Review: Vier Farben der Magie | V. E. Schwab (Buch)

Zeit, mich mal wieder mit einer Rezension zu melden und weil man ja bekanntermaßen nicht genug Reihen lesen kann, habe ich jüngst im Urlaub eine neue begonnen und erzähle dann jetzt mal vom ersten Band dieser Fantasy-Trilogie, die ich schon was länger immer mal wieder ins Auge gefasst hatte.

Vier Farben der Magie
Weltenwanderer-Trilogie 1

A Darker Shade of Magic, USA 2015, 496 Seiten

Vier Farben der Magie von V. E. Schwab | © FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autorin:
V. E. Schwab
Übersetzerin:
Petra Huber

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-29632-3

Genre:
Fantasy | Abenteuer

 

Inhalt:

Immer wenn Kell ein London verließ und ein anderes betrat, zog er als Erstes seinen Mantel aus und wendete ihn ein-, zwei- oder bisweilen sogar dreimal, bis er die Seite fand, die er gerade brauchte. Nicht alle davon waren besonders elegant, doch jede erfüllte einen bestimmten Zweck. Manche ließen ihn in der Menge verschwinden, andere wiederum zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Und eine davon – sie mochte er besonders gern – war einfach nur so da.

Kell ist einer der letzten Antari und damit seines Zeichens Weltenwanderer, dem es mithilfe von Blutmagie möglich ist, Portale zwischen den Welten zu erschaffen, die – wie es der Zufall will – sich im Gebiet von London überlappen. So hat Kell die insgesamt vier Londons für sich unterteilt in das graue, das rote, das weiße und das schwarze London, derweil er selbst aus dem roten London stammt und am Hofe des Königs aufgewachsen ist, der ihn bereitwillig als Boten über die Grenzen der Welt hinaus einsetzt, derweil schon vor langer Zeit die Türen zwischen den Städten verschlossen worden sind, nachdem sich das schwarze London in seiner überbordenden Magie selbst verzehrt hat. Doch dummerweise hat Kell auch einen Hang dazu, Artefakte und Tand zwischen den Welten zu schmuggeln und zu sammeln, weshalb er sich eines Tages dazu breitschlagen lässt, einen Brief zwischen den Welten zu schmuggeln, der allerdings nur als Köder fungiert, um etwas ungleich Wertvolleres durch das Portal zu schaffen. Und plötzlich sieht Kell sich einer ungeahnten Bedrohung gegenüber, während er alsbald die Bekanntschaft der Diebin Lila machen wird, die im grauen London beheimatet ist, der einzigen der Städte, in der es kaum nennenswerte Magie zu geben scheint…

Rezension:

Schon bei Erscheinen war ich auf den ersten Teil der Weltenwanderer-Trilogie aufmerksam geworden, doch musste wieder einmal reichlich Zeit ins Land streichen, bis ich mir endlich kurzerhand den ersten Band der Reihe bestellt und ihn jüngst im Urlaub regelrecht verschlungen habe. Kein Wunder, gelingt es V. E. Schwab schließlich in Vier Farben der Magie, einem Protagonist Kell schnell näher zu bringen und mithilfe seiner umtriebigen Reisen effektiv und unterhaltsam die unterschiedlichen Londons in Szene zu setzen, wobei das graue London wohl am ehesten unserer Welt entsprechen dürfte und die rote und weiße Variante ungleich exotischer ausfallen, während das schwarze London – der muss jetzt sein – zunächst ein Schattendasein führt. So erfährt man nur langsam mehr über das Wesen der Portale und der Blutmagie, die Fähigkeiten der Antari und nicht zuletzt die magischen Ausprägungen der Städte, derweil der Fokus aber ganz klar auf dem Abenteuer-Flair des Ganzen liegt und folglich die Geschichte auch angenehm schnell in Fahrt kommt, nachdem man als Leser mit den wichtigsten Gesetzmäßigkeiten und Eckdaten vertraut gemacht worden ist.

Nur die Wenigen, die zwischen den Welten wanderten, mussten sich etwas einfallen lassen, um die Städte unterscheiden zu können. Und so hatte Kell – in Anlehnung an jene verlorene Stadt, die gemeinhin als das Schwarze London bekannt war – jeder der verbleibenden Städte eine Farbe gegeben.
Grau für die Stadt ohne Magie.
Rot für das glänzende Reich.
Weiß für die sterbende Welt.

Hier hätte ich mir tatsächlich gerne noch etwas mehr Worldbuilding gewünscht, denn das Konzept vierer sich überlagernder Varianten von London wusste mich doch enorm zu faszinieren. Dafür bleibt ja aber auch noch zwei Bände Zeit (die ich mir mittlerweile selbstredend auch schon zugelegt habe) und umso griffiger ist dafür die Geschichte von Vier Farben der Magie geraten, die mit einem doch sehr überschaubaren Figuren-Konsortium daherkommt, denn neben Kell steht einzig noch Lila im Zentrum der Geschichte, während ein weiterer Antari namens Holland als Antagonist in Stellung gebracht wird. Klar mag es noch einig weitere bedeutsame oder gewichtige Figuren geben, doch tatsächlich käme schon allein deren Nennung einem Spoiler gleich, wenn man sich unvorbelastet in die Geschichte stürzen möchte, die tatsächlich so manche Überraschung parat hält, die ich so nicht habe kommen sehen, die im Kontext der Welt und ihrer Regeln aber absolut schlüssig präsentiert wird.

Bestechend ist aber auch die Figur des noch jungen Kell, der einerseits oft und gerne seine Grenzen auslotet und vielleicht nicht immer die durchdachtesten Entscheidungen trifft, dem als Antari aber auch eine enorme Macht innewohnt, zumal es außer ihm und Holland keinen Vertreter dieser magisch begabten Gattung mehr zu geben scheint, dem es möglich wäre, ein Tor zwischen den Städten zu öffnen. Lila wiederum wusste mich anfänglich zwar noch nicht so sehr zu überzeugen, weil sie dann doch des Öfteren dem Klischee der mit allen Wassern gewaschenen und ungemein toughen Diebin entspricht, die sich aus jeder Situation heraus zu lavieren versteht, doch mit jedem weiteren Kapitel schwindet dieser Eindruck mehr und mehr, zumal sie und Kell, wenn sie denn dann aufeinandertreffen, ein ungemein gelungenes Duo bilden. Dabei wechselt je nach Kapitel auch immer mal wieder der Blickwinkel zwischen Kell und Lila, was der Kurzweil noch einmal deutlich zugute kommt, während die ohnehin eher kurzen Kapitel sehr dazu verleiten, ein ums andere Mal mit der Lektüre fortzufahren. Dadurch hat sich Vier Farben der Magie für mich schnell zum echten Page-Turner entwickelt, wobei damit natürlich einhergeht, dass der Band nicht unbedingt mit der anspruchsvollsten Schreibe aufwartet, doch braucht es das ja auch gar nicht, um einfach nur gut zu unterhalten.

Nun zog er die Klinge ein zweites Mal über den Arm, woraufhin rubinrotes Blut aus der Wunde quoll. Er steckte das Messer zurück in die Scheide, berührte den Schnitt mit den Fingern und erneuerte den Kreis und die Linie. Anschließend zog Kell den Ärmel über die Wunde – er würde die Schnitte behandeln, sobald er wieder zu Hause war – und warf einen letzten Blick auf den vor sich hinbrabbelnden König; erst dann legte er seine Hand auf das Zeichen an der Wand.
Ein magisches Summen erklang.
»As Tascen«, sagte Kell. Durchschreite.
Ein Beben durchlief die gemusterte Tapete, dann gab sie unter seiner Berührung nach. Kell machte einen Schritt und trat durch die Wand.

Und fernab der vier Londons lässt sich Schwab auch ansonsten allerhand einfallen, was Neugierde und Interesse schürt, angefangen mit Kells magischem Mantel, den man scheinbar beliebig oft wenden kann und der in immer neuem Antlitz erstrahlt, über die dem untergegangenen schwarzen London innewohnenden Geheimnisse, die nur sehr zögerlich preisgegeben werden bis hin zu dem Rätsel an sich, wer da eigentlich genau im Hintergrund die Fäden zieht und was er oder sie damit zu bezwecken gedenkt. Und natürlich wird vieles nicht einmal annähernd abschließend behandelt, so dass Vier Farben der Magie einen wunderbaren Auftakt bietet, um mit Die Verzauberung der Schatten und Die Beschwörung des Lichts noch weitaus tiefer in die Welt einzutauchen, die hier im Grunde erst skizzenhafte Gestalt angenommen hat. Bleibt für mich nur zu hoffen, dass Schwab den leichtfüßig-kurzweiligen Erzählstil auch in den Fortsetzungen beizubehalten versteht, denn die sind beide mit mehr als 600 beziehungsweise 700 Seiten doch noch einmal deutlich umfangreicher, hoffentlich aber eben nicht langatmiger geraten.

Fazit & Wertung:

Allein die Prämisse, die Vier Farben der Magie zugrunde liegt, vermag Interesse zu schüren und dank leichtfüßigem Erzählstil seitens V. E. Schwab findet man sich schnell in die Geschichte um Weltenwanderer Kell ein, die nur den Auftakt einer Trilogie bildet, aber auch für sich genommen zu bestehen weiß, gleichwohl ich mir zuweilen doch etwas mehr Tiefgang und Details in Sachen Worldbuilding gewünscht hätte.

8 von 10 durchschrittenen Toren

Vier Farben der Magie

  • Durchschrittene Tore - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Allein die Prämisse, die Vier Farben der Magie zugrunde liegt, vermag Interesse zu schüren und dank leichtfüßigem Erzählstil seitens V. E. Schwab findet man sich schnell in die Geschichte um Weltenwanderer Kell ein, die nur den Auftakt einer Trilogie bildet, aber auch für sich genommen zu bestehen weiß, gleichwohl ich mir zuweilen doch etwas mehr Tiefgang und Details in Sachen Worldbuilding gewünscht hätte.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

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Vier Farben der Magie ist am 27.04.17 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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