Review: Tropic Thunder – Director’s Cut (Film)

Kommen wir heute zu einem Film, bei dem ich mir nie ganz sicher bin, ob der jetzt wirklich objektiv gut ist oder mehr in der Kategorie "Guilty Pleasure" rangiert. Ich für meinen Teil bin Fan das Films und nachdem ich mir jüngst den Director’s Cut gegönnt habe noch mehr, aber das werde ich euch ja jetzt nachfolgend alles im Detail erzählen.

Tropic Thunder
Director’s Cut

Tropic Thunder, USA/UK/DE 2008, 121 Min.

Tropic Thunder | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Regisseur:
Ben Stiller
Autoren:
Justin Theroux
Ben Stiller
Etan Cohen

Main-Cast:
Ben Stiller (Tugg Speedman)
Jack Black (Jeff Portnoy)
Robert Downey Jr. (Kirk Lazarus)

in weiteren Rollen:

Steve Coogan (Damien Cockburn)
Jay Baruchel (Kevin Sandusky)
Danny McBride (Cody)
Brandon T. Jackson (Alpa Chino)
Bill Hader (Studio Executive Rob Slolom)
Nick Nolte (Four Leaf Tayback)
Matthew McConaughey (Rick Peck)
Tom Cruise (Les Grossman)

Genre:
Action | Komödie | Satire

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Tropic Thunder | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Filmstar Tugg Speedman steckt in der Krise, nachdem seine Darstellung als Behinderter in "Simple Jack" im einzig Spott und Häme eingebracht hat, weshalb er sich auf seine Stärken als Actionheld besinnt und sich für einen Vietnamkriegs-Film verpflichtet, an dem auch der drogensüchtige Comedy-Star Jeff Portnoy sowie Method-Actor und fünffacher Oscar-Preisträger Kirk Lazarus beteiligt sind. Lazarus lässt sich gar seine Haut pigmentieren, um einen Schwarzen spielen zu können, derweil für die Zugkraft des Films noch Rapper Alpa Chino und Nachwuchstalent Kevin Sandusky engagiert werden. Schnell läuft das Mammutprojekt aber aus dem Ruder und nachdem Produzent Les Grossman dem Regie-Debütanten Damien Cockburn gehörig den Marsch geblasen hat, entschließt der sich auf Empfehlung des Kriegsveteranen Four Leaf Tayback – auf dessen Buch die Story des Films basiert –, seine verwöhnte Darsteller-Riege in den Dschungel zu verfrachten und quasi im Guerilla-Stil weiterzudrehen. Dieser Plan scheitert allerdings kurz nach der Ankunft und plötzlich finden sich die Schauspieler im tiefsten Dickicht wieder, nicht ahnend, dass sie auf sich allein gestellt sind und dass es sich bei den ihnen begegnenden Soldaten mitnichten um Statisten, sondern um Mitglieder eines großangelegten Drogenkartells handelt…

Rezension:

Passend zu den beinahe tropischen Temperaturen im Moment landete jüngst wieder Tropic Thunder in meinem Player, den ich seinerzeit schon sehr gemocht habe und unbedingt noch einmal sehen wollte, wobei es noch einen weiteren Anlass für die Zweitsichtung gegeben hat. Denn bekannt war mir bis dato lediglich die auf DVD verfügbare Kinofassung und nachdem ich mir kürzlich ein Blu-ray-Update des Films spendiert hatte, stand nun die Sichtung des deutlich lohnenswerteren und stringenteren Director’s Cut an, der den Film um beinahe achtzehn Minuten Laufzeit ergänzt, die von Gewalteinstellungen über Kleinigkeiten bis hin zu gänzlich neuen Szenen alles umfassen, was man sich von einer verlängerten Filmfassung nur wünschen könnte. Die eigentliche Eröffnung des Films blieb dabei aber zum Glück unangetastet, denn die Filmindustrie-Satire eröffnet zunächst mit drei Fake-Trailern, um die von Stiller, Black und Downey Jr. verkörperten Filmstars vorzustellen, gleichsam aber auch ein wenig die komödiantische Marschrichtung vorzugeben, die es übrigens ist, die diesen Film so großartig macht. So wie man sich nämlich aus unterschiedlichen Gründen über die exzentrische Darsteller-Riege amüsieren kann, ist hier auch so ziemlich jedes Humorverständnis vertreten, so dass man sich einerseits typischen Ben Stiller-Humor erwarten darf, andererseits aber auch mit derbem Fäkalhumor sowie ein paar scharfzüngigen Seitenhieben rechnen muss, während das alles gehüllt ist in eine an bewusster Maßlosigkeit und Gigantismus überbordende Farce, die sich zu keinem Zeitpunkt selbst ernst nimmt, allerdings in alle Richtungen gnadenlos auszuteilen versteht, während sich die versammelte Darstellerschaft augenzwinkernd und selbstironisch auch gerne selbst aufs Korn nimmt.

Szenenbild aus Tropic Thunder | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Keine Frage, politische Korrektheit sucht man hier vergebens, weshalb ich auch dem Grunde nach die Proteste von Behinderten-Lobbyisten bei Erscheinen des Films verstehe, die meinen, man – in dem Fall Stiller – mache sich über Behinderte lustig, doch erstens ist das Ziel des Spotts vielmehr die Hollywood’sche Instrumentalisierung von Behinderungen, die eine derartige Rolle als regelrechten Garant für Filmpreise noch und nöcher betrachten, zweitens teilt der Film ungelogen in alle Richtungen aus und ist so offensichtlich als bitterböse Satire konzipiert, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlen sollte, wobei da ja die Schmerzgrenze sehr individuell anzusetzen ist. Sei es wie es will, Tropic Thunder schießt munter gegen die Hollywood-Maschinerie, Studiobosse, Regisseure und Method Actors, verballhornt die eigenen Protagonisten und macht dabei extrem viel Spaß, wenn auch eben nicht jeder Gag jedermanns Sache sein dürfte, doch da hilft ja die enorme Vielfalt an komödiantischen Einfällen durchaus weiter. Vor allem aber funktioniert Stillers Film trotz allem auch noch einerseits als verfilmte Filmentstehungsgeschichte, andererseits als Actionfilm, dessen Schauwerte sich durchaus sehen lassen können, auch wenn die überzogenen Gewaltdarstellungen in der ersten Viertelstunde – die im Director’s Cut noch einmal gehörig aufgebohrt worden sind – auch nicht jedem munden dürften.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht dabei immer und jederzeit Ben Stiller (Gefühlt Mitte Zwanzig), der hier ohnehin sämtliche Zügel fest in der Hand hält und gemeinsam mit Justin Theroux und Etan Cohen eben nicht nur das Drehbuch verfasst hat, sondern auch als Regisseur hinter der Kamera steht, vor der Kamera derweil den dümmlich-oberflächlichen Action-Helden Tugg Speedman gibt, der lange Zeit nicht einsehen will, dass das, was da im Dschungel passiert, möglicherweise nicht mehr Teil des Filmprojekts ist, was ihn freilich in manch abstruse – und auch gefährliche – Situation bringt. Jack Black (Jumanji) wiederum als drogensüchtiger Portnoy ist leider etwas sehr schablonenhaft geraten und hat noch am ehesten dazu geneigt, mich eher zu nerven als zu unterhalten, obwohl ich den Darsteller sonst insbesondere für sein komödiantisches Talent sehr schätze. Robert Downey Jr. (Charlie Bartlett) dafür, der hier den mehrfachen Oscar-Preisträger gibt, der sich für die Rolle des Afroamerikaners im Vorfeld seine Haut hat pigmentieren lassen, liefert mal wieder eine Punktlandung und erdet mit seiner grundsätzlich ernsten Attitüde das Geschehen gar ein wenig, während er als ausgewiesener Method Actor eben auch kaum je aus seiner Rolle fällt, obwohl er sich im Gegensatz zu Stillers Figur recht schnell darüber im Klaren ist, dass etwas beim Dreh so gar nicht nach Plan läuft. Dadurch bringt er natürlich auch Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson; Californication) gegen sich auf, der es verständlicherweise nicht leiden kann, dass der Australier Lazarus sich nun als Schwarzer betrachtet, zumal sein zu diesem Zweck entworfener Ghetto-Slang doch reichlich klischeebelastet ist.

Szenenbild aus Tropic Thunder | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Die eigentlichen Highlights neben dem Treiben im Dschungel sind aber die weiteren Darsteller, zu denen hier auch Matthew McConaughey (The Wolf of Wall Street) zählt, der in seiner Rolle des opportunistischen Managers von Tugg fröhlich gegen sein zu dieser Zeit noch sehr präsentes Frauenschwarm-Image anspielt. Einzig Tom Cruise gräbt ihm aber ohne Frage mühelos das Wasser ab mit seiner Verkörperung des Studio-Moguls Les Grossman, mit der er quasi aus dem Stehgreif eine Kultfigur erschaffen hat und Tropic Thunder mit dieser exquisiten Darstellung im Grunde ähnlich veredelt wie wenige Jahre später als Rockstar Stacee Jaxx in Rock of Ages. In weiteren Rollen runden Danny McBride als durchgeknallter Sprengstoffexperte und Jay Baruchel als aufstrebender Jungdarsteller (beide: Das ist das Ende), Steve Coogan (The Look of Love) als ambitionierter wie verzweifelnder Regisseur, Bill Hader (Paul) als Arschkriecher vom Dienst sowie ein herrlich markig aufspielender Nick Nolte (Gangster Squad) als Kriegsveteran Four Leaf Tayback das Geschehen ab. Und so macht dieses Ensemble allein den vor Ideen, Gags und derben Seitenhieben nur so sprudelnden Film schon zum regelrechten Pflichtprogramm, der in seiner deutlich verlängerten Director’s Cut-Fassung in meinen Augen eine noch größere Empfehlung wert ist als ohnehin schon, wenn man denn einem rundherum anarchischen, sich weder um Konventionen noch guten Ton scherenden Filmprojekt wie diesem hier etwas abgewinnen kann.

Fazit & Wertung:

Ben Stillers als Kriegsfilm-Persiflage getarntes Regiewerk Tropic Thunder kommt als in allen Belangen übersteuertes Action- und Gag-Feuerwerk daher, das zwar nicht immer den richtigen Ton trifft und vielleicht auch hier oder dort über das Ziel hinausschießt, in seiner beißend satirischen Art und der jederzeit vorhandenen Selbstironie aber auch eine herrlich bitterböse Abrechnung mit der Hollywood-Maschinerie darstellt, die man durchaus mal gesehen haben sollte, wenn man dem exzentrisch-anarchischen Tenor des Films nicht abgeneigt ist.

8,5 von 10 abgesprengten Gliedmaßen

  • Abgesprengte Gliedmaßen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Ben Stillers als Kriegsfilm-Persiflage getarntes Regiewerk Tropic Thunder kommt als in allen Belangen übersteuertes Action- und Gag-Feuerwerk daher, das zwar nicht immer den richtigen Ton trifft und vielleicht auch hier oder dort über das Ziel hinausschießt, in seiner beißend satirischen Art und der jederzeit vorhandenen Selbstironie aber auch eine herrlich bitterböse Abrechnung mit der Hollywood-Maschinerie darstellt, die man durchaus mal gesehen haben sollte, wenn man dem exzentrisch-anarchischen Tenor des Films nicht abgeneigt ist.

8.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Tropic Thunder ist am 05.02.09 auf DVD und Blu-ray bei Paramount im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Der Director’s Cut ist allerdings nur auf der Blu-ray vertreten. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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