habhaft zu werden, bereist er den Rest des Alls, um die noch fehlenden Steine aufzutreiben. Zumindest gelingt es dem im letzten Moment vor Thanos geflüchteten Bruce Banner, Doctor Strange zu warnen, der wiederum Tony Stark kontaktiert, kurz bevor sich die Black Order mit Nachdruck ankündigt, während in Schottland den im Exil lebenden Helden Vision und Scarlet Witch unerwartete Hilfe zuteilwird. Weit entfernt in den Tiefen des Alls machen die Guardians derweil die Bekanntschaft mit Thor, der es sich zum Ziel gesetzt hat, sich für den Kampf gegen Thanos einen neuen Hammer schmieden zu lassen…

Rezension:

Die Ursprünge und die Verortung im MCU:

Zehn Jahre ist es her, dass Marvel sein Unterfangen mit Iron Man gestartet hat, ein großes, zahllose Helden umspannendes Filmuniversum zu schaffen, gemeinhin als Marvel Cinematic Universe – oder kurz MCU – bekannt. Damals hätte wohl sicherlich kaum jemand vorausahnen können, wie umfangreich, vor allem aber auch erfolgreich dieses Projekt werden würde, das fernab der mittlerweile insgesamt achtzehn Filme (Avengers: Infinity War nicht mitgerechnet) auch zahllose TV-Serien hervorgebracht, die sich mal mehr, mal weniger offensichtlich im selben Universum bewegen. Kern des Ganzen ist und bleibt aber der Radau auf der großen Leinwand und man macht bereits in den ersten Minuten keinen Hehl daraus, dieses Werk nun als vorläufiges, erwartungsgemäß fulminantes Finale der ersten Dekade MCU inszenieren zu wollen, was, gemessen daran, dass hier beinahe sämtliche Helden, die man bisher hat kennenlernen dürfen, in Erscheinung treten und im großen Kampf gegen Thanos Seite an Seite stehen, auf den man bereits 2012 in The Avengers einen ersten Blick hat werfen können (auch wenn sich seinerzeit noch nicht das Konterfei von Josh Brolin hinter der CGI-Maske verborgen hat), was ein deutliches Indiz dafür ist, wie umfassend und vorausschauend die Pläne der Marvel-Verantwortlichen und insbesondere Kevin Feige gewesen sein müssen.

Szenenbild aus The Avengers 3: infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Am meisten Spaß macht der Film folglich auch, wenn man bestmöglich mit dem MCU vertraut ist und im Idealfall sämtliche Filme und deren Handlung und Figuren noch parat hat, um das Optimum an Spaß und Querverweisen herauszuholen, aber das dürfte ja bei einem dritten Teil, der ohnehin schon in seinen ersten beiden "Varianten" als filmisches Crossover der Einzelhelden fungiert hat, auch zu erwarten sein, wobei der Hinweis gestattet sein mag, dass man zumindest Thor 3: Tag der Entscheidung im Vorfeld definitiv gesehen haben sollte, da der Auftakt des Films sich im direkten Anschluss an die die dort zuletzt gezeigten Szenen abspielt. Ursprünglich sollte nun aber Avengers: Infinity War den Zusatz Part I verliehen bekommen und auch wenn man bei der Namensgebung davon schlussendlich Abstand genommen hat, verhält es sich doch so – ohne spoilern zu wollen – dass der Film zwar für sich bestehen kann, aber erst im nächsten Jahr mit dem noch unbetitelten Avengers-Nachfolgefilm ein abgeschlossenes Werk ergibt, was insbesondere damit zusammenhängt, dass Anthony und Joe Russo hier für einen Marvel-Film doch gänzlich unerwartete Wege gehen.

Die Regisseure und Drehbuchautoren:

Bereits früh wurde 2015 im Rahmen der Veröffentlichung von The Avengers 2: Age of Ultron klar, dass Joss Whedon den dritten und vierten Avengers-Film entgegen ursprünglicher Pläne nicht inszenieren würde und stattdessen das Regie-Duo Anthony und Joe Russo verpflichtet worden ist, die sich mit Captain America 2: The Winter Soldier jüngst ihre Meriten im MCU verdient hatten. Ihnen als Drehbuchautoren zur Seite standen schon bei diesem Film Christopher Markus und Stephen McFeely, die wiederum schon das Skript zum ersten Captain America verfasst hatten. Aus dieser Zusammenarbeit resultierte dann ein überraschend grimmiger und ernsthafter Actionfilm, der von Captain America 3: Civil War zwar nicht ganz getoppt werden konnte, sich qualitativ aber in ähnlichen Breitengraden bewegte und nicht zu Unrecht den Beinamen The Avengers 2.5 bekam, so dass man sagen könnte, das Quartett Russo, Russo, Markus und McFeely hätte hier die Generalprobe zum epischen Aufeinandertreffen inszeniert, das einen in Avengers: Infinity War nun nach gefühlten Jahren des Wartens erwartet.

Die Darsteller:

Vom beteiligten Ensemble allein ist Avengers: Infinity War freilich der Inbegriff eines Blockbusters und wenn man schon in der Vergangenheit hat staunen dürfen, welch illustre Riege das Marvel-Team nach und nach für die unterschiedlichsten Helden zu verpflichten gewusst hat, führen all diese einzelnen Filme und Geschichten hier zusammen, weshalb man mit Fug und Recht behaupten kann, dass es hier gleich mehrere Dutzend Hauptfiguren gibt. Im Kern der Erzählung stehen dabei zweifelsohne aber noch immer die Helden der ersten Stunde, angefangen von Robert Downey Jr. als Tony " Iron Man" Stark über Chris Evans (Playing It Cool) als Steve Rogers bis hin zu Chris Hemsworth (The Huntsman & the Ice Queen) als Thor, um zunächst nur die zu nennen, die jeweils bereits auf eine eigene, unlängst abgeschlossene Film-Trilogie zurückblicken können. Diesbezüglich finden die Russo-Brüder auch einen inszenatorisch wie dramaturgisch wunderbaren Ansatz, je einen der genannten Helden ins Zentrum eines Handlungsstranges zu setzen, so dass sich hier die "Größen" des Marvel-Kosmos zunächst nicht ins Gehege kommen, gleichsam Zeit und Kapazität für bislang unbekannte Team-Ups besitzen, so dass allein das früh im Film zu verortende Zusammentreffen der beiden Super-Egos Tony Stark und Stephen Strange eines der frühen Highlights darstellt. Überhaupt hat der erneut von Benedict Cumberbatch (Sherlock) verkörperte Magier Strange eine doch überraschend große und gewichtige Rolle in dem Film, was insoweit natürlich auch nicht verwunderlich ist, dass er ja der Hüter eines der Infinity-Steine ist und so schnell in den Fokus der Black Order rückt.

Szenenbild aus The Avengers 3: Infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Nicht minder begeisterungswürdig fällt freilich das Zusammentreffen der "Guardians" mit Donnergott Thor aus, zumal Chris Pratt (Jurassic World) und Chris Hemsworth sichtlich Spaß an den Kabbeleien ihrer kaum minder egozentrischen Helden haben. Ebenfalls in dieser Konstellation tritt dann auch Zoe Saldana (Star Trek) als Gamora wieder auf den Plan, bei deren Figur man sich im Verlauf des Films auf überaus großartige Szenen freuen darf, ist sie schließlich eine der Töchter des Titanen Thanos und folglich eng mit dessen Schicksal verknüpft, auch wenn sie sich mehr als einmal wünscht, dem wäre nicht so. Steve Rogers hingegen kommt zunächst gemeinsam mit der von Scarlett Johansson (Ghost in the Shell) verkörperten Natasha und dem von Anthony Mackie (Triple 9) gespielten Sam Wilson in einer vergleichsweise geradezu klassischen Konstellation daher, hat derweil aber nichts von seinen Anführer-Qualitäten eingebüßt, auch wenn sich seine Figur in den Nachwehen von Civil War merklich verändert hat, was sehr für die sich stetig wandelnde Welt des MCU spricht, der die Russos natürlich in diesem Punkt besonders Rechnung tragen, ist Captain America schließlich mehr als jeder andere "ihre" Figur. Die Nachwehen der heldenhaften Auseinandersetzung allerdings sind es auch, die dieses Mal sowohl Ant-Man als auch Hawkeye auf die Ersatzbank verdammen, die "unter Hausarrest" stehen und folglich erst im nächsten Teil ihren Auftritt haben dürften werden. Das mag in einem lapidaren Halbsatz abgehandelt werden und auf den ersten Blick ärgerlich sein, doch ist es mir so zugegebenermaßen lieber, als wenn sie ein ewiges Dasein im Hintergrund gefristet hätten, denn auch wenn Avengers: Infinity War überraschenderweise selten überladen wirkt, hätte doch wahrscheinlich nicht mehr viel gefehlt und Figuren wie Bucky Barnes oder auch James Rhodes spielen ohnehin schon eine eher untergeordnete Rolle.

Szenenbild aus The Avengers 3: Infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Mark Ruffalo (Can A Song Save Your Life?) als Bruce Banner wiederum mag in den eigentlichen Kampfhandlungen ein wenig hintenanstehen und muss sich noch immer mit einem mehr als widerborstigen Hulk herumschlagen, bildet in vielerlei Hinsicht aber auch den erzählerischen Kitt, da er es ist, der die Helden zunächst warnt und eint, während Tom Holland (How I Live Now) als Spider-Man erneut seinem "Mentor" Stark unterstellt wird und sich hier wahrlich seine Sporen als Held verdienen darf. Die zaghaften Liebesbande zwischen Elizabeth Olsens (Ingrid Goes West) Scarlet Witch und Paul Bettanys (Manhunt: Unabomber) Vision bekommen hier ebenfalls wieder einen Platz eingeräumt, auch wenn sich Vision ebenfalls schnell mit der Black Order konfrontiert sieht aufgrund des Infinity Steins in seiner Stirn. Last but not least bekommt natürlich auch der von Chadwick Boseman (Message from the King) verkörperte Black Panther gehörig Platz eingeräumt, was insofern nicht verwunderlich ist, da sein erster Solo-Film quasi in den Vorwehen zu Avengers: Infinity War veröffentlicht worden ist und andererseits seine Heimat Wakanda eine nicht unmaßgebliche Rolle bei der schnell ausufernden Auseinandersetzung mit Thanos und seinen Horden einnimmt. Thanos wiederum, um schließlich natürlich auch noch auf Josh Brolin (Hail, Caesar!) zu sprechen zu kommen, ist tatsächlich genau der Bösewicht, den man sich speziell im MCU vielleicht schon seit Jahren gewünscht hat, da er eine nachvollziehbare, wenn auch grausame Motivation besitzt und es Brolin tatsächlich hinter all dem CGI gelingt, der Figur nicht nur Leben einzuhauchen, sondern ihr auch eine gewisse Tragik zu verleihen, während vom ersten Moment an klar sein dürfte, dass man es mit einem echten Badass-Schurken zu tun bekommt, ohne hier jetzt Genaueres spoilern zu wollen.

Der Film:

Um aber – ebenfalls ohne zu spoilern – nun auf den eigentlichen Film zu sprechen zu kommen, werfen die Russos hier alles an Expertise und Erfahrung in den Ring, was sie sich in den vergangenen Jahren draufgeschafft haben und schaffen ein vom ersten Moment an ungemein mitreißendes Werk, das bereits in den ersten Minuten in die Vollen geht und die schiere, rohe Bedrohlichkeit von Thanos als Antagonist unterstreicht, so dass man sich in den darauffolgenden rund zweieinhalb Stunden schon einmal darauf einstellen kann, ein jedes Mal um verschiedenste Helden zu bangen, wenn Thanos nur die Bildfläche betritt, was im Übrigen auch für seine Black Order gilt, die zwar vergleichsweise blass und beliebig bleit, was deren jeweilige Figurenausgestaltung betrifft, die von ihnen ausgehende Gefahr allerdings in keiner Weise schmälert. Dabei gelingt vor allem das Kunststück, die wirklich zahllosen Helden in Avengers: Infinity War aufeinandertreffen zu lassen, ohne dass sich heillose Konfusion und Überfrachtung breitmacht, wozu sich der Plot in grob vier große Handlungsstränge aufteilt, die mal mehr, mal weniger miteinander korrelieren, was ebenfalls eine hohe Kunst ist, denn schnell hätte man sich in den weiten des Alls verlieren können, über die sich die im wortwörtlichen Sinne epische Handlung erstreckt.

Szenenbild aus The Avengers 3: Infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Dabei bleibt freilich für Verschnaufpausen und ruhige Momente vergleichsweise wenig Zeit, doch finden die Autoren und Regisseure immer wieder Zeit für schöne Charaktermomente und auflockernde Situationen, so kurz diese teils auch sein mögen. Den für viele Marvel-Filme so typischen Humor wird man folglich auch hier nicht missen müssen, doch handelt es sich bei Avengers: Infinity War unbestritten um den düstersten und ernsthaftesten der bisherigen Marvel-Filme, was in Anbetracht der nie dagewesenen Bedrohung auch nur recht und billig ist, zumal man das MCU in dieser Hinsicht nun endlich auch wieder ernst nehmen kann und beileibe nicht gesichert ist, dass jeder liebgewonnene Held die Auseinandersetzung wirklich überlebt, denn selbst wenn vertragliche Regelungen den Tod einer spezifischen Figur eigentlich unmöglich machen, musste ich mich doch selbst in dieser Hinsicht manchmal fragen, ob sich künftige Auftritte nicht eben auch schlicht auf Rückblenden oder "Archivaufnahmen" erstrecken könnten, so dass in jeder der abwechslungsreich gestalteten und tatsächlich nie langweilig werdenden Konfrontationen auch immer die Angst mit an Bord ist und einen als Zuschauer regelrecht in den Sessel presst.

Das funktioniert natürlich auch dahingehend so gut, dass man – zumindest als Fan der ersten Stunde – mit den meisten Figuren seit teils bis zu zehn Jahren den Weg gemeinsam geht, so dass sie einem unbestreitbar ans Herz gewachsen sind und ihr Ableben ähnlich heftig treffen würde wie der Tod einer geliebten Serienfigur, die einen seit vielen Jahren begleitet. Kritik, dass Avengers: Infinity War zu schnell in eine ausufernde Materialschlacht ausarte und sich mehr Zeit für die Exposition der Figuren und des Settings hätte nehmen sollen, lasse ich übrigens in diesem Fall nicht gelten, denn auch wenn Part I aus dem Titel gestrichen worden ist und es sich dem Vernehmen nach um einen eigenständigen Film handelt, ist es letztlich auch schlichtweg die auf die Leinwand gebrachte Konfrontation, auf die das Marvel Cinematic Universe seit nunmehr zehn Jahren zusteuert und entsprechend ist die Exposition längst abgeschlossen, sind die Figuren längst vorgestellt, wurden ihre Beweggründe und Motivationen deutlich gemacht, als dass man sich hier noch mit langer Vorrede aufhalten müsse. Besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang derweil, wie es den Russos gelungen ist, das jeweilige Feeling, den Stil, die Optik der hier zusammenlaufenden Solofilme einzufangen, ohne dass nicht trotzdem alles in dem Film aus einem Guss wirken würde. So könnte man recht mühelos einen beliebigen Helden aus dem Reigen herauspicken und einzig dessen Szenen zu einer beispielsweise dreiviertelstündigen Fortsetzung zusammenschustern, ohne dass man einen stilistischen Bruch zu dessen vorangegangenen Abenteuern bemerken würde und trotzdem funktioniert Avengers: Infinity War als großes Ganzes.

Szenenbild aus The Avengers 3: Infinity War | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Über Optik und Effekte an sich braucht man derweil im Grunde kein Wort zu verlieren, denn auch wenn in den Massenkampfszenen die Übersichtlichkeit zeitweise flöten geht und man immer etwas zu kritisieren finden würde, setzt der Film in seiner Gänze doch im Grunde auch neue Maßstäbe für das Blockbuster-Kino dieser Tage und wirkt in wirklich jedem Aspekt auf der Höhe der Zeit. Nimmt man nun also die dramaturgische Finesse, die sich bereits nach wenigen Minuten entfaltende Intensität des Gezeigten, das schiere Übermaß an hochkarätigen Darstellern und großartigen Figuren zusammen, verknüpft sie mit einer epischen und unvorhersehbaren Auseinandersetzung, garniert sie mit sorgsam eingesetztem, nie deplatziert oder über Gebühr bemüht wirkenden Humor und rundet dies mit einem der wohl furchteinflößendsten und gleichsam tragischsten Schurken der bisherigen Marvel-Filmgeschichte ab, erhält man das Meisterwerk, das nicht von ungefähr die Kinokassen im Sturm erobert hat und in seiner Konsequenz und brachialen Ausgestaltung noch lange nachwirken wird. Würdiger hätte man die ersten zehn Jahre MCU wohl kaum beschließen können, auch wenn sich trotz der angeblichen Eigenständigkeit des Films das Gezeigte erst final einordnen lassen wird, wenn man auch den im Frühjahr nächsten Jahres erscheinenden vierten Avengers-Film gesehen haben wird, was im Übrigen auch der Grund ist, weshalb ich dem Film die Höchstwertung knapp verwehren musste.

Wer hierzu derweil Näheres erfahren möchte, der sei eingeladen, den nachfolgenden Spoiler-Absatz auszuklappen, wohlwissend, dass ich dort all die Dinge ansprechen werde, die ich wohlweislich in der vorangegangenen Kritik ausgespart habe.

SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER

Anklicken, um Spoiler-Text anzuzeigen

Was mich also einerseits beinahe verleitet hätte, die Höchstwertung zu vergeben ist das ungemein fatalistische, aber eben auch konsequente Finale, was ich und sicherlich die meisten Fans so nicht haben kommen sehen und was auf der wohl düstersten Note endet, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Das für sich genommen ist schon ein Novum sondergleichen, gerade wenn es um das Thema Superheldenfilme geht, denn das am Ende die Welt gerettet und alle glücklich sind, stand bis dato eigentlich außerfrage, was wiederum den grimmigen und ernsthaften Ton der Erzählung untermauert. Andererseits sind die mit Thanos‘ "Fingerschnippen" einhergehenden Tode nicht eben gut gewählt und enttarnen das Ganze noch während man es sieht als simple Effekthascherei, denn wenn es beispielsweise Rogers, Stark oder Thor getroffen hätte, hätte man ja zumindest fürchten können, dass die Figuren womöglich tot bleiben, doch dass hier stattdessen ausgerechnet die "jüngere" Riege an noch unverbrauchten Figuren das Zeitliche segnet, inklusive beispielsweise einem Spider-Man, dessen nächster Film ja längst bestätigt und angekündigt ist, lässt eben keinen Zweifel daran aufkommen, dass die ultimative Vernichtung der Hälfte der Menschheit dann in einem Jahr rückgängig gemacht werden wird, wobei Captain Marvel eine fraglos große Rolle spielen wird, wie die End-Credit-Scene verrät. Entsprechend geht durch dieses Wissen natürlich auch ein wenig die Wucht dieser finalen Entwicklung verloren und enttarnt sich selbst als Budenzauber, was ein wenig schade ist in Anbetracht der vorangegangenen Intensität des Gezeigten. Nichtsdestotrotz handelt es sich aber um ein gleichermaßen unerwartetes wie mutiges Ende, das man insbesondere Marvel, denen ja gerne vorgeworfen wird, auf Nummer sicher zu spielen und ihre Erfolgsformel ein ums andere Mal zu wiederholen, in dieser Konsequenz wohl nicht zugetraut hätte.

Spannender wird es da schon bei den vorangegangenen Toden, die ungleich schockierender gewesen sind, wenn ich alleine daran denke, wie ich mich gefühlt habe, als nach nicht einmal zehn Minuten sowohl Loki als auch Heimdall tot am Boden gelegen haben. Hier kann ich mir schon weit eher vorstellen, dass deren Ableben "gesetzt" bleibt, auch wenn Thanos‘ Handlungen auf die eine oder andere Art umgekehrt werden, was auch nur logisch wäre dahingehend, dass die Thor-Trilogie eben jüngst beendet worden ist und ich nicht wüsste, wo speziell diese beiden Asen nun ihre Daseinsberechtigung in künftigen Filmen finden könnten. Sollte man sich aber hier ebenfalls entschließen wäre das ein herber Rückschlag, so gerne ich Tom Hiddleston (High-Rise) auch künftig in der Rolle des Loki sehen würde, denn damit würde sich der Film im Nachhinein selbst entwerten. Spannend bleibt es auch, was Gamora und Vision angeht, bei denen ich mir aber zumindest noch vorstellen könnte, dass man einen glaubhaften Weg findet, sie zurückzubringen aufgrund der Natur ihres Ablebens.

Wäre also nicht diese offensichtliche Effekthascherei am Ende gewesen, so hätte ich Avengers: Infinity War gerne und bereitwillig die Höchstpunktzahl vergeben, doch als Konklusion einer ganzen Dekade von Filmen stellt er dennoch den bisherigen Höhepunkt des Marvel Cinematic Universe dar, was in Anbetracht der vielen hochkarätigen Filme bislang ja auch schon eine immense Leistung darstellt.

SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE

Fazit & Wertung:

Mit Avengers: Infinity War erklimmen Anthony und Joe Russo den Zenit ihres bisherigen Schaffens und liefern eine in beinahe jeglicher Beziehung ungemein packende und vor allem überraschend grimmige und ernsthafte Konklusion der ersten zehn Jahre Marvel Cinematic Universe ab. Diese vereint nicht nur beinahe sämtliche bislang eingeführten Helden unter einem Banner, sondern präsentiert mit dem von Josh Brolin verkörperten Titan Thanos auch noch den bislang gefährlichsten wie gleichsam komplexesten Antagonisten, der sich vom ersten Moment an als ultimative Bedrohung zu positionieren versteht und so die Intensität und emotionale Wucht des Gezeigten gehörig nach oben schraubt, bangt man schließlich in jedem Moment um die in vielen Jahren liebgewonnenen Helden, die sich ihm hier in teils ungewöhnlichen Team-Ups entgegenwerfen.

9,5 von 10 Superhelden im Kampf um die Rettung der Menschheit

The Avengers 3: Infinity War

  • Superhelden im Kampf um die Rettung der Menschheit - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Avengers: Infinity War erklimmen Anthony und Joe Russo den Zenit ihres bisherigen Schaffens und liefern eine in beinahe jeglicher Beziehung ungemein packende und vor allem überraschend grimmige und ernsthafte Konklusion der ersten zehn Jahre Marvel Cinematic Universe ab. Diese vereint nicht nur beinahe sämtliche bislang eingeführten Helden unter einem Banner, sondern präsentiert mit dem von Josh Brolin verkörperten Titan Thanos auch noch den bislang gefährlichsten wie gleichsam komplexesten Antagonisten, der sich vom ersten Moment an als ultimative Bedrohung zu positionieren versteht und so die Intensität und emotionale Wucht des Gezeigten gehörig nach oben schraubt, bangt man schließlich in jedem Moment um die in vielen Jahren liebgewonnenen Helden, die sich ihm hier in teils ungewöhnlichen Team-Ups entgegenwerfen.

9.5/10
Leser-Wertung 8/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Infernal Cinematic Affairs: 6,5/10 Punkte
Der Kinogänger: 9,5/10 Punkte
Wessels Filmkritik: "ein sehr starkes Best-Of"

The Avengers 3: Infinity War erscheint am 18.09.18 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:



vgw

Kommentare (5)

  1. geekgermany 1. Mai 2018
  2. Ralf 1. Mai 2018
  3. Stepnwolf 9. Mai 2018

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