Review: Star Wars: Meister und Schüler | Claudia Gray (Buch)

Das Star Wars Universum

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Während ich mich gleich ins Kino begeben werde, um den Abschluss der Skywalker-Saga zu erleben, kredenze ich natürlich noch fix eine thematisch passende Buch-Kritik für alle Daheimgebliebenen. Und am Freitag werde ich mich dann – sicherlich in gewohnt ausführlicher Manier – auch über den Film auslassen, während es morgen eher eine Art Lückenfüller-Rezension geben wird, aber das seht ihr dann ja.

Star Wars
Meister und Schüler

Star Wars: Master & Apprentice, USA 2019, 448 Seiten

Star Wars: Meister und Schüler von Claudia Gray | © Blanvalet
© Blanvalet

Autorin:
Claudia Gray
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16223-7

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Die Dunkelheit wurde von diffusem Licht durchbrochen, das unter ihnen aus einer offenen Tür fiel. Qui-Gon schloss die Hand fester um sein Lichtschwert und aktivierte es, sodass die glühende Klinge die Stufen erhellte. Nur eine Sekunde später folgte Obi-Wan seinem Beispiel – im selben Moment, als sie von dem Treppenaufgang in einen sehr großen und, wie sich herausstellte, auch sehr geschäftigen Raum stürmten.

Obwohl Qui-Gon Jinn den jungen Obi-Wan Kenobi bereits vor mehr als einer Dekade als Padawan unter seine Fittiche genommen hat, ist es ihnen in all der Zeit nie gelungen, eine Art Gleichklang zu erreichen, wie es in der Beziehung zwischen Meister und Schüler wünschenswert wäre, weshalb Qui-Gon sich schon fragt, ob er überhaupt der richtige sein mag, Kenobi zum Jedi auszubilden. Als wäre dem nicht genug, erhält Jinn vom Jedi-Rat unerwartet das Angebot, in ihren Reihen aufgenommen zu werden, was allerdings auch bedeuten würde, dass er die Ausbildung seines Padawan ohnehin aufzugeben hätte. Diese Überlegung müssen allerdings hintenanstehen, als explizit Qui-Gon nach Pijal beordert wird, denn das bis dato kaum berücksichtigte System steht kurz vor der Eröffnung einer Hyperraumroute, schlägt sich allerdings mit einer zunehmend terroristischer agierenden Opposition herum, die dies zu verhindern sucht. Der Grund, dass ausgerechnet Qui-Gon und Obi-Wan sich der Sache annehmen sollen, ist der auf Pijal herrschende Lordregent Rael Averross, eigentlich ein Jedi, der – ebenso wie Qui-Gon – dereinst Padawan von Dooku gewesen ist, was ich die jahrelange Freundschaft begründet hat, auf die Rael nach all den Jahren noch immer zählt. Doch hinter den Problemen auf Pijal verbirgt sich weit mehr, als zunächst von Jinn und Kenobi angenommen…

Rezension:

Im Fahrwasser der Vorfreude ist vor einiger Zeit nun auch Claudia Grays neuer Roman Star Wars: Meister und Schüler erschienen, dem ich mich nun auch habe widmen können, auch wenn er natürlich nicht zu der Journey to Episode IX-Reihe gehört, die hierzulande ja aber ohnehin wieder zeitverzögert und damit viel zu spät erscheint. Das macht aber erst einmal herzlich wenig, denn hier geht es immerhin – das Cover verrät es ja bereits – um Qui-Gon Jinn und Obi-Wan Kenobi als dessen Padawan und so wenig ich speziell Episode I habe abgewinnen können, war der von Liam Neeson verkörperte Jedi doch einer der elementaren Lichtblicke, ebenso natürlich wie der junge, seinerzeit (und bald wieder) von Ewan McGregor gespielte Obi-Wan. Im Buch derweil mag es zwar schwierig werden, sich McGregor als Obi-Wan vorzustellen, da der hier noch nicht einmal volljährig ist, aber im Kern geht es ohnehin ein wenig mehr um dessen Meister Qui-Gon, was ich schon dahingehend als begrüßenswert empfinde, dass er mir bislang abgesehen von genanntem Film im weiteren Kanon nicht untergekommen ist.

Das Grinsen verschwand von Averross’ Gesicht, noch ehe das Bild scharf wurde und ein brennendes Lagerhaus außerhalb der Hauptstadt zeigte. Das Gebäude war bereits fast bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Falls Prinzessin Fanry die Übertragung ebenfalls sah – und davon war auszugehen –, dann hatte sie jetzt sicherlich schreckliche Angst. Er musste sofort zu ihr zurück.

Und tatsächlich gelingt es Claudia Gray auch in ihrem nunmehr vierten Beitrag zum Kanon, mich mit ihrer Story und deren Aufbau zu überzeugen, denn auch wenn der Ausflug nach Pijal zunächst wie ein vergleichsweise generischer Auftrag wirken mag, gelingen ihr doch einerseits die glaubhafte und lebendige Schilderung einer (mir) bislang unbekannten Welt, andererseits, mich neugierig auf den Fortgang der Ereignisse blicken zu lassen, denn natürlich sind die Fronten längst nicht so klar, wie man den Jedi zunächst glauben machen möchte. Darüber hinaus konzentriert sich Gray zwar zuvorderst auf das Duo aus Qui-Gon und Obi-Wan, liefert aber auch ansonsten hochinteressante Nebenfiguren und Charaktere, allen voran den Jedi Rael Averross, der nach einem tragischen Zwischenfall mit seiner einstigen Padawan als Lordregent von Pijal eingesetzt und dergestalt aufs Abstellgleis verfrachtet worden ist. Darüber hinaus gibt es noch zwei Schmuggler, die ebenfalls wichtiger Teil von Star Wars: Meister und Schüler sind, mit denen ich jedoch erst deutlich später richtig warm geworden bin.

Ansonsten ist die Reise nach Pijal aber natürlich schon dahingehend keine beliebige Expedition, dass Obi-Wan und qui-Gon an einer Art Scheideweg stehen, denn wir erleben hier Meister und Padawan, die trotz Jahre währender Ausbildung noch nicht den rechten Draht zueinander gefunden haben und so treibt es insbesondere Qui-Gon um, ob er den Jungen überhaupt seinen Talenten und Fähigkeiten entsprechend zu unterrichten imstande ist, weshalb ihm das Angebot, Mitglied des Jedi-Rats zu werden, vermeintlich gerade recht sein könnte. Diesbezüglich erfährt man einiges darüber, wie der Rat von Qui-Gons teils unkonventionellem Handeln denkt und natürlich vor allem auch, weshalb Jinn so sehr auf alte Prophezeiungen fokussiert zu sein scheint beziehungsweise hier seinen Glauben an ebenjene Visionen und Weissagungen neu entdeckt. So widmet sich Gray zahlreichen Themen und schafft es, diese so kunstvoll zu arrangieren, dass sie sich gegenseitig genügend Raum geben und trefflich ergänzen, was auch für die wirtschaftlich-politischen Verflechtungen auf Pijal gilt, die schnell ein trockenes Thema hätten werden können, hier aber immanenter – und spannender – Bestandteil der Story sind.

Qui-Gon glaubte, dass jede Situation individuell abgewogen werden musste; Obi-Wan wollte Regeln, denen er folgen konnte. Qui-Gon hielt große Stücke auf Flexibilität; Obi-Wan sah darin Schlampigkeit. Qui-Gon mochte im Lauf der Zeit gelernt haben, sich dem Rat besser unterzuordnen, aber seine Unabhängigkeit hatte er nie aufgegeben; Obi-Wan hingegen glaubte, dass man dem Rat immer und in jedem Detail folgen musste. Entsprechend empört war er, wann immer sein Meister in irgendeiner Form vom üblichen Protokoll abwich.

Darüber hinaus – wie mittlerweile bei den Romanen des "neuen" Kanon durchaus üblich – wartet Star Wars: Meister und Schüler auch mit einer Anzahl Rückblenden auf, die einerseits Qui-Gons Zeit als Schüler von Dooku skizzieren, andererseits dessen erste Begegnungen mit Rael Averross – der ebenfalls einst Dookus Schüler war – nachzeichnen. Diese fügen sich nicht nur erstaunlich stimmig und homogen in die laufende Erzählung ein, zumal überwiegend knapp gehalten, sondern man merkt auch, dass Claudia Gray hier einiges an Freiheiten genossen hat, denn nach meinem Kenntnisstand ist nur wenig über die jungen Jahre von Qui-Gon Jinn bekannt, geschweige denn, dass man sich mit Dutzenden anderen Storylines abstimmen müsste, um den Ansprüchen der Story-Group gerecht zu werden. So gelingt es Gray einmal mehr, eine durchweg überzeugende und erstaunlich abwechslungsreiche und vielschichtige Geschichte zu erzählen, die mit Qui-Gon Jinn eine bis dato doch vergleichsweise stiefmütterlich behandelte Figur in den Vordergrund rückt und selbst mir als Prequel-Trilogie-Skeptiker außerordentlich gut gefallen hat, auch wenn der Aufhänger für die Story zunächst wie eine handelsübliche Jedi-Mission anmuten mag.

Fazit & Wertung:

Claudia Gray untermauert mit Star Wars: Meister und Schüler ihren Status als stets zuverlässige und lesenswerte Autorin von Geschichten im "neuen" Kanon und widmet sich mit der Beziehung zwischen Qui-Gon Jinn und dem jungen Obi-Wan Kenobi einem der interessantesten Elemente des durchaus kritisch zu betrachtenden Prequel-Trilogie-Auftakts. Eine wendungsreiche Story und ein kurzweiliger Schreibstil tun hierbei ihr Übriges, um den Band bedenkenlos empfehlen zu können.

8 von 10 Querelen zwischen Jedi-Meister und seinem Padawan

Star Wars: Meister und Schüler

  • Querelen zwischen Jedi-Meister und seinem Padawan - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Claudia Gray untermauert mit Star Wars: Meister und Schüler ihren Status als stets zuverlässige und lesenswerte Autorin von Geschichten im "neuen" Kanon und widmet sich mit der Beziehung zwischen Qui-Gon Jinn und dem jungen Obi-Wan Kenobi einem der interessantesten Elemente des durchaus kritisch zu betrachtenden Prequel-Trilogie-Auftakts. Eine wendungsreiche Story und ein kurzweiliger Schreibstil tun hierbei ihr Übriges, um den Band bedenkenlos empfehlen zu können.

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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Meister und Schüler ist am 18.11.19 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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