Review: Jason Bourne (Film)

Weiter geht es im Takt mit der ersten von drei Film-Kritiken für diese Woche, wobei ich mal wieder für Nachschub sorgen muss, denn die Zeit und Ruhe zu finden, einerseits einen Film zu sehen, andererseits darüber zu schreiben, ist doch schwieriger als man meinen würde in Anbetracht der quasi weggebrochenen Outdoor-Aktivitäten.

Jason Bourne

Jason Bourne, USA/CN 2016, 123 Min.

Jason Bourne | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Paul Greengrass
Autoren:
Paul Greengrass
Christopher Rouse

Main-Cast:

Matt Damon (Jason Bourne)
Tommy Lee Jones (CIA Director Robert Dewey)
Alicia Vikander (Heather Lee)
Vincent Cassel (Asset)
Julia Stiles (Nicky Parsons)
Riz Ahmed (Aaron Kalloor)

Genre:
Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Jason Bourne | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Der ehemalige CIA-Attentäter Jason Bourne lebt nun schon mehrere Jahre im Exil und hat noch immer nicht zur Ruhe gefunden. Seine frühere Kollegin Nicky Parsons hackt sich derweil in das System der CIA und entwendet Daten höchster Brisanz, wodurch sie auch den untergetauchten Bourne wieder ins Visier der Behörde geraten lässt, denn die Daten betreffen einerseits seine Vorgeschichte, andererseits bittet Parsons ihn um ein Treffen. Die ambitionierte wie clevere CIA-Beamte Heather Lee hat derweil geistesgegenwärtig die Daten mit Schadsoftware versehen, um sie bei Sichtung oder Verwendung orten zu können, während ihr Vorgesetzter Robert Dewey prompt den Auftragskiller "Asset" auf Parsons und somit Bourne ansetzt, als die in Athen ein Treffen anberaumen. Zum Glück ist Jason aber längst nicht so eingerostet, wie man nach all den Jahren meinen würde und so gelingt es ihm, selbst Asset ein Schnippchen zu schlagen und nach Berlin zu flüchten, um die Daten in Augenschein zu nehmen, nicht ahnend, dass er damit Heather Lee auf seine Fährte führt…

Rezension:

Ursprünglich hatte ich mal angedacht gehabt, zunächst der eigentlichen Bourne-Trilogie einen erneuten Besuch abzustatten und mich dann erst an Jason Bourne zu wagen, weshalb der Film überdurchschnittlich lange unbeachtet hier herumgelegen hat, doch letztlich siegte die Neugierde, zumal die Filme zwar thematisch miteinander verknüpft sind, abgesehen von Damon und Stiles ja aber auch niemand aus den "alten Filmen" zurückgekehrt ist, was doch sehr dafür spricht, dass man den Film auch verstehen dürfte, wenn man nicht mehr minutiös jedes Ereignis parat hat – zumal man das ja auch schlichtweg erwarten dürfte. Dem ist tatsächlich auch weitestgehend so, auch wenn man natürlich zumindest grob im Bilde sein sollte, um wen es sich bei Bourne handelt, aber das dürfte selbst bei jenen der Fall sein, welche die früheren Filme womöglich gar nicht gesehen haben. Und eigentlich könnte der erneut von Paul Greengrass inszenierte Film ein vielversprechendes Revival für das Franchise einläuten, wobei wir nun – immerhin rund vier Jahre weiter – sehen, dass wir nichts sehen, was auch verständlich ist, denn was interessant und lohnend startet, wartet doch mit einer ausgemacht dünnen, notdürftig zusammengestrickten Handlung auf und das kann dann auch die Action nicht mehr vollumfänglich retten.

Szenenbild aus Jason Bourne | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Überhaupt tut der knapp zweistündige Reißer so, als würde er ein Epos sondergleichen eröffnen, wenn in den ersten zwanzig Minuten nichts anderes geschieht, als dass wir von Schauplatz zu Schauplatz quer über den Erdball hoppen, um die verschiedenen Story-Ansätze und Figuren präsentiert zu bekommen und die titelgebende Hauptfigur überhaupt zum ersten Mal aktiv in Erscheinung treten darf. Wenn dem dann aber so ist, wird man schnell gewahr, dass nicht wirklich viel Story hinter dem ganzen Brimborium steckt. Entsprechend wirkt es ein wenig so, als würde Parsons‘ Infiltration des CIA-Netzwerks eine Art Schalter im Kopf der Beteiligten umlegen, die sich daran erinnern, dass da ja noch dieser abtrünnige Bourne gewesen ist, dem man nun seit fast zehn Jahren keine Beachtung mehr geschenkt hat. Natürlich nutzt Greengrass die Gunst der Stunde auch, um das Franchise zu modernisieren, übertreibt es damit aber fast ein wenig, denn in dieser neuen Welt ist nun gefühlt jeder ein begnadeter Hacker und ungemein versiert, was Digitales angeht, während auch ein Social-Media-Entrepreneur (Riz Ahmed, Venom) eine tragende Rolle spielen darf.

Da wirkt leider vieles doch sehr gewollt und dadurch hölzern, wobei es dem begleitenden Ensemble – abgesehen von einer doch recht verschenkten Julia Stiles (Dexter) als Nicky Parsons – da noch beinahe gut ergeht, denn auch wenn niemals ein Hehl daraus gemacht wird, dass es sich bei den Charakteren doch weitestgehend um Plot-Devices und Stereotypen handelt, funktionieren die Figuren vielleicht gerade deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus. Da wäre eine ungewohnt emotionslos und energisch dreinblickende Alicia Vikander (Tomb Raider) als CIA-Beschäftigte Heather Lee, die so etwas wie die kommende Generation der Agency verkörpert, während Tommy Lee Jones (Das Jerico-Projekt) gewohnt souverän den verstockten "alten weißen Mann" gibt, dessen Meinung und Handeln nach eigener Betrachtung schier unfehlbar sind, derweil es Vincent Cassel (Trance) obliegt, den eiskalt-abgeklärten Auftragskiller Asset zu geben, der sich als zunehmend würdiger Gegner für Bourne entpuppt. Ansonsten ist es schön, Matt Damon (Der Marsianer) wieder in seiner Paraderolle zu sehen und er gibt den stoischen, wortkargen Eigenbrötler auch nach all der Zeit mit entwaffnender Coolness, auch wenn das eben allein nicht reicht, um Jason Bourne zu einem wirklich guten Film zu machen.

Szenenbild aus Jason Bourne | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Neben der beinahe erzwungenen Modernisierung und Digitalisierung wirkt derweil auch der Look des Films zuweilen wie aus der Zeit gefallen und der Wacklige-Handkamera-Stil tut dem Gezeigten nicht immer gut, denn Übersicht sucht man hier vergebens, während man zumindest nah dran ist am Geschehen. Die magere Dramaturgie bessert sich im Übrigen nicht, dafür vermag der Film mit fortschreitender Laufzeit einige gelungene Action-Passagen für sich zu verbuchen, die das Ganze dann doch recht unterhaltsam machen, auch wenn Jason Bourne in der Summe wirklich leidlich innovativ geraten ist und – ließe man das bekannte Franchise und den Kultstatus der Figur außen vor – kaum Alleinstellungsmerkmale besitzt, die ihn von anderen, ähnlich gearteten Produktionen abheben würden. So bietet Greengrass‘ Film vorrangig von allem mehr und verrührt bekannte Zutaten in einer zumindest handwerklich überzeugenden Chose, die aber deutlich inspirierter und cleverer hätte sein dürfen, zumal das Katz-und-Maus-Spiel zwischen CIA und Bourne zumindest immer mal wieder erahnen lässt, was man nicht noch alles aus der Produktion hätte machen können, würde man sich nicht auf altbekannte Versatzstücke verlassen und darauf, dass die Action es schon richten würde.

Fazit & Wertung:

Gleichwohl sich für Jason Bourne sowohl Matt Damon als auch Paul Greengrass wieder zusammengetan haben, wirkt dieser nachgeschobene Franchise-Vertreter die meiste Zeit doch leider eher uninspiriert und reiht im Kontext einer mehr als dünnen Storyline pflichtschuldig Verfolgungsjagden und Action-Einlagen aneinander, ohne sich um eine überzeugende, geschweige denn mitreißende Dramaturgie zu scheren. Immerhin inszenatorisch macht der ansonsten eher mäßige Nachklapp eine solide Figur.

6,5 von 10 adrenalingeschwängerten Verfolgungsjagden

Jason Bourne

  • Adrenalingeschwängerte Verfolgungsjagden - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Gleichwohl sich für Jason Bourne sowohl Matt Damon als auch Paul Greengrass wieder zusammengetan haben, wirkt dieser nachgeschobene Franchise-Vertreter die meiste Zeit doch leider eher uninspiriert und reiht im Kontext einer mehr als dünnen Storyline pflichtschuldig Verfolgungsjagden und Action-Einlagen aneinander, ohne sich um eine überzeugende, geschweige denn mitreißende Dramaturgie zu scheren. Immerhin inszenatorisch macht der ansonsten eher mäßige Nachklapp eine solide Figur.

6.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Jason Bourne ist am 09.12.16 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 15. April 2020

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