Review: Feuer im Kopf (Film)

Heute mal wieder ein Film von Netflix, den ich mir ehrlicherweise aber auch hätte sparen können. Dafür gibt es dann morgen wieder was richtig Empfehlenswertes!

Feuer im Kopf

Brain on Fire, USA/CA/IE 2016, 88 Min.

Feuer im Kopf | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Gerard Barrett
Autoren:
Gerard Barrett (Drehbuch)
Susannah Cahalan (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Chloë Grace Moretz (Susannah Cahalan)
Thomas Mann (Stephen Grywalski)
in weiteren Rollen:
Richard Armitage (Tom Cahalan)
Jenny Slate (Margo)
Navid Negahban (Dr. Najjar)
Carrie-Anne Moss (Rhona Nack)
Tyler Perry (Richard)

Genre:
Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Feuer im Kopf | © Netflix
© Netflix

Die ambitionierte Susannah steht ganz am Anfang einer hoffentlich erfolgreichen Karriere als Journalistin bei der New York Post und ist deshalb kürzlich selbst in die Weltmetropole gezogen. Während sie auch privat ihr Glück mit dem Musiker Stephen gefunden zu haben scheint, ist sie voller Euphorie, als ihr dann auch noch ihr Chef Richard endlich verantwortungsvollere Aufgaben und Interviews überträgt. Dann allerdings hat sie einen unerklärlichen Anfall, der den Ärzten Rätsel aufgibt. Schnell wird das Ganze abgetan mit zu viel Stress, zu viel Party und die junge Frau als geheilt nach Hause geschickt. Es folgen allerdings Halluzination, Desorientierung und weitere Anfälle, während ihre Stimmungsschwankungen ihr auch im Job zunehmend Probleme macht. Die konsultierten Ärzte aber beharren darauf, dass sie im Grunde kerngesund sei und lediglich etwas kürzer treten solle, doch Susannahs Zustand verschlechtert sich immer weiter…

Rezension:

Neulich habe ich mal wieder auf meiner Netflix-Watchlist gestöbert, die sich beinahe täglich mit neuen Filmen füllt, die alle zu schauen ich wohl niemals die Zeit finden werde, was sicherlich nicht wenige kennen. Dabei kam mir dann erneut der vor einiger Zeit hinzugefügte Feuer im Kopf unter und spontan fiel meine abendliche Wahl auf ebendiesen, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass einer der Hauptgründe die angenehm überschaubare Laufzeit von gerade einmal anderthalb Stunden gewesen ist. Aber auch thematisch schien der Streifen lohnend, adaptiert der schließlich die Bestseller-Autobiografie der realen Journalistin Susannah Cahalan, die mit einer seltenen wie unbekannten Krankheit geschlagen ward, die sich leicht sperrig als Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis betiteln lässt. Kern des Ganzen ist, das quasi der Körper das Gehirn als Feind begreift und zu bekämpfen beginnt, was sich in manischen wie depressiven Phasen, schizophrenen Episoden und letztlich Katatonie äußert. Das zu wissen, stimmt einen natürlich schon gut darauf ein, was einen hier erwarten wird, wobei es dann im Umkehrschluss ein wenig enttäuschend ist, dass es beinahe ausschließlich das ist, was man dann auch geliefert bekommt.

Szenenbild aus Feuer im Kopf | © Netflix
© Netflix

Regisseur Gerard Barrett interessiert sich nämlich leider weit weniger für seine Protagonistin Susannah, sondern beinahe ausschließlich für deren Symptome, so dass er kaum eine Exposition erkennen lässt und einem die Figur näherbringt, bevor es auch schon mit den ersten Merkwürdigkeiten – aus Sicht Susannahs – ans Eingemachte geht. Das ist weder schlecht inszeniert noch schlecht gespielt, wirkt aber eben auch überhastet, weil wir Susannah in ihrem eigentlichen Leben kaum kennengelernt haben, so dass sich kein wirklicher Bruch vollzieht und die Tragik des Ganzen im Keim erstickt wird. Die kann dergestalt nur noch über die wachsende Verzweiflung und Hilflosigkeit der jungen Journalistin transportiert werden und was anfänglich noch gut klappt, geht leider spätestens in der zweiten Hälft ein Richtung Overacting, denn in dem Bestreben, immer noch einen draufzusetzen, weiß sich dann auch die grundsätzlich fähige Hauptdarstellerin nicht mehr anders zu helfen, als immer größere Gesten folgen zu lassen.

So macht Chloë Grace Moretz (Suspiria) eigentlich ihre Sache sehr gut, aber je weiter der Film voranschreitet, umso schwieriger wird die Gratwanderung, zumal ihr das Skript von Feuer im Kopf eben nicht viel mehr an die Hand gibt, als unterschiedlichste Episoden durchstehen zu müssen, die natürlich schon aus der Natur der Sache heraus fragmentarisch sind und kaum in einen Kontext gebracht werden, außer dem Zuschauer wie im klassischen Betroffenheitskino zu vermitteln, dass die Lage für Susannah immer schlimmer wird. Nicht viel besser haben es da auch Richard Armitage (Ich schweige für dich) und Carrie-Anne Moss (Jessica Jones) als Susannahs Eltern, denn nach anfänglichem Unverständnis bleibt ihnen später nichts weiter, als sich plakative Durchhalteparolen zuzuraunen oder in Verzweiflung den einen oder anderen Wutausbruch hinzulegen, um kurz darauf wieder zu resignieren. Auch hier macht sich also die mangelnde Vorarbeit bemerkbar, denn Normalität gab es nur kurz während einer Geburtstagsfeier. Langer Rede kurzer Sinn, der Film will betroffen machen, tangiert aber dank mangelnder Figurenbindung nur höchst oberflächlich, während Barrett dem Narrativ der verfilmten Krankheitsgeschichte absolut nichts Eigenes oder Individuelles hinzuzufügen weiß.

Szenenbild aus Feuer im Kopf | © Netflix
© Netflix

Auch dramaturgisch ist Feuer im Kopf leider eine holprige Angelegenheit geworden, denn während der Fokus anfänglich noch auf Susannah liegt und von ihr selbst via Off-Kommentar begleitet wird, verschiebt sich diese Perspektive später aus naheliegenden Gründen erheblich und ihre Eltern rücken stärker in den Mittelpunkt, bis allerdings Susannah nur noch Staffage zu sein scheint. Auch hier fällt das echte Mitfühlen, sich Hineinfühlen merklich schwer und die letztendlich in Windeseile herbeigezauberte Lösung – Spoiler: Susannah überlebt, sonst hätte sie ja kein Buch schreiben können – wirkt weder elegant noch gekonnt in die Handlung integriert. Es mag ein wichtiges Thema, ein ergreifendes Buch, eine beängstigende Krankheit sein, die hier aufgegriffen, thematisiert, verhandelt werden, aber erzählerisch wie inszenatorisch wird daraus leider herzlich wenig gemacht.

Fazit & Wertung:

Mit Feuer im Kopf versucht sich Regisseur Gerard Barrett an einer Adaption der gleichnamigen Autobiografie der Journalistin Susannah Cahalan. So tragisch deren Krankheitsgeschichte aber sein mag, kann das der Film leider kaum vermitteln, wirkt oft gehetzt und fragmentarisch, weiß aber vor allem wenig zu erzählen, was über klassische Versatzstücke eines Krankheitsdramas hinausginge. Starke Szenen gibt es ohne Frage, der Gesamteindruck allerdings bleibt äußerst unbefriedigend.

4,5 von 10 vermeintlich schizophrenen Episoden

Feuer im Kopf

  • Vermeintlich schizophrene Episoden - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Feuer im Kopf versucht sich Regisseur Gerard Barrett an einer Adaption der gleichnamigen Autobiografie der Journalistin Susannah Cahalan. So tragisch deren Krankheitsgeschichte aber sein mag, kann das der Film leider kaum vermitteln, wirkt oft gehetzt und fragmentarisch, weiß aber vor allem wenig zu erzählen, was über klassische Versatzstücke eines Krankheitsdramas hinausginge. Starke Szenen gibt es ohne Frage, der Gesamteindruck allerdings bleibt äußerst unbefriedigend.

4.5/10
Leser-Wertung 4.5/10 (2 Stimmen)
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Feuer im Kopf ist seit dem 22.06.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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