Review: Unlocked (Film)

Heute gibt es dann – dank guter Vorarbeit – die Film-Kritik, welche eigentlich für letzte Woche Dienstag geplant gewesen ist, aber leider noch nicht veröffentlichungsreif war. Wie es aber auch sei, ist der Film ohnehin nicht so besonders lohnenswert, wie ich finde.

Unlocked

Unlocked, USA/UK/CZ/CH 2017, 98 Min.

Unlocked | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Michael Apted
Autor:
Peter O’Brien

Main-Cast:

Noomi Rapace (Alice Racine)
Orlando Bloom (Jack Alcott)
Toni Collette (Emily Knowles)
John Malkovich (Bob Hunter)
Michael Douglas (Eric Lasch)

Genre:
Action | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Unlocked | © Universum Film
© Universum Film

Nach einem verpatzten Einsatz und daraus resultierend einem nicht zu verhindernden Terroranschlag hat sich CIA-Agentin Alice aus dem aktiven Dienst zurückgezogen und agiert nun undercover als Sachbearbeiterin im Sozialwesen, was einem Platz auf der Ersatzbank gleichkommt. Als aber die Behörden Wind davon bekommen, dass ein islamistischer Hassprediger einen Kurier losgeschickt hat, um Instruktionen für einen biologischen Anschlag zu übermitteln, wird die Verhörspezialistin Alice gegen ihren Willen reaktiviert, um den aus dem Verkehr gezogenen Kurier zum Reden zu bringen. Noch während der Befragung allerdings erhält Alice einen Anruf, der die Situation in ein neues Licht rückt und ihr klarmacht, dass sie absolut niemandem vertrauen kann. Es beginnt nicht nur ein Spiel gegen die Zeit, sondern auch eine Flucht vor anscheinend korrumpierten CIA-Agenten, die bislang unklare Ziele verfolgen. Einzig Emily, ein früherer Kontakt vom MI5, scheint noch geeignet, ihr Vertrauen zu schenken, doch ob das an Unterstützung reicht, das Komplott aufzudecken, steht auf einem anderen Blatt…

Rezension:

Einmal mehr habe ich mich von einer – überaus überzeugenden – Besetzungs-Liste blenden lassen und jüngst einen Blick bei Unlocked riskiert, dessen Skript zudem auch mal auf der Blacklist der "most liked unmade scripts" gelandet ist, was ja durchaus vielversprechend schien, um einen generischen Thriller zu einer echten Erfahrung werden zu lassen. Leider aber merkt man dem fertigen Film kaum an, was ihn so einzigartig und spektakulär gemacht haben soll, denn auch wenn Regisseur Michael Apted ein durchaus wendungsreiches und oft überraschendes Katz-und-Maus-Spiel inszeniert, bleibt dessen innere Logik doch zunehmend auf der Strecke und über kurz oder lang wird man sich fragen müssen, ob ihm der rote Faden abhandengekommen ist. Das ist insofern besonders schade, da eben allein die in den Nebenrollen namhafte Besetzung einiges verspricht, aber kaum Gelegenheit erhält, die jeweiligen Figuren um Facetten und Nuancen zu bereichern, so dass es einzig John Malkovich (Mile 22) zuweilen gelingt, seinem Bob Hunter ein wenig Eigenständigkeit angedeihen zu lassen, was aber bei weitem nicht reicht, den Charakter längerfristig in Erinnerung zu behalten.

Szenenbild aus Unlocked | © Universum Film
© Universum Film

Einerseits möchte Unlocked ernst genommen werden und wirkt im Detail akribisch recherchiert und im besten sinne glaubwürdig, doch dieser Eindruck verflüchtigt sich nach nicht einmal einer halben Stunde, wenn nicht nur die Ereignisse sich zu überschlagen beginnen, sondern sich Apted auch zunehmend mit dem Skript von Peter O’Brien überwirft, dem es ab einem gewissen Punkt wohl auch mehr darum ging, Anlass für die nächste furiose Action-einlage zu liefern, als wirklich eine konsistente und glaubhafte Story zu erzählen. Um zunächst noch bei den Nebenrollen zu bleiben, wirken sowohl Toni Collette (Imperium) als auch Michael Douglas (The Kominsky Method) regelrecht verschenkt, während die Besetzung von Orlando Bloom (Carnival Row) gar ein großes Rätsel bleibt. So lässt sich zwar in der IMDb erfahren, dass Apted sich durch den – ungleich empfehlenswerteren – Zulu dazu hat inspirieren lassen, Bloom in seinem Film zu besetzen, doch wirklich etwas anzufangen weiß er mit dessen Präsenz und Talent dann auch nicht und so fällt die vermeintlich zweite Hauptrolle bedeutend kleiner und unspektakulärer aus, als man das vermuten würde.

Was den Film dann immerhin zu Teilen zu retten vermag, sind ein überaus gelungener Look und schneidig inszenierte Auseinandersetzungen, die sich in Art und Aufmachung die meiste Zeit wirklich sehen lassen können und in denen auch Hauptdarstellerin Naomi Rapace (What Happened to Monday?) deutliche physische Präsenz und Einsatzbereitschaft an den Tag legt. Und obwohl ich mittlerweile weiß, dass Rapace auch schauspielern kann, ist sie in Sachen Mimik nicht halb so überzeugend wie in Kämpfen und trägt gefühlt den gesamten Film ein und denselben Gesichtsausdruck vor sich her. Ist man bereit, darüber hinwegzusehen und gedenkt, sich dann lediglich von den überzeugenden Set-Pieces und Action-Choreos unterhalten zu lassen, erfährt man allerdings spätestens im letzten Drittel erneute Ernüchterung, wenn ein von vornherein abzusehender Twist den schlussendlichen Strippenzieher enttarnt und in ein vergleichsweise enttäuschendes, von fadenscheinigen Beweggründen befeuertes Finale überführt, das Unlocked dann schließlich den Todesstoß versetzt, um in gänzlicher Mittelmäßigkeit zu versinken, denn weder überrascht, was da passiert, noch reißt es mit, wie es passiert.

Szenenbild aus Unlocked | © Universum Film
© Universum Film

Dabei lässt der Film an allen möglichen Stellen erkennen, was man kurzweiliges und überzeugendes aus ihm hätte machen können, doch mit der oben erwähnten akribischen Recherche scheint es das eben spätestens nach einem guten Drittel auch gewesen zu sein und sowohl Apted als auch O’Brien verlassen sich ab diesem Punkt nur noch auf möglichst viele Wendungen und adrenalingeschwängerte Action-Sequenzen, ohne dem eigentlichen Unterbau der Geschichte noch großartige Bedeutung beizumessen. Während also Wendung auf Wendung, Offenbarung auf Offenbarung folgt, offenbart Unlocked dabei zusehends auch die erzählerischen Unzulänglichkeiten und flüchtet sich in ein arg generisches Handlungskonstrukt, das nicht mehr viel mit dem vielversprechenden Beginn gemein hat und in ein plakatives, teils regelrecht zynisches, aber vor allem oberflächliches Finale mündet, das der Film beim besten Willen nicht verdient hat. Da helfen dann auch die großen Namen nicht mehr, um Apteds Agenten- und Verschwörungs-Reigen irgendwie erinnerns- oder empfehlenswert zu machen.

Fazit & Wertung:

Michael Apted präsentiert mit Unlocked einen zunächst durchaus vielversprechenden Thriller und weiß vor allem in den actionreicheren Szenen mit gekonnter Inszenierung zu punkten. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sowohl Figuren als auch Handlung zunehmend generisch und austauschbar, vor allem aber wenig überraschend geraten sind, obwohl sich der Film merklich mit seinen vielen Wendungen zu brüsten versucht. Leider zunehmend mäßig spannend und zum Ende hin regelrecht ärgerlich.

5 von 10 vermeintlichen Verbündeten

Unlocked

  • Vermeintliche Verbündete - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Michael Apted präsentiert mit Unlocked einen zunächst durchaus vielversprechenden Thriller und weiß vor allem in den actionreicheren Szenen mit gekonnter Inszenierung zu punkten. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sowohl Figuren als auch Handlung zunehmend generisch und austauschbar, vor allem aber wenig überraschend geraten sind, obwohl sich der Film merklich mit seinen vielen Wendungen zu brüsten versucht. Leider zunehmend mäßig spannend und zum Ende hin regelrecht ärgerlich.

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Unlocked ist am 20.10.17 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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vgw

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