Review: Santa Clarita Diet | Staffel 1 (Serie)

Bis zum Erbrechen (wer die Serie kennt, entdeckt hier einen Insider-Witz) wurde und wird Santa Clarita Diet allerorten beworben, doch hätte es dieser offensiven Werbung gar nicht bedurft, habe ich ohnehin direkt am ersten Tag einen Blick riskiert und freue mich nun, euch heute meine Gedanken zur ersten Staffel dieser ungewöhnlichen Serie mitteilen zu können.

Santa Clarita Diet
Staffel 1

Santa Clarita Diet, USA 2017-, ca. 29 Min. je Folge

Santa Clarita Diet | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Victor Fresco
Showrunner:
Victor Fresco

Main-Cast:
Drew Barrymore (Sheila Hammond)
Timothy Olyphant (Joel Hammond)
Liv Hewson (Abby Hammond)
Skyler Gisondo (Eric Bemis)
in weiteren Rollen:
Ricardo Chavira (Dan Palmer)
Mary Elizabeth Ellis (Lisa Palmer)
Richard T. Jones (Rick)
Joy Osmanski (Alondra)
Thomas Lennon (Principal Novak)
Natalie Morales (Anne Garcia)
Portia de Rossi (Dr. Cora Wolf)
Nathan Fillion (Gary West)
Patton Oswalt (Dr. Charles Hasmedi)
Ryan Hansen (Bob Jonas)

Genre:
Horror | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Santa Clarita Diet | © Netflix
© Netflix

Das Ehepaar Sheila und Joel Hammond führt mit der gemeinsamen Tochter Abby im kalifornischen Santa Clarita ein gutsituiertes, gediegenes Leben einer typischen Vorstadtfamilie und verdingt sich gemeinsam erfolgreich als Immobilienmakler. Es könnte alles perfekt sein, doch während eines Besichtigungstermins passiert das Unvorstellbare und Sheila kommt unter unaussprechlichen Umständen zu Tode. Als Joel die Leiche seiner Frau entdeckt, staunt er nicht schlecht, als sie plötzlich die Augen aufschlägt, denn Sheila ist mitnichten tot, sondern untot. Getrieben von einem unstillbaren Hunger auf Fleisch merken die Hammonds bald, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist und Nachbarsjunge Eric klassifiziert Sheila schnell als Zombie, auch wenn er den Begriff nicht mag. Prompt begibt man sich auf die Suche nach einem Heilmittel, derweil Tochter Abby von Sheilas neuer Lebenslust recht angetan ist, doch gilt es natürlich vorrangig ein paar dringende "Ernährungsfragen" zu beantworten…

Rezension:

Ja, auch heute wieder eine Netflix-Serie, denn im Moment hauen sie die Knaller ja nur so raus, wenn ich im Fall von Santa Clarita Diet aber auch gleich vorwegnehmen muss, dass es sich letztlich nicht um das erhoffte Highlight handelt, sich hin, wirkt die Handlung der einzelnen Folgen zu konstruiert, wirken die Pointen zu punktuell, um ein rundherum stimmiges Ganzes zu ergeben. Aber fangen wir von vorn an, am besten mit der Besetzung. Mit Drew Barrymore und Timothy Olyphant (Deadwood) hat man zweifelsohne zwei regelrechte Hochkaräter ins Boot geholt, doch während Barrymore ihre Sache erwartungsgemäß gut macht, sticht überraschenderweise viel mehr Olyphant heraus, denn nachdem man ihn vorrangig als Western-Held – in abgewandelter Form schließlich auch in sechs Staffeln Justified – kennt, ist der hysterische Pantoffelheld hier natürlich eine ganz andere Sache und so merkwürdig sich das anfänglich anfühlen mag, macht er seine Sache wirklich großartig und offenbart ordentlich komödiantisches Talent, wobei man hier nicht den Fehler machen darf, die leider in meinen Augen nicht so gelungene deutsche Synchro zu gucken, denn speziell mit seiner Stimme hier konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden, doch Netflix bietet da ja zum Glück Alternativen.

Szenenbild aus Santa Clarita Diet | © Netflix
© Netflix

Nichtsdestotrotz muss man aber auch sagen, dass den beiden streckenweise der Rang von ihrer Tochter Abby (Liv Hewson) und dem nerdigen Nachbarsjungen Eric (Skyler Gisondo) abgelaufen wird, die für sich auch einige Abenteuer erleben, was wiederum aber auch erneut unterstreicht, dass die Prämisse der Serie nicht ausreicht, ganze Folgen einzig mit dem Zombie-Dasein der Immobilienmaklerin zu füllen. Überhaupt geht Santa Clarita Diet im Grunde sehr unglücklich los, was schon dahingehend irritierend ist, dass ausgerechnet bei den ersten zwei Folgen niemand Geringeres als Ruben Fleischer (Zombieland) für die Regie gewonnen werden konnte und der müsste ja eigentlich wissen, wie es geht. Während man sich aber in der ersten Folge Also eine Fledermaus oder ein Affe (1.01) zwar über einen Gastauftritt von Nathan Fillion (Castle) freuen darf, ist sie ansonsten recht generisch geraten und auch weit weniger witzig als die sich anschließenden Folgen, weshalb ich nur den dringenden Rat aussprechen kann, der Staffel zumindest einige Folgen lang eine Chance zu geben, bevor man sie ad acta legt, denn sie fängt sich und auch der Cast spielt sich spürbar ein, während speziell in der zweiten Staffelhälfte einige denkwürdige Sprüche und Pointen verbaut sind, über die ich herzhaft habe lachen müssen, zumal der Plot zwar reichlich konstruiert, dabei aber eben auch herrlich skurril daherkommt, was man aber selbstredend auch mögen muss und sollte, um diese Horror-Komödie zu genießen.

Szenenbild aus Santa Clarita Diet | © Netflix
© Netflix

Dem Thema geschuldet wird es aber natürlich auch zuweilen extrem eklig und auch das sollte man abkönnen, wobei es schlimmer als in der ersten Folge, wenn Sheila zum Zombie wird auch eigentlich nicht mehr wird, wenn man von ein wenig Gekröse und Innereien absieht, doch schwenkt man immerhin nicht schüchtern weg, überlässt andererseits aber auch vieles der Fantasie, was mitunter weit befremdlicher ist, als würde man einfach mit der Kamera draufhalten. Um aber noch einmal zum Aufbau der Serie an sich zurückzukommen, hat Santa Clarita Diet durchaus eine fortlaufende Handlung und auch der Wille, Sheila von ihrem Zombie-Dasein zu "heilen" kann mitunter als roter Faden betrachtet werden, doch während die einzelnen Stories für eine Comedy überraschend eng miteinander verzahnt sind, ist es doch so, dass im Grunde je Folge ein Problem abgehandelt und als erledigt betrachtet wird, um dann in der letzten Szene quasi das Thema der nächsten Folge vorwegzunehmen, was sich als Konzept schnell abnutzt, auch wenn man sich innerhalb der Folgen durchaus einiges einfallen lässt. Zudem muss man sagen, dass die Autoren aus manchem Thema mehr hätten machen können, wenn nicht anscheinend die Notwendigkeit bestanden hätte, dies zum Ablauf der jeweiligen Folge als abgehakt abzulegen.

Szenenbild aus Santa Clarita Diet | © Netflix
© Netflix

Kritisieren könnte man des Weiteren im Grunde noch am ehesten Sheilas wankelmütiges Wesen, denn die schwankt schon mal von Minute zu Minute zwischen fürsorgender Mutter, kaltblütiger Mörderin, gehässiger oder liebenswerter Ehefrau, hysterischem Wrack oder lebenslustigem Freigeist, doch hat dieses Schema natürlich Methode und liegt in ihrer "Krankheit" und damit einhergehender mangelnder Impulskontrolle begründet. Was sich allerdings nicht so leicht wegdiskutieren lässt, ist, dass der Plot um die Heilung, der alsbald in Richtung eines alten, serbischen Buches weist, reichlich trashig wirkt und sich nicht recht in die ansonsten vorherrschende Atmosphäre in Santa Clarita Diet fügt, zumal die Bemühungen um das Buch zwar einerseits in die ziemlich geniale Folge Das Buch! (1.09) inklusive Besuch der "Paranormalcon" münden, andererseits aber auch ein Staffelfinale nach sich ziehen, das unbefriedigender kaum hätte ausfallen können, denn Baka, Bittergalle und Baseballschläger (1.10) bietet weder einen zufriedenstellenden Abschluss noch einen echten Cliffhanger, so dass es sich anfühlt, als würde die Geschichte schlichtweg in der Banalität versanden, zumal sich hier beim näheren Hinsehen einige logische Schlaglöcher offenbaren, die es zwar vorher auch schon gegeben haben mag, die aber hier erschwerend ins Gewicht fallen.

Fazit & Wertung:

Die mit Drew Barrymore und Timothy Olyphant hochkarätig besetzte erste Serienstaffel Santa Clarita Diet bietet in der Summe herrlich schwarzhumorige Unterhaltung und reichlich skurrile Ansätze, beginnt aber gleichermaßen mäßig wie es endet, so dass man leider einige Abstriche machen muss, um Freude an der ansonsten herzerfrischend inszenierten Vorstadt-Horror-Chose zu haben. So hoffe ich auf die Produktion einer zweiten Staffel und darauf, dass die Geschichte dort etwas zielgerichteter und abwechslungsreicher ausfällt.

7 von 10 erfrischenden Menschenfleisch-Smoothies

Santa Clarita Diet | Staffel 1

  • Erfrischende Menschenfleisch-Smoothies - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Die mit Drew Barrymore und Timothy Olyphant hochkarätig besetzte erste Serienstaffel Santa Clarita Diet bietet in der Summe herrlich schwarzhumorige Unterhaltung und reichlich skurrile Ansätze, beginnt aber gleichermaßen mäßig wie es endet, so dass man leider einige Abstriche machen muss, um Freude an der ansonsten herzerfrischend inszenierten Vorstadt-Horror-Chose zu haben. So hoffe ich auf die Produktion einer zweiten Staffel und darauf, dass die Geschichte dort etwas zielgerichteter und abwechslungsreicher ausfällt.

7.0/10
Leser-Wertung 6/10 (7 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Also eine Fledermaus oder ein Affe (6,5/10)
02. Wir können keine Menschen umbringen! (7/10)
03. Wir können Menschen umbringen (7/10)
04. Der furzende Sextourist (7,5/10)
05. Mensch essen Mensch (7,5/10)
06. Wir achten auf Details (7,5/10)
07. Merkwürdig oder nur gedankenlos? (7,5/10)
08. Wie viel Erbrochenes? (7,5/10)
09. Das Buch! (8/10)
10. Baka, Bittergalle und Baseballschläger (6/10)

 
– – –

Santa Clarita Diet | Staffel 1 ist seit dem 03.02.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

%d Bloggern gefällt das: