Review: Die glorreichen Sieben (Film)

Und zum Wochenende noch meine Meinung zu einem recht frischen Remake, das es mir wirklich angetan hat, womit ich in dem Ausmaß tatsächlich nicht gerechnet hätte. Aber hey, lässt sich ja jetzt alles hier nachlesen:

Die glorreichen Sieben

The Magnificent Seven, USA 2016, 132 Min.

Die glorreichen Sieben | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Antoine Fuqua
Autoren:
Nic Pizzolatto
Richard Wenk

Main-Cast:
Denzel Washington (Chisolm)
Chris Pratt (Josh Faraday)
Ethan Hawke (Goodnight Robicheaux)
Vincent D’Onofrio (Jack Horne)
Byung-hun Lee (Billy Rocks)
Manuel Garcia-Rulfo (Vasquez)
Martin Sensmeier (Red Harvest)
in weiteren Rollen:
Haley Bennett (Emma Cullen)
Peter Sarsgaard (Bartholomew Bogue)
Luke Grimes (Teddy Q)
Matt Bomer (Matthew Cullen)

Genre:
Western | Action | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die glorreichen Sieben | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Als 1879 der weithin gefürchtete "Geschäftsmann" Bartholomew Bogue beschließt, die Ortschaft Rose Creek unter seine Fittiche zu nehmen, plant er, die Bewohner mit einem Spottpreis für ihr überaus wertvolles Land abzuspeisen und der dagegen aufbegehrende Matthew Cullen wird prompt von Bogues Häschern erschossen, um die Fronten zu klären. Während sich die Einwohnerschaft von Rose Creek in ihr Schicksal fügt, ist es die Witwe Emma, die Hilfe von außerhalb sucht und sich an den Kopfgeldjäger Sam Chisolm wendet, der wiederum zunächst den Draufgänger Josh Farraday rekrutiert. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen und wenden sich an schier legendär gewordenen Scharfschützen Goodnight Robicheaux, dessen Begleiter Billy Rocks sich ebenfalls anschließt. Nachdem sich der eigenbrötlerische Fährtenleser Jack Horne, der Mexikaner Vasquez und nicht zuletzt der Indianerkrieger Red Harvest der eigentümlichen Gruppe angeschlossen haben, beschließt Chisolm, dass es an der Zeit ist, die Machtverhältnisse von Rose Creek zu klären, doch alsbald bekommt natürlich auch Bogue Wind von der Sache und schickt die geballte Macht seiner Schergen in Richtung der aufbegehrenden Ortschaft…

Rezension:

Kaum hatte ich den anderen, im selben Jahr entstandenen Western mit Ethan Hawke – In a Valley of Violence – gesichtet, kam ich nun in den Genuss, mir auch die Neuinterpretation von Die glorreichen Sieben zu Gemüte zu führen und ja, der Film hat mich schwer begeistert und wusste in beinahe sämtlichen Belangen zu überzeugen, derweil ich mich natürlich mal wieder bezüglich Vergleichen zum Original mangels Kenntnis zurückhalten muss, wobei es sich ja wohl auch eher um eine freie Interpretation denn um eine originalgetreue Umsetzung handelt, was ja aber auch nicht verkehrt sein mag, um Kenner wie Nicht-Kenner des Originals anzusprechen und gegebenenfalls überzeugen zu können. Davon einmal ganz abgesehen, muss man auch objektiv betrachtet einräumen, dass das dramaturgische Grundgerüst im Grunde sehr mager ist, denn während es im ersten Drittel darum gehen mag, die namensgebenden "Glorreichen" (die natürlich gar nicht mal so glorreich sind) zu versammeln, sich das zweite Drittel darauf verlegt, die Einwohner des zu beschützenden Örtchens zu trainieren und zu mobilisieren, ist das letzte Drittel dem erwartungsgemäß knalligen und auf epische Breite angelegten Showdown vorbehalten und großartige Entwicklungen sucht man während und zwischen diesen großen Plot-Points im Grunde vergeblich.

Szenenbild aus Die glorreichen Sieben | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Das macht aber tatsächlich gar nicht einmal so viel, denn einerseits steht diese selbstbewusst stringent und schnörkellose Erzählweise speziell Filmen des Western-Genres und entsprechend auch Die glorreichen Sieben extrem gut zu Gesicht, andererseits ist es hier die Diversität im Figurenreigen, aus der einiges an Unterhaltungswert generiert wird und den Figuren über ihre recht schablonenhafte Charakterisierung hinaus einiges an Profil verleiht. Nichtsdestotrotz stechen natürlich ohne Frage die "Zugpferde" Denzel Washington (The Book of Eli) und Shooting-Star Chris Pratt (Guardians of the Galaxy) spürbar aus der Masse heraus und bilden gemeinsam die Eckpfeiler des Neo-Westerns alter Schule, denn während Washingtons Figur Chisolm für grimmige Entschlossenheit und Rachedurst steht, verleiht Pratts Farraday dem Geschehen eine augenzwinkernde Leichtfüßigkeit und einen nie aufgesetzt oder übertrieben wirkenden Humor, derweil man ihm den raubeinigen Schelm zweifellos in jeder Sekunde abnimmt. Obschon prominent auf dem Cover genannt, zählt Ethan Hawke hier leider schon zur untergeordneten Garde und bekommt nicht annähernd die Leinwandzeit zugestanden, die man erwartet hätte, was doppelt schade, da mir sein vergleichsweise düster und zunächst undurchsichtig angelegter Scharfschütze Goodnight Robicheaux als Figur extrem imponiert hat.

Hawkes Figur gewinnt zudem ungemein durch die starken Bande zu dessen Begleiter, dem Koreaner Billy Rocks, der ganz großartig von Byung-hun Lee (R.E.D. 2) verkörpert wird, dem es nämlich gelingt, seiner Figur trotz nur weniger Szenen ausreichend Profil zu verleihen, dass insbesondere die Freundschaft zwischen Rocks und Robicheaux jederzeit nachvollziehbar und glaubhaft bleibt. Darstellerisch die größte Überraschung ist aber wieder einmal Vincent D’Onofrio (Daredevil), den ich als bärbeißigen Fährtenleser und Fallensteller quasi überhaupt erst auf den dritten Blick erkannt habe, so völlig geht er in seiner eigentümlichen und bewusst ambivalent angelegten Rolle auf. Schade also in dem Zusammenhang, dass sowohl Manuel Garcia-Rulfo als Mexikaner Vasquez als auch Martin Sensmeier als Indianer Red Harvest nur ganz am Rande der Wahrnehmung changieren und zu kaum mehr dienen, als einerseits die Truppe von Die glorreichen Sieben zu komplettieren und andererseits zuweilen als Stichwortgeber zu dienen, wenn man einmal von einem Mini-Subplot um die Herkunft von Red Harvest absieht, aber der ist wirklich kaum der Rede wert und noch nicht einmal sonderlich packend inszeniert.

Packend inszeniert ist dafür im Grunde der gesamte Rest des Films und ich musste wirklich staunen, dass mich der mehr als zwei Stunden umfassende Reigen trotz fadenscheiniger Geschichte in keinem Moment zu langweilen drohte, doch dafür ist Die glorreichen Sieben auch schlichtweg zu selbstbewusst präsentiert und gibt sich erfrischend rau und dreckig, schert sich weder um "Political Correctness" noch darum, dass im Kino dieser Tage doch besser nicht geraucht werde, um die armen Kinder nicht zu verführen, sondern geht stattdessen mit allem in die Vollen und macht natürlich auch bei den Feuergefechten keine Gefangenen, choreografiert stattdessen regelrechte Kampforgien, ohne auf übertrieben Gewalt zu setzen, gleichsam aber auch, ohne mit den Folgen hinter dem Berg zu halten, was eine enorm überzeugende Mischung ergibt, die eben mit gebotener, aber nicht überzogener Härte zu Werke geht.

Szenenbild aus Die glorreichen Sieben | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Wenn man also Die glorreichen Sieben überhaupt etwas ankreiden möchte, dann vielleicht, dass der Film vielleicht zuweilen ein wenig zu sehr auf seine namensgebenden sieben Hauptfiguren fokussiert, so dass sowohl Haley Bennett in ihrer Rolle der Emma Cullen als quasi einzige Frau im Bunde bis kurz vor Ende ziemlich blass und beliebig bleibt, kaum mehr als One-Liner und eine halbgare Motivationsrede von sich gibt, während ausgerechnet der große Antagonist des Vergeltungs-Western, der überlebensgroß angelegte Bartholomew Bogue nicht minder blass erscheint und über weite Strecken nicht einmal in Erscheinung tritt. Immerhin erweist es sich diesbezüglich als Glücksfall, dass Peter Sarsgaard (Black Mass) die Rolle übernommen hat, denn so rudimentär Bogue als Figur auch angelegt sein mag, so selten er in Erscheinung tritt, oszilliert seine Gestalt doch in den wenigen prägenden Leinwandszenen spürbar, was man durchaus dem Charisma und der Präsenz, selbstredend aber auch der bewusst over-the-top angelegten Interpretation seitens Sarsgaard zuschreiben darf.

Fazit & Wertung:

Über Sinn und Unsinn eines Remakes mag man immer streiten können, doch Die glorreichen Sieben für sich betrachtet hat mich restlos überzeugen können und punktet insbesondere mit einem diversifizierten und sorgsam aufeinander abgestimmten Figuren-Ensemble, das locker durch die grob drei Akte der im Grunde nur fadenscheinigen Geschichte führt, die ihre Wucht vielmehr aus der selbstbewusst dreckigen und beinharten Inszenierung seitens Antoine Fuqua zieht, als sich um dramaturgische Finesse zu bemühen, was hier aber auch genau der richtige Ansatz sein mag. Abgesehen davon, dass nicht jeder Figur die Aufmerksamkeit zuteilwird, die sie verdient hätte, handelt es sich um ein rundherum überzeugend und druckvoll dargebrachtes Western-Epos.

8,5 von 10 eigenwilligen Einzelgängern

Die glorreichen Sieben

  • Eigenwillige Einzelgänger - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Über Sinn und Unsinn eines Remakes mag man immer streiten können, doch Die glorreichen Sieben für sich betrachtet hat mich restlos überzeugen können und punktet insbesondere mit einem diversifizierten und sorgsam aufeinander abgestimmten Figuren-Ensemble, das locker durch die grob drei Akte der im Grunde nur fadenscheinigen Geschichte führt, die ihre Wucht vielmehr aus der selbstbewusst dreckigen und beinharten Inszenierung seitens Antoine Fuqua zieht, als sich um dramaturgische Finesse zu bemühen, was hier aber auch genau der richtige Ansatz sein mag. Abgesehen davon, dass nicht jeder Figur die Aufmerksamkeit zuteilwird, die sie verdient hätte, handelt es sich um ein rundherum überzeugend und druckvoll dargebrachtes Western-Epos.

8.5/10
Leser-Wertung 4/10 (1 Stimme)
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Die glorreichen Sieben ist am 26.01.17 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures Home Entertainment Inc. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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