Review: Männertrip (Film)

Hui, es ist Freitag und trotzdem schaffe ich es, noch eine neue Review rauszuhauen, ganz so, wie ich es mir im Grunde für die vergangenen Woche, also das Osterwochenende vorgestellt hatte. Doch das Übermaß freier Tage machte mir bekanntermaßen einen Strich durch die Rechnung und verleitete mich dazu, den Blog in Gänze zu vernachlässigen. Aber auch solche Ruhepausen mögen mir fleißigem Schreiberling vergönnt sein, zumal ich – wie ich gestehen muss – dafür nun mit neu erwachter Schaffenskraft zu Werke gehe.

Männertrip

Get Him to the Greek, USA 2010, 109 Min.

Männertrip
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
Nicholas Stoller
Autor:
Nicholas Stoller

Main-Cast:
Jonah Hill (Aaron Green)
Russell Brand (Aldous Snow)
in weiteren Rollen:
Elisabeth Moss (Daphne Binks)
Rose Byrne (Jackie Q)
Colm Meaney (Jonathan Snow)
Sean Combs (Sergio Roma)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Aaron Green arbeitet bei einer Plattenfirma in L.A. und ist mit Leib und Seele Musikfan. Insbesondere die Band Infant Sorrow und ihr Lead-Sänger Aldous Snow hatten es ihm angetan, zumindest bis zu Veröffentlichung des unsäglich unterirdischen Albums African Child, das Aldous auch recht schnell in der Versenkung verschwinden ließ, während er einer Rückbesinnung auf die Drogen zu frönen anfing.

Während eines Meetings schlägt Aaron seinem Chef Sergio vor, Aldous Snow aus der Versenkung zurückkehren zu lassen und ein fulminantes Konzert zum zehnjährigen Jubiläum des legendären Live-Albums von Infant Sorrow im Greek Theatre auszurichten. Prompt wird Aaron verpflichtet, nach London zu fliegen und den einstigen Star nach Los Angeles zu schaffen, doch dass diese Aufgabe sich als schwieriger erweisen wird als zunächst angenommen, steht bei einem drogensüchtigen, unsteten und extrem narzisstischen Rockstar wie Aldous Snow im Grunde außerfrage.

Rezension:

Männertrip präsentiert sich insbesondere zu Beginn wie eine großartige Mischung aus Filmen wie Nie wieder Sex mit der Ex (von dessen Machern dieses Werk auch stammt), Hangover, was die generelle Thematik und den anarchischen Humor anbelangt und – in Sachen Aaron Green und dessen grenzenlosem Enthusiasmus für das Musik-Business und sein großes Idol Aldous Snow – Almost Famous. Der stargespickte Auftakt mit Interviews, Papparrazzi-Schnappschüssen, Schlagzeilen und Musikvideo-Schnipseln verspricht daher auch ein wirklich schamloses Filmvergnügen voller Lacher und Selbstironie. Abgesehen von einigen wenigen überflüssigen Zoten präsentiert sich der Film auch durchaus als frisch und witzig und hat mich doch zu einigen lauten Lachern animiert.

Problematisch wird es erst im weiteren Fortgang der Geschichte, wenn sich zwei immer übermächtiger werdende Problematiken auftun, die leider dazu führen, dass der Filmgenuss von Männertrip akut unter ihnen zu leiden hat. Denn einerseits wirken die Drogeneskapaden und Exzesse des Rockstars immer seltsam halbgar und zurückhaltend, obwohl doch im Grunde sämtliche gängigen Register gezogen werden, weil der ganze Film und somit natürlich auch besagte Szenen so auf Mainstream gebürstet sind, dass die volle Wucht und der überbordende Eskapismus sich nie so recht einstellen wollen. Andererseits – und das unterstützt die halbgare Umsetzung nur umso mehr – erhebt sich alsbald der moralische Zeigefinger und es geht sogar so weit, dass beinahe ausnahmslos jede Figur eine nur halbherzig thematisierte Entwicklung durchzumachen hat, an deren Ende – wie sollte es auch anders sein – Einsicht und Läuterung stehen.

Leider ist dieser Wandel so extrem, dass sich hier ein regelrechter Bruch ergibt. Ist die erste Hälfte von Männertrip also noch wahnsinnig unterhaltsam und herrlich durchgeknallt, geraten diese Stärken nach und nach in den Hintergrund, was mich als Zuschauer nicht unbedingt dazu verleitet hat, mit den Figuren weiter mitzufiebern, zumal die Grundprämisse Get him to the Greek, die nicht nur Originaltitel des Films, sondern letztlich auch auf den Punkt gebrachter Kern der Story ist, nicht wirklich einfallsreich ist oder von innovativer Erzählkunst zeugt.

Was rettet den Film also? Zunächst einmal Jonah Hill in einer beinahe ernsten Rolle, verglichen mit seinen früheren Auftritten, der in seinen besten Momenten als grundsympathischer und liebenswerter Musikfanatiker daherkommt, der verzweifelt und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, den Amok laufenden Rockstar zu bändigen. Elisabeth Moss als bodenständige Freundin von Jonah Hills Figur bietet einen überzeugenden Gegenpart, muss aber über weite Teile des Films aus der Ferne agieren. Zuletzt Russell Brand verkörpert den exaltierten Rockstar gewohnt überzeugend wie auch schon in Nie wieder Sex mit der Ex und macht deutlich, warum man dieser Figur einen eigenen Film widmen wollte, wenn das Endergebnis auch nicht restlos zu überzeugen weiß.

Fazit & Wertung:

Männertrip hätte ein rasendes Vergnügen werden können, macht aber jedes Mal kurz vor der Eskalation einen Rückzieher und bleibt so hinter seinen Möglichkeiten zurück, denn moralische Mahnungen sind in einem Machwerk dieser Gangart schlicht unangebracht.

6,5 von 10 Live-Fast-Die-Young-Rockstar-Allüren

Männertrip

  • Live-Fast-Die-Young-Rockstar-Allüren - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Männertrip hätte ein rasendes Vergnügen werden können, macht aber jedes Mal kurz vor der Eskalation einen Rückzieher und bleibt so hinter seinen Möglichkeiten zurück, denn moralische Mahnungen sind in einem Machwerk dieser Gangart schlicht unangebracht.

6.5/10
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Blu-ray:

  • Ich mochte ja „Forgetting Sarah Marshall“ recht gerne, doch der hier reizt mich irgendwie nicht so wirklich…

    • Sehe ich genauso. Aldous Snow war ohnehin nicht gerade eine Figur, die aus Forgettin Sarah Marshall besonders herausgestochen hat…

      • Da gebe ich dir Recht, heimlicher Held war auch hier für mich tatsächlich Jonah Hill, der hat mich immerhin positiv überrascht.

    • Meine Meinung. Habe bisher auch immer einen Bogen um den Film gemacht, aber für läppische sechs Euro konnte ich dann doch nicht widerstehen, wo ich sowieso schon allzu selten Komödien schaue und rezensiere.

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