Review: Unicorn Store (Film)

Dann eröffne ich die Woche mal mit meinen Gedanken zum Regie-Debüt von Brie Larson, das mir doch ausnehmend gut gefallen hat, mit seiner träumerisch-verspielten Ausgestaltung aber auch speziell ein Publikum ansprechen dürfte, das sich –ähnlich wie die Hauptfigur – das innere Kind bewahrt hat.

Unicorn Store

Unicorn Store, USA 2017, 92 Min.

Unicorn Store | © Netflix
© Netflix

Regisseurin:
Brie Larson
Autorin:
Samantha McIntyre

Main-Cast:

Brie Larson (Kit)
Samuel L. Jackson (The Salesman)
Joan Cusack (Gladys)
Bradley Whitford (Gene)
Mamoudou Athie (Virgil)
Hamish Linklater (Gary)
Martha MacIsaac (Sabrina)
Karan Soni (Kevin)
Annaleigh Ashford (Crystal)
Ryan Hansen (Brock)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Unicorn Store | © Netflix
© Netflix

Kit weigert sich seit Jahren beharrlich, erwachsen zu werden und scheint in ihrem Kunststudium die Berufung gefunden zu haben, die es ihr ermöglicht, ihre oft quietschbunten und vor Glitzer triefenden Ideen in die Tat umzusetzen. Das sehen ihre Lehrer allerdings ganz anders und prompt fliegt Kit von der Kunsthochschule, um unmittelbar darauf im Haus ihrer Eltern zu landen, wie so fortan richtungs- und antriebslos vor sich hinvegetiert. Das sehen Gene und Gladys allerdings gar nicht gern und ermuntern ihre Tochter nach Kräften, etwas aus ihrem Leben zu machen. Die meldet sich widerwillig bei einer Zeitarbeitsfirma und nimmt ebenso widerstrebend einen Bürojob bei einer Werbeagentur an. Weitaus interessanter ist es für sie, als sie eine merkwürdige Karte erhält, die sie in den sogenannten "Store" lockt, wo ein nicht minder quirliger Verkäufer ihr eröffnet, dass er ihr ein waschechtes Einhorn besorgen würde, wenn sie beweisen könne, gut für das Tier sorgen zu können. Fasziniert und begeistert begibt sich Kit daran, für das Fabelwesen einen Stall zu errichten, Heu zu kaufen und die Beziehung zu ihren Eltern zu kitten, denn Einhörner sind bekanntlich ganz besonders harmoniebedürftige Tiere. Ob das allerdings alles ausreicht, damit Kit alsbald ihr persönliches Einhorn in Empfang nehmen kann, wird sich erst noch zeigen müssen, zumal ihr neuer Freund Virgil weit eher eine ausgeklügelte Betrugsmasche wittert als einen wahrhaft verzauberten Laden…

Rezension:

Bereits seit der ersten Ankündigung hatte ich mich bereits sehr auf Unicorn Store gefreut und das nicht nur, weil die wunderbare Brie Larson hier in Personalunion als Hauptdarstellerin und (Debüt-)Regisseurin in Erscheinung tritt, auch wenn das durchaus seinen Teil dazu beigesteuert haben mag, dass ich dem Erscheinen dieser fantastisch angehauchten Coming-of-Age-Perle bei Netflix mehr oder minder ausgeprägt entgegengefiebert habe. Und der Zeitpunkt ist zweifelsohne äußerst günstig, dieses bereits 2017 entstandene Werk nun auf die hiesige Streaming-Plattform zu bringen, nachdem nicht nur Brie Larson aufgrund von Captain Marvel ohnehin in aller Munde ist, derweil zudem auch noch Samuel L. Jackson an dem Projekt beteiligt gewesen ist, der sich also ebenfalls hier wie dort die Leinwand mit Larson teilt. Seine Rolle allerdings – darüber sollte man sich keine Illusionen machen – ist hier ausgesucht klein und umfasst in Summe nur wenige Leinwandminuten, zumal seine Figur des namenlosen Verkäufers nebst "Store" an sich und nicht zuletzt dem in Aussicht gestellten Einhorn im Grunde ein großes Bündel MacGuffins darstellt, die allesamt nur dazu dienen, Hauptfigur Kit zum Handeln zu bewegen.

Szenenbild aus Unicorn Store | © Netflix
© Netflix

Darin liegt im Übrigen aber auch eine der größten Stärken von Unicorn Store wie gleichsam auch das größte Handicap begründet, denn wer schon eine gute Handvoll Coming-of-Age-Filme gesehen hat, wird ziemlich genau erahnen können, was ihn hier erwartet (zumindest ging es mir so). So verläuft das Regie-Debüt von Larson in vergleichsweise geordneten Bahnen, was man bei der Prämisse und der träumerischen Hauptfigur nicht unbedingt erwarten würde, doch werden hier pflichtschuldig all die Stationen auf der Suche nach dem eigenen Selbst und Weg abgeklappert, bevor das große Rätsel gelöst wird, ob Kit am Ende ihrer Reise wahrhaftig ein echtes Einhorn erwartet, oder ob der deutlich mehr in der Realität verhaftete Vergil am Ende Recht behalten soll, dass es sich um einen ausgemachten Schwindel handelt. Kurz wird gar angedeutet, Kit könne womöglich psychisch aus dem Gleichgewicht geraten sein, doch wird dieser Weg zum Glück nicht weiter verfolgt, denn dann würden wir uns recht schnell in allzu tragischen Fahrwassern wiederfinden, was der Film weder will noch soll, denn damit würde er sich selbst des kindlichen Zaubers berauben, mit dem er all jene, die dies mögen, sicherlich verzaubern können wird.

Dabei merkt man allen Beteiligten ihre unbedingte Spielfreude jederzeit an und logischerweise geht insbesondere Brie Larson (Schloss aus Glas) erhobenen Hauptes voraus, derweil Samuel L. Jackson (Killer’s Bodyguard) nicht weniger Freude an seinem "Salesman" gehabt haben dürfte. Ein regelrechter Knaller und an Spleenigkeit kaum zu überbieten sind allerdings Bradley Whitford (I Saw the Light) und Joan Cusack (Shameless) als Kits Eltern Gene und Gladys, die ganz unzweifelhaft nur das Beste für ihre Tochter wollen, aber eben auch merklich in einer gänzlich anderen Realität ihr Dasein fristen. Das sorgt natürlich für einiges an Reibereien, wobei der dramatische Part in Unicorn Store auffallend selten überwiegt. Dabei dienen die weiteren Figuren – die oft und gerne grenzwertig karikaturesk geraten sind – aber ohnehin nur der inszenatorischen Brechung an Quer- wie Kindskopf Kit, womit es sich zwar um eine ziemlich One-Woman-Show handeln mag, aber eben auch um eine sehr überzeugende.

Szenenbild aus Unicorn Store | © Netflix
© Netflix

So holt Unicorn Store im Rahmen seiner Möglichkeiten alles aus dem Thema und Setting heraus, stößt dabei aber eben auch an Grenzen, denn so unterhaltsam es sein mag, Kit auf ihrem Selbstfindungstrip zu begleiten und ihre glänzenden Augen zu beobachten, wenn sie von ihrem Einhorn zu schwärmen beginnt, hält der Plot eben auch wenige echte Überraschungen parat, weshalb es nur zu begrüßen ist, dass die Story in gerade einmal neunzig Minuten abgehandelt wird, denn jedwede weitere Szene und Wendung hätte die nette kleine Geschichte nur über Gebühr in die Länge gezogen. Mir persönlich hat der Film ausnehmend gut gefallen, gar keine Frage und insbesondere an Feel-Good-Film mit leicht komödiantischem Anteil ist es eine besonders schöne und gelungene Form des Eskapismus mit reichlich Herz geworden, doch gerade die fehlenden Ecken und Kanten verwehren es dem Regie-Debüt von Larson auch, zu einem echten Indie-Highlight zu avancieren. Ignorieren sollte man den Film aber dennoch nicht, denn das wäre viel zu schade.

Fazit & Wertung:

Brie Larson überzeugt in ihrem Regie-Debüt Unicorn Store sowohl vor als auch hinter der Kamera, wobei sie genau das richtige Maß an kindlicher Unschuld und Naivität transportiert, um den offensiv proklamierten Einhorn-Zauber über die gesamte Laufzeit aufrechtzuerhalten, ganz unabhängig davon, ob auf Hauptfigur Kit am Ende wirklich eines der Fabelwesen wartet. Die liebe- wie gefühlvolle Inszenierung und das engagierte Ensemble tun hierbei ihr Übriges, doch krankt der Film im Umkehrschluss eben auch ein wenig an seinem zuckrigen Thema, denn so unterhaltsam der Reigen auch geraten sein mag, ist er in vielerlei Hinsicht auch auffallend vorhersehbar.

7,5 von 10 farbenfrohen Kunstwerken

Unicorn Store

  • Farbenfrohe Kunstwerke - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Brie Larson überzeugt in ihrem Regie-Debüt Unicorn Store sowohl vor als auch hinter der Kamera, wobei sie genau das richtige Maß an kindlicher Unschuld und Naivität transportiert, um den offensiv proklamierten Einhorn-Zauber über die gesamte Laufzeit aufrechtzuerhalten, ganz unabhängig davon, ob auf Hauptfigur Kit am Ende wirklich eines der Fabelwesen wartet. Die liebe- wie gefühlvolle Inszenierung und das engagierte Ensemble tun hierbei ihr Übriges, doch krankt der Film im Umkehrschluss eben auch ein wenig an seinem zuckrigen Thema, denn so unterhaltsam der Reigen auch geraten sein mag, ist er in vielerlei Hinsicht auch auffallend vorhersehbar.

7.5/10
Leser-Wertung 5/10 (3 Stimmen)
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Unicorn Store ist seit dem 05.04.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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