Review: Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers (Film)

Später als üblich, aber immer noch im Rahmen, geht es nun wieder los mit den Film-Kritiken für diese Woche, wobei ich mich diesmal einem doch eher wenig beachteten Werk gewidmet habe, das zwar von seiner Prämisse her ziemlicher Blödsinn ist, mich aber doch erstaunlich gut zu unterhalten gewusst hat.

Das Jerico-Projekt
Im Kopf des Killers

Criminal, USA/UK 2016, 113 Min.

Das Jerico-Projekt - Im Kopf des Killers | © Splendid Film
© Splendid Film

Regisseur:
Ariel Vromen
Autoren:
Douglas Cook
David Weisberg

Main-Cast:
Kevin Costner (Jerico Stewart)
Gary Oldman (Quaker Wells)
Tommy Lee Jones (Dr. Franks)
Alice Eve (Marta Lynch)
Gal Gadot (Jill Pope)
in weiteren Rollen:
Michael Pitt (Jan Strook – The Dutchman)
Jordi Mollà (Xavier Heimdahl)
Antje Traue (Elsa Mueller)
Scott Adkins (Pete Greensleeves)
Amaury Nolasco (Esteban Ruiza)
Ryan Reynolds (Bill Pope)

Genre:
Action | Krimi | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Jerico-Projekt - Im Kopf des Killers | © Splendid Film
© Splendid Film

CIA-Agent Bill Pope ist es gelungen, einen Deal mit dem Hacker "The Dutchman" auszuhandeln, dem es gelungen ist, sich Zugriff auf sämtliche amerikanischen Raketen und Marschflugkörper zu verschaffen, weshalb er nun ins Visier zahlloser Feinde der USA geraten ist, die allesamt die Codes für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen. Doch der spanische Anarchist Heimdahl und seine Schergen haben sich längst an Popes Fersen geheftet und versuchen aus ihm den Aufenthaltsort von Dutchmen herauszubekommen. Pope stirbt während der Folter, gibt allerdings nichts preis, woraufhin der CIA-Verantwortliche Quaker Wells auf den aberwitzigen Plan zurückgreift, mit der Hilfe des Neurowissenschaftlers Dr. Franks die Erinnerungen aus Popes Kopf in den eines anderen Probanden zu übertragen. Franks‘ Wunschkandidat hierfür ist der Schwerverbrecher Jerico Stewart, da dem jegliche Empathie fehlt, was den idealen Nährboden für Popes Erinnerungen darstellen würde. Jericos mangelndes soziales Feingefühl macht ihn allerdings auch zu einer enormen Bedrohung und als es ihm gelingt, zu entkommen, beginnt erneut ein Wettlauf zwischen CIA und Heimdahl, während der Soziopath Jerico zunehmend damit zu kämpfen hat, dank Popes Erinnerungen erstmals in seinem Leben mit Gefühlen konfrontiert zu werden…

Rezension:

Zugegeben, die Prämisse von Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers ist reichlich hanebüchen und betont das "Fiction" in "Science-Fiction" mehr, als es vielen lieb sein dürfte, denn Ausgangspunkt der Geschichte ist eben, die Erinnerungen eines jüngst verstorbenen CIA-Agenten in den Kopf eines empathielosen Soziopathen zu übertragen weil der sozusagen besonders viel Platz im Gehirn hat, die zusätzlichen Informationen aufzunehmen. Da ist natürlich direkt einmal wieder die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit gefragt, aber dennoch habe ich das Ganze als durchaus charmant empfunden, zumal Ariel Vromen mit diesem Ansatz tatsächlich etwas anzufangen versteht, was über den üblichen, zu erwartenden Action-Thriller hinausgeht. Leider glänzt der Film des The Iceman-Regisseurs an anderen Punkten weit weniger, doch immerhin seine Hauptfigur versteht er überzeugend in Szene zu setzen, wohingegen im Grunde alle weiteren Figuren doch sehr generisch geraten sind und entsprechend vorhersehbar agieren.

Szenenbild aus Das Jerico-Projekt - Im Kopf des Killers | © Splendid Film
© Splendid Film

Immerhin aber Kevin Costner (3 Days to Kill) macht als Jerico eine großartige Figur und schultert den Film quasi mühelos, was dahingehend noch beeindruckender ist, dass sein Charakter nicht unbedingt als Sympathieträger konzipiert ist, was sich erst zaghaft zu ändern beginnt, als die "implantierten" Gedanken, Erinnerungen und Gefühle von Bill Pope sich langsam Bahn brechen. Als Agent Pope derweil glänzt Ryan Reynolds (Self/less) zwar nur in den ersten Minuten, stimmt aber überzeugend auf Das Jerico-Projekt ein, zumal er hier längst nicht so albern und schwatzhaft unterwegs ist, sondern einen stoischen und ernsten Agenten verkörpert, der in schönem Kontrast zu der hierauf aufbauenden Ausgangslage steht. Weit weniger dankbar und sinnvoll geht Vromen dann aber mit den Schauspielgrößen Gary Oldman (Killer’s Bodyguard) und Tommy Lee Jones (The Homesman) um, denn deren Figuren sind spürbar ihrer Funktion in der Story untergeordnet, womit sie einerseits nur wenig Profil gewinnen, andererseits reichlich unterfordert, stellenweise regelrecht gelangweilt wirken.

Was aber in Sachen Storytelling und Charakterzeichnung nicht ganz aufgehen mag, macht der Film tatsächlich durch die vermittelten Emotionen wett, denn im weiteren Verlauf trifft Jerico – dank der fremden Erinnerungen – auf Bills trauernde Witwe Jill, die ihrerseits verkörpert wird von Gal Gadot, die auch hier unter Beweis stellt, dass sie kurz darauf völlig zurecht als Wonder Woman ihren Durchbruch feiern durfte. So zählen für mich die Szenen zwischen ihr und Costner auch zu den stärksten des Films, da hier die Ambivalenz sehr schön herausgearbeitet wird, dass Jerico einerseits nicht damit zurechtkommt, plötzlich Empfindungen zu verspüren, obwohl er doch stets ein ausgewiesener Einzelgänger gewesen ist, während Jill noch ihrem jüngst verschiedenen Mann hinterhertrauert und sich gleichzeitig einem Wildfremden gegenübersieht, der sich an jeden romantischen Moment, jede kleine Geste, jedes besondere Gefühl der Zweisamkeit erinnern kann. Da weiß dann tatsächlich selbst der actionreichere Part der Geschichte nicht ganz mitzuhalten, obwohl die unterschiedlichen Auseinandersetzungen und Konfrontationen durchaus stimmungsvoll und abwechslungsreich gefilmt worden sind.

Szenenbild aus Das Jerico-Projekt - Im Kopf des Killers | © Splendid Film
© Splendid Film

Doch funktioniert allein schon der von Jordi Mollà (Colombiana) verkörperte Antagonist Heimdahl nicht so richtig, denn der spanische Anarchist vermag kaum mehr als Plattitüden von sich zu geben und das diffuse Ziel zu verfolgen, einfach mal sämtliche Regierungen abzuschaffen. Dafür benötigt er eben die Raketen-Freigabecodes des Hackers "The Dutchman", dem Michael Pitt (Ghost in the Shell) ebenfalls kaum Profil angedeihen lassen kann, was aber hier wie bei allen weiteren Akteuren eher am Drehbuch liegt, das fernab der durchaus differenzierten Beleuchtung von Jerico kein großes Interesse daran zeigt, sich auch den anderen Figuren zu widmen. Dem fällt insbesondere auch Alice Eve (Iron Fist) zum Opfer, deren Rolle bis zuletzt so nichtssagend und austauschbar bleibt, dass ich mich eigentlich schon gewundert habe, weshalb sie überhaupt im Film auftaucht. Auf der anderen Seite dieses Spektrums findet sich derweil Antje Traue (Seventh Son), die als Elsa Mueller Teil des Teams von Heimdahl ist und zumindest mit energischer Attitüde und Souveränität zu punkten weiß. In der Summe verschenkt Das Jerico-Projekt hier aber schlichtweg einiges an Möglichkeiten und scheint sich des Potentials dieses durchaus namhaften Ensembles zu keiner Zeit bewusst, obgleich doch gerade eine differenziertere Charakterzeichnung über den auf charmantem Blödsinn fußenden Plot hätte hinwegtrösten können, der in dieser Form die meiste Zeit als One-Man-Show für Costner fungiert, dem immerhin manchmal Gal Gadot die Show stiehlt.

Fazit & Wertung:

Ariel Vromens Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers kommt mit der gleichermaßen interessanten wie absurden Prämisse daher, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen "von Kopf zu Kopf" transferieren zu können, bereitet dadurch aber immerhin Kevin Costner die Bühne, in einer bewusst ambivalenten Rolle glänzen zu können. Der weitere, nicht minder namhafte Cast erfährt dahingehend weitaus weniger Berücksichtigung und auch der eigentliche Plot wirkt die meiste Zeit an den Haaren herbeigezogen, was aber nicht viel daran ändert, dass der Film durchaus zwei Stunden abwechslungsreiche Unterhaltung bietet.

6 von 10 fremden Gefühlen und Erinnerungen

Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers

  • Fremde Gefühle und Erinnerungen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Ariel Vromens Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers kommt mit der gleichermaßen interessanten wie absurden Prämisse daher, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen "von Kopf zu Kopf" transferieren zu können, bereitet dadurch aber immerhin Kevin Costner die Bühne, in einer bewusst ambivalenten Rolle glänzen zu können. Der weitere, nicht minder namhafte Cast erfährt dahingehend weitaus weniger Berücksichtigung und auch der eigentliche Plot wirkt die meiste Zeit an den Haaren herbeigezogen, was aber nicht viel daran ändert, dass der Film durchaus zwei Stunden abwechslungsreiche Unterhaltung bietet.

6.0/10
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Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers ist am 30.09.16 auf DVD und Blu-ray bei Splendid Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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