Review: Holidate (Film)

Den heutigen Film fand ich – das schicke ich mal voraus – weder objektiv noch subjektiv sonderlich gut und das spiegelt sich auch in der Bewertung wider. Währenddessen hat er mich aber stellenweise auch irgendwie ganz gut unterhalten, weshalb ich diesmal im Text nur Filme verlinkt habe, die ich noch schlechter bewertet habe, um das Ganze ein wenig mehr in den Kontext zu setzen.

Holidate

Holidate, USA 2020, 103 Min.

Holidate | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
John Whitesell
Autorin:
Tiffany Paulsen

Main-Cast:
Emma Roberts (Sloane)
Luke Bracey (Jackson)
in weiteren Rollen:
Andrew Bachelor (Neil)
Jessica Capshaw (Abby)
Manish Dayal (Faarooq)
Alex Moffat (Peter)
Jake Manley (York)
Cynthy Wu (Liz)
Frances Fisher (Elaine)
Kristin Chenoweth (Aunt Susan)

Genre:
Komödie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Holidate | © Netflix
© Netflix

Während Sloane sich zu Weihnachten darüber ärgert, von ihrer Familie wieder einmal bemitleidet zu werden, weil sie mit Ende zwanzig noch immer Single und folglich eine alte Jungfer ist, staunt Jackson nicht schlecht, in welchen Weihnachtsalptraum er geraten ist, als seine Freundin ihn zu ihren Eltern mitschleppt, obwohl sie sich erst ein paar Mal getroffen haben. Einige Tage später begegnen sich die beiden beim unvermeidlichen Geschenkeumtausch in der Mall, kommen ins Gespräch und schließen letztlich einen Pakt. Inspiriert von Sloanes Tante, die sich ein immer neues "Holidate" für die Feiertage des Jahres sucht, beschließen die beiden, sich fortan Rückendeckung zu geben und an den Feiertagen das Date des jeweils anderen zu sein. Soweit, so gut, hat Jackson schließlich bereits bei ihrem ersten Treffen signalisiert, schon rein optisch nichts an Sloane zu finden, was eine platonische Feiertagsbekanntschaft ja schon begünstigt. Während aber das Jahr ins Land zieht, Silvester, Valentinstag, vierter Juli und Halloween kommen und gehen, müssen sich die beiden langsam eingestehen, dass ihr Plan womöglich doch die eine oder andere Schwachstelle hat…

Rezension:

Mit purer Absicht habe ich den bereits Ende Oktober bei Netflix veröffentlichten Holidate eine Zeit lang links liegen lassen, denn allein schon Cover und Aufmachung suggerieren, dass es sich um einen dieser – insbesondere von Netflix – am Fließband produzierten Weihnachtsfilme handelt. Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit und eine Veröffentlichung nahe Halloween, dicht gefolgt von Thanksgiving und nun eben der Weihnachtszeit, macht durchaus Sinn, denn auch wenn der Film zu Weihnachten startet (und endet), nehmen doch die weiteren Feiertage ebenso viel Raum in dem Reigen ein, so dass man letztlich ein verknapptes, auf die "wichtigsten" Anlässe reduziertes Jahr im Leben von Sloane und Jackson präsentiert bekommt. Allein dieses Fragmentarische und Episodische der Erzählung macht es Drehbuchautorin Tiffany Paulsen natürlich leicht, die launige Chose mit Späßen und Anekdoten zu füllen doch leider reicht hier das Humorverständnis nicht allzu weit, zumal sich der Film herrlich gerne über das RomCom-Genre und Weihnachts-Kitsch im Allgemeinen lustig machen möchte, aber natürlich am Ende genau dieselben Geschmäcker bedient und Klischees abarbeitet, was Botschaft und Sinn des Ganzen ein wenig verwässert.

Szenenbild aus Holidate | © Netflix
© Netflix

An der grundsätzlich überaus zynischen Weltsicht von Sloane und Jackson – bei ihr weit ausgeprägter als bei ihm – hatte ich grundsätzlich meine Freude und ja, insbesondere Feiertage können die Hölle sein, auch was das familiäre Miteinander angeht, wobei man hier natürlich dem Genre entsprechend alles auf die Spitze treiben muss. So beginnt Holidate noch recht solide, wenn auch nicht wirklich vielversprechend, mausert sich zwischenzeitlich zu einer etwas anderen, aber durchaus unterhaltsamen romantischen Komödie, gerät dann aber zunehmend gänzlich aus dem Takt. Da hat es dann Witze, die darauf fußen, dass jemand beim Böllern einen Finger verliert, woraufhin erst einmal im Krankenhaus gekifft werden muss, um die Nerven zu beruhigen und auch eine der wohl zotigsten Gag-Varianten, dem in Fäkalhumor-Komödien logischerweise allseits beliebten Abführmittel, darf hier freilich nicht fehlen. Spätestens in diesen Momenten dürfte klar sein, dass der Film weder besonders clever, noch besonders lohnend geraten ist, denn wenn man mit Zynismus und ein wenig Meta-Bashing aufs Genre, das man selbst bedient, nicht mehr weiterkommt, dann hilft eben nur noch ein Griff in die unterste Schublade, dafür aber beherzt.

So hatte ich bei der Sichtung quasi noch das Glück, der von Emma Roberts (Ein Rezept für die Liebe) verkörperten Sloane und dem von Luke Bracey (Point Break) gespielten Jackson charakterlich etwas abgewinnen zu können, denn als klassische Sympathieträger taugen sie beide nicht und das alberne Zieren und Zaudern, sich gegenseitig ihre Gefühle zu gestehen, wirkt mehr als nur ein wenig aufgesetzt. Wozu aber auch aus den Protagonisten so etwas wie Identifikationsfiguren machen, wenn man es mit der weiteren Besetzung noch lustloser hält, denn was hier an Klischees und Stereotypen aufgefahren wird, ist teils schon grenzwertig rassistisch gefärbt und wirkt wie aus der Zeit gefallen, wobei es aber auch Sloanes Tante beispielsweise nicht besser ergeht, bei der ich mich bis zuletzt gefragt habe, wieso und warum sich Kristin Chenoweth (Du schon wieder) für eine derartige Rolle hergegeben hat. Bleiben am Ende nur wenige Lichtblicke, in einer kaum vorhandenen, dafür im Übermaß vorhersehbaren Story, die es kaum rechtfertigen, Holidate seine Zeit zu widmen.

Szenenbild aus Holidate | © Netflix
© Netflix

Immerhin, auch wenn das im Kontext wenig bedeutet, habe ich im Vorfeld so viel Schlechtes zum Film gehört, dass ich es mir weitaus schlimmer vorgestellt hätte, so dass man schon fast von einer – wenn auch niedrigste Hürden nehmenden – positiven Überraschung sprechen kann. Denn sofern man selbst einer ausgeprägten Form von Zynismus nicht abgeneigt ist und einfach mal zwei ausgemachte Unsympathen zu unterschiedlichen Festtags-Anlässen über die Stränge schlagen sehen möchte, gibt es beileibe auch schlechtere Unterhaltung. Dass ich – für mich persönlich – Holidate aber nicht in den untersten Regionen ansiedeln würde, bedeutet im Umkehrschluss aber freilich nicht, dass der Film gut wäre, denn dafür ist er schlichtweg zu gehässig und garstig bei gleichzeitiger Belanglosigkeit. Denn ein abschätziger Blick von oben herab funktioniert bekanntlich auch nur so – von oben herab, wohingegen hier dramaturgisch wie auch strukturell lediglich Bodensatz geboten wird. Das kann in Einzelfällen unterhaltsam sein, überzeugt als Ganzes aber nicht annähernd.

Fazit & Wertung:

Regisseur John Whitesell macht in Holidate schnell deutlich, keine klassische RomCom sein zu wollen und wenig für das Genre erübrigen zu können. Dumm nur, dass sich der Film dennoch an sämtliche Gesetzmäßigkeiten einer Hollywood-Schnulze hält mit dem feinen Unterschied, dass ihm dank grenzwertigen bis unterirdischen Witzen deren Charme fehlt, den man hier durch Zynismus und Fäkalhumor zu ersetzen versucht. Zynismus kann auch unterhaltsam sein und manchmal trifft der Film tatsächlich ins Schwarze, aber hier wirkt das dann eher wie ein Zufallstreffer.

4,5 von 10 durchzechten Feiertagen

Holidate

  • Durchzechte Feiertage - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseur John Whitesell macht in Holidate schnell deutlich, keine klassische RomCom sein zu wollen und wenig für das Genre erübrigen zu können. Dumm nur, dass sich der Film dennoch an sämtliche Gesetzmäßigkeiten einer Hollywood-Schnulze hält mit dem feinen Unterschied, dass ihm dank grenzwertigen bis unterirdischen Witzen deren Charme fehlt, den man hier durch Zynismus und Fäkalhumor zu ersetzen versucht. Zynismus kann auch unterhaltsam sein und manchmal trifft der Film tatsächlich ins Schwarze, aber hier wirkt das dann eher wie ein Zufallstreffer.

4.5/10
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Holidate ist seit dem 28.10.2020 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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