Review: Thor 3: Tag der Entscheidung (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Da ja nun nächste Woche Donnerstag der "Infinity War" startet – den ich erst am Sonntag werde sehen können, grummel – wird es allerhöchste Zeit, doch zumindest den heute zu besprechenden Film nachzuholen, was ich dann hiermit getan hätte. Ansonsten wünsche ich ein wunderbar sonniges Wochenende und fürchte zum derzeitigen Stand, dass ich euch morgen eine Serien-Besprechung schuldig bleiben werde, weil das Wetter zu gut ist – aber wir werden sehen!

Thor 3:
Tag der Entscheidung

Thor: Ragnarok, USA 2017, 130 Min.

Thor 3: Tag der Entscheidung | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Taika Waititi
Autoren:
Eric Pearson
Craig Kyle
Christopher Yost

Main-Cast:
Chris Hemsworth (Thor)
Tom Hiddleston (Loki)
Cate Blanchett (Hela)
Idris Elba (Heimdall)
Jeff Goldblum (Grandmaster)
Tessa Thompson (Valkyrie)
Karl Urban (Skurge)
Mark Ruffalo (Bruce Banner / Hulk)
Anthony Hopkins (Odin)
in weiteren Rollen:
Benedict Cumberbatch (Doctor Strange)
Taika Waititi (Korg [Stimme])
Rachel House (Topaz)
Clancy Brown (Surtur [Stimme])
Tadanobu Asano (Hogun)
Ray Stevenson (Volstagg)
Zachary Levi (Fandral)
Luke Hemsworth (Actor Thor)
Matt Damon (Actor Loki)
Sam Neill (Actor Odin)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Thor 3: Tag der Entscheidung | © Walt Disney
© Walt Disney

Um den drohenden, prophezeiten Untergang Asgards zu verhindern, steigt Thor in eine Variation der Hölle hinab, um dem Feuerdämon Surtur die Hörner zu stutzen, was ihm natürlich mit nonchalanter Leichtigkeit glückt, während sich eher die Heimkehr als schwierig erweist, denn Heimdall wurde jüngst von Skurge als Wächter des Bifröst beerbt und der interessiert sich weit mehr für hübsche junge Frauen und seine M16-Gewehre "Zer" und "Stör". Kaum ist Thor allerdings wieder in Asgard zugegen, durchschaut er Lokis List, sich als Allvater Odin auszugeben und zwingt ihn, ihm bei der Suche nach Odin zu helfen. Kaum haben sie – mithilfe eines gewissen Doctor Strange – den Aufenthaltsort ihres Vaters aber ermittelt, tritt Todesgöttin Hela auf den Plan und setzt den beiden gehörig zu. Als Thor und Loki aber versuchen, ihr durch den Bifröst zu entkommen, werden sie aus dessen Strahl geschleudert und Thor landet auf dem entfernten, von Müll übersäten Planeten Sakaar, der unter der Herrschaft des Grandmaster steht…

Rezension:

Ich muss ja zugeben, dass sowohl Thor als auch Thor 2: The Dark Kingdom innerhalb des stetig wachsenden Marvel Cinematic Universe nie zu meinen ausgewiesenen Lieblingen gezählt haben, doch ist das natürlich kein Grund, Thor 3: Tag der Entscheidung links liegen zu lassen, zumal ich zumindest den doch gerne noch vor Kinostart von Avengers: Infinity War nachgeholt haben wollte. Nun habe ich mich ja wirklich bemüht, mich nicht mit Infos zum Film zu spoilern, doch dass der anfänglich als düster und ernst vermutete, im Original schließlich als Thor: Ragnarok betitelte Streifen unerwartet witzig sein würde, das war selbst zu mir durchgesickert und macht sich bereits in den ersten Minuten bemerkbar. Nun verstehe ich jeden, der dieser Art Ausrichtung nichts oder nur wenig abgewinnen kann, doch für mich persönlich macht das diesen Teil zusammen mit den zwei Guardians of the Galaxy-Vertretern tatsächlich zu einem der besten Streifen des MCU, weil hier ein sich selbst nicht zu ernst nehmendes, zuweilen bewusst trashiges Flair transportiert wird, das wunderbar mit der Hochglanz-Optik der Filme korreliert und ein ungemein unterhaltsames Filmvergnügen liefert, zumal ich nicht der Meinung bin, dass man zugunsten von Gags und Slapstick auf Drama und Ernsthaftigkeit verzichtet hätte, denn wo es geboten ist, ist Thor 3: Tag der Entscheidung düster und ernst, zumal der dritte Teil der Reihe durchaus Opfer fordern wird, wie man früh feststellen darf.

Szenenbild aus Thor 3: Tag der Entscheidung | © Walt Disney
© Walt Disney

Auf Jane Foster derweil muss man ebenso verzichten, wobei das daran liegt, dass Natalie Portman keine Lust mehr auf das MCU hat, weshalb in einem Nebensatz die Trennung von Jane und Thor abgehandelt wird (immerhin), wobei sie ehrlicherweise auch kaum einen Platz in der Storyline von Thor 3: Tag der Entscheidung gehabt hätte, die sich anfänglichem Vorgeplänkel eben auf den Planeten Sakaar verlagert und sich manches Versatzstück der Storyline von Planet Hulk ausborgt, um die grüne Kampfmaschine ebenfalls in die Handlung zu betten, womit auch Thor 3: Tag der Entscheidung dem Trend von Civil War folgt, auch andere Helden in den Teilen eines Einzel-Franchise in Erscheinung treten zu lassen. Dazu gehört auch, dass Benedict Cumberbatch hier erneut in die Rolle von Doctor Strange schlüpfen darf, wie es in den Credits seines Films bereits angeteasert worden ist. Dabei fällt dieser Gastauftritt zwar vergleichsweise kurz aus, ist dafür aber pures Comedy-Gold eine für sich genommen durchaus denkwürdige Szene, die man noch lange im Kopf behalten wird. Und auch Idris Elba (Star Trek Beyond) als Heimdall ist selbstredend wieder mit von der Partie, wobei ich, was seine Rolle angeht, zwiegespalten bin, den einerseits bekommt er vergleichsweise wenig Screentime spendiert, wirkt andererseits aber dadurch, dass er nicht einfach nur am Bifröst Wache steht, diesmal deutlich aktiver in seinen Handlungen.

Thor 3: Tag der Entscheidung wartet aber auch mit echten Neuzugängen auf, von denen wohl die aus Auslöschung bekannte Tessa Thompson am meisten heraussticht, die hier als echte Kickass-Amazone – pardon, Walküre – in Erscheinung tritt, während Karl Urban (Dredd) als neuer Bifröst-Wächter Skurge gerade in seiner vermeintlichen Ernsthaftigkeit gehöriges komödiantisches Talent offenbart, derweil man aus seiner Figur sicherlich noch mehr hätte machen können als hier geschehen. Am prägnantesten für die Geschichte aber ist natürlich die von Cate Blanchett (Carol) verkörperte Hela, ihres Zeichens Schwester von Thor und Loki, die zurückkehrt, um Unfrieden zu stiften und den Thron Asgards an sich zu reißen. Dabei hätte man ihrer Figur durchaus noch ein wenig mehr Hintergrund und Tiefe angedeihen lassen können, doch entpuppt es sich in diesem Zusammenhang als Segen, eine derart fähige Charakterdarstellerin verpflichtet zu haben, denn mit Charisma und Präsenz weiß sie vieles von dem wettzumachen, was man in Sachen Charakterisierung versäumt. Immerhin vermag Hela, den Allvater Odin von einer bis dato ungekannten Warte zu beleuchten, was dessen Figur immerhin ein wenig mehr Tiefe verleiht, auch wenn Anthony Hopkins (Noah) in der Rolle diesmal vergleichsweise selten in Erscheinung tritt. Dafür hat er zumindest sichtlich Spaß daran, die Rolle von Loki zu übernehmen, wie der sich zu Beginn des Films als Odin ausgibt, zumal auch die von Loki/Odin inszenierte Theateraufführung eine grandiose Idee war. Die nämlich stilisiert das schwarze Schaf der Familie zum Helden hoch und könnte plakativer kaum ausfallen, derweil die Gastauftritte als Theaterdarsteller von Matt Damon (Loki), Luke Hemsworth (Thor) und Sam Neill (Odin) ein großartiges Element innerhalb des großen Ganze darstellen und ein herrlich selbstreferenzielles Element bilden, das schlichtweg gehörig Spaß macht.

Szenenbild aus Thor 3: Tag der Entscheidung | © Walt Disney
© Walt Disney

Fernab dessen präsentiert sich Thor 3: Tag der Entscheidung als abwechslungsreich-umtriebige Abenteuerreise, die vielerorts sehr in Richtung Buddy-Komödie ausschlägt, wobei man es hier einerseits mit dem (zickigen) Duo Thor und Loki sowie später Thor und Hulk zu tun bekommt. Diesbezüglich ist der von Taika Waititi inszenierte Film aber tatsächlich nicht reinrassige Komödie (auch wenn er verdammt witzig ist!), sondern lässt insbesondere den erneut von Chris Hemsworth (The Huntsman & the Ice Queen) verkörperten Thor eine spürbare Entwicklung durchmachen, was sich nicht nur auf die angepasste Optik des Göttersohnes erstreckt, sondern eben auch seinen Charakter, zumal er zwangsläufig in eine neue, ungewohnte Rolle hineinwachsen muss. Nichtsdestotrotz hat Hemsworth sichtlich und merklich Spaß daran, die Comedy- und Slapstick-Möglichkeiten seiner Figur auszuloten, die mir in dieser oft leichtfüßig-unbescholtenen Art noch nie so sympathisch gewesen ist wie hier, denn weder der verantwortungslose Draufgänger noch der bierernste Weltenretter – beides Facetten, die Thor schon hat zeigen können – wussten mich so abzuholen wie hier der Mann, der trotz seines Faibles für dumme Sprüche und ironische Brechung auf dem besten Wege ist, ein ernstzunehmender Held zu werden.

Loki derweil – wie immer großartig verkörpert von Tom Hiddleston (High-Rise), wird hier zwar zeitweise zum Sidekick degradiert, macht in dieser Rolle aber auch wieder eine ausgesprochen gute Figur, zumal er, wenn auch in The Avengers noch als eiskalter Killer in Erscheinung getreten, nie der unumwunden bösartige Antagonist gewesen ist, sondern schlicht und ergreifend eine durch und durch opportune Gestalt, die stets und zuvorderst auf den eigenen Vorteil schielt und diesen Aspekt haben Waititi und seine Drehbuchautoren auch hier wieder schön herausgearbeitet, so dass auch hier die Hassliebe der zwei Brüder zu dem mitunter Unterhaltsamsten zählt, was der Film zu bieten hat. Und auch Mark Ruffalo (Spotlight) fügt sich wunderbar in die Szenerie, auch wenn er gemessen am Hulk-Anteil der Story diesmal weniger zu tun hat – dafür erstmals aber den grünen Riesen selbst spricht –, während die Aufklärung über den Verbleib von Banner/Hulk eine schöne Brücke zu Age of Ultron schlägt. Die finalen Szenen des Films derweil künden bereits von den nahenden Ereignissen, die dann alsbald im Rahmen von Infinity War thematisiert werden.

Szenenbild aus Thor 3: Tag der Entscheidung | © Walt Disney
© Walt Disney

Gerade vor diesem Hintergrund scheint es übrigens gut und sinnvoll, dass Thor 3: Tag der Entscheidung leichtfüßiger und lustiger daherkommt als ursprünglich erwartet, denn es ist nicht davon auszugehen, dass die Auseinandersetzung mit Thanos ähnlich "spaßig" sein wird. Im Übrigen steht Waititis Film mit dieser Ausrichtung ganz in der Tradition der bisher wenigen Vertreter des "Marvel Cosmis Universe" und das scheint eben noch eine ganze Spur exzentrischer, spleeniger und abgehobener zu sein als die Geschichten auf der Erde und insofern übertrumpft auch der wunderbare Jeff Goldblum (Grand Budapest Hotel) als sogenannter Grandmaster den seinerzeit von Benicio Del Toro verkörperten Collector um Längen, zumal es ihm mit dieser exaltierten Rolle gar gelingt, selbst dem komödiantisch bestens aufgestellten Hemsworth so einige Szenen zu stehlen. Wie gesagt, diese Art und Ausrichtung mag nicht jedermanns Sache sein, doch meinen persönlichen Geschmack hat der Film auf alle Fälle exakt getroffen und wird sicher noch einige Male im heimischen Player landen.

Fazit & Wertung:

Der von Taika Waititi inszenierte Thor 3: Tag der Entscheidung präsentiert sich als über die Maßen beschwingtes, witziges und bestens aufgelegtes Science-Fiction-Abenteuer voller alter Bekannter und neuer Begegnungen, punktet mit einem Übermaß an Einfällen und Exzentrik, weiß gleichsam aber auch dramaturgisch zu überzeugen und rüttelt den Status Quo des MCU durchaus gehörig durch. Mag der offensive Humor nebst zuhauf vorkommender ironischer Brechung auch nicht jedem gefallen, kann ich persönlich nur eine klare Empfehlung aussprechen.

9 von 10 Reisen durch den Bifröst

Thor 3: Tag der Entscheidung

  • Reisen durch den Bifröst - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Der von Taika Waititi inszenierte Thor 3: Tag der Entscheidung präsentiert sich als über die Maßen beschwingtes, witziges und bestens aufgelegtes Science-Fiction-Abenteuer voller alter Bekannter und neuer Begegnungen, punktet mit einem Übermaß an Einfällen und Exzentrik, weiß gleichsam aber auch dramaturgisch zu überzeugen und rüttelt den Status Quo des MCU durchaus gehörig durch. Mag der offensive Humor nebst zuhauf vorkommender ironischer Brechung auch nicht jedem gefallen, kann ich persönlich nur eine klare Empfehlung aussprechen.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Thor 3: Tag der Entscheidung ist am 15.03.18 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:


Kommentare (3)

  1. Ralf 20. April 2018
    • Wulf Bengsch 22. April 2018
      • Ralf 22. April 2018

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