Review: The Mandalorian | Staffel 1 (Serie)

Das Star Wars Universum

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Später als mir selbst recht sein könnte komme ich nun heute endlich auch in den Genuss, ein paar Worte zu dieser gehypten Serie zu verlieren, nachdem man uns in Deutschland ja wirklich lange hat darben lassen, bis die Staffel – zumindest auf legalem Wege – komplett verfügbar gewesen ist.

The Mandalorian
Staffel 1

The Mandalorian, USA 2019-, ca. 39 Min. je Folge

The Mandalorian | © Disney+
© Disney+

Serienschöpfer:
Jon Favreau
Ausführende Produzenten:
Jon Favreau
Dave Filoni
Kathleen Kennedy
Colin Wilson

Main-Cast:
Pedro Pascal (The Mandalorian)

in weiteren Rollen:

Carl Weathers (Greef Karga)
Gina Carano (Cara Dune)
Werner Herzog (The Client)
Nick Nolte (Kuiil)
Taika Waititi (IG-11 [Stimme])
Omid Abtahi (Dr. Pershing)
Giancarlo Esposito (Moff Gideon)
Emily Swallow (Armorer)
Amy Sedaris (Peli Motto)
Jake Cannavale (Toro Calican)
Ming-Na Wen (Fennec Shand)
Mark Boone Jr. (Ranzar Malk)
Bill Burr (Mayfeld)
Natalia Tena (Xi’an)
Clancy Brown (Burg)
Richard Ayoade (Zero [Stimme])
Ismael Cruz Cordova (Qin)

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action | Fantasy | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Mandalorian | © Disney+
© Disney+

Als Findelkind bei den Mandalorianern gelandet, von ihnen aufgezogen und ausgebildet worden, hat der Namenlose sich ganz dem Codex verschrieben, zu dem es auch gehört, im Beisein anderer Lebewesen niemals seinen Helm abzunehmen. Auch gegenüber Geschäftspartnern und Bekannten ist er nur als "der Mandalorianer" bekannt und hat sich im Laufe der Jahre einen gewissen Ruf erworben. Der bringt es mit sich, dass er nun jüngst von einigen Ex-Imperialen angeheuert worden ist, um eine Zielperson aufzuspüren und zu ihnen zu bringen. Im Alleingang macht sich der Mandalorianer auf, den Job zu erledigen, nur um bald zu bemerken, dass nicht nur er allein auf die Sache angesetzt worden ist. Als er aber besagte Zielperson aufspürt und sieht, was dort eigentlich von den Imperialen begehrt wird, muss er sich fragen, ob er bereit und willens ist, dem Codex treu zu bleiben und ohne Fragen zu stellen den Job beendet, zumal er seiner zeitweiligen Begleitung bald schon das eigene Leben zu verdanken hat. Sich gegen seinen Auftraggeber aufzulehnen, würde gleichsam aber einen Verrat an der Gilde und deren Gesetzen bedeuten, womit sich der Mandalorianer zum Paria machen würde…

Rezension:

Bezüglich The Mandalorian musste ich tatsächlich einiges an Willenskraft und Durchhaltevermögen mitbringen, was – keine Sorge – nicht der Serie an sich geschuldet ist, sondern der Tatsache, dass viele in meinem Umfeld auf mehr oder minder dubiosen bis illegalen Wegen die Staffel längst gesehen haben und sich selbst Disney+ beim Deutschlandstart überlegt hat, die einzelnen Episoden – obwohl im Original schon längst veröffentlicht – doch lieber häppchenweise den Abonnenten zu kredenzen, weshalb ich auch erst heute, also einen Tag nach Deutschlandpremiere der finalen achten Episode, dazu komme, meine Meinung zu der Produktion zu verschriftlichen, die durchaus das Zeug hat – so viel vorweg – als Zugpferd für den noch jungen Streaming-Dienst zu taugen. Verantwortlich für das Ganze zeichnet als Showrunner und Drehbuchautor der mitnichten unbekannte Jon Favreau, der den meisten durch Iron Man – Regie der ersten zwei Teile und in der Rolle von Happy Hogan – ein Begriff sein dürfte. Und das verspricht einiges an Qualität, denn Favreau findet einen gelungenen Ansatz, sich einerseits dem stetig wachsenden Star Wars-Franchise zu nähern und andererseits in dem Kontext eine überraschend grimmige Art Space-Western zu kreieren, die jetzt zwar nicht explizit an Firefly erinnern mag, durchaus aber vergleichbare Momente mit sich bringt, was nur positiv gemeint ist (zumal auch das Schiff des Mandalorianers, die "Razor Crest", einiges an Charakter mit sich bringt).

Szenenbild aus The Mandalorian | © Disney+
© Disney+

Eigentlicher Clou des Ganzen ist aber ganz zweifelsohne der namensgebende Mandalorianer – von Freunden und Geschäftspartnern auch gerne schlicht "Mando" gelangt, denn einer Figur Charaktermerkmale und Identifikationspotential angedeihen zu lassen ist in dem Kontext, dass selbige niemals ohne ihren Helm anzutreffen ist, sicherlich schwierig – man denke hierbei beispielsweise an Dredd –, gelingt aber überraschend gut. Dank dafür gebührt Pedro Pascal (The Great Wall), auch wenn man immer mal wieder mutmaßen mag, dass gar nicht er es ist, der in dem Kostüm des Mandalorianers steckt (und zumindest in der Episode Die Zuflucht (1.04) auch Recht damit hätte). Ansonsten ist The Mandalorian aber auch in weiten Teilen eine klassische One-Man-Show, auch wenn manche Figur das eine oder andere Mal öfter in Erscheinung treten mag. Hier offenbart sich aber auch eine der größten Schwächen der Staffel oder zumindest ein Kritikpunkt, der sich kaum wegdiskutieren lässt, denn nach einem vielversprechenden Auftakt in den ersten drei Folgen finden sich gleich drei im Grunde als Füller zu betrachtende Episoden, die zwar für sich genommen mehr oder minder gelungen sein mögen, die eigentliche Geschichte aber kaum voranbringen. Hier wird aber auch deutlich, inwieweit sich die Sehgewohnheiten im Laufe der Jahre gewandelt haben, denn was bei klassischen, mehr als zwanzig Folgen umfassenden Network-Serien noch der Standard gewesen ist und bei klassischen Procedurals achselzuckend hingenommen wird, stört hier doch merklich das Gesamtbild, wenn man sich eben eine zusammenhängende, insgesamt acht Kapitel umfassende Geschichte wünscht.

Nichtsdestotrotz halten aber auch diese Füllerepisoden Qualitäten und Highlights bereit, zumal die finalen zwei Folgen – oder Kapitel – locker darüber hinwegtrösten, dass das zuvor Gezeigte doch eher trivial gewesen sein mag, denn wo sich die nunmehr als Skywalker-Saga betitelte Ennealogie auf epische Schlachten und galaxisweite Zusammenhänge stürzt, hat man nun bei The Mandalorian erstmalig die Möglichkeit und das Gefühl, einmal näher herangehen zu können und sich dem Universum im Detail widmen zu können, wenn man erstmals eine IG-Einheit in Aktion erlebt, gegen einen leidlich professionell zusammengeflickten AT-ST ins Feld zieht oder einfach nur zwei gelangweilte Scout Trooper beim Smalltalk belauscht, Dinge also, die innerhalb der einzelnen Trilogien quasi undenkbar gewesen sind, die Welt aber spürbar lebendig werden lassen und reichlich Raum für Referenzen lassen. Auffälligstes Beispiel hierfür ist sicherlich die zeitweilige Einkehr in Mos Eisley, dem weithin bekannten Raumhafen auf Tatooine, auch wenn das entsprechende Kapitel Der Revolverheld (1.05) ansonsten nicht eben zu den Höhenflügen der Staffel zählt.

Szenenbild aus The Mandalorian | © Disney+
© Disney+

Nicht nur dramaturgisch, sondern auch hinsichtlich der Nebencharaktere und Besetzung bedeutet nämlich der Mittelteil der Staffel einen gewissen Rückschritt, wenn man zu Beginn der Story noch Schauspielgrößen wie Werner Herzog (Jack Reacher) als Klient oder Nick Nolte (Gangster Squad) als (Stimme von) Kuiil kredenzt bekommt, sich im weiteren Verlauf aber dann doch mit weitestgehend austauschbaren und wenig erinnerungswürdigen Darstellern und Charakteren abgeben muss. Unterdessen leiht dafür der wie stets großartige Taika Waititi (5 Zimmer Küche Sarg) dem Attentäter-Droiden IG-11 seine Stimme und übernimmt beim Staffelfinale Erlösung (1.08) auch gleich die Regie, was viel über die Qualität aussagt, denn Favreau und Waititi entpuppen sich hier als Duo, mit dem künftig zu rechnen sein wird, wenn sich die Serie auf ihre alten Stärken besinnt und mit einem regelrechten Knall ihr erstes Jahr beschließt. Das wird zum Glück definitiv nicht ihr letztes sein, denn während die Veröffentlichung der zweiten Staffel bereits für kommenden Oktober angekündigt worden ist, ist selbst eine dritte Staffel längst in trockenen Tüchern und das ist gut so, denn die Geschichte des umtriebigen Mandalorianers steht erst an ihrem Anfang und verspricht auch weiterhin beste Unterhaltung, zumal auf den letzten Metern ein mehr als vielversprechender Gegenspieler in Position gebracht wird.

Keine Star Wars-Kritik kommt indes aus, ohne dass man ein Wort zum Score verlieren würde und der bedient sich auf treffliche Weise an bekannten Themen und arrangiert diese neu, ohne sich über Gebühr in den Vordergrund zu drängen, schafft Wiedererkennungswert und ist ebenso gelungen wie die Special Effects, bei denen man deutlich sieht, dass hier reichlich Geld in die Hand genommen worden ist, um die Welt lebendig und glaubhaft erscheinen zu lassen, die ohnehin in einer spannenden, post-imperialen Epoche angesiedelt ist, aus der wir noch herzlich wenig zu Gesicht bekommen haben. Ansonsten vermag The Mandalorian aber auch all jenen die Stirn zu bieten, die meinen, mit dem Disney-Aufkauf wäre das Franchise an die Wand gefahren worden, zumal man hinsichtlich der familientauglichen Altersfreigabe wirklich alles herausholt, was möglich ist, um eine grimmige und bedrohliche, ernsthafte und erwachsene Welt zu schaffen, die zudem weit entfernt ist von dem von vielen verpönten Disney-Humor, gleichwohl es auch hier genug Auflockerndes zum Schmunzeln gibt. So erweist sich Favreaus Ausflug in eine weit, weit entfernte Galaxis trotz manch mäßiger Episode als bisher kreativster, gelungenster und vielversprechendster Versuch, Altbekannten neue Facetten abzuringen, zumal eine jede Folge dermaßen stimmig konzipiert und kurzweilig geraten ist, dass ich mich jetzt schon auf viele weitere Missionen mit dem Mandalorianer freue, dessen echter Name nur eines von vielen Geheimnissen der wortkargen Figur ist, das vielleicht, vielleicht auch nicht, bereits in dieser Staffel gelüftet werden wird.

Fazit & Wertung:

Die erste Staffel The Mandalorian als erstes Zugpferd des noch jungen Disney+ zeigt eindrucksvoll auf, welch Potential sich noch immer im Star Wars-Franchise verbirgt und widmet sich gleichsam einer spannenden Hauptfigur sowie Epoche, während die von Jon Favreau erdachte Story sich als eine Art Space-Western präsentiert. Im Mittelteil mag die übergeordnete Geschichte zwar zeitweilig in den Hintergrund treten, doch überzeugt die Staffel als Ganzes ungemein, zumal sie einen vielversprechenden Grundstein für weitere Abenteuer legt.

8 von 10 brenzligen Jobs für den wortkargen Mandalorianer

The Mandalorian | Staffel 1

  • Brenzlige Jobs für den wortkargen Mandalorianer - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die erste Staffel The Mandalorian als erstes Zugpferd des noch jungen Disney+ zeigt eindrucksvoll auf, welch Potential sich noch immer im Star Wars-Franchise verbirgt und widmet sich gleichsam einer spannenden Hauptfigur sowie Epoche, während die von Jon Favreau erdachte Story sich als eine Art Space-Western präsentiert. Im Mittelteil mag die übergeordnete Geschichte zwar zeitweilig in den Hintergrund treten, doch überzeugt die Staffel als Ganzes ungemein, zumal sie einen vielversprechenden Grundstein für weitere Abenteuer legt.

8.0/10
Leser-Wertung 7.25/10 (4 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Kapitel 1: Der Mandalorianer (8,5/10)
02. Kapitel 2: Das Kind (8/10)
03. Kapitel 3: Der Fehler (8,5/10)
04. Kapitel 4: Die Zuflucht (7/10)
05. Kapitel 5: Der Revolverheld (7/10)
06. Kapitel 6: Der Gefangene (7,5/10)
07. Kapitel 7: Die Abrechnung (8,5/10)
08. Kapitel 8: Erlösung (9/10)

 
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The Mandalorian | Staffel 1 ist seit dem 26.03.2020 exklusiv bei Disney+ verfügbar.

vgw

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Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 24. Mai 2020

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