Review: Focus (Film)

Und wir beginnen eine durchwachsene Woche an Film-Kritiken, denn von Mittelmaß über Enttäuschung bis zu Empfehlung ist diesmal alles vertreten, wobei wir mit einem doch eher mittelmäßigen Vertreter starten, von dem ich mir doch irgendwie mehr Pepp, Stringenz und Witz erwartet hätte.

Focus

Focus, USA/AR 2015, 105 Min.

Focus | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseure:
Glenn Ficarra
John Requa
Autoren:
Glenn Ficarra
John Requa

Main-Cast:
Will Smith (Nicky)
Margot Robbie (Jess)

in weiteren Rollen:

Rodrigo Santoro (Garriga)
Gerald McRaney (Owens)
Adrian Martinez (Farhad)
Robert Taylor (McEwen)
BD Wong (Liyuan)
Dominic Fumusa (Jared)
Brennan Brown (Horst)

Genre:
Krimi | Komödie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Focus | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Der gewiefte Trickbetrüger und Gauner Nicky Spurgeon ist nicht wirklich überrascht, als die attraktive Jess ihn mit einer ausgelutschten Masche auszunehmen versucht, schließlich kennt er alle Tricks des Business und lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen. Jess, die ihre große Chance widmet, bei einem Profi ihn die Lehre zu gehen, bettelt ihn regelrecht an, ihr das Handwerk beizubringen und nach einigem Zaudern und Zögern willigt er schließlich ein und lässt sie schließlich Seite an Seite mit den Mitgliedern seiner bestens organisierten Gauner-Bande beim Super Bowl arbeiten. Jess geht voller Begeisterung an die Arbeit und auch Nicky ist angetan von ihrer Entwicklung, doch als sich die Zeit in New Orleans dem Ende neigt, setzt der gewiefte Betrüger zu Jess‘ Bestürzung das hart ergaunerte Geld bei einer leichtsinnigen Wette aufs Spiel…

Rezension:

Und es geht weiter mit meiner munteren Margot-Robbie-Werkschau, weshalb ich mich diesmal Focus gewidmet habe, dem Trickbetrüger-Filmchen des Regie-Duos Glenn Ficarra und John Requa, die mich jüngst mit Whiskey Tango Foxtrot zu überraschen gewusst haben. Hier nun ist das Ganze Konzept des Films allerdings auf Überraschung, Tricks und Schwindeleien angelegt, was leider nicht ganz so virtuos transportiert wird, wie man sich das wünschen würde, denn gerade wenn es um geistreiche Trickbetrügereien geht, blickt das Medium Film auf eine durchaus reichhaltige Vita zurück und so ganz will sich dieser Film nicht in den oberen Rängen einreihen. Dabei beginnt das Katz- und Maus-Spiel durchaus unterhaltsam, auch wenn sich bereits beim ersten Zusammentreffen der zwei Hauptfiguren absehen lässt, wohin die Reise geht, denn dummerweise sind ausgerechnet die ach so überraschenden Offenbarungen und Wendungen hier eher das, was den Film ausbremst, denn wirklich überraschen kann hier kaum etwas, während auch die nachgereichten Erklärungen nicht wirklich zu überzeugen wissen.

Szenenbild aus Focus | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Immerhin, die Chemie zwischen Will Smith (Suicide Squad) und Margot Robbie (I, Tonya) stimmt, auch wenn mir ihre Mentor-Schüler-Inszenierung nicht vollends zu gefallen wusste, denn ausgerechnet Robbies Figur eine solch himmelschreiende Naivität zu unterstellen, nimmt der Figur doch irgendwie die Glaubwürdigkeit, zumal sie diese Naivität dann binnen Sekunden wie eine gehäutete Schlange hinter sich lässt, wenn sie für den Plot nicht mehr erforderlich ist. So ist insbesondere die erste Hälfte Focus zwar durchaus unterhaltsam und charmant, aber auch wenig spektakulär oder außergewöhnlich geraten, wenn man von einer großartigen Szene mit BD Wong (Den Sternen so nah) absieht, der sich als regelrechter Szenendieb entpuppt und lustvoll den wettsüchtigen Millionär gibt. Dann aber folgt alsbald das, was dem Film letztlich zwar nicht unbedingt das Genick bricht, seinem Unterhaltungswert aber einen gehörigen Knick verpasst, denn nach nicht ganz der Hälfte des Films sieht man sich als Zuschauer mit einem dreijährigen Zeitsprung konfrontiert, der nicht nur das zuvor Gezeigte irgendwie trivial und unwichtig erscheinen lässt, sondern auch eine nicht gerade nachvollziehbare Entwicklung der beiden Hauptfiguren weismachen möchte, die nun nicht mehr halb so sympathisch und interessant wirken.

Ähnliches gilt für den in dieser zweiten Hälfte von Grund auf neu hochgezogenen Plot, der reichlich beliebig wirkt und sich spätestens dadurch als reines Mittel zum Zweck entpuppt, wenn man noch nicht einmal Anstalten macht, diesen Part des Films genauer unter die Lupe zu nehmen. Längst geht es hier dann auch – zumindest meint man das – gar nicht mehr um den großen Trickbetrug, sondern einzig um unsere zwei Protagonisten, wobei hier ebenfalls gehörig auf der Stelle getreten wird, bevor ein weiteres Stakkato aus Wendungen und Überraschungen lostrommelt, doch zumindest ich für meinen Teil hatte da schon den emotionalen Anschluss an den Film verloren, weil nicht nur der inszenatorische Bruch im Mittelteil, sondern auch die teils unverständliche Entwicklung der Figuren mich geistig beinahe haben abschalten lassen. Das ist insofern besonders bedauerlich, da sowohl Smith als auch Robbie in Sachen Charisma gehörig aufspielen und eigentlich locker fähig gewesen wären, den Film im Alleingang zu tragen, selbst wenn er um einige seiner Wendungen erleichtert worden wäre, denn hier ist es schlussendlich wirklich zu viel des Guten.

Szenenbild aus Focus | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So mag Focus zwar immer noch als überwiegend kurzweilige Unterhaltung taugen und vor schöner Kulisse schöne Menschen in Szene setzen, doch die zugrundeliegende Geschichte wirkt mehr aufgrund des Vorhabens zusammengeschustert, zwei ungleiche Trickbetrüger in Szene zu setzen, als dass sie für sich allein stehen könnte. Damit haben mich dann Glenn Ficarra und John Requa erstmalig wirklich enttäuscht, auch wenn der Film als solches mitnichten schlecht sein mag, nur eben heillos überkonstruiert und mit Twists überladen, derer es nicht bedurft hätte, wenn stattdessen die Bindung zu den zwei Hauptfiguren ausgebaut worden wäre. Die aber verlieren sich in diesem Wust aus Lug und Betrug, der zwar zum Konzept des Films gehören mag, ihm aber leider mehr schadet als nützt, weil echte Virtuosität nie erreicht wird und damit auch der angestrebte Wow-Effekt ausbleibt. Da nützen dann auch Hochglanzatmosphäre, schicke Klamotten und schnelle Autos nicht mehr wirklich, Focus über "ganz okay" hinaus zu hieven.

Fazit & Wertung:

Filme über Trickbetrüger wie auch Focus einer ist stehen zweifelsohne hoch im Kurs, doch müssen dann auch die Gaunereien zu überzeugen wissen und ausgerechnet hier krankt der von Glenn Ficarra und John Requa inszenierte Film, der es schlussendlich mit seinen Wendungen auch spürbar übertreibt. Will Smith und Margot Robbie immerhin liefern gleichermaßen eine unbestritten charismatische und charmante Darstellung ab, stellen letztlich aber auch die einzigen beiden echten Argumente für eine Sichtung des Films dar, dessen Skript doch reichlich unausgegoren wirkt.

5,5 von 10 von langer Hand geplanten Trickbetrügen

Focus

  • Von langer Hand geplante Trickbetrüge - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Filme über Trickbetrüger wie auch Focus einer ist stehen zweifelsohne hoch im Kurs, doch müssen dann auch die Gaunereien zu überzeugen wissen und ausgerechnet hier krankt der von Glenn Ficarra und John Requa inszenierte Film, der es schlussendlich mit seinen Wendungen auch spürbar übertreibt. Will Smith und Margot Robbie immerhin liefern gleichermaßen eine unbestritten charismatische und charmante Darstellung ab, stellen letztlich aber auch die einzigen beiden echten Argumente für eine Sichtung des Films dar, dessen Skript doch reichlich unausgegoren wirkt.

5.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Focus ist am 30.07.15 auf DVD und Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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