Review: Into the Woods (Film)

Heute hätte ich dann mal wieder ein Musical im Gepäck, das ich mir, hätte ich geahnt, wie großartig ich es finden würde, sicher schon viel früher angesehen hätte.

Into the Woods

Into the Woods, USA 2014, 125 Min.

Into the Woods | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Rob Marshall
Autoren:
James Lapine (Drehbuch & Musical)

Main-Cast:
Meryl Streep (Witch)
Emily Blunt (Baker’s Wife)
James Corden (Baker / Narrator)
Anna Kendrick (Cinderella)
Chris Pine (Cinderella’s Prince)
Tracey Ullman (Jack’s Mother)
Christine Baranski (Stepmother)
Johnny Depp (Wolf)
in weiteren Rollen:
Daniel Huttlestone (Jack)
Lilla Crawford (Little Red Riding Hood)
Billy Magnussen (Rapunzel’s Prince)
Mackenzie Mauzy (Rapunzel)
Tammy Blanchard (Florinda)
Lucy Punch (Lucinda)
Simon Russell Beale (Baker’s Father)

Genre:
Fantasy | Musical | Abenteuer | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Into the Woods | © Walt Disney
© Walt Disney

In einem Dörfchen nahe eines weitläufigen Waldes lebten einst ein Bäcker und seine Frau, die sich nichts sehnlicher wünschten, als ein Kind ihr Eigen zu nennen, doch eine Hexe offenbart ihnen, den Vater des Bäckers – und mit ihm seinen Sohn – einst verflucht zu haben, weshalb sie bis zur dritten Mitternacht gleich vier sehr spezifische Gegenstände zur Hexe bringen müssten, auf dass diese den Fluch aufheben könne: eine Kuh, weiß wie Milch, Haar, so gelb wie Mais und natürlich ein rotes Cape und einen goldenen Schuh. Unterdessen macht sich Rotkäppchen auf, ihre Großmutter im Wald zu besuchen, während Hans seine über alles geliebte Kuh auf dem Markt für wenigstens fünf Taler veräußern soll und Cinderella sich nichts sehnlicher wünscht, als den prunkvollen Ball des Prinzen im königlichen Schloss besuchen zu können. Der Bruder dieses besagten Prinzen derweil hat ein Auge auf die holde Maid im Turm geworfen, die da auf den Namen Rapunzel hört…

Rezension:

Lange Jahre habe ich mich aufgrund doch eher mittelmäßiger Kritiken gesträubt, Into the Woods eine Chance zu geben und muss nun – wieder einmal dank Disney+ – meine vorgefertigte Meinung revidieren. Denn tatsächlich hat mich dieses Film gewordene Musical schwer begeistern können, insbesondere dank dramaturgischer Brechung und einer liebevollen Verballhornung altbekannter Märchenklischees, die in einem Aufbrechen gängiger Strukturen gipfelt. Dabei hat mich Regisseur Rob Marshall ja jüngst erst mit dem vier Jahre später entstandenen Mary Poppinsʼ Rückkehr doch ziemlich enttäuscht. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass meine Entscheidung für den Film aufgrund der großartigen Besetzung fiel und ich gar nicht auf dem Schirm hatte, von wem der eigentlich inszeniert worden ist. Außerdem liegt hier natürlich ein höchst erfolgreiches Musical zugrunde und für selbiges sowie auch die Drehbuchfassung zeichnet James Lapine verantwortlich, so dass man durchaus attestieren kann, dass er mit seinem eigenen Soff vertraut ist.

Szenenbild aus Into the Woods | © Walt Disney
© Walt Disney

Und tatsächlich funktioniert das Musical in meinen Augen – ohne natürlich direkte Vergleiche ziehen zu können – auch als Film wahrlich superb und allein das eröffnende, treibende, selbst im weiteren Verlauf stets omnipräsente Into the Woods als erzählerischer du thematischer Leitfaden ließ mich schon schwer begeistert am Bildschirm kleben, wenn hier in munterer Manier ein Großteil der Hauptfiguren nebst passendem Märchenpart vorgestellt werden. Dieses Mash-up bekannter Geschichten mag natürlich schon allein nicht jedermanns Fall sein, zumal sie doch allesamt merklich "amerikanisiert" daherkommen und sich im Kontext des Films so einige Freiheiten nehmen, doch funktioniert die Prämisse tadellos. Zusammengehalten wird das Ganze vom Schicksal des Bäcker-Ehepaars, die sich ein Kind wünschen, dummerweise aber verflucht worden sind von der Hexe, die praktischerweise direkt gegenüber wohnt und sich durchaus willig zeigt, den Fluch nach alle den Jahren – eigentlich traf der den Vater des Bäckers – wieder aufzuheben. Dafür bedarf es allerdings einiger kurioser Gegenstände, womit der von James Corden (Can A Song Save Your Life?) verkörperte Bäcker und seine Frau (Emily Blunt, The Huntsman & the Ice Queen) auch prompt in eine Reihe Abenteuer stolpern.

Dabei wusste mich vom ersten Moment an der märchenhaft-verspielte Look des Films, das Flair und natürlich der Gesang zu begeistern, wobei sich hier einige ungeahnte Talente offenbaren. Im Fall von Anna Kendrick (Nur ein kleiner Gefallen) beispielsweise, die hier als Cinderella in Erscheinung tritt, wusste ich natürlich längst von ihrem Gesangstalent, wohingegen mir das bei Chris Pine (Outlaw King) oder Billy Magnussen (Maniac) nicht klar gewesen ist. Die beiden geben mit dem schmissig-schwülstigen, bewusst selbstironisch angelegten Agony ohne ein beispielloses Gesangsduell zum Besten, welcher Prinz denn nun den größeren Schmerz empfindet, was ziemlich exemplarisch ist für die augenzwinkernde Albernheit, der sich Into the Woods immer wieder mal verschreibt. Überhaupt ist der zweistündige Film gespickt mit großartigen Songs und bietet unter anderem auch Meryl Streep (Im August in Osage County) reichlich Gelegenheit zu glänzen, auch wenn hier sicherlich zugunsten der Filmfassung einige Kürzungen vorgenommen werden mussten, um nicht den Rahmen zu sprengen.

Szenenbild aus Into the Woods | © Walt Disney
© Walt Disney

So werden manche Märchen im gefühlten Eilverfahren abgehandelt und weder Rotkäppchen (Lilla Crawford) nebst bösem Wolf (Johnny Depp, The Professor), noch Rapunzel (Mackenzie Mauzy) sind wirklich tragende Bestandteile der Story, fügen aber dem munteren Treiben im Wald das jeweils erforderliche Mosaiksteinchen hinzu. Interessant aber auch die erzählerischen Auslassungen, so dass man nie das Reich der Riesen erblickt, in das Hans (Daniel Huttlestone) – im Original Jack – sich wagt, Cinderella stets nur aus dem königlichen Schloss fliehen sieht, aber nie dem eigentlichen Ball beiwohnt, und ganz allgemein akzeptieren muss, dass sich teils bedeutsame Dinge auch schlicht mal im Off ereignen. Tatsächlich würde man aber auch meinen, dass Into the Woods mit seiner schmissigen wie stringenten Inszenierung nach grob der Hälfte der Zeit abgehandelt wäre und sicherlich ist der sich hier vollziehende Paradigmenwechsel nebst erzählerischem Bruch der Hauptgrund dafür, dass der Film nicht unumwunden bei Zuschauern und/oder Kritikern hat punkten können. Mit dem – auch tonal – überraschenden dritten Akt nämlich verschiebt sich einiges im Märchenwald und wer sich bis dato auf geltende Märchenkonventionen verlassen zu können meinte, sieht sich hier eines Besseren belehrt. Gerade dieser Mut aber hat mir immens imponiert und auch wenn dem Film im letzten Drittel die unbeschwerte Leichtigkeit vom Anfang ein wenig abgehen mag, machen das die grandios und wuchtvoll inszenierten, emotional aufgeladenen Songs mehr als wett, zumal hier sowohl Blunt als auch Streep erneut zu brillieren wissen.

Fazit & Wertung:

Der von Rob Marshall inszenierte – und auf dem gleichnamigen Musical basierende – Into the Woods ist ein wahres Füllhorn an Geschichten und Abenteuern, inszenatorischen Spielereien und augenzwinkernden Momenten, vor allem aber zahlloser großartiger Songs, die von einem echten Star-Ensemble mit viel Gefühl und Verve zum Besten gegeben werden. Mag manche Märchen-Konvention dabei bewusst unterwandert werden und zu einem erzählerischen Bruch führen, stellt dies meines Erachtens eine der größten Stärken des Films dar.

8,5 von 10 inbrünstig singenden Märchengestalten

Into the Woods

  • Inbrünstig singende Märchengestalten - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Rob Marshall inszenierte – und auf dem gleichnamigen Musical basierende – Into the Woods ist ein wahres Füllhorn an Geschichten und Abenteuern, inszenatorischen Spielereien und augenzwinkernden Momenten, vor allem aber zahlloser großartiger Songs, die von einem echten Star-Ensemble mit viel Gefühl und Verve zum Besten gegeben werden. Mag manche Märchen-Konvention dabei bewusst unterwandert werden und zu einem erzählerischen Bruch führen, stellt dies meines Erachtens eine der größten Stärken des Films dar.

8.5/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
Sende

Into the Woods ist am 25.06.15 auf DVD und Blu-ray bei Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Sharing is Caring:

Hinterlasse einen Kommentar