Review: Testament of Youth (Film)

Da es ja – selbst im Oktober – nicht immer nur um Horror gehen kann, widmen wir uns heute mal einem Weltkriegs-Drama, dass mich extrem positiv zu überraschen gewusst hat und das ich nun sehr gerne Teil meines Portfolios nenne. Donnerstag – versprochen – wird es dann aber auch wieder was gruseliger.

Testament of Youth

Testament of Youth, UK/DK 2014, 129 Min.

Testament of Youth | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
James Kent
Autoren:
Juliette Towhidi (Drehbuch)
Vera Brittain (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Alicia Vikander (Vera Brittain)
Kit Harington (Roland Leighton)
Taron Egerton (Edward Brittain)
Emily Watson (Mrs. Brittain)
Hayley Atwell (Hope)
Colin Morgan (Victor Richardson)
in weiteren Rollen:
Joanna Scanlan (Aunt Belle)
Anna Chancellor (Mrs. Leighton)
Alexandra Roach (Winifred Holtby)
Dominic West (Mr. Brittain)
Miranda Richardson (Miss Lorimer)

Genre:
Biografie | Drama | Historie | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Testament of Youth | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Vera Brittain versteht sich als unabhängige, emanzipierte Frau und wünscht sich nichts sehnlicher, als mit dem Segen ihres Vaters in Oxford studieren zu dürfen, doch ihr Vater sträubt sich zunächst. Besser ergeht es da ihrem Bruder Edward, dem als Mann ohnehin die Welt zu Füßen zu liegen scheint, doch Edward setzt sich hingebungsvoll für seine Schwester ein und schlussendlich ist auch Mr. Brittain bereit, Vera eine Chance zu geben. Derweil lernt sie im selben malerischen Sommer den charismatischen Roland Leighton kennen, den sie in Oxford ebenfalls häufiger zu Gesicht bekommen dürfte. Alles scheint sich in ihrem Leben zum Besten zu wenden und es dauert nicht lange, bis sie sich mit Roland verlobt, doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und scheint das idyllische Leben auf einen Schlag zu beenden. Sowohl Edward als auch Roland zieht es an die Front und auch Vera kann nicht lange tatenlos zusehen, wie die Männer sich für ihr Land einsetzen, während sie untätig daheim bleibt. Noch während Vera darüber grübelt, wie sie Land und Leute am besten unterstützt, fordert der Krieg aber bereits erste Opfer und wird die junge Frau noch mehrfach auf harte Proben stellen…

Rezension:

Eine ganze Weile dümpelte Testament of Youth auf meinem Wunschzettel, nachdem ich vor geraumer Zeit zufällig darauf gestoßen war und nun, nach Sichtung dieses Weltkriegs-Dramas nach literarischer Vorlage bin ich umso erstaunter, wie dieser Film dem Gefühl nach beinahe gänzlich unter dem öffentlichen Radar hindurchtauchen konnte, denn hier verbirgt sich eine wahre Perle von Film, deren emotionaler Kern ganz auf den Schultern der wunderbaren Alicia Vikander (Liebe zwischen den Meeren) ruht, die hier eine der eindrücklichsten und eindringlichsten Performances ihrer bisherigen Karriere abliefert. Dabei gelingt es dem knapp über zwei Stunden dauernden Reigen, einerseits mühelos die bedienten Genres zu wechseln und andererseits eine intensive und packende Geschichte zu erzählen, ohne dabei je zum emotionalen Rührstück zu verkommen. Zu Beginn scheint die Welt noch in Ordnung für die Geschwister Vera und Edward Brittain und wir lernen sie während eines weitestgehend unbeschwerten Sommers auf dem Lande kennen, wo sich auch erste zarte Bande zwischen der gescheiten und ambitionierten Vera und dem etwas schüchternen Roland Leighton entspinnen. Vera allerdings wünscht sich nichts sehnlicher, als von ihrem Vater die Erlaubnis zu bekommen, studieren zu dürfen, womit wir zugegebenermaßen eine Ausgangslage haben, die generischer und formelhafter kaum sein könnte.

Szenenbild aus Testament of Youth | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Von diesem Punkt ausgehend entspinnt sich in Testament of Youth allerdings zunächst so etwas wie ein zu gleichen Teilen romantisches wie emanzipiertes Drama, das wiederum unvermittelt durch die aufkeimenden Kriegsbemühungen einen harschen Einschnitt erfährt und nicht nur Veras Leben von Grund auf ändert. Quasi tatenlos muss sie mitansehen, wie sich sowohl ihr Bruder Edward als auch Roland zum Kriegsdienst melden, während man im heimischen England noch der falschen Hoffnung anhängt, dieser Kriegszustand würde sich rasch in Wohlgefallen auflösen. Nun möchte ich gar nicht vorwegnehmen, wie sich die Geschichte um Vera, ihren Bruder und ihren Liebsten weiterentwickelt, doch selten wurde für mein Empfinden das Leid des Krieges so deutlich herausgearbeitet, ohne dass dafür überhaupt je auf drastische Szenen von der Front zurückgegriffen werden müsste, denn der wahre Horror schleicht sich schließlich zunächst in die Köpfe der Protagonisten und verändert nicht nur das Verhältnis zwischen Vera und Roland für immer. Ausgehend von Veras zunächst so hoffnungsvollem Studienbeginn wird die junge Frau in eine regelrechte Odyssee aus Schmerz, Entbehrungen und Verlust gedrängt, die exemplarisch stehen für die Gräuel einer vom Krieg zerrütteten Gesellschaft.

Die große Stärke von Testament of Youth ist dabei allerdings wie eingangs schon erwähnt, dass man sich hier falsches Pathos und melodramatische Einschübe gänzlich schenkt und dadurch ein besonders eindringliches und berührendes Szenario erschafft, durch das eine in ihrer Rolle durchweg brillierende Alicia Vikander führt, die zudem eine spürbare Wandlung erfährt und an den Geschehnissen und Tragödien mehrfach zu zerbrechen droht, allen Widrigkeiten zum Trotz aber dennoch jederzeit ihre Frau steht und sich zunehmend für die Soldaten einzusetzen sucht und ihren Beitrag leistet. So erzählt der Film gar nicht mal so sehr von einer romantischen Liebe, wie allein das Cover anzudeuten vermag, sondern vielmehr eine breitgefächerte Geschichte vom Ende der Kindheit, vom Verlust der Unschuld, dem Zerbrechen an der Wirklichkeit, denn die Schrecken des Krieges spielen sich bekanntermaßen mitnichten einzig an der Front ab und die Veränderungen, die die Gesellschaft im Kontext der andauernden Kriegsbemühungen durchlebt, werden auf feinsinnige und berührende Art herausgearbeitet.

Szenenbild aus Testament of Youth | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Neben Vikander wissen aber auch Taron Egerton (Eddie the Eagle) als ihr Bruder Edward sowie Kit Harrington (Pompeii) als Roland Leighton zu überzeugen, gleichwohl sie stets im Schatten der Hauptfigur bleiben und lediglich Stationen in einem von Leid geplagten Leben darstellen, dessen unmittelbare und wahrhaftige Emotionalität Testament of Youth so berührend machen. Entsprechend ist das Gezeigte trotz moderater Altersfreigabe und ausgesparter "Front-Aufnahmen" harter Tobak und sicherlich nichts für einen beschaulichen Filmeabend, doch trübt oder schmälert das freilich nicht die Qualitäten dieses so gekonnt in Szene gesetzten Historien-Dramas, das sich bei all dem Leid und Verlust auch immer einen Funken Hoffnung bewahrt und meines Erachtens auf überzeugendste Art und Weise die Sinnlosigkeit und den Schrecken des Krieges herausarbeitet. Dabei steht Vera Brittain – auf deren Autobiografie das Skript des Filmes fußt – exemplarisch für eine ganze Generation, deren Leben auf grausamste und tragischste Art und Weis für immer verändert, in vielen Fällen gänzlich zerstört worden ist.

Fazit & Wertung:

Regisseur James Kent gelingt mit Testament of Youth ein über die Maßen beeindruckendes Historien-Drama, das ohne jeglichen Pathos oder melodramatischen Einschlag eine zutiefst emotionale und ungemein tragische Geschichte erzählt, die nicht nur vom Verlust der Unschuld einer ganzen Generation kündet. Dank ungewöhnlicher Perspektive und einer großartig aufspielenden Alicia Vikander eine zu Herzen gehende wie gleichermaßen nachdenklich stimmende Erzählung von Liebe und Leid.

8,5 von 10 Schrecken des Krieges

Testament of Youth

  • Schrecken des Krieges - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseur James Kent gelingt mit Testament of Youth ein über die Maßen beeindruckendes Historien-Drama, das ohne jeglichen Pathos oder melodramatischen Einschlag eine zutiefst emotionale und ungemein tragische Geschichte erzählt, die nicht nur vom Verlust der Unschuld einer ganzen Generation kündet. Dank ungewöhnlicher Perspektive und einer großartig aufspielenden Alicia Vikander eine zu Herzen gehende wie gleichermaßen nachdenklich stimmende Erzählung von Liebe und Leid.

8.5/10
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Testament of Youth ist am 22.10.15 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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