Review: Frankenweenie (Film)

Heute habe ich mir dann mal – passend zum Oktober – einen quasi modernen Klassiker vorgenommen, den ich schon einige Jahre lang endlich mal sehen wollte.

Frankenweenie

Frankenweenie, USA 2012, 87 Min.

Frankenweenie | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Tim Burton
Autor:
John August

Main-Cast:

Catherine O’Hara (Mrs. Frankenstein / Weird Girl / Gym Teacher [Stimme])
Martin Short (Mr. Frankenstein / Mr. Burgemeister / Nassor [Stimme])
Martin Landau (Mr. Rzykruski [Stimme])
Charlie Tahan (Victor Frankenstein [Stimme])
Atticus Shaffer (Edgar ‚E‘ Gore [Stimme])
Winona Ryder (Elsa Van Helsing [Stimme])

Genre:
Animation | Komödie | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Frankenweenie | © Walt Disney
© Walt Disney

Zusammen mit seinen Eltern und seinem über alles geliebten Hund Sparky lebt der zehnjährige Victor Frankenstein in dem gleichermaßen verschlafenen wie verschrobenen Örtchen New Holland und führt ein beschauliches, behütetes Leben. Dann allerdings geschieht bei einem Baseballspiel das Undenkbare, denn als Victor seinen ersten Home Run schlägt, hechtet Sparky dem Ball hinterher und geradewegs auf die Straße, wo er von einem Auto erfasst wird. Der Junge ist am Boden zerstört und weiß nicht, wohin mit seiner Trauer, doch sein neuer – von vielen skeptisch beäugter – Lehrer Mr. Rzykruski bringt ihn auf eine Idee. Der technisch versierte und findige Victor entwickelt eine Apparatur, um Sparky wieder zum Leben zu erwecken und tatsächlich glückt das aberwitzige Experiment. Doch fortan muss er seinen Hund versteckt halten und könnte wohl kaum erklären, weshalb dieser urplötzlich wieder unter den Lebenden weilt. Dann aber kommt ein Klassenkamerad hinter Victors Geheimnis und schnell macht dieses die Runde, zumal Victors Mitschüler fürchten, er versuche, sie bei dem anstehenden Wissenschaftswettbewerb zu übertrumpfen, was die natürlich nicht zulassen wollen…

Rezension:

Wenn es schon in diesem Jahr nicht für eine ganze Horrorctober-Filmreihe reichen mag, kann ich das Ganze ja zumindest als Anlass nehmen, einen der letzten, mir bis dato noch nicht bekannten Tim-Burton-Filme nachzuholen und mich dem 2012 erschienenen Frankenweenie zu widmen, wobei die Idee zu dem Streifen wie auch der vorangegangene Kurzfilm noch mehrere Dekaden in die Vergangenheit reichen. Damals – und noch vor seinem weltweiten Erfolg – war Burton wohl mit seinen skurrilen Visionen und Erzählungen seiner Zeit voraus, doch umso schöner ist, dass er diesen Stop-Motion-Animationsfilm letztlich doch noch realisieren konnte und durfte, denn vor allem anderen merkt man ihm an, dass reichlich Herzblut in der Geschichte steckt, was ihn von vornherein lohnender und liebenswerter erscheinen lässt als zum Beispiel die vergleichsweise eher generischen Werke wie etwa Dark Shadows. So fühlt man sich hier stattdessen unmittelbar an den Look und das Feeling von Corpse Bride oder Nightmare Before Christmas erinnert, wobei ich ohnehin die These spannend finde, dass sich genannte filme wie nun eben auch Frankenweenie in einer Art "Shared Universe" abspielen, was so weit hergeholt nicht wirkt.

Szenenbild aus Frankenweenie | © Walt Disney
© Walt Disney

Trotzdem kann man natürlich dieses mit unter neunzig Minuten Laufzeit noch immer sehr kompakte Werk auch ohne Kenntnis der anderen Burton-Werke genießen, wobei sich hier eine Vielzahl an reizvollen Einstellungen daraus ergibt, dass der Regisseur auf liebevollste Art den klassischen Horrorfilmen huldigt, so dass die Pate stehende, aber natürlich reichlich abgewandelte Story von Frankenstein nur die Spitze des Eisberges und natürlich den erzählerischen Rahmen bildet. Dabei ist Frankenweenie aber natürlich weit weniger wirklicher Horrorfilm als berührendes Drama, auch wenn die morbide Atmosphäre die Jüngsten unter den Zuschauern sicherlich verschrecken könnte. Dennoch bleibt das Ganze natürlich familientauglich, auch wenn das Kernthema der Geschichte – der schmerzvolle Verlust des eigenen Haustiers – in keiner Weise beschönigt wird, mit dem feinen Unterschied allerdings, dass einen hier dank Sparkys Wiederbelebung ein Happy End erwartet.

So punktet Frankenweenie vor allem anderen mit reichlich Herz und Gefühl, ist aber natürlich auch vollgepackt mit großartig-absonderlichen Ideen, spleenigen bis exzentrischen Figuren und natürlich reichlich (trockenen) Humor, der die anderthalbstündige Erzählung merklich veredelt. Ein wenig merkt man dem Spielfilm zwar seine Herkunft als Kurzfilm an und wahrscheinlich hätte man die Geschichte noch knapper fassen können, ohne Substanzielles zu vernachlässigen, doch ist die Art der Darbietung genau richtig. Zugegebenermaßen hätte das Geschehen aber auch gern noch ausgebaut werden können, denn allein die Ortschaft New Holland mit all ihren merkwürdigen Charakteren hätte man noch ausgiebiger erkunden können, was schon mit der von Winona Ryder (Destination Wedding) gesprochenen Figur der Elsa Van Helsing beginnt, deren Name allein ja schon eine Art Versprechen darstellt. Ansonsten gefällt natürlich auch der liebevolle Schwarz-Weiß-Look und die ungemein charmante Art der Inszenierung, die allein den Film schon als Vertreter des Burton‘schen Œuvre ausweist.

Szenenbild aus Frankenweenie | © Walt Disney
© Walt Disney

So finden sich Mängel eher im Detail, was damit beginnt, dass die ganze Geschichte um Sparkys Ableben und Wiederbelebung natürlich aus der Natur der Sache heraus reichlich vorhersehbar ist und teils bis ins Detail den üblichen Gesetzmäßigkeiten folgt, wobei man die klassische Form der Wiederbelebung bei tosendem Gewitter – wir sind ja schließlich auf Blitze angewiesen – auch schon wieder als liebevolle Reminiszenz verstehen kann. Dennoch gefällt die zweite Hälfte von Frankenweenie merklich besser, wenn Burton die kreativen Muskeln spielen lässt und inszenatorisch über die Stränge zu schlagen beginnt, wenn Victors Schulkameraden dem missverstandenen Wissenschaftler nachzueifern beginnen und Kreaturen mit wechselndem Erfolg ins Leben rufen, die New Holland ins Verderben zu stürzen drohen. Dennoch ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau und allein die Botschaft des Films ist so ungemein schön wie universell, denn selbstredend fühlt auch Victor sich von seinen Eltern nicht verstanden und lehnt sich – wie sein großes Vorbild – gegen die Naturgesetze auf, die ihm schlichtweg grausam erscheinen. Schön daher, dass sich Tim Burton bis zuletzt seiner Linie treu bleibt und so auch eine gelungene Variation des Showdowns an der alten Mühle liefert, der zwar ganz in der Tradition der ursprünglichen Geschichte steht, aber eben doch merklich anders vonstattengeht.

Fazit & Wertung:

Mit Frankenweenie liefert Tim Burton eine Art Herzensprojekt ab, dem man die Hingabe und Detailverliebtheit in jedem Moment ansieht und das fernab des morbiden und skurrilen Looks mit reichlich Herz und Gefühl, vor allem aber überraschend viel trockenem Witz aufwartet. Ein großes Vergnügen, das mit seiner Stop-Motion-Inszenierung einer viel zu selten genutzten Kunstform huldigt.

8 von 10 wieder zum Leben erweckten Haustieren

Frankenweenie

  • Wieder zum Leben erweckte Haustiere - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Frankenweenie liefert Tim Burton eine Art Herzensprojekt ab, dem man die Hingabe und Detailverliebtheit in jedem Moment ansieht und das fernab des morbiden und skurrilen Looks mit reichlich Herz und Gefühl, vor allem aber überraschend viel trockenem Witz aufwartet. Ein großes Vergnügen, das mit seiner Stop-Motion-Inszenierung einer viel zu selten genutzten Kunstform huldigt.

8.0/10
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Frankenweenie ist am 29.05.13 auf DVD und Blu-ray bei Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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