Review: UnREAL | Staffel 2 (Serie)

Auch wenn es wieder was später ist, kommt freilich auch heute noch eine Serien-Kritik, denn irgendwann einmal muss man sich schließlich auch mit den Altlasten befassen, zumal ich hier schon die erste Staffel doch sehr mochte.

UnREAL
Staffel 2

UnREAL, USA 2015-2018, ca. 42 Min. je Folge

UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Serienschöpfer:
Marti Noxon
Sarah Gertrude Shapiro
Ausführende Produzenten:
Marti Noxon
Robert M. Sertner
Sarah Gertrude Shapiro
Bill Davenport
Sally DeSipio
Stacy Rukeyser

Main-Cast:
Shiri Appleby (Rachel Goldberg)
Monica Barbaro (Yael)
Denée Benton (Ruby Carter)
Craig Bierko (Chet Wilton)
Jeffrey Bowyer-Chapman (Jay Carter)
B.J. Britt (Darius Beck)
Josh Kelly (Jeremy Caner)
Kim Matula (Tiffany James)
Michael Rady (Coleman Wasserman)
Meagan Tandy (Chantal)
Gentry White (Romeo)
Constance Zimmer (Quinn King)
in weiteren Rollen:
Genevieve Buechner (Madison)
Brennan Elliott (Graham)
Amy Hill (Dr. Wagerstein)
Ioan Gruffudd (John Booth)
Lindsay Musil (Beth Ann)
Christopher Cousins (Gary)
Monique Ganderton (Brandi)
Sunita Prasad (London)
Jessica Sipos (Hayley)
Jill Teed (Bea)
Karissa Tynes (Jameson)
Elizabeth Whitmere (Dominique)
Donavon Stinson (AD Dan)
Freddie Stroma (Adam Cromwell)

Genre:
Drama | Satire | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Rachel wähnt sich am Ziel ihrer Träume und feiert ausgiebig ihre neue Rolle als Showrunnerin von Everlasting, zumal sie einen ziemlich Clou zu landen gedenkt, wenn sie in Gestalt des Football-Stars Darius Beck den ersten schwarzen Junggesellen der Show präsentiert. Kaum am Set angelangt, sieht die Situation allerdings schnell anders aus, denn während Chet versucht, die Show an sich zu reißen und sein eigenes Ding durchzuziehen, stellt sich Quinn ihm zwar entschlossen entgegen, doch könnte Rachel dadurch kaum weiter davon entfernt sein, vor Ort das Sagen zu haben. Als sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als sowohl Quinn als auch Chet beim Sender anzuschwärzen, erdreisten sich die Verantwortlichen wiederum, den aufstrebenden Dokumentar-Filmer Coleman Wasserman ans Set zu schicken, was Rachel freilich so auch nicht geplant hatte. Doch selbst der Junggeselle macht ihr in dieser Staffel Probleme, denn der hat Rachel so einiges verschwiegen…

Rezension:

Was als Schnuppersichtung ohne größere Erwartungen mit der ersten Staffel UnREAL begann, entwickelte sich schnell zu einer ungemein packenden und noch weitaus zynischeren Unterhaltungsshow par excellence, die einen – hoffentlich doch ein wenig übertriebenen – Blick hinter die Kulissen einer Dating-Show im Stile des Bachelor warf, nur dass die Show hier Everlasting betitelt ward und es noch weitaus drastischer zur Sache ging, als man sich das ohnehin schon immer heimlich gedacht hat bei derlei Formaten. Nachdem nun mittlerweile bereits die vierte und finale Staffel der Serie online gegangen ist, wurde es für mich natürlich höchste Zeit, doch zumindest einmal die zweite Staffel nachzuholen und wer meint, das Kreativ-Team um Serienschöpfer Marti Noxon und Sarah Gertrude Shapiro könne sich im zweiten Jahr kaum noch selbst toppen, nachdem wir es bereits in der ersten Staffel unter anderem mit einer Form von Totschlag zu tun bekommen haben, der irrt gewaltig, denn tatsächlich haben sich die Macher derart viel einfallen lassen für die erneut zehn Episoden umfassende Season, dass man speziell zum Ende hin den schockierten Gesichtsausdruck kaum noch aus dem Gesicht zu wischen imstande ist.

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Dabei beginnt im Grunde alles ganz gemächlich und aufgeräumt, auch wenn dieses Gefühl nur wenige Minuten anhalten dürfte, denn die noch immer psychisch reichlich labile Rachel (Shiri Appleby) scheint am Ziel ihrer Träume angelangt und sieht sich schon als neue Showrunnerin von Everlasting, derweil sie mit dem ersten schwarzen Junggesellen nicht nur einen Coup, sondern eben auch Quoten-Hit zu landen gedenkt. Da machen ihr aber schnell die garstige Mentorin Quinn (Constance Zimmer) und deren Ex und Egomane Chet (Craig Bierko) einen Strich durch die Rechnung, denn beide versuchen ihrerseits, das Zepter am Set an sich zu reißen und eine Intervention seitens Rachel geht gründlich nach hinten los, so dass sich das Team bald mit dem aufstrebenden Jungspund Coleman Wasserman (Michael Rady) konfrontiert sieht, der als neuer Schirmherr die Produktion wieder in geordnete Bahnen lenken soll. Das allerdings ist gar nicht so einfach, denn nicht nur in der vergangenen Staffel (sowohl der Serie als auch der Show Everlasting), haben die Verantwortlichen einiges an Abgründigem angehäuft, das es zu vertuschen gilt, so dass man hier dankenswerterweise auch aktive Rückbezüge auf die erste Staffel UnREAL bekommt, denn insbesondere der Tod einer Kandidatin ist dann eben doch nicht so schnell vom Tisch gewischt, wie sich das manch einer wünschen würde.

Aber auch der neue Junggeselle Darius Beck (B.J. Britt) bringt einiges an Altlasten und neuen Problemen mit sich, die natürlich teils vom Team vor Ort forciert werden, sie aber auch immer öfter über das Ziel hinausschießen lassen. Dabei erweisen sich erneut sämtliche Akteure als ausgemacht intrigant und skrupellos, so dass es schnell nicht nur sehr, sehr böse, sondern auch vom ersten Moment an extrem schwarzhumorig und zynisch wird, eben ganz so, wie sich schier das gesamte Leben der Figuren gestaltet, auch wenn mancher zumindest noch einen Rest an Anstand und Moral erkennen lässt. Die haben allerdings in diesem Moloch kaum lange Bestand und so übertrumpft sich die eine wie die andere Seite immer wieder mit abgründigen Aktionen, um "ihre" Teilnehmerin ganz nach vorne zu bringen. Zum Glück aber wird UnREAL dabei nicht zum bloßen Abklatsch der ersten Staffel, auch wenn die zugrundeliegende Prämisse dieselbe sein mag, denn davon abgesehen, dass hier eben schlichtweg die nächste, noch bessere Staffel Everlasting gedreht werden soll, sorgen allein die Zankereien am Set sowie die Neuzugänge im Team für gehörig frischen Wind, derweil es mit Rachels geistiger Verfassung verständlicherweise weiter bergab geht.

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Ansonsten stürzt sich hier zwar keine Kandidatin in den Tod, doch wissen die Drehbuchautoren sich dennoch zu steigern, wobei ich hier natürlich gar nicht ins Detail zu gehen gedenke und einzig vorausschicken möchte, dass insbesondere das Staffelfinale Friendly Fire (2.10) alles Gezeigte noch einmal deutlich übertrumpft und mit einem echten Tiefschlag in die Magengrube endet, der einmal mehr die Karten durchzumischen weiß, weshalb ich über kurz oder lang natürlich auch bei der dritten und dann vierten Staffel UnREAL landen werde, die sich wirklich mit kaum einer anderen Serie vergleichen lässt, was den puren Zynismus und die ungefilterte Skrupellosigkeit der handelnden Figuren angeht, die eben mittlerweile nicht nur im sprichwörtlichen Sinne über Leichen zu gehen bereit sind und sicherlich auch in den noch ausstehenden zwei Staffeln neue Abgründe ausloten werden. Bis dahin aber kann man mit dieser Staffel bereits gehörigen Spaß haben (wenn einem diese Art Humor liegt natürlich nur), gleichwohl einem das Lachen natürlich aus verständlichen Gründen auch hier wieder mehr als einmal im Halse steckenbleiben wird. Von mir also auch für die zweite Staffel eine uneingeschränkte Empfehlung, wenn man dieser Art von Show auch nur ein wenig was abgewinnen kann, denn so exzentrisch und überzogen vieles auch wirken mag, so konsequent und bitter wirken viele der moralischen Entgleisungen, die man hier präsentiert bekommt.

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel UnREAL erfindet zwar das Rad nicht neu und widmet sich schlichtweg erneut der Produktion einer weiteren Staffel Everlasting, doch was hier an Lügen, Intrigen und Manipulationen am Set stattfindet, übertrifft die erste Staffel tatsächlich noch einmal um Längen, wodurch man sich auf zehn samt und sonders zynische wie bitterböse Episoden freuen darf, deren Unterhaltungswert sich parallel zur Abgründigkeit der handelnden Figuren entwickelt.

8 von 10 böswilligen Manipulationen

UnREAL | Staffel 2

  • Böswillige Manipulationen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel UnREAL erfindet zwar das Rad nicht neu und widmet sich schlichtweg erneut der Produktion einer weiteren Staffel Everlasting, doch was hier an Lügen, Intrigen und Manipulationen am Set stattfindet, übertrifft die erste Staffel tatsächlich noch einmal um Längen, wodurch man sich auf zehn samt und sonders zynische wie bitterböse Episoden freuen darf, deren Unterhaltungswert sich parallel zur Abgründigkeit der handelnden Figuren entwickelt.

8.0/10
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. War (8/10)
02. Insurgent (8/10)
03. Guerilla (7,5/10)
04. Treason (7,5/10)
05. Infiltration (8/10)
06. Casualty (8,5/10)
07. Ambush (8,5/10)
08. Fugitive (8/10)
09. Espionage (8,5/10)
10. Friendly Fire (8,5/10)

 
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UnREAL | Staffel 2 ist seit dem 10.06.16 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

vgw

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