Review: Ghost Stories (Film)

Schon wird es wieder Zeit für die erste Film-Kritik dieser Woche und da habe ich diesmal – meines Erachtens – ein richtiges Kleinod erwischt, das mich ziemlich begeistert hat, nachdem ich kaum wusste, was mich erwartet.

Ghost Stories

Ghost Stories, UK 2017, 98 Min.

Ghost Stories | © Concorde
© Concorde

Regisseure:
Jeremy Dyson
Andy Nyman
Autoren:
Jeremy Dyson (Drehbuch & Theaterstück)
Andy Nyman (Drehbuch & Theaterstück)

Main-Cast:
Andy Nyman (Professor Goodman)
Paul Whitehouse (Tony Matthews)
Alex Lawther (Simon Rifkind)
Martin Freeman (Mike Priddle)

Genre:
Drama | Mystery | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Ghost Stories | © Concorde
© Concorde

Professor Goodman ist erklärter Rationalist und hält alles Übernatürliche und Außerweltliche für bloße Spinnerei, weshalb er sich darauf verlegt hat, Scharlatane und vermeintlich paranormale Erscheinungen zu entlarven, ganz so wie es in den 70ern auch schon sein großes Vorbild Charles Cameron getan hat, bis er selbst unter mysteriösen Umständen verschwand. Ausgerechnet dieser Cameron nimmt nun allerdings Kontakt zu Goodman auf und lädt ihn ein, sich drei ganz speziellen Fällen zu widmen, die Cameron nie hat aufklären können. Goodman macht sich auf, die Betroffenen ausfindig zu machen und lässt sich zunächst von Nachtwächter Tony Matthews die wohl schrecklichste Nacht seines Lebens schildern. Schon beim Besuch des jungen Simon Rifkind allerdings, der eine alptraumhafte Nacht allein im Wald hat durchleben müssen, sieht auch Goodman immer öfter Dinge, die dort nicht sein dürften, was sich fortsetzt, als er den Geschäftsmann Mike Priddle dazu befragt, was sich in der einen schicksalsträchtigen Nacht in seiner abgeschiedenen Villa zugetragen hat…

Rezension:

Ich bin enorm froh, beinahe gänzlich unvorbelastet an Ghost Stories herangegangen zu sein, was einerseits heißt, dass ich kaum mehr wusste, als dass es sich um eine Art Anthologie aus Horrorgeschichten handeln würde und andererseits auch, dass mir nicht einmal klar gewesen ist, dass es sich um die Adaption eines gleichnamigen Theaterstücks von 2010 handelt. Dieser zweite Punkt hätte der Freude bei der Sichtung allerdings auch keinen Abbruch getan, sondern ist nur dahingehend immens interessant, dass Jeremy Dyson und Andy Nyman in Personalunion für das Theaterstück verantwortlich gezeichnet, das Drehbuch zum Film verfasst und bei selbigem auch noch gemeinsam Regie geführt haben, derweil Nyman zudem noch in die Rolle der Hauptfigur Professor Goodman schlüpft, der als Bindeglied zwischen den drei Storys fungiert, die er auf Geheiß des gealterten Charles Cameron unter die Lupe nehmen soll. Dabei bedient sich der Film in seinen drei Storys enorm klassischer Motive, doch wer jetzt meinen würde, die Geschichten würden dadurch ausgelutscht oder vorhersehbar wirken, der irrt sich zum Glück gewaltig.

Szenenbild aus Ghost Stories | © Concorde
© Concorde

Nun bin ich ja nicht unbedingt hartgesottener und mit allen Wassern gewaschener Horrorfilm-Fan, der alles und jedes aus dem Genre kennt, wage aber dennoch zu behaupten, dass der Film für genannte Personengruppenvertreter dann doch etwas handzahm wirken dürfte, denn auch wenn die Jumpscares funktionieren und die Atmosphäre herrlich schön schaurig ist, bewegt sich das Ganze dann doch irgendwo noch immer in gemäßigten Bahnen, zumal man durch den Umstand, dass Goodman sich die Geschichten von den Betroffenen erzählen lässt, eben darum weiß, dass diese logischerweise überlebt haben müssen, was die Wirkung natürlich ebenfalls ein wenig abschwächt. Was den Storys selbst aber an Grusel oder Innovationswille fehlen mag, wird allein durch die Inszenierung und das Setting zu großen Teilen wettgemacht, denn Ghost Stories folgt zunächst einem halb-dokumentarischen Stil, unterteilt sich in Kapitel beziehungsweise Fälle und führt spürbar mit jedem neuen Akt tiefer in den Kaninchenbau, was auch immer das für Goodman selbst bedeuten mag.

Der, also Goodman, ist natürlich Feuer und Flamme, sich den Fällen zu widmen, die schon Cameron vor Rätsel gestellt haben, wobei mir hier ein wenig der Ansatz gefehlt hat, Licht ins dunkel bringen zu wollen, denn zunächst erschöpft es sich im Grunde damit, dass er sich die jeweiligen Ereignisse schildern lässt. Den Anfang macht hierbei Nachtwächter Tony Matthews (Paul Whitehouse), gefolgt von dem Teenager Simon Rifkind, dem der aus The End of the F***ing World bekannte Alex Lather Gesicht und Stimme leiht, bevor sich Goodman schlussendlich dem Geschäftsmann Mike Priddle (Martin Freeman, Cargo) widmet. Der Cast ist dabei also genauso überschaubar wie ausgesucht, zumal insbesondere Freeman ja durchaus mittlerweile als Zugpferd für das Prestige eines Films zu fungieren vermag. Ohne wirklich etwas – oder gar zu viel – verraten zu wollen, sei nur gesagt, dass schlussendlich die einzelnen Geschichten doch weit mehr miteinander zu tun haben, als es anfänglich scheint, während sich Ghost Stories in seinem letzten Drittel in eine gänzlich andere wie unerwartete Richtung zu entwickeln vermag, die mich schwer begeistert hat, gleichwohl ich zumindest einen kleinen Kniff (kontextloses Stichwort Demaskierung) sehr früh vorausgeahnt habe.

Szenenbild aus Ghost Stories | © Concorde
© Concorde

So würde ich Ghost Stories vielleicht auch gar nicht als lupenreinen Horrorfilm verorten wollen, auch wenn der Titel natürlich Bände spricht, sondern vielleicht eher als Mystery-Thriller oder -Drama bezeichnen, wobei es ihm gerade so gut zu Gesicht steht, dass er sich eben nicht in eine Schublade pressen lässt und vor allem eben mitnichten einfach nur drei beliebige Gruselgeschichten aneinanderreiht. Akzeptanz und Begeisterung für den Film stehen und fallen aber hier mehr denn je mit den finalen Ereignissen und Offenbarungen, weshalb es durchaus sein mag, dass jemand mit vermutetem ähnlichen Filmgeschmack dem Film im Gegensatz zu mir nichts abgewinnen mag, doch ich für meinen Teil war schwer begeistert von der eingeschlagenen Richtung und deren Inszenierung, zumal es im Nachgang einiges gibt, was zu einer gefälligen Zweitsichtung einlädt, auf die ich mich tatsächlich schon sehr freue.

Fazit & Wertung:

Es fällt schwer, über Ghost Stories zu schreiben, ohne etwas vorwegzunehmen, weshalb ich mich darauf beschränke zu sagen, dass sich hier weit mehr und weit andersartigeres verbirgt, als man das vermuten würde. Entsprechend tut man gut daran, sich hier nicht nur einfach einen Gruselfilm nach Schema F zu erwarten, sondern offen zu sein für die Richtung, die das auf dem gleichnamigen Theaterstück der Regisseure und Autoren Jeremy Dyson und Andy Nyman basierende Werk einschlägt.

8 von 10 verstörenden Erscheinungen

Ghost Stories

  • Verstörende Erscheinungen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Es fällt schwer, über Ghost Stories zu schreiben, ohne etwas vorwegzunehmen, weshalb ich mich darauf beschränke zu sagen, dass sich hier weit mehr und weit andersartigeres verbirgt, als man das vermuten würde. Entsprechend tut man gut daran, sich hier nicht nur einfach einen Gruselfilm nach Schema F zu erwarten, sondern offen zu sein für die Richtung, die das auf dem gleichnamigen Theaterstück der Regisseure und Autoren Jeremy Dyson und Andy Nyman basierende Werk einschlägt.

8.0/10
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Ghost Stories ist am 06.09.18 auf DVD und Blu-ray bei Concorde erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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