Review: You – Du wirst mich lieben | Staffel 2 (Serie)

Heute widme ich mich dann mal der jüngst erschienenen zweiten Staffel um den New-Yorker-Stalker, den es nunmehr allerdings nach Los Angeles verschlagen hat.

You
Du wirst mich lieben
Staffel 2

You, USA 2018-, ca. 45 Min. je Folge

You - Du wirst mich lieben Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Greg Berlanti
Sera Gamble
Ausführende Produzenten:
Sera Gamble
Sarah Schechter
Greg Berlanti
Leslie Morgenstein
Gina Girolamo

Main-Cast:
Penn Badgley (Joe Goldberg)
Victoria Pedretti (Love Quinn)
Jenna Ortega (Ellie)
James Scully (Forty Quinn)
Ambyr Childers (Candace Stone)
Special Guests:
Elizabeth Lail (Guinevere Beck)
John Stamos (Dr. Nicky)

in weiteren Rollen:

Carmela Zumbado (Delilah Alves)
Robin Lord Taylor (Will)
Chris D’Elia (Henderson)
Charlie Barnett (Gabe)
Marielle Scott (Lucy)
Melanie Field (Sunrise)
Saffron Burrows (Dottie Quinn)
Adwin Brown (Calvin)
Danny Vasquez (David Fincher)
Magda Apanowicz (Sandy)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus You - Du wirst mich lieben Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Nachdem Joes und Becks Beziehung zu einem tragischen wie endgültigen Ende gekommen ist, konnte er sich dennoch erfolgreich aus der Situation herauslavieren, nur um dann erstaunt festzustellen, dass seine totgeglaubte Ex-Freundin Candace noch immer unter den Lebenden weilt und ebenfalls Unerledigtes abzuschließen gedenkt. Prompt tritt Joe die Flucht nach vorn an und verschwindet aus New York, um sich in Los Angeles ein neues Leben aufzubauen und alles besser zu machen. Zwar braucht er hierfür eine neue Identität und fällt dementsprechend schnell in alte Gewohnheiten zurück, um sich fortan Will Bettelheim nennen zu können, doch bleibt es nicht dabei, denn auch in Liebesdingen erspäht Joe/Will alsbald ein neues Objekt der Begierde. Passenderweise trägt die den Namen Love und wenn das nicht Schicksal ist, was sonst? Dummerweise gibt es da nicht nur Probleme mit dem echten Will Bettelheim, die es noch aus der Welt zu schaffen gilt, sondern auch die rachsüchtige Candace kommt alsbald dahinter, wo Joe sich zu verstecken versucht…

Rezension:

Ursprünglich glaubte ich ja nicht unbedingt an eine Fortsetzung von You – Du wirst mich lieben und konnte mir auch nicht vorstellen, dass eine weitere Staffel mit dieser Rezeption noch einmal so funktionieren könnte, zumal die Story der Serie auf dem gleichnamigen Roman von Caroline Kepnes fußte. Einerseits sollte ich sogar Recht behalten, denn der ursprüngliche Sender Lifetime ließ das Projekt nach ersten Staffel fallen, doch erbarmte sich andererseits Netflix der Zuschauerschaft und lieferte nun Ende des vergangenen Jahres eine erneut zehnteilige zweite Staffel, die wiederum auf dem Nachfolge-Roman Hidden Bodies beruht, von dessen Existenz ich bis dato nichts wusste. Nichtsdestotrotz würde ich mal mutmaßen, dass man sich nur lose von der Vorlage hat inspirieren lassen, denn man nutzt den Umzug in die Stadt der Engel schon für eine gehörige Portion von L.A.-Wahnsinn. So ist natürlich jeder, der etwas auf sich hält, in den Sozialen Medien vertreten und omnipräsent, zelebriert und inszeniert den eigenen Lifestyle, versucht sich an Sellerie-Saft-Diäten oder daran, die eigenen Chakren zu aktivieren, betrachtet – sehr zum Leidwesen von Joe – Bücher lediglich als charmantes Accessoire und ist allgemein einer leicht zu vermittelnden Oberflächlichkeit verfallen. Dergestalt ist der satirische Aspekt der Show in dieser Staffel meinem Gefühl nach spürbar ausgeprägter, womit die Serie aber auch noch einmal weit abgehobener wirkt als noch in ihrem ersten Jahr.

Szenenbild aus You - Du wirst mich lieben Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Viel mehr aber krankt You – Du wirst mich lieben daran, dass sich insbesondere die erste Hälfte der Staffel eher wie eine Variation und Wiederholung anfühlt, denn auch wenn Joe sich jetzt Will nennt und nicht mehr in New York, sondern stattdessen Los Angeles residiert, ist die Geschichte von Junge-trifft-Mädchen-ist-nur-dummerweise-ein-manischer-Stalker eben mittlerweile bekannt und es dauert, bis die Autoren offenbaren, dass sie noch weitaus mehr im Sinn haben, als die Geschichte unter geänderten Vorzeichen neu zu erzählen. Bis dahin dümpelt die Staffel dem Gefühl nach leider ein wenig vor sich hin, auch wenn Joes neue Identität als Will Bettelheim ihm prompt in der zweiten Episode Nur die Spitze (2.02) unerwartet gravierende Probleme bereitet und damit kurzzeitig aus dem gefälligen Trott zu reißen vermag. Insbesondere zu Beginn ist es also vorrangig dem erneut fabulös aufspielenden Penn Badgley (Einfach zu haben) zu verdanken, dem es trotz des drastischen Staffelfinales zuvor noch gelingt, so etwas wie absurd und krank erscheinende Sympathie für seine Figur entstehen zu lassen, die sich auch hier wieder ausgiebig mittels Off-Kommentar mit dem Zuschauer verständigt und einige herrlich beißende Alltagsbeobachtungen zum Besten gibt. Die Kluft zwischen innerer Abscheu und äußerer Nonchalance ist es dann auch, die zu den gelungensten Elementen dieser sich zwar selbst wiederholenden, für sich genommen aber immer noch unverbraucht wirkenden Serienproduktion zählt.

Wiederum zunächst ernüchternd ist die Auflösung des Cliffhangers, dass Joes vorherige Freundin Candace – nur vermeintlich tot – am Ende bei ihm auf der Matte steht, denn nach mehrmonatigem Zeitsprung und dem erwähnten Umzug nach Los Angeles bekommt man zunächst nur in einer Handvoll Rückblenden erzählt, was sich anschließend zugetragen hat, bevor Candace (Ambyr Childers, Ray Donovan) zunächst ad acta gelegt wird (was aber freilich nicht so bleibt). Nichtsdestotrotz hätte man aus diesem Part weitaus mehr machen können, auch wenn ich schlussendlich nicht unglücklich bin über den Fokus, den die zweite Staffel You stattdessen setzt. Wo wir aber gerade schon beim Thema Rückblenden sind, werden diese zudem genutzt, um die ach so tragische Kindheit von Joe hier tiefergehend auszuwalzen, was es nun wirklich nicht gebraucht hätte, zumal sein ganzes Wesen und Verhalten hier auf simple Erkenntnisse aus den Sphären der Küchentischpsychologie heruntergebrochen werden. Und das schadet der Figur mehr, als dass es nützt, zumal diese in besagten Szenen vorherrschende Ernsthaftigkeit und Tragik in krassem dramaturgischem Gegensatz zu der sonst überspitzt-satirischen Erzählweise steht.

Szenenbild aus You - Du wirst mich lieben Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Und die immerhin weiß durchweg zu gefallen, zumal sich die Serie in ihrem breit angelegten Finale zu neuen Höhen aufschwingt, die zwar konstruiert und gewollt wendungsreich wirken mögen, inszenatorisch aber auch gehörigen Spaß machen, zumal ich manche der finalen Wendungen und Offenbarungen tatsächlich überhaupt nicht habe kommen sehen. Darüber hinaus macht You keinen Hehl aus seinen Vorlagen und der damit einhergehenden Inspiration, so dass innerhalb der Serie selbst durch die handelnden Figuren beispielsweise sowohl Der talentierte Mr. Ripley als auch Dexter referenziert werden. Dennoch macht die nunmehr als Netflix-Produktion firmierende Serie aber auch deutlich, mehr als ein simpler Abklatsch des kultigen Serienkillers Dexter zu sein, auch wenn manche Parallelen offenkundig sein mögen. Vor allem aber bewahrt sich die Serie trotz leichter Startschwierigkeiten ihren im besten Sinne unangenehmen und düsteren Grundton, während Joe/Will sich wieder in allerlei Übergriffigkeiten ergeht, wobei er tatsächlich in Relation zu dem überspitzt inszenierten L.A.-Volk nicht mehr annähernd so "schlimm" erscheint und im weiteren Verlauf gar die Fähigkeit zur Selbstreflexion offenbart. Umso wichtiger, dass man genau weiß, auf welch abgründiges Serien-Vergnügen man sich einlässt. Denn das auch vermeintlich hehre Ziele letztlich nur Augenwischerei sind, um die vorherrschend verzerrte Wahrnehmung zu befeuern und Joe als Sympathieträger inszenieren zu können, kann man dank seines einnehmenden Wesens schnell mal aus den Augen verlieren. Lob gebührt aber zuletzt noch der abschließenden Einstellung, die tatsächlich ebenso gut als Ende der Geschichte aber auch nur der Staffel fungieren kann, wobei ich mittlerweile hoffe, dass die Aufrufzahlen Netflix dazu bewegen werden, auch einer dritten und womöglich vierten Staffel grünes Licht zu geben, zumal Autorin Caroline Kepnes derzeit wohl selbst an zwei Folgebänden zur You-Serie schreibt, die weiterhin als (lose) Vorlage dienen könnten.

Fazit & Wertung:

Nach anfänglich behäbigem Start vermag die zweite Staffel You – Du wirst mich lieben zunehmend mit neuen, unverbrauchten Figuren und deren Abgründen zu punkten, während die Story ab der zweiten Hälfte dann auch wieder deutlichere, gewollt konstruierte und satirisch-überspitzte Kapriolen zu schlagen beginnt, die auch diesen Ausflug in den Kopf des unzweifelhaft gestörten Joe Goldberg zu einem abgründigen wie unterhaltsamen Erlebnis machen.

8 von 10 Stalking-Methoden

You – Du wirst mich lieben | Staffel 2

  • Stalking-Methoden - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Nach anfänglich behäbigem Start vermag die zweite Staffel You – Du wirst mich lieben zunehmend mit neuen, unverbrauchten Figuren und deren Abgründen zu punkten, während die Story ab der zweiten Hälfte dann auch wieder deutlichere, gewollt konstruierte und satirisch-überspitzte Kapriolen zu schlagen beginnt, die auch diesen Ausflug in den Kopf des unzweifelhaft gestörten Joe Goldberg zu einem abgründigen wie unterhaltsamen Erlebnis machen.

8.0/10
Leser-Wertung 5.4/10 (25 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 2

01. Ein Neuanfang (7/10)
02. Nur die Spitze (7,5/10)
03. Wofür gibt es Freunde? (7/10)
04. Hendersons dunkle Seite (7/10)
05. Schönes Wochenende, Joe! (7,5/10)
06. Lebewohl, meine Bunny (7,5/10)
07. Ex-istenzielle Krise (8/10)
08. Angst und Schrecken in Beverly Hills (8,5/10)
09. Privatdetektiv Joe (9/10)
10. Tatsächlich … Liebe (8,5/10)

 
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You – Du wirst mich lieben | Staffel 2 ist seit dem 26.12.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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