Review: 5 Zimmer Küche Sarg (Film)

Und noch einer dieser Filme, der viel zu lang in meinem Schrank gelegen hat und den ich nun endlich angesehen habe, um darüber sprechen zu können. Das Timing könnte nicht besser sein, denn die auf diesem Werk basierende Serie ist jüngst gestartet.

5 Zimmer Küche Sarg

What We Do in the Shadows, NZ/USA 2014, 86 Min.

5 Zimmer Küche Sarg | © Universum Film
© Universum Film

Regisseure:
Jemaine Clement
Taika Waititi
Autoren:
Jemaine Clement
Taika Waititi

Main-Cast:
Jemaine Clement (Vladislav)
Taika Waititi (Viago)
Jonny Brugh (Deacon)
Cori Gonzalez-Macuer (Nick)
Stu Rutherford (Stu)

Genre:
Komödie | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus 5 Zimmer Küche Sarg | © Universum Film
© Universum Film

Gemeinsam leben die Vampire Vladislav, Viago, Deacon und Petyr in einer heimeligen WG im neuseeländischen Wellington und haben jüngst zugestimmt, dass ein Film-Team sie einige Zeit begleiten dürfe, wobei insbesondere der aufgeschlossene Viago bereitwillig Auskunft gibt, aber auch die Scherereien nicht ausspart, die er mit seinen Mitbewohnern hat, denn beispielsweise der rebellische Deacon weigert sich seit geschlagenen fünf Jahren, den Abwasch zu erledigen. Während die Kameraleute Bescheid wissen und sich mit Knoblauch und Kruzifixen schützen, brauchen Vampire aber eben zuweilen auch Nahrung und hierbei wird der bis dahin unbescholtene Nick verwandelt, der den Kodex der Vampirgemeinschaft allerdings weit großzügiger auszulegen gedenkt, als die "Urgesteine" dies bislang gehandhabt haben. So hat Nick auch keine Hemmungen, sein mit seinem Vampir-Sein in der Öffentlichkeit anzugeben, was alsbald einen garstigen Vampirjäger auf die Fährte der WG-Bewohner bringt…

Rezension:

Nachdem mich – nun auch schon wieder vor einiger Zeit – der von dem Neuseeländer Taika Waititi inszenierte Thor: Tag der Entscheidung so über die Maßen positiv und vor allem komödiantisch überzeugt hat, wanderte recht schnell auch der von Waititi inszenierte 5 Zimmer Küche Sarg auf meine persönliche Wunschliste, denn auch wenn ich nicht unbedingt riesiger Fan des Sub-Genres Mockumentary bin, sind Vampire in all ihrer Ausgestaltung schon weit eher mein Thema und augenzwinkernder Humor sowieso. Ein Glück, dass Erwartungshaltung und Realität sich manchmal so formidabel zu decken wissen, denn der 2014 entstandene Film bietet vom ersten Moment an genau das, was ich mir von ihm erwartet habe. Das liegt nicht unmaßgeblich eben auch an Taika Waititi, der neben seinem Posten als Regisseur und Drehbuchautor (den er sich in beiden Fällen mit Jemaine Clement teilt), auch als Dandy-Vampir Viago in Erscheinung tritt und erster Ansprechpartner für das Filmteam ist, die hier in der neuseeländischen Vampir-WG einen Dokumentarfilm zu drehen versuchen. Dabei ist die Film-Crew zum Glück weit mehr als nur Gimmick, um das Geschehen in Szene zu setzen, sondern wird auch immer wieder in die Handlung integriert, wenn Außenstehende sich irritiert erkundigen, was das denn mit den Kameras soll.

Szenenbild aus 5 Zimmer Küche Sarg | © Universum Film
© Universum Film

Überhaupt punktet aber 5 Zimmer Küche Sarg damit, sich bis zuletzt seiner Prämisse treu zu bleiben, derweil dem munteren Geschehen tatsächlich nie der Biss auszugehen scheint, was zweifelsohne auch daran liegt, wie vielfältig und abwechslungsreich die Bewohner der WG geraten sind, die dann mal eben die gängigsten Varianten an aus Film und Fernsehen bekannten Vampiren abbilden, was sich auch in deren Verhalten, Garderobe und gesellschaftlicher Rückständigkeit abbildet. So erinnert der von Jemaine Clement verkörperte Vladislav gar nicht mal von ungefähr an den bekannten Dracula, während es mit Deacon (Jonny Brugh) einen rebellischen 80er/90er-Jahre-Vampir hat und nicht zuletzt mit Petyr (Ben Fransham) einen Vampir vom alten Schlage, bei dem man unweigerlich an Nosferatu wird denken müssen. Diese gängige Herangehensweise einer charakterlich möglichst differenziert aufgestellten Gruppe ist hier aber eben weit mehr als Mittel zum Zweck, sondern bildet das Grundgerüst eines Füllhorns an humorigen Szenen und Seitenhieben, die über die gesamte Dauer hinweg wunderbar zu unterhalten wissen.

Wie man sich das nämlich bei Vampiren eines gewissen Alters erwarten würde, sind die mit dem modernen Leben nicht unbedingt vertraut und es bedarf Neuzugang Nick, um sie zumindest ein Stück weit ins Hier und Jetzt zu ziehen, wobei der natürlich die ganze Sache mit dem Vampir-Sein nicht annähernd so ernst nimmt wie die Urgesteine und sich protzend und prahlend bald selbst "Twilight" zu nennen beginnt und unerwünschte Aufmerksamkeit auf die WG zieht, die dank Kamera-Crew und gnadenlos veraltetem Modegeschmack ja nun ohnehin schon nicht gerade unauffällig daherkommt. Bei alldem Humor und Albernheiten fehlen aber auch ein gewisser Ernst und eine leise Tragik nicht in dem von Waititi und Clement ersonnenen und inszenierten Werk mit dem Originaltitel What We Do in the Shadows, das einerseits auf dem gleichnamigen Kurzfilm von 2005 fußt und andererseits unlängst Pate gestanden hat für eine – ebenfalls gleichnamige – TV-Serie, deren erste Folge zumindest in den USA übrigens gestern Premiere gefeiert hat.

Szenenbild aus 5 Zimmer Küche Sarg | © Universum Film
© Universum Film

So weiß 5 Zimmer Küche Sarg eben nicht nur auf humoristischer ebene zu überzeugen, sondern punktet auch inhaltlich mit einem liebevoll und abwechslungsreich inszenierten Plot, der am Rande des großen Ganzen auch noch kleine Nebenhandlungen eröffnet und gleichsam eine Geschichten zum Besten gibt, die ihre Figuren begleitet, aber mitnichten der Lächerlichkeit preisgibt. Wunderbare Einfälle wie das ominöse "Biest" und ein Rudel gar nicht mal so garstiger Werwölfe runden das Treiben gekonnt ab, auch wenn man natürlich diese Art der Inszenierung und diese Art des Humors mögen muss, um wirklich Spaß an diesem bestens aufgelegten und einfallsreich inszenierten Werk zu haben. Ich für meinen Teil bin mir jedoch sicher, dass dieser Streifen noch öfter bei mir im Player landen wird und auch bei der Serie werde ich sicherlich über kurz oder lang einen Blick riskieren, denn bereits hier hätte ich mir bei so manchem Part der Handlung gewünscht, dass dem weiter nachgespürt worden wäre, was aber natürlich bei der Kürze eines Films schlichtweg nicht möglich gewesen wäre. Dafür allerdings gibt es hier auch keinerlei Längen zu bemängeln, so dass man sich auf extrem unterhaltsame anderthalb Stunden feinsten Humors freuen kann.

Fazit & Wertung:

Mit 5 Zimmer Küche Sarg ist Taika Waititi und Jemaine Clement in Personalunion als Drehbuchautoren, Regisseure und Hauptdarsteller eine rundherum großartige Mockumentary um eine neuseeländische Vampir-WG gelungen, die nicht von ungefähr mittlerweile eine TV-Serie nach sich gezogen hat und auch dessen ungeachtet als Positivbeispiel für gelungenes Storytelling und einfallsreichen Humor gelten darf, zumal weite Teile des Films spürbar improvisiert sind und entsprechend erfrischend daherkommen.

8 von 10 exzentrischen WG-Vampiren

5 Zimmer Küche Sarg

  • Exzentrische WG-Vampire - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit 5 Zimmer Küche Sarg ist Taika Waititi und Jemaine Clement in Personalunion als Drehbuchautoren, Regisseure und Hauptdarsteller eine rundherum großartige Mockumentary um eine neuseeländische Vampir-WG gelungen, die nicht von ungefähr mittlerweile eine TV-Serie nach sich gezogen hat und auch dessen ungeachtet als Positivbeispiel für gelungenes Storytelling und einfallsreichen Humor gelten darf, zumal weite Teile des Films spürbar improvisiert sind und entsprechend erfrischend daherkommen.

8.0/10
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5 Zimmer Küche Sarg ist am 05.06.15 auf DVD und Blu-ray bei Weltkino Filmverleih im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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