Review: Die Beschwörung des Lichts | V. E. Schwab (Buch)

Prompt bringe ich die nächste Trilogie zu einem Abschluss und entlasse euch folglich mit einer dreiteiligen Leseempfehlung in den noch jungen Abend, während es mich nach einem langen Arbeitstag auf die Couch zieht.

Die Beschwörung des Lichts
Weltenwanderer-Trilogie 3

A Conjuring of Light, USA 2017, 720 Seiten

Die Beschwörung des Lichts von V. E. Schwab | © FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autorin:
V. E. Schwab
Übersetzerin:
Petra Huber

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-29634-7

Genre:
Fantasy | Abenteuer

 

Inhalt:

Als Lila die Straße erreichte, nach der sie gesucht hatte, kam sie aus vollem Lauf zum Stehen, zückte ein Messer und zog sich die Klinge über die Handfläche. Keuchend presste sie die blutende Hand zusammen mit der weißen Steinscherbe an die nächstbeste Wand.

Während Kell noch im weißen London gefangen gehalten wird und Lila zu dessen Rettung eilt, macht sich Holland auf, das rote London und mit ihm König Maresh zu unterwerfen, auch wenn sein Handeln längst gelenkt wird von Osaron, der Manifestation der dunkelsten Magie des schwarzen London, die sich seiner als Wirtskörper bemächtigt hat und gedenkt, sich zum alleinigen Herrscher des Reiches aufzuschwingen. Selbst stärkste Magier scheinen gegen den aus Magie bestehenden Dämon kaum etwas ausrichten zu können und so obliegt es allein dem letzten Antari des Reiches, einen Weg zu finden, Osaron in seine Schranken zu weisen, so er denn selbst aus seiner Gefangenschaft befreit wird. Indes erahnt im Palast der Maresh noch kaum jemand die drohende Gefahr, zumal Prinz Rhy im Sterben begriffen ist, nachdem sein Leben spendendes Band zu Adoptivbruder Kell in magische Ketten gelegt worden ist. Doch weder Rhys Eltern noch sein Geliebter Alucard sind gewillt, das Schicksal einfach hinzunehmen…

Rezension:

Zugegebenermaßen habe ich die Lektüre von Die Beschwörung des Lichts eine ganze Weile vor mir hergeschoben, obwohl es sich doch um den Abschlussband der Weltenwanderer-Trilogie handelt, deren ersten Band Vier Farben der Magie ich als ausgezeichnet empfunden habe, derweil der Nachfolger Die Verzauberung der Schatten zumindest noch als gelungen und unterhaltsam bezeichnet werden darf. Nicht unmaßgeblich dazu beigetragen, dass ich mich schwergetan habe, mich dem Band zu widmen, hat sicherlich auch der beinahe schon irritierende Umfang, denn mit mehr als 700 Seiten könnte man übertrieben behaupte, der dritte Teil sei noch einmal so lang wie seine zwei Vorgänger. Und tatsächlich muss ich im Nachgang sagen, dass es ein paar Seiten weniger auch getan hätte, so dass der Mittelteil ein wenig wie ein notwendiges Übel wirkt oder so, als würde man – in dem Fall Autorin V. E. Schwab – vor dem großen Finale halt noch einmal eine Abenteuergeschichte erzählen wollen. Langweilig war das nicht und durchaus in der Story begründet, doch nachdem mich die ersten 300 Seiten gespannt von Seite zu Seite haben blättern lassen, flachte die Spannungskurve im weiteren Verlauf doch merklich ab.

Der Wille des Schattenkönigs traf Holland mit voller Wucht. Während er selbst völlig reglos dastand, wurde sein Geist von unerträglichem Schmerz überwältigt; einem Schmerz, der anders war als der, den er im Laufe seines Lebens schon Hunderte Male erfahren hatte; den er zu ignorieren gelernt hatte und vor dem er flüchten konnte.

Ansonsten merkt man, wie viel Schwab noch zu erzählen gehabt hat, so dass man sicherlich auch ohne viel Mühe aus dem Weltenwanderer-Arc stattdessen eine Quadrilogie hätte machen können, denn gerade am Rande der eigentlichen Haupthandlung nutzt die Autorin einstweilen immer wieder die Chance, auf Nebenfiguren und deren Befindlichkeiten einzugehen, ob es sich nun um das Königsehepaar Maresh oder den magie-vernarrten Tuttle aus dem grauen London handelt, was alles sicherlich nett zu lesen ist, in dem auf episch getrimmten Gesamtkontext aber ein wenig trivial und aufgesetzt wirkt. Das soll jetzt aber auch nicht kritischer klingen, als es gemeint ist, denn Die Beschwörung des Lichts ist ohne Frage ein mehr als würdiger Abschluss für die Reihe geworden und weit spannender und überzeugender geraten als noch der Vorgänger. Zu Beginn der Lektüre hatte ich allerdings noch das Gefühl, der dritte und letzte Teil würde gar den Auftaktband übertreffen, doch das musste ich im weiteren Verlauf für mich zumindest dann revidieren. Entsprechend unverständlich ist es mir dementsprechend auch, weshalb hier – wie schon im zweiten Teil – so viel Wert auf Seefahrer-Geschichten gelegt wird, denn das ungleich spannendere, einzigartigere Element der Erzählung – vier sich überlappende, in unterschiedlichen Welten befindliche Varianten von London – kommt auch hier wieder kaum zum Tragen, auch wenn Kell wieder ein wenig mehr mit seiner Blutmagie anfangen darf und von immerhin zwei weiteren Antari unterstützt wird.

Wie schon das Cover es suggeriert und andeutet, steht hier allerdings vornehmlich Holland im Zentrum der Erzählung, den man nach den Geschehnissen aus Band eins totgeglaubt wähnte und der im weiteren Verlauf das unweigerliche Verderben über das rote London gebracht hat, was dann auch Ausgangspunkt und Haupthandlung des dritten Bandes sind. Und tatsächlich mausert sich Holland, nachdem ihm Schwab hier endlich ein wenig Background und Motivation, vor allem aber eine tiefe, innere Zerrissenheit und Resignation angedeihen lässt, zu einem würdigen Dritten im Bunde, der neben Kell und Lila als faszinierender Protagonist zu bestehen weiß. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch nicht, dass der zwielichtige Antari Die Beschwörung des Lichts dominieren würde und so bekommt eine jede der liebgewonnenen Figuren durchaus ihre Zeit und ihre Momente spendiert, was mehr denn je auch für den merklich gereiften Prinzen Rhy gilt, der sich noch immer mit seinem Schicksal abzufinden lernen muss, mit allen Konsequenzen an Kells Leben gebunden zu sein. Die nebulöse wie ungemein mächtige Magie des schwarzen London, die man ebenfalls zuvor bereits kennenlernen durfte und die sich jetzt endgültig und mit Nachdruck als Osaron im roten London manifestiert und sich für nichts weniger hält als einen Gott, hätte derweil noch deutlich mehr erzählerischen Spielraum geboten und wirkt vergleichsweise blass und eben so stereotyp in ihrer Motivation, wie das bei Welten vernichten wollenden Entitäten eben leider häufig der Fall ist.

Noch lange nachdem die Tür verriegelt worden war, wehrte Kell sich gegen die eisernen Fesseln; sein verzweifeltes Rufen hallte von den bleichen Steinwänden wider, bis er sich heisergeschrien hatte. Doch niemand kam. Angst durchflutete ihn. Schlimmer noch war aber das Gefühl, dass in seiner Brust etwas aufbrach, sich eine lebenswichtige Verbindung Faden für Faden löste und er einen wichtigen Teil seiner selbst verlor.
Er konnte Rhys Puls kaum mehr spüren.

Aber gut, als Plot-Device, als zu überwindendes Hindernis erfüllt Osaron seine Funktion und ist zumindest glaubhaft gefährlich und allmächtig geraten, um in ihm einen ernstzunehmenden Widersacher zu erkennen. Letztendlich – und das sind dann auch die schönsten Passagen innerhalb des Buches – geht es aber natürlich um eine Heldenreise und die Entwicklung, die Kell, Lila und Holland währenddessen durchlaufen, auch hier wieder begleitet von dem ebenfalls an Profil gewinnenden Kapitän Emery. Wermutstropfen in seinem Fall ist eigentlich nur, dass es mich immer noch beim Lesen massiv irritiert hat, dass sein Vorname Alucard von hinten nach vorn gelesen Dracula ergibt, was aber rein gar nichts über die Figur aussagt und dementsprechend auch gern hätte vermieden werden können. Ihr merkt, ich bin hier mit meiner Kritik schon bei den kleinsten Details angelangt, denn eigentlich gibt es nichts Großartiges an Die Beschwörung des Lichts auszusetzen, wenn der Mittelteil für meinen Geschmack auch gerne etwas hätte gestrafft werden dürfen. Wen das allerdings nicht schreckt, der bekommt einen mehr als überzeugenden Abschluss der Weltenwanderer-Trilogie geboten, der, gäbe es die leichten Längen nicht, selbst den Auftaktband noch überflügelt hätte, denn gerade zu Beginn gelingt es Schwab vorzüglich, ordentlich Druck auf ihre Protagonisten auszuüben und so einmal mehr in eine spannende Parallelwelt zu führen, die – wie wir gelernt haben – doch nur einen Blutzauber entfernt existiert.

Fazit & Wertung:

Mit Die Beschwörung des Lichts bereitet V. E. Schwab ihrer Weltenwanderer-Trilogie einen mehr als würdigen Ausstand und bringt ein letztes Mal Figuren und Handlungsfäden zusammen, um in einen reißerischen Showdown zu münden, ohne sich die Zeit zu verwehren, gebührend Abschied zu nehmen. Auf dem Weg dorthin kommt es zwar zu leichten Längen und der immens seitenstarke Band hätte sicherlich noch gestrafft werden können, doch tut das der Lesefreude und Spannung kaum einen Abbruch.

8 von 10 durchschrittenen Toren

Die Beschwörung des Lichts

  • Durchschrittene Tore - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Die Beschwörung des Lichts bereitet V. E. Schwab ihrer Weltenwanderer-Trilogie einen mehr als würdigen Ausstand und bringt ein letztes Mal Figuren und Handlungsfäden zusammen, um in einen reißerischen Showdown zu münden, ohne sich die Zeit zu verwehren, gebührend Abschied zu nehmen. Auf dem Weg dorthin kommt es zwar zu leichten Längen und der immens seitenstarke Band hätte sicherlich noch gestrafft werden können, doch tut das der Lesefreude und Spannung kaum einen Abbruch.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

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Die Beschwörung des Lichts ist am 25.04.18 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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