Review: War Dogs (Film)

Heute mal etwas später als gewohnt, aber bei einem so langen Wochenende (Mittwoch bis Sonntag) gerät das Zeitgefühl schon mal ein wenig aus dem Takt und noch ist der Abend ja jung und von daher kommt hier nun meine letzte Filmkritik für diese Woche.

War Dogs

War Dogs, USA/KH 2016, 114 Min.

War Dogs | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Todd Phillips
Autoren:
Stephen Chin
Todd Phillips
Jason Smilovic

Main-Cast:
Jonah Hill (Efraim Diveroli)
Miles Teller (David Packouz)
in weiteren Rollen:
Ana de Armas (Iz)
Bradley Cooper (Henry Girard)

Genre:
Komödie | Krimi | Drama | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus War Dogs | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Mit gerade mal Anfang zwanzig sieht der junge David sein Leben schon jetzt in eine Art Sackgasse gekommen und verdingt sich mehr schlecht als recht als Masseur, auch wenn ihm die zweideutigen Angebote dort mehr als zuwider sind. Dann allerdings wird Davids Freundin Iz auch noch schwanger und er befürchtet, die junge Familie nicht angemessen versorgen zu können, weshalb er recht bereitwillig auf das Angebot seines alten Schulfreundes Efraim eingeht, in dessen Waffen-Geschäft einzusteigen, das sich auf die kleineren Rüstungsaufträge der Regierung konzentriert, die für große Waffenhändler nicht attraktiv, aber immer noch ausreichend lukrativ sind, um ein üppiges Salär zu gewährleisten. Iz gegenüber allerdings verschweigt David seinen neuen Job – waren sie doch immer gegen den Krieg – und taucht mit Afraim immer weiter in dieses zwielichtige Milieu, denn von ihren sicheren Büro-Arbeitsplätzen verschlägt es sie alsbald mitten ins Kriegsgebiet, als eine Lieferung zu scheitern droht und persönliches Eingreifen erfordert. Schnell haben David und Efraim Blut geleckt und wagen sich fortan auch an schwierigere – und ungleich lohnendere – Aufträge, die allerdings die Fähigkeiten des ambitionierten Duos übersteigen könnten…

Rezension:

Auch War Dogs lag nun schon wieder einige Zeit unbeachtet in meiner Schublade und gemessen daran, dass der werte Herr Regisseur Todd Phillips ja nun einmal auch für Hangover verantwortlich gezeichnet hat, bin ich doch durchaus mit gemischten Gefühlen an die Sichtung gegangen, was nicht hießen soll, dass ich die Las-Vegas-Sause nicht grundsätzlich mögen würde, doch eine Waffenhändler-Satire ist nun einmal doch noch eine gänzlich andere Hausnummer, als einen nackten Asiaten plus Tiger und allerlei Quatsch zu inszenieren. Nun steht und fällt ein solcher Film natürlich aber auch mit seinem Drehbuch und hier sind Phillips zumindest noch zwei Schreiber zur Hand gegangen, während die eigentliche Prämisse des Films auf einem Rolling-Stone-Artikel von Guy Lawson fußt. Und hat man den Film erst einmal gesehen, verwundert es auch kaum, dass der echte Efraim Diveroli sich dem Film verweigert und gar ein Gerichtsverfahren gegen Warner Bros. sowie Phillips und Produzent Bradley Cooper angestrebt hat, denn in letzter Konsequenz kommt er hier zugegebenermaßen alles andere als gut weg.

Szenenbild aus War Dogs | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So unkonventionell die Geschichte aber auch sein mag, so konventionell wird sie letztlich seitens Phillips erzählt, indem er den von Miles Teller verkörperten David Packouz als Erzähler präsentiert, der in einer Anzahl Vor- und Rückblenden die Geschichte zum Besten gibt und davon erzählt, wie er seinen alten Schulfreund Efraim wiedergetroffen und sich letztlich dessen Waffengeschäft angeschlossen hat. Das allerdings gelingt dem Regisseur mit so viel Verve, dass es kaum störend ins Gewicht fällt, dass derlei aufgezogene Filme mittlerweile als Dutzendware betrachtet werden können, zumal das ewig lockende Geld und die zwielichtig-faszinierende Welt der Waffen- und Rüstungsgeschäfte auch hier so inszeniert werden, dass man den Reiz des Ganzen, den es auf David ausübt, durchaus nachvollziehen kann. An Davids Seite als dessen Freundin kommt hier die gewohnt bezaubernde Ana de Armas (Blade Runner 2049) zum Tragen, die als Iz allerdings nie so recht Teil dieser Parallelwelt wird und entsprechend die meiste Zeit im Hintergrund agiert, während David vor ihr geheim zu halten versucht, womit genau er eigentlich tagtäglich seine Brötchen verdient.

Viel präsenter und prägnanter ist da die ungleiche Freundschaft beziehungsweise Geschäftsbeziehung zwischen David und dem von Jonah Hill (Maniac) dargestellten Efraim Diveroli geraten, auf der freilich auch das Hauptaugenmerk des Films ruht, denn nicht von ungefähr ward der dem Film zugrunde liegende Artikel als Arms and the Dudes betitelt. Der Dramaturgie eines "lose auf wahren Begebenheiten beruhenden" Films geschuldet, ist das Engagement der beiden hier auch noch einmal gehörig aufgebohrt worden und so finden sie sich weitaus häufiger in Kriegsgebieten und anderweitig brenzligen Situationen, als dies in der Realität der Fall gewesen sein mag, was man dem Film aber durchaus nachzusehen bereit ist, denn die beiden als reine Schreibtischtäter zu inszenieren hätte dem unterhaltungswert von War Dogs auch nicht gut zu Gesicht gestanden. Und Unterhaltung wird hier durchaus großgeschrieben, auch wenn es um ein ernstes und zuweilen bitteres Thema geht, denn der satirische Erzählton lässt sich einerseits kaum überhören, andererseits ist es schon aus der Natur der Sache heraus durchaus abstrus, was hier an Schacherei vonstattengeht. Allerdings muss man auch sagen, dass War Dogs in seiner beinahe schon verspielt-leichtfertigen Art nie an die Klasse eines Lord of War heranreicht, der thematisch mehr als artverwandt, aber in Summe noch ungleich überzeugender geraten ist, während es auch in Sachen satirischer Einschlag durchaus zynischere Kost wie etwa War, Inc. gibt, der in dieser Sparte noch einige extra Meter zu gehen bereit ist.

Szenenbild aus War Dogs | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So wirkt Phillips‘ Film in seinem Sammelsurium an Themen und Versatzstücken manchmal mehr wie ein gelungenes Best-Of als wie ein wirklich eigenständiger Film, denn wirklich Neues weiß der nicht zu berichten und auch die Handvoll Twists und Schwenks im letzten Drittel hauen nun nicht eben vom Hocker, doch als leichtfüßige Komödie mit losem Faktenbezug, als bestens aufgelegte Satire mit Pepp macht der Film durchaus eine gute Figur, was nicht zuletzt an den wunderbar aufspielenden Hauptdarstellern und der Gastrolle von Bradley Cooper (American Hustle) liegt, der eigentlich als Produzent im Hintergrund tätig, sich hier als dubioser Mittelsmann inszeniert, der durchaus eine Schlüsselrolle in dem munteren Treiben innehat. Ganz konkret kritisieren lässt sich derweil wenig an dem Film – auch wenn er es mit den Scarface-Anspielungen zuweilen gehörig übertreibt –, doch fehlt hier das letzte Quäntchen Innovation und Eigenständigkeit, um längerfristig im Gedächtnis zu bleiben, denn da gibt es schlichtweg artverwandte Genre-Vertreter, die ihre Sache in der einen oder anderen Sparte noch deutlich besser machen, was aber nicht heißen soll, das man der bestens aufgelegten Chose nicht trotzdem beizeiten ein wenig Aufmerksamkeit widmen könnte.

Fazit & Wertung:

Todd Phillips versucht sich mit War Dogs an einer durchaus anderen Art von Film und schlägt bewusst auch ernstere Töne an, doch im Kern handelt es sich eben um eine augenzwinkernd inszenierte Satire um zwei Emporkömmlinge, die sich in einem mehr als hart umkämpften Metier zu behaupten versuchen. Echte Innovationen sucht man dabei sowohl in der Handlung als auch der Art des Erzählens vergeblich, was aber nicht verhindert, dass der Film zumindest mit gehörigem Unterhaltungswert und Kurzweil zu punkten versteht, damit in Anbetracht seiner Prämisse aber auch immer wieder hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

7 von 10 zunehmend riskanter werdenden Waffen-Deals

War Dogs

  • Zunehmend riskanter werdende Waffen-Deals - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Todd Phillips versucht sich mit War Dogs an einer durchaus anderen Art von Film und schlägt bewusst auch ernstere Töne an, doch im Kern handelt es sich eben um eine augenzwinkernd inszenierte Satire um zwei Emporkömmlinge, die sich in einem mehr als hart umkämpften Metier zu behaupten versuchen. Echte Innovationen sucht man dabei sowohl in der Handlung als auch der Art des Erzählens vergeblich, was aber nicht verhindert, dass der Film zumindest mit gehörigem Unterhaltungswert und Kurzweil zu punkten versteht, damit in Anbetracht seiner Prämisse aber auch immer wieder hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

7.0/10
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War Dogs ist am 23.02.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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