Review: Playing It Cool (Film)

Heute gibt es eine Film-Kritik, die mir mehr denn je am Herzen liegt, denn der Film selbst hat mich schwer begeistert, wovon aufgrund eher mäßiger Kritiken und der Tatsache, dass der Streifen weitestgehend ignoriert worden ist, nun wirklich nicht unbedingt auszugehen war. Aber mein Gott war das ein Spaß, ich kann ihn wirklich nur empfehlen! Warum? Na, das habe ich mal in Worte zu fassen versucht…

Playing It Cool

Playing It Cool, USA 2014, 94 Min.

Playing It Cool | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Justin Reardon
Autoren:
Chris Shafer
Paul Vicknair

Main-Cast:
Chris Evans (Me)
Michelle Monaghan (Her)
in weiteren Rollen:
Topher Grace (Scott)
Ioan Gruffudd (Stuffy)
Aubrey Plaza (Mallory)
Martin Starr (Lyle)
Philip Baker Hall (Granddad)
Luke Wilson (Samson)
Anthony Mackie (Bryan)

Genre:
Komödie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Playing It Cool | © Universum Film
© Universum Film

Er ist notorisch beziehungsunfähig und hat bisher jedes Mal, wenn ihm eine Frau mit dem Wort Liebe daherkam, umgehend das Weite gesucht. Dumm nur, dass ausgerechnet er jetzt aber das Drehbuch für eine romantische Komödie abliefern soll, zumal er sich damit dafür qualifizieren könnte, ein waschechtes Action-Skript auf die Beine zu stellen. Da ist guter Rat teuer, auch wenn der von seinem besten Freund Scott stammt, einem im Gegensatz zu ihm hoffnungs- wie bedingungslosen Romantiker. Wie zu erwarten, stellt sich eine Schreibblockade ein und zwecks Tapetenwechsel und Ablenkung willigt der Autor ein, gemeinsam mit Scott eine Wohltätigkeits-Gala zu besuchen, wo er unverhofft Sie kennenlernt, die Frau, die ihm Paroli zu bieten weiß und ihm in punkto Schlagfertigkeit mühelos das Wasser reicht.

Ausgerechnet er, der nichts von Romantik hält und Liebe für ein Märchen, verguckt sich prompt in sie. Dumm nur, dass sie einen festen Freund hat und alles darauf deutet, dass sie ihn bald heiraten wird. Und ausgerechnet er, der nichts von den Klischees romantischer Komödien hält, versucht sich jetzt daran, ihr Herz zu gewinnen…

Rezension:

Im Grunde allein aufgrund der Besetzung – bin ich schließlich kaum ausgewiesener Freund von RomComs – ließ ich mich jüngst hinreißen, Playing It Cool zu günstigem Kurs zu erstehen und dem Film eine Chance zu geben, auch wenn insbesondere das unsägliche deutsche DVD-Cover nun wirklich nicht dazu verleitet hat, zu glauben, dieses Werk könne mehr sein als solider Durchschnitt, doch sollte ich mich zum Glück täuschen, denn ich für meinen Teil fühlte mich nicht nur unglaublich gut unterhalten, sondern staunte auch über die hohe Gagdichte, die zumindest meinem Geschmack voll und ganz entsprach, wobei speziell die Szenen mit der Clique der Hauptfigur für mich zu echten Highlights des Films gezählt haben, der sich ungemein referenziell gibt und dem es wirklich gelingt, das Genre einerseits aufs Korn zu nehmen und andererseits im richtigen Moment den Schlenker macht, um schlussendlich natürlich doch noch dem Klischee zu entsprechen, wobei das hier wirklich nicht halb so aufgesetzt gewirkt hat wie in den einschlägigen Genre-Vertretern.

Szenenbild aus Playing It Cool | © Universum Film
© Universum Film

Zu großen Teilen möchte ich das dem immer wieder sympathischen Chris Evans (Snowpiercer) anrechnen, ebenso natürlich wie dessen Konterpart Michelle Monaghan (Pixels), von der ich ja bekanntermaßen schon länger Fan bin. Die Chemie zwischen den beiden passt auf alle Fälle und gepaart mit zurückgefahrenem Schnulzfaktor ergibt das eine herrliche Mischung, die das Wörtchen Feel-Good-Movie auf die Lippen schleichen lässt. Ganz davon abgesehen strotzt aber auch das Drehbuch und somit der daraus entstandene Playing It Cool vor herrlichen Einfällen, wenn er, der Schriftsteller, der den Film über übrigens namenlos bleibt, sich sein Herz als ein in ultracoolen schwarzen Anzug gewandetes, ketterauchendes Alter Ego vorstellt, das ihn aus verrauchten Ecken heraus skeptisch beäugt, dann ist das wirklich jedes Mal herrlich, zumal es damit längst nicht getan ist, verfügt so ein Schriftsteller schließlich über schier grenzenlose Fantasie und fabuliert sich schon einmal Liebesschnulzen-Szenen im Kopf zurecht, in denen er und seine Angebetete – sprich, Monaghan – die Rollen der Liebenden übernehmen, gerne aber auch mal in vertauschten Geschlechterrollen oder bei Geschichten aus dem alten China. Sicherlich ist das manchmal schon extrem skurril und nicht jedermanns Sache, ich persönlich fand es aber extrem großartig.

Das Referenzieren des Genres hört damit aber längst nicht auf und auch im Finale muss man auf die beinahe obligatorische jubelnde Menge, die ihn anfeuert, die Frau seiner Träume zu erobern, nicht verzichten, wenn sich hier auch herausstellt, dass er sich diese natürlich nur eingebildet hat, worauf sie von einem auf den anderen Moment verschwindet. Was dem Film aber ebenso ungemein guttut ist die glaubhafte und herzliche Beziehung zu seinen Freunden, wobei insbesondere Topher Grace (Take Me Home Tonight) hier aus der Masse heraussticht als sein bester Freund Scott, wenngleich auch die Rollen von Aubrey Plaza und Luke Wilson nicht zu verachten sind. Sicherlich, von hoher Schauspielkunst kann bei Playing It Cool kaum die Rede sein und den Darstellern wird nicht wirklich viel abverlangt, doch als Genre-Vertreter ist er prompt in die Riege meiner Lieblingsfilme aufgestiegen, was natürlich vielleicht daran liegen mag, dass der Film aus männlicher Perspektive geschildert wird, das kann sein, doch würde ich nicht darauf wetten.

Szenenbild aus Playing It Cool | © Universum Film
© Universum Film

Alles in allem wird das Thema hier einfach so frisch und grundehrlich angegangen, dass es eine wahre Freude ist, wenn man auch einräumen muss, dass weder das Konzept des hedonistischen und bindungsunfähigen Frauenhelden neu ist, noch der Plot des Films als solches zu überraschen weiß, während er sich in vielen Punkten hemmungslos an anderen Werken bedient und sich an den typischen Motiven romantischer Komödien schadlos hält, doch empfand ich das sogar noch als eine der Stärken des Films, der meines Erachtens völlig zu Unrecht so wenig Beachtung gefunden hat und teils auch regelrecht niederschmetternde Kritiken bekommen hat, weshalb ich ohne falsche Scheu eine Lanze für ihn brechen möchte, denn so gut unterhalten worden bin ich selbst von reinen Komödien lange nicht mehr, ob sich die Künstlerclique nun am Schießstand vergnügt, der Autor im volltrunkenen Kopf an der Schwelle seiner Traumfrau herumgrölt, sich einmal mehr in Traumwelten und Fantastereien flüchtet, sich von seinem besten Freund in Sachen Liebe belehren lässt, sich bei einer Wohltätigkeits-Gala um Kopf und Kragen redet oder den Plan fasst, das Skript für eine grundehrliche – also weder witzige noch romantische – RomCom abzuliefern, denn all diese Versatzstücke und Zutaten ergeben in der Summe einen wirklich großartigen, einfallsreichen und andersartigen Film, den ich mir sicherlich noch häufiger ansehen werde.

Fazit & Wertung:

Auf den ersten Blick scheint Playing It Cool eine romantische Komödie wie viele andere zu sein, doch Chris Evans als hedonistischer Autor mit Bindungsangst als Erzähler mit einer gehörigen Portion Fantasie und Imaginationskraft lenkt den in vielen Punkten bewusst generischen Film in neue Bahnen, während Michelle Monaghan als Love-Interest zwar vergleichsweise wenig zu tun bekommt, dafür aber auch die Nebenfiguren zu glänzen verstehen, was einen nicht nur leichtfüßigen und unterhaltsamen, sondern ebenso sympathischen wie ehrlichen Film ergibt, der mit gehörig Lachern aufzuwarten weiß.

9 von 10 eingebildeten RomCom-Klischees

Playing It Cool

  • Eingebildete RomCom-Klischees - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Auf den ersten Blick scheint Playing It Cool eine romantische Komödie wie viele andere zu sein, doch Chris Evans als hedonistischer Autor mit Bindungsangst als Erzähler mit einer gehörigen Portion Fantasie und Imaginationskraft lenkt den in vielen Punkten bewusst generischen Film in neue Bahnen, während Michelle Monaghan als Love-Interest zwar vergleichsweise wenig zu tun bekommt, dafür aber auch die Nebenfiguren zu glänzen verstehen, was einen nicht nur leichtfüßigen und unterhaltsamen, sondern ebenso sympathischen wie ehrlichen Film ergibt, der mit gehörig Lachern aufzuwarten weiß.

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Playing It Cool ist am 17.07.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • An

    Nachdem ich diese Rezension zunächst nur überflogen hatte und mir den Trailer angeschaut habe, habe ich gerade spontan den Film geschaut – und fand ihn genial. 😀 Und ich kann deiner Meinung (nachdem ich die Rezension jetzt nochmal vernünftig gelesen habe) nur absolut zustimmen. ^^

    • Ja klasse, dann hat sich die Review schon gelohnt! Das freut mich echt, dass dir der Film also auch so gut gefallen hat! Nicht unbedingt der Zustimmung wegen (nehme ich natürlich auch gern), sondern weil der einfach so gnadenlos ignoriert worden ist überall. Aber auch kein Wunder bei DEM Cover…

      • An

        Ja, das stimmt. Also wer sich das Cover ausgedacht hat… Aber ja, ich hatte vorher auch noch nichts von dem Film gehört und war überrascht, dass er so (vergleichsweise) schlechte Kritiken bekommen hat.

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