Review: Ready Player One (Film)

Kaum hat 2019 begonnen, beginne ich für meinen Teil fleißig damit, all die interessanten Werke aus 2018 nachzuholen und den Anfang macht eben diese Verfilmung, die mich zu meiner großen Freude enorm positiv überrascht hat.

Ready Player One

Ready Player One, USA 2018, 140 Min.

Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Steven Spielberg
Autoren:
Zak Penn (Drehbuch)
Ernest Cline (Drehbuch & Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Tye Sheridan (Parzival / Wade)
Olivia Cooke (Art3mis / Samantha)
Ben Mendelsohn (Sorrento)
T.J. Miller (I-R0k)
Simon Pegg (Curator / Ogden Morrow)
Mark Rylance (Anorak / Halliday)

Genre:
Science-Fiction | Action | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Im Jahr 2045 führen weite Teile der Bevölkerung ein überwiegend virtuelles Leben, denn während die triste Wirklichkeit in den gigantischen Trailerparks und Slums nicht gerade zum Verweilen einlädt und eher in die Verzweiflung zu treiben imstande ist, lockt die interaktive, vor Abenteuern, Prunk und Protz strotzende virtuelle Welt der sogenannten OASIS, die mehrere Jahrzehnte zuvor von Visionär Halliday und dessen Geschäftspartner Ogden Morrow ins Leben gerufen worden ist. So verbringt auch der Waisenjunge Wade Watts einen Großteil seiner Zeit in der OASIS und tut sich dort als Abenteurer Parzival um, denn vor wenigen Jahren ist OASIS-Gründer Halliday verstorben und hat ein beispielloses Easter Egg in seinem Spiel hinterlassen, dass demjenigen, der die Rätsel löst und die Schlüssel findet, nichts weniger als die absolute Kontrolle über die OASIS verspricht. Doch in all den Jahren konnte noch nicht einmal jemand das Rennen unbeschadet überstehen, das den Weg zum ersten Schlüssel weist, derweil Wade alsbald klar wird, dass Halliday als großer Fan der Popkultur früherer Jahrzehnte sicherlich Hinweise in seiner Welt versteckt hat. Unterdessen schickt sich auch Nolan Sorrento als Boss des Konzerns IOI an, mithilfe einer schieren Armee von rekrutierten Spielern das Easter Egg zu finden, doch es wird Außenseiter Parzival sein, der als erster Avatar auf der Rangliste erscheinen wird, doch die draufgängerische wie berüchtigte Art3mis ist ihm dicht auf den Fersen…

Rezension:

Bereits während der Lektüre der gleichnamigen Buchvorlage Ready Player One vor etwas mehr als anderthalb Jahren wusste ich um den Umstand, dass eine Verfilmung des Stoffes seitens Steven Spielberg in den Startlöchern steht und war ob meiner Begeisterung für den Roman mehr als gespannt, wie man dieses Abenteuer auf die Leinwand bannen würde, zumal dieser Stoff vor gut einem Jahrzehnt sicherlich noch als unverfilmbar gegolten hätte, spielen schließlich weite Teile des Geschehens in der virtuellen Welt der OASIS, die – um das gleich mal vorwegzunehmen – wirklich überzeugend und extrem liebevoll in Szene gesetzt worden ist. Gleichwohl war ich mir bewusst, dass man sicherlich einige geschichtliche Abstriche in Kauf nehmen müsse, denn das immerhin rund 500 Seiten starke Buch auf zwei Filmstunden zu komprimieren dürfte sicherlich schwer gefallen sein. Und tatsächlich ist das Geschehen in der Spielberg’schen Interpretation merklich verdichtet und verknappt, was sich allein bei dem ersten "Rätsel" bemerkbar macht, aus dem hier ein vergleichsweise profanes Autorennen wurde, doch bleiben sowohl das Herz der Erzählung als auch dessen Charme tatsächlich überwiegend erhalten, was auch mit daran liegen dürfte, dass Ernest Cline auch am Drehbuch zum Film beteiligt gewesen ist.

Szenenbild aus Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Meine größte Sorge galt tatsächlich hier zunächst einmal den wirklich zahllosen popkulturellen Anspielungen aus dem Buch, die eben das Herz jedes Geeks und Nerds haben höher schlagen lassen und die aufgrund lizenzrechtlicher Probleme sicherlich nur schwer gänzlich in den Film zu packen gewesen wären, derweil Spielberg selbst im Vorfeld bereits angekündigt hat, einen Großteil der Bezüge auf sein eigenes Schaffen entfernen zu wollen, um sich keine Selbstbeweihräucherung vorwerfen lassen zu müssen, schließlich fühlte sich der Buch-Halliday maßgeblich durch die Popkultur der 80er beeinflusst, was sich dann wiederum sowohl auf die OASIS als auch die virtuelle Schnitzeljagd auswirkt. Und während letztlich längst nicht alle Bezüge zu Spielbergs früheren Erfolgen herausgekürzt worden sind, strotzt auch die Filmfassung von Ready Player One nun vor Reminiszenzen und Anspielungen, auch wenn die teils abgeändert werden mussten. Mein persönliches Highlight war hierbei die Serenity, die man im letzten Filmdrittel einmal kurz zu Gesicht bekommt, doch finden sich für jeden Geschmack kleinere wie größere Details, die sich zu einem ungemein stimmigen Ganzen fügen, obwohl man eben an vielerlei Stelle hat improvisieren müssen, um einerseits nicht gegen Lizenzbedingungen zu verstoßen und andererseits der Handlung treu zu bleiben.

Szenenbild aus Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So ist meines Erachtens das Experiment, die popkulturell-schwelgerische Literaturvorlage zu adaptieren, durchweg gelungen, auch wenn sich zugegebenermaßen nicht ganz derselbe Zauber einstellen mag, weil man eben doch einiges hat stauchen müssen, was insbesondere Fans der Vorlage ärgern könnte, doch dessen ungeachtet entfaltet sich hier der Zauber eines klassischen Spielberg wie schon lange nicht mehr, denn selbst wenn Ready Player One überwiegend als futuristisch-verspielter Abenteuerfilm daherkommen mag, bleibt doch in den 140 Minuten Laufzeit auch immer wieder Platz für ruhigere, zwischenmenschliche Momente, so dass insbesondere der zu Beginn der Handlung bereits verstorbene Halliday – hier verkörpert von Mark Rylance (The Gunman) – überraschend viel Profil und Tiefe bekommt, gerade dafür, nur in Rückblenden beziehungsweise digital in Erscheinung zu treten. Simon Pegg (Terminal) als dessen Partner Ogden Morrow mag zwar vergleichsweise blass bleiben, doch gerade deswegen war es ein durchaus gelungener Schachzug, einen solchen Charakterkopf für diese Nebenfigur zu verpflichten, denn so bleibt er allein aufgrund von Peggs natürlichem Charisma durchaus im Gedächtnis.

Szenenbild aus Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Anders sieht das tatsächlich bei Hauptdarsteller Tye Sheridan (X-Men: Apocalypse) aus, der Wade Watts verkörpert, die meiste Zeit allerdings als dessen digitales – und logischerweise also auch digital dargestelltes – Alter Ego Parzival zu sehen ist, denn wirkliche Charaktereigenschaften sucht man hier relativ vergeblich. Doch was woanders eine nicht zu verzeihende Todsünde wäre, kommt Ready Player One sogar noch zugute, denn durch dessen nur rudimentäre Ausgestaltung und sein Allerwelts-Gesicht eignet er sich gar wunderbar als Projektionsfläche zur Identifikation des Zuschauers, derweil dieser Umstand eben noch die Prämisse des Films unterstreicht, dass man sich in der von Cline ersonnenen Zukunft eben weit mehr über seinen Avatar in der OASIS definiert, zumal das reale (Über)Leben ohnehin weitestgehend von Entbehrungen und Verdruss geprägt ist. Überhaupt erhebt Spielberg hier tatsächlich so einiges zur Kunstform, was in jedem anderen Film ein absolutes No-Go wäre, denn allein die Künstlichkeit der OASIS, der überbordende Fan-Service und die rudimentäre, nicht von ungefähr an ein Computerspiel gemahnende Handlung sind hier natürlich Teil des Konzepts und als solche außerordentlich gelungen, während man andernorts von plakativem "Style-Over-Substance" sprechen würde.

Szenenbild aus Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Im Kontext einer virtuellen, auf Spaß und Abenteuer ausgelegten Scheinwelt machen dann aber selbst – freilich virtuos inszenierte – Autorennen Spaß, bei denen sich sowohl Tyrannosaurus Rex als auch King Kong die Ehre geben, während man sich inszenatorisch ganz bewusst und offensiv mal an Der Herr der Ringe, mal an Star Wars erinnert fühlt, wobei in dem Reigen auch Batman nicht fehlen darf und Wade – zum Glück – wie in der Vorlage in einem herrlich nostalgisch angehauchten DeLorean durch die Gegend düst. Ebenfalls herrlich, wie der von einem grantig aufspielenden Ben Mendelsohn (Rogue One) verkörperte Sorento in einem Wortduell die eigene Popkultur-Kenntnis in Bezug auf John-Hughes Filme unter Beweis stellen muss und sich hierfür soufflieren lässt, derweil er auch ansonsten einen herrlich konservativen Antagonisten gibt, der die Kluft zwischen den Freigeistern der OASIS und dem totalitär-kapitalistisch anmutenden Megakonzern IOI ohne große Worte deutlich macht. Und selbst eine Referenz an Cameron Crowes Teen Lover und John Cusacks kultige Ghettoblaster-Szene kann sich Spielberg nicht verkneifen, was zumindest grob das Spektrum umreißt, in dem sich Ready Player One bewegt, was sich zwar nach einer reichlich obskuren Mischung anhört, aber tatsächlich beinahe uneingeschränkt funktioniert.

Szenenbild aus Ready Player One | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Ansonsten überzeugt Olivia Cooke (Bates Motel) als Blockbuster-Newcomerin in der Rolle als Art3mis beziehungsweise Samantha durchaus und legt womöglich den Grundstein einer langen und erfolgreichen Karriere, während T.J. Miller (Deadpool) als I-R0k einen eher komödiantischen Sidekick auf Seite der Bösewichter darstellt. Freilich ist Ready Player One im Gegensatz zu der überzeugenden Besetzung und der gelungenen Mischung aus unverbrauchten Gesichtern und "alten Hasen" in dramaturgischer Hinsicht eher überschaubar geraten und wagt keine größeren Experimente, doch gleicht das Füllhorn an Ideen und referenzierten Werken diesen Umstand mehr als aus. Niemand hat im Übrigen erwarten dürfen, dass dieselbe erzählerische Dichte und Tiefe erreicht würde wie in der Buch-Vorlage, so dass ich Spielbergs in Zusammenarbeit mit Ernest Cline entstandene Interpretation als durchgängig gelungen bezeichnen kann. Sicherlich hätte man sich noch näher an die Vorlage halten können, zumal hier doch einige Aspekte gänzlich herausgekürzt worden sind oder letztlich nur angerissen werden, was aber immerhin dem Erzählfluss und –tempo zugutekommt.

Fazit & Wertung:

Auch wenn Ready Player One – wie zu erwarten – nicht an die gleichnamige Literatur-Vorlage von Ernest Cline heranzureichen vermag, gelingt es Spielberg tatsächlich, den Zauber und die Faszination der Prämisse auf die große Leinwand zu übertragen und ein optisch fulminant-futuristisches, inszenatorisch charmant-altmodisches Abenteuer zu kreieren, dessen vergleichsweise profaner, an ein Computerspiel erinnernder Plot von der liebevollen und um Reminiszenzen nicht verlegenden Inszenierung gehörig aufgewertet wird.

8 von 10 virtuellen Traumwelten

Ready Player One

  • Virtuelle Traumwelten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn Ready Player One – wie zu erwarten – nicht an die gleichnamige Literatur-Vorlage von Ernest Cline heranzureichen vermag, gelingt es Spielberg tatsächlich, den Zauber und die Faszination der Prämisse auf die große Leinwand zu übertragen und ein optisch fulminant-futuristisches, inszenatorisch charmant-altmodisches Abenteuer zu kreieren, dessen vergleichsweise profaner, an ein Computerspiel erinnernder Plot von der liebevollen und um Reminiszenzen nicht verlegenden Inszenierung gehörig aufgewertet wird.

8.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Ready Player One ist am 06.09.18 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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